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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-08-01 · 8 (Agosto, 1963) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
8 (Agosto, 1963)
Date
1963-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO AGOSTO 1963 JUDEN AUS DEUTSCHLAND IN CHILE Obwohl uns schon aus der Zeit um 1850 von einer deutsch-juedischen Einwanderung nach Chile berichtet wird, hat es bis vor wenigen Jahren keinerlei Institutionen gegeben, die fuer den mitteleuropaeischen Juden repraesentativ gewesen waeren. Die damaligen Einwanderer assimilierten sich spaetestens m der zweiten Generation und heute zeugen nur noch vereinzelte Namen von der nicht zu unterschaetzenden Anzahl juedischer Einwanderer, die damals ins Land kamen. Auch die infolge der Nachkriegswirren 1918 nach Chile ausgewand'erten deutschen Juden haben sich mit wenigen Ausnahmen voellig assimiliert und erst die Fluechtiinge vor dem Hitlerterror sollten hier Gemeinden und Organisationen aufbauen, die in vielen Aspekten den Institutionen aehnlich waren, die die Keimzelle des zentraleuropaeischen Judentums darstellten. DIE LETZTE EINWANDERUNG Bis kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges war d^ E i nwanderung verhaeltnismaessig gering. Erst zuletzt, als auf zunehmenden Druck der nationalsozialistischen Machthaber mehr und mehr Juden erkannten, dass keine L e bensmoeglichkeit mehr fuer sie innerhalb des von Deut schland beherrschten Gebietes bestand, als nach der Kristallnacht auch den unverbesserlichsten Optimisten klar wurde, dass es nur noch zwei Moeglichkeiten gab: entweder auszuwandern oder! der Vernichtung anh.eimzufallen, da erst begannen weite juedische Kreise sich fuer Suedamerika zu interessieren. Die vom Krieg bedrohten Laender Europas hatten schon vorher ihre Pforten geschlossen, auch die U.S.A. legten der juediscben Einwanderung infolge ihres starren “Quotensystems” groesste , Schwierigkeiten in den Weg, sodass die auswaertigen Vertretungen der lateinamerikanischen Laender sich ploetzlich von Visengesuchen ueberflutet sahen. Unter diesen Laendern war besonders Chile ein beg e hrtes Einwanderungsziel, da das Klima und die Lebensbedingungen den europaeischen verhaeltnismaeosig aehnlich waren. Schon im Jahre 1934 fanden sich einige der ersten, nach Chile gelangten Fluechtiinge zusammen, um den Gemeindebund deutschsprechender Juden in Chile zu gruenden, aus dem spaeter die “Chewra - Kultus und Best attungsgemeinschaft” werden sollte, deren Praesidentschaft Herrn Siegmund Freud enthal uebertragen wurde. Wie sich schon aus dem Namen ergibt, war es Hauptaufgabe dieser Organisation, die Durchfuehrung des Gottesdienstes zu gewaehrleisten und d'afuer zu sorgen, dass unsere Glaubensgenossen den religioesen Braeuchen entsprechend bestattet werden wuerden. Sehr bald erweiterte sich der Aufgabenkreis dieser anfaenglich nur kleinen Gemeinde durch den Strom der Fluechtiinge, die sich in den Jahren 1939 und 1940 nach Chile retteten, oft mit nicht mehr Besitz als dem, was sie auf dem Leibe trugen. Wohlfahrt und Sozialarbeit im weitesten Masse, Einordnung der Neueinwanderer in das wirtschaftliche Leben des Landes, Erziehungsarbeit, besonders derjenigen Kinder und Jugendlichen, deren Schulbildung abrupt unterbrochen worden war, wurde zu einer Hauptaufgabe dieser Institution, die im Verlauf einer erstaunlich kurzen Zeit zu einer wahren Kehilla wuchs. Der Mitgliederstand, der 1938 nur 144 Menschen umfasste, verdoppelte sich in den Jahre 1839 und 1940, um im April 1940 bereits 380 Familien zu umfassen, Familien die sich der Gemeinde anschlossen, die fuer diese vertrieben en, entwurzelten Menschen weit mehr als eine b 1 o sse Kultusgemeinschaft darstellte und die fuer sie oftmals der einzige Halt, die einzige geistige, seelische und menschliche Stuetze war, die sie in ihrer neuen Heimat vorfanden. WIRTSCHAFTLICHE EINGLIEDERUNG Wie alle jungen, in der E n t w i cklung begriffenen Laender, war Chile hauptsaechlich an der Einwanderung von Technikern, Industriellen und Landwirten interessiert, die sich in den relativ unterbevoelkerten Gebieten des Suedens betaetigen sollten. Darum waren viele Visen mit einer Klausel versehen, die den Empfaenger verpflichtete, sich im Sueden des Landes niederzulassen. So gelangten im Laufe des Jahres 1940 zahlreiche Einwanderer mit söge n a nnten “Suedenvisen” lns Land und mussten sich in Staedten und Doerfern niederlassen, die ihnen von R e gierungsseite zugewiesen wurden, unter anderem m der Zone von Los Angeles und Concepción, die kurz zuvor, 1939, durch ein schweres Erdbeben fast voellig zerstoert worden war. Der Wiederaufbau dieser Provinzen hatte eine allgemeine Belebung von Produktion und Handel zur Folge, die durch den Ende 1939 erfolgten Kriegsausbruch noch beguenstigt wurde. Bis dahin war das Land fuer sehr viele Fertigprodukte auf den Import angewiesen, der zu einem grossen Teil aus Deutschland kam. Mit Kriegsbeginn wurden jedoch alle Importe unterbunden. Durch den als Folge hiervon schnell spuerbaren Mangel an Industrieprodukten, ganz gleich welcher Art, sah sich Chile gezwungen, einen Industrialisier u ngsprozess zu beginnen, der auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Waren, die vorher importiert wurden, mussten ploetzlich im Lande hergestellt werden, und es gelang den neueingewanderten Juden, sich dank ihres . Koennens und ihrer Vorbildung in diesen beginnenden Industrialisierungsprozess einzaschalten und so verhaeltnismaessig schnell Fuss zu fassen. Kleine und kleinste Betriebe entstanden, die aber solide und ausbaufaehig waren, und die zunehmende Nachfrage tat das ihrige, zur steten Expansion dieser von E m i g ranten geschaffenen Neu gruendungen beizutragen. Aehnliches geschah iin Handel, wo der Emigrant ursprünglich als Verkaeufer des von einem anderen Emigranten hergestellten Artikels auftrat, schnell Kundschaft gewann und bald dazu ueberging, eigene Geschaefte zu eroeffnen. Bedingt durch die aus Europa mitgebrachten Kenntnisse, betaetigten sich die Neueinwanderer hauptsaechlich im Einzelhandel, besonders in der Bekleidungsbranche, im Moebelhandel und im Vertrieb von Haushaltungsgegenstaenden; dort verkauften sie Artikel, die in immer groesserem Umfang vielfach von deutschjuediscrfen Einwanderern hergestellt wurden. Dazu kam - besonders in der Provinz - eine rege Betaetigung in der Verarbeitung von Lebensmitteln (Konserven, Marmeladen, Suesswaren usw.) und mit groesserer Kenntnis von Land und Leuten - der Handel mit Landesprodukten, der An- und Verkauf von Holz, und endlich die eigene Land- und forstwirtschaftliche Produktion in groesserem Umfang. Bei Kriegsende konnte die Lage der mitteleuropaeischen Juden als gesichert angesehen werden. Es gelang ihnen, beguenstigt durch die a 11 g emeine wirtschaftliche Konjunktur, ihre Situation mehr und mehr zu verbessern, sodas viele Emigranten eigene, gut fundierte Betriebe aufbauen und als finanz i e 11 gesichert betrachtet werden konnten. Juden aus Mitteleuropa hatten sich hauptsaechlicn, neben Santiago und Valparaiso, in Concepción, Temuco und Valdivia niedergelassen und wenn auch im Laufe der Jahre eine betraechtliche Abwanderung aus den letztgenannten Staedten nach Santiago stattfand, sind doch die dort bestehenden Gemeinden durchaus als lebensfaehig zu betrachten. DIE ROLLE DER GEMEINDE Charakteristisch fuer das G e 1 i n gen des Einwanderungsprozesses ist die Entwicklung der repraesentativsten Organisation der mittele u r opaeischen Emigration, die S.C.I. “B’ne Jisroel” die sich aus der schon am Anfang erwaehnten “Chevra” entwickelte. Nachdem dieser Verband urspruenglich ln gemieteten Raeumen arbeitete, beschloss die Gemeinde, als ein Brand im Jahre 1944 das Gemeindehaus voellig zerstoerte, wobei das gesamte Mobiliar, Seforim usw. verbrannten, d'en Bau eines der Wichtigkeit der Gemeinschaft entsprechenden Gemeindehauses, das im Jahre 1950 eingeweiht werden konnte. Inzwischen hatte die Anzahl der der S.C.I. “B’ne Jisroel” angeschlossenen Familien die 1.000 ueberschrittcn. Ein begeisterter Vorkaempfer des Baues war der damalige Praesident, Herr Dr. Joseph Hirschberg, der die Fuehrung der Gemeinde im Jahre 1948 uebernahm, um sie 1952 abzugeben, als er nach Israel auswanderte. Zu diesem Zeitpunkt wurde Herr Dr. Siegfried Landau zum Praesidenten gewaehlt, der das Amt bis zu seinem Ableben, im Jahre 1962, bekleidete. Der jetzige Praesident der Gemeinde, Herr Dr. Hans Reich, hat sein Amt als Nachfolger von Herrn Dr. Landau uebernommen. Die “B’ne Jisroel” ist numerisch und nicht nur numerisch zu einer der staerksten Organisationen des Jischuw geworden. Sie umfasst rund 1.400 Mitgliederfamilien. In ihrer Religionsschule werden einer grossen Anzahl von Kindern juedische Religion und Tradition naehergebracht und dass allgemeine juedische Integral-Schulwerk im Lande wird von der Gemeinde auf das tatkraeftigste unterstuetzt. In den Dachorganisationen —Federación ' Sionista und Comité Representativo— spielt die “B’ne Jisroel” heute eine fuehrende Rolle. Die Gemeinde ist der “Centra” (Asociación de Comunidades y Organizaciones Isrealitas en Latino-América) und durch die “Centra” dem “Council of Jews from Germany” angeschlossen. Besondere Wichtigkeit hat die Gemeinde stets der Jugendarbeit beigemessen und es ist ein besonderes Ruhmesblatt ihrer Geschichte, dass die Proportion der Jugendlichen des deutschsprachigen Sektors, die sich auf Chaluziut nach Israel begaben, besonders in den ersten schweren Janren der Medinah, bedeutend hoeher war als die der anderen Sektoren, gemessen an der zahlen - maessigen Staerke der verschiedenen landsmannschaftlichen Gruppen. Aber auch fuer die nichtchaluzisehe Jugend hat die Sociedad Cultural Israehta Auffangsorganisationen geschaffen, die in sehr erfolgreicher Arbeit den juedischen Jugendlichen —aller Sektoren der Kollektivitaet— die kulturellen, nationalen und religioesen Werte des Judentums nahebringen. Barcai und Degania, sind die beiden Verbaende, die zu diesem Zweck ins Leben gerufen wurden, Barcai mit jugendlich erzieherischem, Degania mit menr gesellschaftlichem Charakter. Barcai fuehrt regelmaessige Sommer und Winterlager durch, an denen eine erhebliche Anzahl von Jugendlichen teilnehmen und steht in staendigem Kontakt zu aehnlich e n Organisationen des Auslands, die sich in alijaehrlichen Schulungslagern treffen, deren letztes, 1963, in Chile abgehalten wurde. So hat sich die “B’ne Jisroel” aus einer Einwanderergemeinde zu einer Institution konsolidiert, die aus dem j u e d i sehen Leben Chiles nicht mehr fortzudenken ist. Sie schickt sich an, ihrer naechsten —vielleicht groessten—• Aufgabe gerecht zu werden: Der heranwachsenden, im Lande geborenen Generation das grosse Erbe des mitteleuropaeischen Judentums zu vermitteln, um so das juedische Leben auf diesem Kontinent wesentlich zu bereichern und zur gleichen Zeit ein lebendiges, sich entwickelndes juedisches Leben ln ihrem Kreis aufrechtzuerhalten. H. E. Sil Díip 231 FONO 81930 — SANTIAGO AHUMADA 66 — EXPOSICION 750 NDIN ¡üra ura

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