Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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boletín informativo SEPTIEMBRE 1963 Manfred Öeor^e in Saritia&ö DER NEUE STAMMBAUM Von Rabbitrer Egon I. LoeweristeiH Dr. Manfred George, unser Ehrengast (Foto “Las Ultimas Noticias”) Im Rahmen der Jubi- 1 a e ums-Feierlichkeiten der S. C. I. “B’ne Jisroel” weilte vom 18. bis 21. August der b e k a n nte Journalist und Chefredakteur des "Aufbau” Herr Dr. Manfred George, in Santiago. Dr. George ist seit vielen Jahren eine der hervorragendsten Persoeiilichkeiten der . juedischen Zeitungsweit Und war in dieser Eigenschaft von der “Cehtra” eingeladen worden, auf einer Suedamerika-Reise eine Reihe abgeschlossener Gemeinden zu besuchen. Er traf daher nach Besuchen in Rio de Janeiro, Sao Paulo, Montevideo und Buenos Aires —wo er Gelegenheit hatte, den gewaehiten Presidenten Dr. Arturo Illia zu interviewen— hier ein, waehrend Lima und Caracas auf dem weiteren Programm standen, In den wenigen Tagen seines Aufenthalts nahm unser Gast Gelegenheit, den herzlichen Empfang, den ihm Köerperschäften und' leitende Menschen der Gemeinde bereiteten, sowohl zur Anknuepfung persoenlicher Beziehungen wie zur Kenntnisnahme der fuer diesen Teil des Kontinents charakteristischen Probleme auszunutzen. Eine ganze Reihe dieser Probleme waren fuer ihn neu, da dies seine erste Suedamerika-Reise war und er brachte immer wieder zum Ausdruck, welch grosse Bedeutung sowohl in juedischen Fragen wie in solchen allgemeiner interamerikanischer Natur der Tatsache beizumessen sei, dass jedes dieser Laender sich von seinen jeweligen Nachbarlaendern radikal unterscheide. Die gleiche Idee brachte er auch, im Zusammenhang mit den grossen weltpolitischen Zusammenhaengen, in einem Interview zum Ausdruck, das er der Mittagszeitung “Las Ultimas Noticias” gewaehrte und das diese in g a n z s eitiger Aufmachung hervorhob. Im Mittelpunkt seiner Taetigkeit in Santiago stand das grossangelegte Referat, das Dr. Manfred George am Montag, den 19. August abends im Gemeindehaus hielt, und das als einer der Hoehepunkte der anlaesslich des 25. Jubilaeums programmierten feierlichen Veranstaltungen gelten darf. Er befasste sich darin eingehend mit “Israels Chancen in der Weltpolitik” —so lautete das Thema des Abendsnicht ohne vorher dürCh Erzaehlung einiger persoenlicher Erlebnisse iri der Leitung des “Aufbau” es verstanden zu. haben, sowohl den menschlichen Kontakt zwischen Redner und Zuhoerer herzustellen, der den guten Referenten kennzeichnet, wie auch ein gewisses a priori Verstaendnis fuer seine persoenliche Perpektive in der Behandlung der zentralen Fragen geschaffen zu haben. Bei diesen ging er nun von der Voraussetzung aus, dass Israel weit— und machtpolitisch weitgehend ein abhaengiger Faktor ist und zwar vor allem von der Politik der westlichen Grossmaechte, in erster Linie der U.S.A. Er analysierte die Frage, ob eins Erneuerung der Schutz-Garantie s°itens dieser Grossmacht fuer Israel wuenschenswert sei und deutete die Politik des Presidenten Kennedy dahingehend. dass dieser sich weniger von Pakten als von einer a 11 g e meinen Entspannung der internationalen Situation. die sich segensbringend fuer alle Krisengebiete und so auch fuer den Vorderen Osten auswirken muesste, verspreche. Das moskauer Abkommen zum teilweisen Verbot der Atombombenversuche deutete er als einen ersten Schritt in dieser Richtung. Sodann analysierte er, als eine der wichtigsten Begleiterscheinungen dieser intern ationalen Entspannung, das Zunehmen des russisch-chinesischen Gegensatzes, den er in letzter Instanz als einen solchen zwischen einer bereits konsolidierten Revolution und einer Revolution im ersten Stadium, zwischen bereits Besitzenden und Nichtbesitzenden darstellte. Er behandelte die Gefahren einer wachsenden Einflussnahme des Kommunismus chinesischer Praegung auf die jungen Voelker, vor allem Afrikas, und kam in diesem Zusammenhang auf die konstruktiven Leistungen Israels im Rahmen der technischen Hilfe zurueck. Zum Schluss seiner Aus- Nach einem Wort eines juedischen Weisen soll der Jude mit zwei Wahlspruechen sein Leben gestalten. Er soll sich das Wort unseres Erzvaters Abrahams vor Augen halten: “Ich bin nur Staub und Asche”. Und er soll in dem Bewusstsein leben: “Um meinetwillen ist die Welt geschaffen worden“ Auf den ersten Blick erscheint diese Mahnung zwiespaeltig uhd widerspruchsvoll. Aber wenn ein neues Jahr beginnt, werden wir uns des Sinnes dieses Wortes bewusst, Am Jahresende . schauert wir rueckwaérts. Wir sehen wie ein Jahr Unseres Lebens nach dem anderen abrollt. Und wir .werden bescheiden. Werden uns der Fluechtigkeit alles Daseins bewusst. Aber dann schauen wir nach vorwaerts' und schoepfen neue Hoffnung. Wir blicken auf die Moeglichkeiten, die noch vor uns liegen und gehen mit neuen Plaenen und Erwartungen dem neuen Jahr entgegen. Das' sind Gedanken, die uns waehrend der Jamin No raim des Jahres 5724 erfheilen. Wir biiCken zurüeck und schauen votwaerts. Däs Jahr 5723 hat unserer Gemeinde 3 wichtige Ereignisse gebracht, die nunmehr der Vergangenheit angéhoeren. Die Tage des Kongresses der Centra waren eine Demonstration juedischen Aufbauwillens. Die 2 Wochen des Jugendfuehrer-Seminars in Melocotón bereiteten eine neue Generation von Jugendlichen fuer ihre verantwortungsvol len Aufgaben vor. Die Stun den der Feier und des Festes aus Anlass des 25 jaehrigei. Jubilaeums unserer Gemein de brachten Dank, Erinnerung und Selbstpruefung. Jetzt stehen wir wieder vor dem Beginn eines neuen Jahres und duerfen versuchen, uns darueber klar zu werden, was wir in der Vergangenheit geleistet haben und welche Aufgaben fuer die Zukunft uns auferlegt sind. Die Geschichte unserer Gemeinde, wie aller Gemeinden dieses Kontinents, beginnt aehnlieh wie in einer chassidischen Erzaehlung berichtet wird. Als Rabbi Baer von Mesritsch fuenf Jahre alt war, brach im Haus’ seines Vaters ein Brand aus. Wie er nun fuehrungen beruehrte der Redner des Abends Aspekte der geistigen Problematik des Judentums, unter besonderer Beruecksichtigung der Verschiedenheiten, die sich auf diesem Gebiet zwischen Israel und der Diapora ergeben koennen. Langanhaltender Applaus dankte dem Redner des Abends, dem es (gelungen war, seine zahlreichen dankbaren Zuhoerer auf interessanteste Weise zum Nachdenken anzuregen. Ein Gleiches brachte auch Herr Dr. Hans Reich zum Ausdruck, der in einigen herzlichen Worten sowohl dem Gaste wie der ‘Centra”, die ihn anlaesslich des Jubilaeums nach Santiago entsandt hatte, den Dank der Gemeinde zum Ausdruck brachte. seine Mutter jammern hoerte„ fragte er sie: “Mutter, muessen wir uns denn so graemen, weil wir ein Haus verlieren?" “ Nicht um unser Haus klage ich”, sagte sie, “sondern um unseren Stamm bäum, der verbrannt ist. Er faengt mit Rabbi Jochanan, dem Sandalenmacher, dem Meister des Talmuds, an“, “Nun, was macht das aus”, rief der Knabe, “ich will Dir einen neuen Stammbäum schreiben der mit mir anfäengt’’. Als wir begannen, verbrann te im tragischsten Sinne des Wortes der Stammbaum eines, stolzen Zweiges des juedischen Volkes. Wir haben äuf diesem Kontinent, begonnen einen neuen Stammbaum zu schreiben. Es ist kaum anzuzweifeln, dass wir auf die Periode des Aufbaus stolz sein koennen Wir haben uns in den vergangenen Jahren ehrlich bemueht, das was uns' unsere Eltern und Lehrer gelehrt, in diese ineue Welt zu verpflanzen. Neue Gemeinden und Institutionen wurden geschaf fen, einer inzwischen herangewachsenen Jugend’ wurde der Weg gebahnt. Juedische Phiiantropie hat sich auch in unserer Mitte bewaehrt. Aus der Ferne haben wir mit unserer Medinath Israel gelebt. Wenn wir rueckwaerts schauen, duerfen wir vielleicht sagen: Unsere Generation hat nicht versagt. Wir haben das erste Kapitel eines neuen Stammbaums geschrieben. Trotz aller Sorgen um das taegliche Brot haben wir Zeit und Kraft gefunden, um wieder zu beginnen. Aber wir wollen in diesen Tagen der Jamim Noraim nicht nur in die Vergangenheit schauen, wir blicken auch in die Zukunft. Und wir beobachten Erscheinungen, die uns mit Sorgen erfuellen. Juedisches Leben verliert auf diesem Kontinent weitgehendst seine Individualitaet. Der spezifische Charakter juedischen Familienlebens schwindet mehr und mehr. Das juedische Individuum geht allmaehlich im Kollektiv auf. Die Zugehoerigkeit zu einer juedischen Organisation wird zum Ersatz juedischen Lebensstils. Es genuegt, Mitglied einer Gemeinde zu sein. Der Sportplatz kann an die Stelle juedischer Erziehung treten. Es waechst eine Jugend ohne juedische Gedanken heran. Wir bauen Haeuser ohne juedische Buecher. Wir lesen Buecher ohne juedischen Inhalt. Wir erziehen eine Jugend ohne Thora. Sie weiss noch kaum zwischen Schabbat und Werktag zu unterscheiden, zwischen Erhabenem und Sensationellem. Bauen wir nicht juedische Gemeinden ohne juedische Haeuser? Darueber sollten wir in diesen Jamin Noraim nachdenken. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass1 es uns wiedem Kikajon geht, jenen Gewaechs, von dem uns der Prophet Jona am Jom Kippur Nachmittag erzaehlit der ueber Nacht entsteht und auch ueber Nachtwieder vergeht. Wir schreiben einen neuen Stammbaum, der mit uns anfaengt. Aber wir muessen uns bewusst sein, dass wir n i cht etwas vollkommen Neues schaffen koennen und duerfen. Juedisches Leben soll auch auf diesem Kontinent die gross'e Tradition Israels fortsetzen. Nur wird der Stammbaum in der Sprache unserer Zeit geschrieben. Er wird nicht nur von (Gemeindeoi und Institutionen fortgesetzt, sondern auch ln unseren Familien und im juedischen Menschen Israel ist nur dann unzerstoerbar, wenn es seine Individualitaet nicht verliert. Sonst wird es zu einem inhaltslosen Phantom. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Blicken wir zurueck, dann werden wir uns bewusst, dass alles vergeht. Schauen wir in die Zukunft, erkennen wir die grossen Aufgaben, die vor uns liegen. Wir werden uns der Verantwortung bewusst, die uns auferlegt worden ist, denn wir haben einen neuen Stammbaum zu schreiben. Moege dieser Stammbaum in Demut vor der Groesse unserer Vergangenheit . geschrieben werden und im Bewustsein vor der Bedeutung unserer Aufgabe. Darueber hinaus erhoffen wir fuer unsere Familien und unsere Gemeinschaft eine segensreiche Zukunft.. Fuer das' juedische Volk auf dem weiten Erdenrund, die Medinath Israel und die gesamte iMensch heit sei 5724 ein Jahr des Friedens. und des Fortschritts auf allen Wegen. Estación de Servicio "Seminario' GerardoBraunschweig Mecánica en General SEMINARIO 634 Soldadora Engrase Desabolladura TELEFONO 460057 Electricidad Afinación Pintura FOTO TIMAR Nueva York 54 - Fono 64943 Retratos Artísticos — Reproducciones y Ampliaciones de todas clases para Diarios. Imprentas — Fotografías de Propaganda para Industrias — Trabajos para Aficionado«. FOTOCOPIAS AL MINUTO