Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 8 (Agosto, 1963)
- Date
- 1963-08-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1963 13 BOLETIN INFORMATIVO ZEITUNG ZEITSPIEGEL . SIEGMUND FREUDENTHAL Praesident der "Chewra' und der Gemeinde 1938-1946 Fast eine Generation hindurch hat das “Boletín Informativo” das Leben unserer Gemeinde begleitet, als ihr Sprachrohr in den Zeiten des Anfangs, waehrend der Epoche de3 Aufbaus und in der Periode der Konsolidation. In diesem Zentraum hat die Welt um uns herum sich veraendert, wurden wir aus entwurzelten Fluechtlin gen wieder zu Buergem, konnten wir unser Leben aufbauen, 8 us ge richtet nach den drei Leitbildern, die heute unseren Weg bestimmen, die juedische Gemeinschaft, Medinath Israel und unser Land auf diesem Kontinent. Die langsame und fast unmerkliche Entwicklung einer Emigrantengemeinde zur lateinamerikanischen Comunidad die noch laengst nicht abgeschlossen ist, findet ihren Niederschlag in den Seiten unserer Zeitung, eine unausscnoepfliche Fundgrube fuer jeden, der den Wunsch hat, diesen Prozess des allmaehlichen Hinein- Wachsens in eine neue Welt, zu verfolgen. Umreissen wir einmal kur* diesen Vorgang: Vor 25 Jahren war un,;f Name: “Mitteilungsblatt der Chewra — Kultus und Bestattungsgemeinschaft”. Heute, 1963, kennt man es als “Boletín informativo de ia Sociedad Cultural israelita "B’ne Jisroel”. Diese Titel stehen fuer das, was war, und fuer das, waS Ist. Was zwischen ihnen liegt, die 25 jaehrige Entwicklung unserer Gemeinschaft, wollen wir versuchen, dem Leser an Hand der Veroeffentlichungen die in unserer Zeitschrift erschienen, soweit dies der uns zur Verfueerung Stehende Raum zulaesst, darzustellen. Von Hans Enfeel Noch war die Gemeinschaft eine relativ kleine Emigrantengruppe, die sich zusammengefunden hatte, um die altgewohnte und liebe Tradition zu wahren und fortzufu ehren. Dennoch aber zeugt eine Mitteilung des Sekretariats davon, dass der Strom der Einwanderung immer mehr anschwoll und das die “Chew ra” sich bald Aufgaben widmen musste, die weit ueber ihre ursprünglichen Ziele hinausgingen. In dieser eben erwaehnten Mitteilung werden Damen und Herren, die Zimmer abgeben wollen, aufgefordert, sich im Sekretariat einzuschreiben. Auch u m Bekanntgabe freigewordener Arbeltsplaetze wird gebeten. Dem Annoncenteil nach zu urteilen, erfreute sich \ die kleine Gruppe, die sich in der “Chewra” zusammengefunden hatte, eines relativen Wohlstandes und gewisser wirtschaftlicher Stabilitaet. Der groesste Teil der Anzeigen richtete sich an einen Kundenkreis, der kaufkraeftig sein musste: Angebote von Oberhemden nach Mass, von Pelzmaenteln und Jakken, Offerten photographischer Ateliers beherrschten da« Bild. : DIE EINWANDERUNGSWELLE DR. SIEGFRIED LANDAU Praesident unserer Gemeinde 1952—1962 CHEWRA 1938 Dem Gruendungsaufruf der “Chewra” in Juni 1,938, war der groesste Teil der in Santiago ansaessigen Juden aus Deutschland gefolgt. Der Verein, dessen vornehmste Aufgabe die “Sicherung des schon bestehenden Gottesdienstes an Sabbaten, Feiertagen und Jahrzeiten an eigener wuerdiger Staette”, ebenso wie auch die “Bestattung unserer Verstorbenen nach xeligioeser Vorschrift und gewohnt wuerdigem Ritual” war, erfuellte eine unbedingte Notwendigkeit. Wie sehr dies der Fall war, geht schon daraus hervor, das zu Rosch Hasehana 5699, Gottesdienste im damaligen Centro Republicano Español (San Diego 216 — dem spaeteren Gemeindehaus) und im eigenen Saal der “Chewra” Catedral 1019, abgehalten werden konnten, wie im “Mitteilungsblatt” bekanntgegeben wurde. wichtig war es jetzt, dem Neuankoemmiing die Bruecke zu bauen, ihm bei der Einordnung in Chile behilflich zu sein. Das “Mitteilungsblatt” hatte hierbei eine grosse Aufgabe zu erfuellen. Dr. Joseph Hirsehb erg schrieb in diesem Zusammenhang in einem Artikel, anlaessllch des ersten Jahrestages der Gruendung der Vereinigung. “Wir wollen nach Moeglichkeit den Rahmen dieses “Mitteilungsblattes” erweitern und den Versuch macnen, Fragen zu besprechen und Anregungen Raum zu geben. Es waere erwuenscht, auf diese Weise allen denjenigen, die noch nicht in der Lage sind, Zeitungen in der spanischen Sprache zu lesen, ein sie interessierendes Blatt zur Verlegung zu stellen”. In ein paar Saetzen. ein ganzes Kulturprogramm. Brennend ist nun aber vor allem die Frage der wirtschaftlichen Integration der Emigranten. In langen Artikeln wird ueber “Moeglichkeiten juedischer landwirtschaftlicher Kolonisation in Chile” informiert, es erscheint unter den Auspizien der “Hicem” als feste Spalte “Wissenswertes fuer neue Einwanderer” (verantwortlich zeichnet Dr. Boris Levy). Jeder Moeglichkeit zur Existenzgruendung wird nachgegangen und eingehend und gewissenhaft darueber berichtet. Neben diesen Versuchen des Wiederaufbaus einer materiellen Basis, geht auch das Bestreben, das Kulturleben, dem der Fluechtling so jaeh entrissen worden war, zu pflegen. Im November wird zur erst e n Kulturveranstaltung eingeladen, zu einem “Koiizert nach dem Chanukkalichterzuenden”. Der Schluss der Einladung lautet: “Um unncetige Kosten zu ersmaren werden keine persoenlichen Einladungen versandt”. In besonders schwieriger Bituation befand sich dje Jugend, die ihre Schulausbildung hatte unterbrechöl muessen und nun ploetzlich unvorbereitet dem Erwerbsleben in einem fremden Land gegenueberstand, oftmals die ersten und nicht selten auch die einzigen Verdiener der Familie. Ihr zu helfen, ihr die Moeglichkeit zu geben, sich weiter zu bilden und sich zu festigen, war eines der vordringlichsten Probleme, mit denen unsere Gemeinschaft sich beschaeftigen musste. Der Ruf nach Fuehrung, nach Moeglichkeiten im juedischen Kreise Antwort auf die vielen Fragen zu finden, die sie bewegte, wurde in den Kreisen der , Jugend immer lauter, und ihr entsprach ein im August 1939 veroeffentlichter —von Norbert und Annie Meyer und; Gerhard Cohn Unterzeichneter— Aufruf, der zur Gruendung einer Jugendgruppe, fussend auf den Grundsaetzen der deutschjuedlschen Jugendbewegung, aufforderte. Der gletchen Notwendigkeit trug auch ein grosses Inserat (Fortsetzung Seite 14> Daneben Mitteilungen ueber Geschaeftseroeffnungen, wie Friseursalons, Zigarren— und Zigarrettenstaende, usw. Der Leser gewinnt den Eindruck einer Gemeinschaft, die im Begriff steht, wirtschaftlich vorwaertszukommen. Ein Jahr spaeter, 1939, hat sich die Lage radikal veraendert. Die Situation des deutschen Judentums ist unhaltbar geworden, die Kristallnacht 1 hat auch dem Schwankenden, dem Zauderer gezeigt, was ihn erwartet. Jedes Schiff aus Europa brachte neue Emigranten. Sie alle wandten sich an die “Chewra” und erwarteten von ihr Rat und tatkraeftige Hilfe. “Wizo” und Frauenbund wurden gegruendet. Ueber all das Informiert das “Mitteilungsblatt”. »■■Ml .’ Dr. JOSEPH HIRSCHBERG Proesident der S. C. I, "B'ne Jisroel" 1946-1952