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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-08-01 · 8 (Agosto, 1963) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
8 (Agosto, 1963)
Date
1963-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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AGOSTO 1963 4__ BOLETIN INFORMATIVO Ein Besuch in Chile zu Anfang, der Einwanderung,speriode j- --Von Dr. Erich Bry --- An einem der letzten Novembertage des Jahres 1936 kam ich in dem Flughalen Los Cerrillos an, a'er damals noch unscheinbar und aermlich war. Vorher hatte ich auf dem Schiffswege in Brasilien, Uruguay und Argentinien Station gemacht. In allen Haefen waren schon vorher Juden aus Deutschland gelandet, und in allen Hauptstaedten beschaeftigten sich Juden, die dort schon vor der Hitlerzeit ansaessig waren oder einer frueheren Einwanderungswelle angahoerten, mit dem Problem dieser staendig wachsenden Emigration. Ueberall war man bemueht, diesen neuen Einwanderern zu helfen, und man tat es mit mehr oder weniger Geschick und Organisationstalent. Auch die franzoesischen Stehiffe, mit denen ich die Reise an die Ostkueste machte, fuehrten in der Hauptsache Auswanderer. Im Zwischendeck reisten fast ausschliesslich bettelarme portugiesische Familien, die in Lissabon an Bord gegangen waren; in der zweiten Klasse waren es meist deutsche Juden, die schon von Bordeaux herkamen. Die Portugiesen verliessen saemtlich das Schiff in brasilianischen Haefen, die deutschen Juden verteilten sich auf die drei Republiken der Ostkueste, die meisten gingen nach Buenos Aires. Groesstenteils waren es junge Menschen. Sie Konn ten noch nicht wissen, welchen furchtbaren Gefahren, welch entsetzlichem Schicksal sie entronnen waren. Aber sie atmeten auf, als der grosse Albdruck der letzten Jahre von ihnen gewichen war, und an Bord herrschte eine heitere, oft ausgelassene Stimmung — so heiter, dass auch ich davon angesteckt wurde, obwohl ich viel aelter und nur ein Tourist war, der sehr bald wieder nach Hitlerdeutschland zurueckkehren musste. Als ich aber in Buenos Aires das Flugzeug bestieg, das mich nach Santiago bringen sollte, war ich der einzige Jude an Bord. Die chilenische Regierung hatte schon vor einiger Zeit ihre Konsulate angewiesen, an Juden kein Visum mehr zu erteilen und ich erhielt meine Einreiseerlaubnis nur durch einen guenstigen Zufall von einem Konsulat in Brasilien. Die . einzige Verpflichtung, die ich .uebernehmen musste, war, “in Europa nichts Unguenstiges ueber Chile zu publizieren, wie aas vor ein paar Jahren der Herr Buerger getan hat”. Dass diese Aufforderung ihren Grund hatte, sah ich an , dem Elendsviertel, das ich auf dem Weg vom Flughafen zur Innenstadt zu passieren hatte. “Jetzt weiss ich wenigstens, wohin ich nicht gehen werde”, dachte ich in meinem Inneren”, aber es sollie dann ganz anders kommen. Bald / lernte ich Chile mit mehr Verstaendnis beurteilen. Zunaechst war ich in dem alten Hotel Oddo in der Ahumada abgestiegen, das jetzt schon laengst der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist, siedelte aber schon zwei Tage spaeter in das Hotel Ritz ueber, das ganz kurz vorher eroeffnet worden war, und wo ich eine gute Unterkunft fand. Dann suchte ich Dr. Joseph Hirschberg auf, meinen Breslauer Logenbruder, der schon seit fast zwei Jahren im Lande lebte. Ich wurde herzlich willkommen geheissen und fand bei ihm und seinem Kreise ebenso wie bei den wenigen uebrigen Emigranten eine Stimmung, die mir unvergesslich ist. Wie so vielen anderen Einwanderern war es auch J oseph Hirschberg versagt geblieben, in seinem frueheren Lebensberufe zu arbeiten, und so verdiente er sein Brot nicht als Arzt, sondern als Inhaber des von ihm gegründeten damals poch sehr kleinen Laboratoriums Silesia. Ebenso bescheiden wie er lebten die anderen Menschen seines Kreises, und eine Once in der Ahumada oder Huérfanos, die fuer 3 - 4 Pesos zu haben war, stellte schon eine Ausgabe dar, die man sich nur hin und wieder leistete. Vielleicht noch radikaler war die Umstellung der Frauen, von denen viele in ihrem ganzen bisherigen Leben keine Arbeit gekannt hatten, und die nun ueberall Hand' anlegen mussten. Aber der Geist dieser Menschen war ungebrochen; ein neuer Enthusiasmus und eine neue Dynamik hatten sie erfasst. Das Lebensgefuehl des aktiven Menschen beseelte sie, dem es keine Qual, sondern eine Freude ist, wenn er noch einmal von vorne anfangen kann und vor eine grosse, schwierige, aber schoene Aufgabe gestellt wird. Diese Menschen hatten ein grosses Arbeitsfeld vor sich. Ihre Arbeit war unter ganz anderen Verhaeltnissen. anderen Menschen, anderer Sprache, in einem Lande, in dem im Grunde alles ganz anders , war als drueben, zu leisten, und sie forderte von^den oft schon in reifem Alter stehenden Menschen einen gewaltigen Kraeiteaufwand. Trotzdem fanden sie noch Zeit und Kraft fuer die Allgemeinaufgaben, die ihnen ueber die Sorge fuer das taegliche Brot gestellt waren. Man kuemmerte sieh um die neuen Einwanderer, die dam als allerdings wegen der Visensperre nur vereinzelt eintrafen, , und man kuemmerte sich auch um den Aufbau der eigenen Gemeinschaft. Gerade damals standen die Verhandlungen ueber die Gruendung einer Bene-Berith-Loge, die Juden aller Gruppen umfassen sollte, vor dem Abschlüsse und ich hatte Gelegenheit, hier und spaeter in Buenos ¡ Aires in die Verhandlungen einzugreifen. Aber auch die Gruendung einer eigenen deutschsprachigen Gemeinde wurde vorbereitet. So sah ich allerortens Schaffensfreude und Optimismus und bekam Lust, zu meinem bescheidenen Teil hier ebenfalls mitzuarbeiten. Am letzten Sonntage meines Aufenthaltes fuhr ich mit der Militaerbahn nach El Volcán. Es war ein herrlicher Fr uehlingstag: zu meiner linken Seite hatte ich Berge und Wiesen im Fruehlingsschmucke, zu meiner Rechten rauschte der Maipo, und ueber mir strahlte die Sonne vom blauen chilenischen Himmel. Und im Wagen sass eine vergnuegte Gruppe von Einwandererjugend, die leider schon in El Manzano ausstieg. In El Volcán beschaffte ich mir ein Pferd, dessen chilenischer Sattel mir freilich sehr ungewohnt war. Aber ich kam doch zu meinem Ziel, den Termas Morales, hinter dem sich das gewaltige Massiv des Morado aufbaut. Die Strasse war vollkommen menschenleer; nur auf dem Rueckwege kamen mir zwei wild und a b e n t euerlich aussehende Maenner entgegen. Ich war nicht gerade erfreut, als sie mein Pferd anhielten und dachte an die Ind’ianergeschichten meiner Jugend; aber die Leute waren vollkommen harmlos und baten mich hoeflich um Feuer fuer ihre Zigarretten. In meiner Naivitaet glaubte ich, dass RUDI JELEN I Feine Goldschmiede Arbeiten i Moderne Aenderungen i Uhren Reparaturen ¡ Staendige Auswahl von | Schmucksachen | Edif. Pza. de Arma Local 136, (entrepiso) Eingang MONJITAS 879 y 21 DE MAYO 583 ich in El Volcán ein gutes Hotel vorfinden wuerde, und musste schliesslich froh sein, dass ich im Postamt uebernachten konnte, wobei die Postsaecke ein unbequemes Lager bildeten. Aber die Nacht wurde mir nicht lang, da direkt vor dem Hause die “Reina de la Primavera” des Ortes gekroent wurde — und dieser Festakt dauerte ein paar Stunden. Als ich naechsten Tages nach Santiago zurueekkam, war mein Entschluss, nach Chile auszuwandern, besiegelt; f^ber die Durchfuehrung ist mir dann schwer genug geworden. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich, diesmal mit meiner Familie, endgueitig auf chilenischem Boden landen konnte. In dieser relativ kurzen Zeit waren grosse Fortschritte zu verzeichnen gewesen, die ueberall sichtbar wurden. Die Einwanderer hatten sich konsolidiert und hatten sich bereits auch deutlich im Leben des Landes bemerkbar geT macht. Der klare Beweis ihres Fortschritts war die Gruendung der “B’ne Jisroel”. ein Wahrzeichen nicht nur des Festhaltens und der Pflege der alten Tradition, sondern auch —trotz des zunaechst beschraenkten Arbeitsbereiches— des Aufbauwillens unter neuen Gestirnen. Bald wuchs die “B’ne Jisroel” ueber das Aufgabengebiet hinaus und wurde zu einer Organisation, in der sich der groesste Teil der deutschsprachigen Juden vereinte, wo er Verstaendnis fuer seine Sorgen und Probleme fand, und wo er sich zu Hause fuehlen konnte. Wenn unsere Gruppe nach enttaeuschenden Anfaengen allmaehlich Anerkennung und Wertschaetzung bei Juden und Nichtjuden Chiles und Südamerikas fand, wenn ihre Stimme weithin gehoert wurde, so hat die “B’ne Jisroel” den groessten Anteil daran. Das muss zurueckblikkend ihre Leiter und Mitarbeiter mit Stolz erfuellen. Man kann i mit Zuversicht hoffen, dass sie ihren ehrenvollen Platz unter den juedischen Organisationen des Kontinents auch weiter behalten und immer mehr ausbauen wird. Telefon privat 5438« Anzeigen Annahme fuer das Boletín Informativo Nueva York 52 ofi. 412 TeL 87765 Von 9-1 u. 5-7 geoeffnet. INDUSTRIA PLASTICA NY-PONT M. R. Salo Neger SOBRE BASES EN PLANCHAS DE PLEXIGLASS TRANSPARENTE Y COLORES Manilla y Mangas para todo uso. Estantes para vitrinas. Repuestos de precisión para Industrias Tiradores. Artículos de Propaganda Aplicación varias. Se venden Planchas de 1 mm. hasta 20 mm. 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