Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 6 (Junio, 1963)
- Date
- 1963-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 JUNIO 1963 BOLETIN INFORMATIVO "SIE SDNNEN SICH IM SCHATTEN HDFERS”: OESTERREICH, DAS LAND DER PARADOXE Der Ort, in dem ich jetzt, lebe, liegt nicht weit suedlich vom Brennerpass, zum dem; sich vor fast 2.000 Jahren. die roemischen Legionen, im Kampf mit den Ureinwohnern, den kriegerischen Breonen, den Weg gebahnt ha-: ben. Den Soldaten folgten' die Strassenbauer, und ihren Spuren begegnet man noch. jetzt vielfach in diesem, an; Altertuemern aus allen Perioden reichen Lande. Auf der heutigen, vieibefahrenen Strasse ist man in kaum einer Stunde auf aer Passhoe- , he. Dieser Pass war schon; immer eine Grenze, aber in i frueheren Jahriiunde rten! nur eine geographische Gren- | ze und eine Wetterscheide. Seit dem Jahre 1918 ist er; auch eine politische Grenze, j zwischen Oesterreich und; Italien. Die meisten Suedtiroler haben sich daran gewoehnt. Wenn sie auch mit der Behandlung durch die italienischen Behcerden nicht zufrieden sind, so sehen sie es doch als ein Definitivum an, daäs die heutigen Grenzen nicht zu aendern sind. Was sie wuenschen, ist eine groessere Autonomie, wobei sich freilich jede Gruppe unter diesem Worte etwas anderes vorstellt. Aber es kann wohl gesagt werden, dasä es den meisten Suedtirolern hauptsaechtich darum z u tun ist, dass man sie nach ihrer alten Weise weiter leben laesst, dass man ihre Gebraeuche respektiert, an denen sie mit so viel Liebe und Zaehigkeit festhallen, und dass man sie wirtschaftlich und verwaltungsge m a e s s nicht schlechter behandelt als die Bewohner des uebrlgen Landes. Abei nicht daj ran gewoehnt haben sich die | Oesterreicher und beäonders nicht die Nordtiroler. Der Irredentismus, frueher unter der italienisch sprechenden Bevoelkerung Oesterr e i c h- Ungarns heimisch, ist ueber den Brenner nach Norden gewandert und treibt aort wunderliche Blueten. Gewiss ist es schwer fuer die Oesterreicher und besonders fuer die Nordtiroler, den Verlust Suedtirols zu verschmerzen, der sehoenen Heimat Andreas Hofers und so vieler tiroler Freiheltskaempier. Auf der anderen Seite ist es ihnen ein schmerzlches Vergnuegen, eine grosse aussenpolische Aufgabe zu haben. Um eine paradoxe Sitution oaradox zu kennzeichnen koenn. tc man sagen: sie sonnen sich im Schatten Andreas Hofers. Als die Franzosen nach dem Kriege 1870; 71 Eisass— Lothringen verloren hatten, da gaben sie die Hoffnung auf eine Wiedt rerwerbung dieser Gebiete niemals auf. Aber ihre Parole Mess: Immer daran denken, aber nie davon reden. Die oesterreichische Parole fuer Suedtirol lautet nngefaehr umgekehrt: “Immer davon reden, aber nicht viel daran denken”. Denn jeder Oester reicher, der nur eine Spur politischer Einsicht besitzt, weiss ganz genau, dass an eme Wiederkehr Suedtirois praktisch garnlcht zu denken ist. So beschraenkt man sich darauf, den Deutschen “Suedtirois zu helfen”, freilich eine sehr problematische Hilfe. Der Irredentismus ist nicht die einzige ideologi sehe Pflanze, die in Oesterreich Wunderliche Blueten treibt. Das Land hat aus dem zweiten Weltkrieg noch verhaeltniämaessig glimpflich davonkommen koennen, die Kriegs schaeden durch Kampfhan- [ dlungen und Flugangriffe; waren bedeutend geringer als in den meisten anderen europaeischen Staaten. Und nach Kriegsende ist es den geschickten Diplomaten Oesterreichs gelungen, das Land gegen alle historische Wahrheit als ein Opfer Hitlers hinzustellen, und so wurde es von den Siegerstaaten milde behandelt. Die russische Besetzung ist es schon im Jahre 1955, also nach verhaeltnismaessig kurzer Zeit, wieder losgeworden, — ein einzig dastehender Fall in der Geschichte der Nachkriegszeit. Es geht Oesterreich wieder gut, viel besser als in den Jahren nach Beendigung des Ersten Weltkrieges. Und wer sollte sich nicht darueber freuen, dass fuer ein musisches hnd begabtes Volk, dem die Welt so vie1 Schoenes verdankt, wieder bessere Tage gekommen sind? Aber diese Freude ist nicht ungetruebt. Denn es ist leider eine Tatsache, dass der Antisemitismus, der in Oesterreich immer sehr ueppig gediehen ist, sein Haupt dort unverhuellter erhebt als in den anderen europaeischen Laendern. Und dieser Antisemitismus traegt deutliche Spuren der Faerbung, wie sie ihm Hitler, der in diesem Lande ja geboren und aufgewachsen ist, gegeben hat. Es ist paradox: Gerade weil man die Parole ausgegeben hat, ein Opfer Hitlers geworden zu sein, gerade deshalb glaubt man, die Verantwortung fuer alles ablehnen zu koennen, was in Oesterreich oder von Oesterreichern geschehen ist. Und gerade deshalb hat dort einiges von dem nationalsozialistischen Gedankener b e eine Heimstatt gefunden. So ist es gekommen, dass dort die Gesetzgebung ueber die Entschaedigung von Opfern der nazistischen Verfolgung, zu der man sich nur sehr spaet entschlösset, hat, ein wahrer Hohn auf den Gedanken der Wiedergutmachung ist; und so ist es gekommen, dass Oesterreich ein Dorado fuer die Verbrecher der Hitlerzeit geworden ist. Was dort immer wieder geschieht, ist auch fuer den wohlwollendsten Beobachter unertraeglich. Die meisten Kriegsverbrecher laesst man voellig unbehelligt; und wenn die Staatsanwaltschaft sich doch einmal zur Einleitung eines Verfahrens genoetigt sieht, so wird es gewoehnlich oder wegen Verjaehrung oder wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Meisten wegen Verjaehrung. Denn imoesterreichisehen Strafrecht, gibt es ein hoechst sonderbares Delikt, naemlich die “entfernte Beihilfe zum Morde”; dafuer betraegt die Verjaehrungsfrist nur 10 Jahre. Diese Frist laeuft zudem, im Gegensatz zum deutschen Recht, von der Begehung der Straftat an, also auch waehrend der Kriegsjahre, in denen eine strafrechtliche Verfolgung natuerlich ueberhaupt nicht in Frage kam. Liegt nun ein Fall trotz alledem so, das die Beweise fuer die Tat handgreiflich sind, und dass es sich um besonders schreckliche Verbrechen handelt, bei denen man beim besten — oder vielmehr schlechtesten — Willen nicht von einer "entfernten” Beihilfe reden kann, dann kommt die Sache vor das' Schwurgericht. Wer aber glauben sollte, dass diese Gerichte, die fuer die schwersten Verbrechen zustaendig sind, nun zu einer Verurteilung des Taeters kommen sollten, der befindet sich in einem fundamentalen Irrtum, Meines Wissens haben bisher alle derartigen Verfahren vor den oesterreichischen Schwurgerichten mit einem Freispruch geendet —• und wenn mir etwa eine Verurteilung entgangen sein sollte, was natuerlich moeglich ist, so waere sie eine Ausnahme, welche die Regel nur bestaetigt. Auch d i e schrecklichsten, h a a rstaeu. bendsten Einzelheiten, die in den Verhandlungen enthuellt wurden, haben die Geschworenen nicht zu einer Bestrafung des Taeters veranlassen koennen. Das wirft ein grelles Schlaglicht auf die Mentalitaet weiter Kreise der oesterreichischen Bevoelkerung, Dieses Verhalten der Schwurgerichte i"’t natuerlich im ganzen Lande bekannt und fuehrt zu den seltsamsten Konsequenzen. Ein Verteidiger, so sollte man meinen, muesste das Bestreben haben, dahin zu wirken, dass auf die Tat seines Klienten die mildeäten Strafbestimmungen angewendet werden. Aber in Oesterreich ist das nicht immer so. Schon wiederholt ist es vorgekommen, dass ein Anwalt die Zustaendigkeit der mit Berufsrichtern besetzten Strafkammer — diese entscheiden ueber Delikte mittlerer Schwere — bestritten hat. Nein, so fuehrte er aus, die seinem Mandanten vorgewnrfene Tat stelle ein so schweres Verbrechen dar, das es nicht vor die Strafkammer, sondern vor das Schwurgericht gehoere; damit ist wohl der Gipfel des Paradoxen er. reicht. Auä Innsbruck ist vor kurzem der Universitaetsasslstent Dr. Norbert Burger entflohen, der so schwer mit dei Vorbereitung und Organisation von Terrorakten in Suedtirol belastet war, dass die oesterreichlsche Polizei ihn verhaften wollte. Burger verschwand nach Bayern und teilte der oesterreichischen Justiz schriftlich mit, dass er es ablehne sich der Polizei zu stellen; dagegen sei er durchaus bereit, vor einem Schwurgericht zu erscheinen Kurze Zeit darauf wurde Burger in Muenchen verhaftet, aber das oesterreichische Justizministerium erkiaer t e sofort mit einer sehr fadenscheinigen Begruendung, dass es die Auslieferung nicht beantragen werde. Wenn aber, so wurde troestlich hinzugefuegt, Burger doch nach Oesterreich kommen sollte, dann werde man schon gegen Ihn Vorgehen Schliesslich blieb den deutschen Behoerden nicht anderes uebrig, als Burger wieder aus der Haft zu entlassen. So wird den Menschen, die aus einer verstiegenen nationalistischen Ideologie auch vor dem Verbrechen nicht zurueckgeschreckt sind oder in Zukunft nicht zuru eckschrecken werden, ein Freibrief ausgestellt. Das zeigt auch der Fall Rajaxowitsch, des Gehilfen Eichmanns, ueber den schon viel geschrieben worden ist, und auf den ich vielleicht spaeter einmal zurueckkommen werde. Auch hier haben die oesterreichL schen Behoerden alles Moegliche und Unmoegllche ge- | tan, um diesen Mann nicht | verfolgen zu muessen. | Wird die Zukunft eine Aenderung der Situation bringen? Man moechte es sehr i gerne hoffen, aber zur Zeit gibt es wenig, worauf sich diese Hoffnung stuetzen koennte; denn gerade in der akademischen Jugend, welche die zukünftigen Fuehrer des Landes stellen wird, ist der geschilderte Ungeist noch mehr zu Hause als in der aelteren Generation. i E. B. k INVESTITIONEN IN DER METALLINDUSTRIE Auf der Jahresgeneralversammlung der Aktionaere der : Metalelectric Ltd., wurde der Bericht der Leitung und die Bilanz zum 31.12.1962 (neun Monate) bestaetigt Ferner bestaetigte die Ver-1 Sammlung den Vorschlag der Leitung auf Auschqettung einer Dividende von 7 o'o. Die Gesellschaft hat nicht nur ihre Aktivitaet auf . dem Gebiet der Versorgung der Metallindustrie mit Rohstoffen, Hilfsmaterialien und ln-; ventar sowie zur Foederung des Exports verstaerkt, sondern auch begonnen, Investitionen in der Metallindustrie vorzunehmen. Die Firmen Kidmah, Magen Goldmann sowie Schlesinger und Waldman erhielten Anleihen in eine Gesamthoehe von IL 740.000, welche ein Drittel bis die Haelfte der Qesamtinvestitionen in diesen Firmen darstelien. Diese Investitionen erfolgten unter aktiver Beteiligung der Gesellschaft fuer Investitionen und Foerderung der Industrie, welche 50 o[o der Aktien von Metalelectric besizt. (“Canfit”) ELEKTRONISCHES GEHIRN IM WEIZMANN— INSTITUT Etwa 100 Wissenschaftler, Ingenieure und Arbeiter in» Weizmann-Institut in Recho. vot wurden im Zusammenhang mit dem Transporr des r euen riesigen elektronischen Gehirns “E 1604” mobilisiert. Ferner wurden auch 16 schwere Lastautos fuer diese “Aktion” eingesetzt. Das neue elektronische Gehirn ist vor kurzem in den USA, erworben worden und kostet 4 Millionen Dollar. Tn der Abteilung fuer angewandte Mathematik wurde “Alarmbereitschaft’ ausgerufen. Die beiden dort befindlichen “Gehirne” wurden aus dem Saal entfern',, der vergroessert worden ist. Auch eine besondere Klimaanlage wurde im Saal, eingebaut, durch die das gleiehmaessige Funktionieren des | reuen elektronischen Gehirns gewaehrleistet werden soll. Besondere Vorkehrungen , wurden im Zusammenhang mit der Befoerderung des elektronischen Gehirns auch in Lud getroffen, damit dieses schnellstens ins Institut nach Rechovot expediert wer. . den konnte. (“Canfit”) STAPELLAUF EINES ZIM—SCHIFFES In Japan fand der Stapellauf eines neuen ZIM-Dampfers von 9650 Tonnen namens “Zedek” statt. Der Frachter wird auf der “Gold Star Route” verkehren. Die Schiffstaufe wurde von der japanischen Prinzessin Chichibo vorgenommen. Der Zeremonie wohnten Vertreter der jananischen Regierung. des Staates Israel, der Gesellschaft ZIM und der Werft Sowie zahlreiche Journalisten, Fernseh-Photographen und andere Gaeste bei. (“Canfit”) RASSCO—USA INVESTIERT IN ISRAEL Der Betrag, der durch Vermittlung der Rasco-Filialen in den Vereinigten Staa ten fuer Investitionen in Is rael gezeichnet wurde erreichte 9 Millionen Dollar. Nach dem Investitionszentrum der Regierung ist “Rassco’ der Hauptfaktor fuer Investments in Israel. Im Rahmen der “Rassco”— Aktion werden 2—300 Familien aus Suedamerika in Baelde ins Land kommen, die .n Doerfern angesiedelt und Beschaeftigung in verschiedenen Betrieben der “Rassco" finden werden. (“Canfit”)