Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-05-01 · 5 (Mayo, 1963) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
5 (Mayo, 1963)
Date
1963-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8558686-9194531--3820-8558787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MAYO 1943 BOLETIN INFORMATIVO _ _ _5 Dr. HANS REICH AM 21. APRIL 1963: / Unsere Gemeinde - unser Jischuw ■ unser juedisches Volk Rechenschaftsbericht des Presidenten der S.C.I. yor der General-Versammlung — Ableben Dr. Landaus — Fragen der Jugendarbeit — Pflege der Tradition — Kulturelle Veranstaltungen — Der "Centra"-Kongress — Institutionen der Gemeinde: Bibliothek, "Boletín Infoimativo", Schiedsgericht — Magbit und Sozialarbeit — Vor neuen Aufgaben Meine Damen und Herren! In unserer letzten Generalversammlung von 29. April 1962, also vor knapp einem Jahre, durfte ich Siegfried Landau den Dank unserer Gemeinde dafuer aussprechen, dass er in beispielgebender Weise 10 Jahre lang die Geschicke der B’ne Jisroel geleitet hat. Auf einem spontan aus der Mitte unserer Generalversammlung gestellten Antrag wurde er einstimmig in Anerkennung seiner grossen Verdienste zum Ehrenmitglied unserer Ge- : meinde ernannt. Aufs Tiefste geruehrt dankte er uns allen fuer diese : ungewoehnliche Ehrung, die! ihn, wie er mir in vertrauten : Gespraechen mitteilte, aufs ■ Hoechste erfreut hatte. TRAUER UM DR. LANDAU Wir' alle hofften, dass: Siegfried Landau sich noch viele Jahre dieser Ehrenmitgliedschaft erfreuen und die Geschicke unserer Gemeinde : durch seine einmalige Per-! soenlichkeit bestimmen wuer- ¡ de. Das Schicksal hat es leider anders gewollt. Wenige Tage spaeter, am; 9. Mai 1962, am Morgen des : Jom Haazmaut 5722, musste! ich namens unserer Gemein- | de Abschied nehmen von : dem Manne, der Fuehrer und erster Diener seiner Gemeinde bis in die letzten Stunden ¡ seines Lebens war. Am 24. Mai 1962 veranstal-; teten wir zu seinem Geden- : ken eine Trauerkundgebung fuer die gesamte juedische Gemeinschaft Chiles, die in Jedem der zahlreichen Anwesenden einen tiefen Einj druck hinterliess. Ausser von zwei Vertretern : unserer Gemeinde wurde die Persoenlichkeit Dr. Landaus i von den Vertretern der Bot- | schaft Israels, der Federación i Sionista, des Comité Repre- I sentativo und der verschiedensten Organisationen i n : einer der Bedeutung unseres . verstorbenen Freundes und; Presidenten gebuehrenden Weise gewuerdigt. j Wir erhielten unzaehlige 1 Kondolenzschreiben aus Chi-; le und allen Teilen der Welt, ¡ von denen wir fast alle in : unserem Boletín Informativo veroefientlieht haben. Die Arbeit unserer Gemeinde musste aber weiter gehen, i das Werk, Siegfried Landaus, musste fortgesetzt werden. So waehlte die Repraesen- ' tantenversammlung vom 14.6.1962 ein neues Direkto- ' rium, dem neben dem Bei richterstatter a 1 s Praesi-; denten, folgende Herren an-! gehoeren; Martin Michel als Vize-Praesident, Kurt A. ¡ Hofmánn als General-Se-; kretaer, Kurt Loebel als Pro-! Sekretaer, Alfredo Berliner , als Tesorero, Rodolfo Pincus i als Pro-Tesorero und Hei-; mann Abramczyk als Vocal, i JUGEND UND ELTERNHAUS j Eine der wichtigsten Auf- ’ gaben dieses neuen —ebenso wie des vorhergehenden— Direktoriums war die Arbeit fuer unsere Jugend, mit der; wir uns fast in jeder Sitzung unseres Direktoriums be~ 1 schaeftigt haben. j Jugendarbeit aber, mei- | ne Damen und Herren, ist! vielfaeltig und kann nicht mit einem Wort Umrissen werden. Sie umfasst viele Ge- 1 biete, sie schliesst alles nur ■ denkbar Moegliche in sich ein und kann nur dann i fruchtbar wirken, wenn auf jedem Gebiet gleichzeitig und intensiv gearbeitet wird, j Grundlage fuer sie aber ist etwas, was wir beim besten Willen nicht ersetzen koennen: Das Elternhaus. Wir koennen den Eltern: zwar helfen, wir koennen sie, i wenn sie es wuenschen, bei raten, die fundamentale Erziehungsaufgabe jedoch liegt bei den Eltern selbst. In Anbetracht dessen beabsichtigen wir, den Eltern unserer Jugend durch ein systematisch und intensiv durchgefuehrtes Kulturprogramm, durch Besprechen-! gen, durch Kurse, durch Ein-! fuehrungen in unser Kultur-! gut und unsere Sitten und Gebraeuche, die Moeglichkeit zu geben, ihre Kinder in un -! serem Sinne zu erziehen. Es besteht das Projekt, eine i ge e i g n e t e Persoenlichkeit j fuer diese Arbeit zu verpflichj ten und wir hoffen alsdann mit der Mitarbeit und Unterstützung dieser Kreise rechnen zu koennen, einer Unterstuetzung, die uns bisher nicht immer zuteil geworden ist. VAAD HAJINUJ Ein weiteres wichtiges Kapitel juedischer Jugendarbeit ist die Unterstuetzung des | juedischen Schulwesens, das auch in diesem Jahre wieder grosszuegigst von uns sub- ' ventioniert wurde, und das ausserdem auch wie immer mit der interessierten Mitarb e i t repraesentativer Mitglieder unserer Gemeinde rechnen konnte. Im Direkto-; rium und in den diversen Kommissionen des Vaad Hajinuj stehen Angehoerige unserer Gemeinschaft a n prominenter Stelle und trai gen durch ihre Taetigkeit! zur tatkraeftigen Foerderung dieser so ueberaus wichtigen Arbeit bei. Wie Sie aus dem Etatvorschlag fuer das kommende Geschaeftsjahr ersehen werden, haben wir unsere diesjaehrige Subvention fuer den Vaad Hajinuj bedeutend erhoeht, wenn sie auch im- | mer noch zu klein ist. Die allgemeine Devisenkrise und die dadurch hervorgerufene enorme Erhoehung der Ko-; sten fuer das israelische 1 Lehrpersonal hat diese Erhoehung notwendig gemacht, wollten wir nicht, dass der Vaad Hajinuj sein anerkannt | hohes Niveau senken muesse.! Wir sind der Auffassung, ’ dass die Erhaltung eines [ erstklassigen juedischen Schulwerkes zu den vornehmsten Aufgaben unserer Gemeinschaft gehoert, und dass wir im Rahmen unserer Moeglichkeiten alles hierfuer tun muessen. Ganz besonders ist dies notwendig, weil, wie wir mit Stolz berichten koennen, immer mehr Mitglieder unserer Gemeinschaft ihre Kinder auf die Schulen des Vaad Hajinuj entsenden wo sie erstklassigen juedischen und allgemeinen Unterricht gemessen und so zu guten Juden und wertvollen Menschen erzogen werden. Eine weitere wuchtige Frage, die uns auf das Intensivste beschaeftigt hat, ist die der religioesen Eiziehung unserer Jugend, denn —dass muss immer wieder betont werden— unsere Gemeinschaften koennen nur auf religioeser und nationaler Basis existieren. Meine Damen und Herren: Wir sind uns zwar, wie ich schon sagte, darueber klar, dass alle unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet ohne d i e tatkraeftige Mitarbeit des Elternhauses nicht den Erfolg haben koennen, den w i r wuensehen. Dennoch versuchen wir unter den gegebenen Umstaenden unser Moeglichstes. RELIGIONS—SCHULE Leider und, unserer Ueberzeugung nach aus mangelndem Verstaendnis vieler Eltern heraus, nahmen im vergangenen Jahr jedoch nur 44 Kinder an Religionsunterricht der Gemeinde teil, der wie immer, im Gemeindehaus und in der Avda. Providencia in einem Raum, den uns die Firma Wiener y Cía. dankenswerter Weise zur Verlegung stellte, abgehalten wurde. Obwohl wir .gerechterweise anerkennen muessen, dass einem nicht unerheblichen Teil unserer Kinder durch die juedische Schule und durch Privatunterricht juedisches Wissen vermittelt u'ird, bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass viele Kinder ohne den minimalsten juedischen Unterricht aufwachsen. _ Wir sind uns voellig klar darueber, dass aucn ‘ unser Religionsunterricht nicht ausreichend ist, da es unmoeglich ist, Kindern in nur einer Stunde woechentlich auch nur ein Minimum dessen zu vermitteln, was zur elementarsten j u edi sc h e n Bildung gehoert. Wenn den Kindern aber noch nicht dieses einzige Mal in der Woche Gelegenheit gegeben wird, juedisches Geistestuin zugefuehrt zu erhalten, ist es unmoeglich, dass, wenn spaeter einmal die grossen, ernsten, entscheidenden Fragen des Lebens an sie herantreten, sie eine juedische Antwort geben koermen. Meine Damen und Herren: 'Vir als Gemeinde und Sie als Eltern tragen eine grosse Verantwortung, der wir nur gemeinsam gerecht werden koennen. Einzig und allein, wenn wir Hand in Hand arbeiten, kann das Ziel, welches wir alle erreichen wollen, erlangt werden. Dass es Eltern gibt, die dies verstanden haben, bezeugt die Gruendung des “Centro de padres” der Religionsschule der Gemeinde, i welches in dem vergangenen; Jahr seine Taetigkeit auf-! genommen und sich zur Auf- : gäbe gesetzt hat, die Verbindung zwischen Eltern und Schule zu verstaerken, Auf- | klaerungsarbeit zu leisten und den sozialen Kontakt i der Kinder untereinander! und mit der Schule zu inten-! sivieren. Das Centro hat durch Be- . suche bei Eltern, deren Kinder unsere Religionsschule : nicht besuchen und durch die Veranstaltung eines Kin- I derfestes, an dem ueber 70 . Kinder teilnahmen, bereits | s ei n e Aktivitaet bewiesen i und es ist zu erwarten, dass : auch in diesem Jahre von 1 ihm neue und wertvolle Initiativen ausgehen werden. Wir begruessen diese Gruendung des Centro de Padres und werden alles tun, um es in jeder Weise zu unterstuetzen. Wir unsererseits haben uns bemueht, den Kindern un-! serer Religionsschule mehr! zu geben als blossen Unter-! rieht. Wir haben versucht, in ihnen das Gefuehl der Zusammengehoerigkeit, der Kai meradschaft, zu érweeken, i indem wir z. B. neben dem Unterricht Filmvorfuehrun-; gen veranstaltet haben und i indem das Centro de Padres, wie schon erwaehnt, dankenswerter Weise ein Kinderfest vorbereitete. In diesem : Sinn ist auch die von der Ge- : meinde veranstaltete Purim- : feier zu verstehen, bei der die Praemien fuer die Mitarbeiter des Boletín Informativo und fuer die besten : Schueler der Religionsschule ’ zur Verteilung kamen und an der ueber 100 Kinder teilnahmen. Meine Damen und Herren: Es ist falsch verstandene Liebe, wenn Sie Ihre, ohne jeden Zweifel sehr angestrengt lernenden Kinder i nicht zu uns schicken, um : ihnen diese “zusaetzliche Be-! lastung” zu ersparen. “Non : scholae, sed vitae discimus” ■ nicht fuer die Schule, soni dern fuer das Leben iernen 1 wir. Selten trifft ein Satz so! ins Schwarze wie dieser, an- ■ gewandt auf den juedischen Religionsunterricht Ganz besonders gilt er in einer Zeit ' und auf einem Kontinent, wo die althergebrachten Begriffe ins Wanken geraten : sind, wo es unsere Verpflichtung ist, den jungen Men-! sehen einen Halt zu geben, nicht nur im praktischen, im materiellen, sondern vielmehr in ideellem Sinne. Dies aber, meine Damen und Herren, gilt nicht nur fuer die Religionsschule. Wie : viele sind es nicht, die da glauben, dass mit dem Religionsunterricht, den Bar- : mizwa-Stunden und heute eventuell noch mit dem Kursus zur Vorbereitung der Bath-Mizwa einer Fundierung Genuege getan worden 1 ist. Diese Eltern moechte ich; fragen, ob sie ernsthaft annehmen, dass mit einem Maximum von 150 bis 200 Stunden, verteilt auf 4 oder 5 Jahre, eine Sprache gründlich erlernt werden kann, ob das fuer den Mathematikunterricht ausreichen wuerde, ob das ihnen genug erschiene, um eine Berufsausbildung zu erlangen? Die Antwort hierauf kann nur nega- , tiv sein. Aber das Judentum, dass das gesamte Leben eines Menschen bestimmt, soll in diesen wenigen Stunden erschpepfend behandelt wer-; den koennen? Meine Damen und Herren; wenn unsere Lehrer auch den besten Wil- , len haben, sie koennen nicht : Wunder verrichten. Es ist vordringliche Pflicht der Eltern, ihren Kindern auch nach der Bar- oder Bath- Mizwa die Moeglichkeit zu geben, sich juedisch iortzubilden, und wir verweisen ln diesem Zusammenhang auf die von unserer Gemeinde eingerichteten Post-Barmizwa-Kurse, an denen in diesem Jahre leider nur 12 Schueler, Jungen und Maedchen, teilnahmen. Wir sind, und das moechte ich in diesem Zusammenhang ausdruecklich betonen, gern bereit, jede nur gewuenschte zusaetzliche Moeglichkeit zu schaffen, um jungen Menschen den Kontakt mit uns und mit unserer Gemeinschaft zu ermoeglichen, und Sie koennen sicher sein, dass wir alle Anregungen in diesem Sinne mit groesster Aufmerksamkeit bearbeiten : werden. i JUGENDGOTTESDIENST Eins moechte ich hier be- 1 merken, auf etwas hinweisen, dass wesentlich zur Verstaerkung des Kontaktes zwischen Jugend und Ge- , meinde beitragen kann! Der Jugendgottesdienst. Mit grossem Erfolg hat unsere Gemeinde im vergangenen Geschaeftsjahr 9 regulaere Ju-; gendgottesdienste veranstal -; tet, an denen im Durchschnitt 80 — 100 Jugendliche teilnahmen. Diese Got- : tesdienste, die im Wesentlichen von den Jugendlichen selbst durchgefuehrt werden, : haben sich einen festen Platz im Leben unserer Gemeinde erobert und sind zu einer sehr beliebten Einrichtung geworden. Nur eines ist bedauerlich. Wenngleich wir uns natürlich ueber jeden freuen, der an diesem Gottesdienst teilnimmt, rpuessen wir doch immer wieder feststellen, dass diese Jugendgottesdienste nicht so sehr der Altersklasse dienen, an die sie sich direkt richten, naemlich die Jugendlichen nach der Barmizwa, sondern vielmehr hauptsaechlich von juengeren Kindern besucht werden, die den groessten Prozentsatz der Teilnehmer ausmachen. Meine Damen und Herren: Tragen Sie dafuer Sorge, dass Ihre Kinder auch nach der Barmizwa die Synagoge besuchen, sie nicht nur von aussen kennen, sondern teilnehmen am religioesen Leben. Sie erweisen hierdurch (Fortsetzung Seite 6)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.