Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-10-01 · 10 (Octubre, 1963) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
10 (Octubre, 1963)
Date
1963-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8553624-8558686-9194543--4006-8558968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

6 BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1963 AUS EINER KOL NIDRE ANSPRACHE EIN BLITZBESUCH... (Fortsetzung von Seite 1) Von Jom Kippur, Oktober 1913, hat in einer kleinen Synagoge in Berlin an der Potsdamer Bruecke ein historischer Augenblick stattgefunden. Die durch die Jahrhunderte geheiligte Rechtsformel, die am Anfang des Jom Kippur- Gottesdienstes steht, war verklungen. Eine fromme Gemeinde hatte sich in dieser Betstube versammelt. Nur in der letzten Reihe stand ein Student, der sich fremd zu fuehlen schien. Er gehoerte zu den ''Awarjanim" zu den Verirrten, von denen in dieser Rechtsformel die Rede war. Zuhaus in Kassel lag ein Brief an seinen Vetter und Freund, mit dem er Naechte lang ueber Judentum und Christentum disputiert hatte. Der Schluss dieses Briefes lautete: “Du hast mich ueberzeugt. Ich folge Deinem Beispiel und werde mich taufen lassen. Er hatte Kunst und Wissenschaft studiert. Juedlsches Wissen und Wesen war ihm fremd geblieben. Er entstammte einer der vornehmsten juedischen Familien Deutschlands. Aber viele ihrer begabten Soehne hatten dem Judentum den Ruecken gekehrt. Warum war dieser Student hier? Wollte er noch einmal seine Entscheidung ueberpruefen? Er hatte beschlossen, diesen Weg aus dem Judentum heraus nicht als Heide, sondern als Jude zu gehen. Da hoerte er einen jungen Rabbiner ueber die soeben gehoerte Rechtsformel sprechen: "Himmlische und irdische Richter werden herbeigerufen, um die Entscheidung zu rechtfertigen, die den Awarjim —den Verirrten— gilt. Awarjim sind nicht die Suender gegen die Zehn Gebote, es sind die Suender wider das Judentum, die aus dem Irrgarten der Welt nicht mehr auf den juedischen Weg heimfinden”. Dieser junge Mann hat spaeter niemals erzaehlt, was an diesem Jom Kippur in ihm vorgegangen ist, den er bis zum letzten Schofarton in der Betstube an der Potsdamer Bruecke erlebte. Nur so viel wissen wir von einer Frau, die ihn kannte, von Frau Bertha Badt—Strauss, dass er kurze Zeit danach an seinen Freund und Vetter einen Brief schrieb, der mit den Worten begann: “Du wirst enttaeus'cht sein, aber ich kann es nicht aendern. Nach allem habe ich mich entschlossen, Jude zu bleiben”. Tage spaeter sprach er zu seine Freunden: “Wollen wir nicht gemeinsam die liebraeischen Propheten lesen?”. Damit begann dieser junge Student einen Weg, der bestimmt war, ein ganzes Geschlecht junger Juden zu beeinflussen. Er wurde der Baal Teschuwa, der Umkeh- Röbbiner Egon Loewenstein rer, unserer Zeit, der heute beginnt, die Juedische Gedankenwelt auch in Israel und in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Er wurde der Begruender des Freien Lehrhauses in Frankfurt am Main und gemeinsam mit seinem grossen Freund, der üebersetzer unserer Buches der Buecher in die deutsche Sprache. Wer war dieser junge Student?: Franz Rosenzweig. Niemand weiss, was in diesem Tage in ihm vorgegangen ist. Sein Freund und unser grosser Lehrer Leo Baeck hat spaeter versucht, das Erlebnis dieses Tages in Franz Rosenzweig zu deuten: In unserem Leben sind Jahre und Jahrzehnte, die 30,60 70 und 80 Jahre zu deuten. Aber in unserem Leben sind auch die Jahrhunderte und die Jahrtausende. Sie ringen und kaempfen in uns, sie formen uns. Sie werden zurueckgedraengt und brechen wieder durch, das hat die neue Psychologie gelehrt. Im Juden kaempfen und ringen mehr als drei Jahrtausende. Viele ahnen es, andere wissen es nicht. Vom 19. und beginnenden 20. Jahrhundert kann man sagen: Das Jahrhundert hat die Jahrtausende verdraengt, hat sie zurueckdraengen wollen. Und wenn Menschen das versuchen kommt in ihre Seele Unruhe, Schwanken und Unsicherheit. Das beobachten wir trotz alles aeusseren Sicherheitsstrebens. Eine Zeitlang kann der Mensch die Jahrtausende zurueckdraengen. Der Tag kann dann mehr bedeuten als die vielen Jahrtausende. Das haben wir Juden in Deutschland erlebt. Die einen wissend, die anderen i m Unterbewusstsein. Aber eines Tages brechen die Jahrtausende durch. Sie finden ihren Weg, ihren Ausgang. Das geschah in Franz Rosenzweig in dieser Jom Kippur-Nacht im Jahre 1913, vor 50 Jahren. Von da ab kannte er nur einen grossen Inhalt seines Lebens bis zum 10. Dezember 1929, dem Tag, der ihn von schwerer Krankheit erloeste; juedisches Erbe, juedische Gegenwart juedische Zukunft. Um diese Jahrtausende geht es, meine Freunde, am Jom Kippur in der Nacht und am Tag. Sie wollen durchbrechen. Sie suchen ihren Weg. wir sollen wissen, dass das Maas des Lebens eines Juden nicht der Tag mit seinen Beduerfnissen ist, nicht das Jahr mit seinen Enttaeuschungen und Erwartungen, nicht einmal unser Leben mit seinem Versagen und Erfuellen. Das Mass sind die Jahrtausende Israels mit ihrer Frage: “Was bleibt von Deinem Leben?”. MARTIN MICHEL Y CIA. ITDA. Instalaciones Sanitarias gratulieren herzlichst zum Neuen Jahr Agustinas 814 — Oficina 314 — Telefon 31435 I nachmittag hatte ich auch Gelegenheit, das Altersheim zu besuchen und freute mich mit vielen der Insassen ueber das Wiedersehen. Man spuert die Liebe, mit der sie von den Heimleitern umgeben werden. Einen besonderen Namen hat die Gemeinde Cochabamba sich durch eine Hilfsaktion erworben, die sie in den letzten Monaten angefuehrt hat. In einer Provinz Boliviens ist eine Seuche ausgebrochen, deren Ursprung noch nicht geklaert ist. Herr Roger Forté begab sich selbst mit Medikamenten, Betten und Geld in diese gefaehrdete Provinz. Mit dieser Aktion gab die Gemeinde ein Beispiel, dem sich spaeter Rotary und andere Institutionen ansehlossen und das in der bolivianischen Presse ruehmend hervorgehoben wurde. Rueckblickend darf ich sagen, dass dort —abseits von der offiziellen Reiseroute— ein Jischuw lebt, der nicht nur dann aktiv wird, wenn ihn ein Schaliach besucht. Er verdient staerkere Unterstützung. Mit Recht wird, wenn auf Kongressen der Centra von Kleingemeinden gesprochen wird, oft an Cochabamba gedacht. ASUNCION Ich kam nach Asunción ohne eine klare Vorstellung von Paraguay und seiner juedischen Gemeinde. Freunde, die dort lebten, hatten mir viel erzaehlt. Aber offensichtlich hat sich' auch dieses Land -wie viele der Laender dieses Kontinents— in den letzten Jahren sehr schnell entwickelt. So war ich angenehm ueberrascht, als ich fliessendes Wasser und gute Chausseen vorfand. Auch hier wurde ich von den Vertretern der Gemeinde mit freundsahaftlicher Herzlichkeit empfangen und durch alle Institutionen des Jischuw hindurchgefuehrt. Der Praesident der ‘ ‘Unión Israelita pro Socorro mutuo”, Herr Segismundo Kurz, war mir ein hewaehrter Fuehrer. Am Tage meiner Ankunft lernte ich in einer Vorstandssitzung die Probleme der Kolleküvitaet kennen. Auch hier vernahm ich das alte Lied. Es fehlt an Jugendfuehrern und an berufenen Menschen, die der Jugend die Werte und Tradition des Judentums nahebringen. Man setzt alle Hoffnung auf das Rabbinerseminar von Rabbi Marshall Meyer in Buenos Aires und erwartet, dass auch fuer die Gemeinde aus diesem Seminar ein geistiger Fuehrer hervorgehen wird. Ein Jugendlicher aus Paraguay bereitet sich gegenwaertig auf diesem Institut fuer diesen Beruf vor. Aber wer weiss, was aus dieser Gemeinde, beziehungsweise aus ihrer Jugend wird, bis dieser sein Studium vollendet hat. Das dauert Hoch mindestens fuenf Jahre. Ich hatte Gelegenheit, mich mit Leitern aller Sektoren des Jischuw zu treffen. Dabei hoerte ich immer wieder das gleiche Lied der Sorge um die juedische Zukunft der Jugend. Am Freitag Morgen nahm ich an einem Kabalat Schabbat der juedischen Schule teil. Sie ist eine Primarschule die von 90% aller Kinder des Jischuw bis 13 Jahre besucht wird. Sie wird von einem Absolventen des Lehrerseminars der Congregación Israelita de la República Argentina in Buenos Aires geleitet. Offensichtlich erhalten die Kinder eine gute Grundlage. Ich wurde von einem Kind in hebraeischer Sprache begruesst. Sie singen unsere traditionellen Schabbatgesaenge und moderne hebraeische Lieder. Am Schabbat abend hatte ich Gelegenheit, bei einem Oneg Schabbat etwa 100 Jugendliche dieses Jischuw kennenzulernen, die mit hebraeischen Liedern und israelischen Spielen den Eindruck einer lebendigen Jugend machen. Aber selbstverstaendlich haben auch sie ihre schweren Probleme, die ich in Unterhaltungen mit den Jugendfuehrern kennenlernte. Ohne die Unterstützung durch einen Schaliach besteht wenig Aussicht fuer einen Erfolg auf die Dauer. Die beiden Chawerot, die an unserem Jugendfuehrerseminar in Chile! teilnahmen, kehrten mit grosser Begeisterung fuer die Arbeit nach Asunción zurueck. Sie fanden jedoch soviele Probleme vor, die zu einem grossen Teil ein Reflex der inneren Schwierigkeiten der Kollektivitaet sind, dass sie trotz besten Willens kaum in der Lage sind, diese aus eigener Kraft zu loesen. Besonders wichtig ist es, fuer diese Kollektivitaet eine groessere Anzahl von Chawerim zum Machon L’Madrichei Chuz Laarez entsenden zu koennen, um gut vorbereitete Jugendliche mit den erzieherischen und organisatorischen Aufgaben beauftragen zu koennen. Eine besondere Leistung des Jischuw ist ohne Zweifel der schoen angelegte Sportplatz, auf dem kurz vorher eine Jugendorganisation ihr Ferienlager abgehalten hatte. Allerdings kann Ich mir vorstellen, dass hier Jugendarbeit in den langen Sommermonaten mit ihren oft mehr als 40 Grad Hitze, recht schwer sein muss. Eine besonders interessante ¡Begegnung wurde mir. durch Herrn Kurz ermoeglicht. Wir besuchten den Obispo Auxiliar und Vicario General von Asunción Monseñor Dr. Felipe Santiago Benitez. In einer Warschauer Ghettofeier, die vom Consejo Representativo Israelita del Paraguay veranstaltet worden war, hatte dieser Wuerdentraeger der katholischen Kirche eine sehr sympathische Rede ueber das Thema: “Was uns eint” gehalten. In diesem Geist wurden wir von ihm empfangen und behandelten viele Fragen, die von gemeinsamem Interesse sind. In den fuenf Tagen meines Aufenthaltes hatte ich Gelegenheit das religioese und kulturelle Leben dieser Gern e i n d e kennenzulernen. Noch sind die etwa 40 Familien zentraleuropaeischen Ursprungs selbstaendig organisiert. Aber es duerfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, dass sie in dem allgemeinen Jischuw mit seinen etwa 200 Familien aufgehen werden. Schon heute besteht eine weitgehende Arbeitsgemeinschaft. —oOo— Noch einmal stehen mir, waehrend ich diese Zeilen schreibe, die schoenen Tage vor Augen, die ich dank der Centra in La Paz, cochabamtoa und Asunción verbringen durfte. Dabei hoffe ich nur, dass unsere Centra und unser Rabbinerseminar sich so entwickeln werden, dass sie diesen Gemeinden und sicherlich auch noch anderen Jischuwim dieses Kontinents— die aktive Hilfe gewaehren koennen, die so dringend erwartet wird. Israel existiert nicht nur durch die grossen Zentren des juedischen Lebens. Ueber all, wo juedische Menschen leben und ein Minjan zu bilden versuchen, darf man sagen: Am Jisrael chaj - das juedische Volk lebt. Oft mag es schwer sein. Wir wollen und sollen helfen. PASAJES BARATISIMOS Vapor clase única en camarote, a Europa. E9 491 Vapor clase única a Europa, ida y vuelta. 904 Vapor clase única a Haifa. 882 Vapor primera clase a Hamburgo .. 1.275 Avión a Frankfurt, E9 1.580, ida y vuelta .. .. 2.970 Avión-Vapor a Río E9 191. ida y vuelta. 346 Avión a México E9 678, ida y vuelta. 1.277 Avión a Lima. Cuzco. Santiago. 440 Avión a Nueva York, E» 782, ida y vuelta .1 336 NO SE COBRA COMISION Agencia “COSMOS” Novberto Ebel Huérfanos 979 - Of. 210 - Sigo. - Casilla 9277 Cocktails—Banquetes Recepciones bei Hochzeiten, Geburtstagen, Barmizwahs, etc. Werner Spiegel Ir arréza vaf 1232 TeX. 460755

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.