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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-04-01 · 4 (Abril, 1963) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
4 (Abril, 1963)
Date
1963-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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ABRIL 1963 BOLETIN INFORMATIVO 11 DER “STAATSMENSCH” Sobald er spricht, erkennt man, dass sich hier eine Persoenlichkeit verbirgt, die den Ruf rechtfertigt der ihm vorausgeht ein Ruf, der sich manchmal dahin verstiegen hat, ihn als die "graue Eminenz der Mapai” zu bezeichnen. Nun, das ist er gewiss nicht, aber wer ist er denn, dieser Josef Almogi, der waehrend einer Woche der Gast unserer Koilektivitaet war, herumgereicht von Empfang zu Bankett, gehetzt von feierlicher Sitzung zu" oeffentlicher Kundgebung, gejagt von Konferenzen mit hochstehenden Persoenlichkeiten des politischen und des wirtschaftlichen Lebens, zu laengeren Unterhaltungen freundschaftlicher, fast intimer Art, mit irgend einem Juden, der irgend etwas ueber Israel wissen will. Stets laechelnd, immer freundlich, e i n Scherzwort auf den Lippen; wir haben ihn in diesen Tagen bewundern gelernt, den “Staatsmenschen” Josef Almögi. Zwei Jahre lang war er Generalsekretäer der Sozialdemokratischen Partei Israels (Mapai), uebte Wichtige Funktionen in der allgemeinen Gewerkschaft (Histadruth) aus, hatte von 1945 bis 1959 das Amt des Vorsitzenden des Arbeiterrates von Haifa inne, einer Position, die ihm grossen Einfluss auf die Innenpolitik des Landes erlaubte. Heute ist er mit einem Ministerportefeuille betraut, das wohl zu den schwierigsten gehoert, welches das an Problemen wirklich nicht arme Israel zu vergeben hat: Wohnbau und Wirtschaftsplanung. Er ist verantwortlich fuer ein Budget von jaehrlich 100 Millionen Dollar allein fuer Wohnbauten, er muss dafüer Sorge tragen, dass das Bauprogramm der Regierung, welches die j a e h r 1 i c h e Errichtung von 30.000 Wohneinheiten vorsieht, und in dessen Rahmen in 15 Jahren ueber 480.000 Wohnungen gebaut wurden, ordnungsgemaess ablaeuft, er, ein junger Mensch, 1910 geboren, 1930 nach Israel eingewandert. Drei Jahre lang war er —Freiwilliger der juedischen Brigade— Kriegsgefangener der Deutschen, Vertrauensmann der juedischen Gefangenen seines Lagers. In dieser Eigenschaft organisierte er, in den letzten Monaten des Krieges, die Massenflucht von 4.000 englischen ISoldaten und juedischen Gefangenen, die er in einem Marsch von mehr als 1.000 Kilometern zu den Alliierten in die Freiheit brachte. Er hat einiges erlebt, dieser Josef Almogi, dieser “Staatsmensch”. Was bedeutet eigentlich das Wort “Staatsmensch”, welches wir so oft gebrauchen? Wer es im Woerterbuch sucht, wird es nicht finden, es gibt wohl “Staatsmann”, auch “Staatsvolk” ist bekannt,, aber “Staatsmensch” ist eine Neupraegung Josef Almogis, der damit den Typ des Israelis charakterisieren will, der in politischen Kategorien zu denken gelernt hat. Und es leuchtet ein. Genau, wie die Sprache den “philosophischen Menschen” kennt, wie der “rustikale Mensch", der “musische Mensch” Begriffe sind, so umreisst das Wort “Staatsmensch” eine ganz bestimmte Art von Individuen, und Josef Almogi ist eine wunder - b a r e Personifikation von ihnen. Er denkt wirklich in politischen Kategorien, sein Leben ist auf den Staat, auf all das was er beinhaltet, abgestellt. Seine Redé, ganz gleich worueber, kehrt automatisch immer wieder zu diesem Ausgangspunkt z ü t ü e c k. Er merkt es selber, er laechelt darueber, aber er akzeptiert es als etwas unvermeidliches. Ist er doch schliesslich Repraesentant eines Volkes, dass politisch denken muss, denn es hat ein “Rendézvous mit dem Schicksal”, es muss “gegen die Zeit arbeiten” um existieren zu koennen. Dies ist das Alpha und Omega, worum seine Gedanken kreisen. “Wir sind” —so fuehrt er aus— “zu einer Legende geworden, die in keiner Weise unserer numerischen Wichtigkeit entspricht. Die Welt hat sich daran gewoehnt von uns das Unmoegliche zu erwarten und, so merkwuerdig dies klingen mag, gerade weil es das Unmoégliche ist, machen wir es moeglich, schaffen wir es und werden es weiterhin schaffen”. Der Zuhoerer stutzt: Billige Rethorik? Nein, nicht im geringsten, denn schon wenig spaeter untermauert Almogi diese Behauptung mit nuechternen Tatsachen: “Waehrend 1948 die einzige Deckung der israelischen Waehrung die Kopfbedeckung des Finanzministers war” —wir zitieren woertlich— “gehoert heute Israel zu den finanziell solventesten Staaten. War Israel bis zur Staatsgruendung ein zurueckgebliebenes Gebiet, so leistet dieses selbe Land heute ueber 40 . befreundeten Nationen technische Hilfe” (und Wird, wie Minister Almogi mit den entsprechenden Instanzen vereinbarte, voraussichtlich in Kuerze auch ein Abkommen ueber gegenseitige technische Hilfe mit Chile abschliessen). “Waren wir bis .vor wenigen Jahren ein Volk von Dichtern, von Philosophen und von Traeumern, ist die israelische Wissenschaft heute fuehrend in der Landwirtschaft und im Bergbau”.— “Hatte man bis vor kurzer Zeit geglaubt. Israel waere ein rohstoffarmes Land, hat die Forschungsarbeit juedischer Gelehrter inzwischen so viel verborgenen Reichtum entdeckt, dass damit d i e Aufnahmekapazitaet der Medinah sich bedeutend erhoeht hat”. Ein Paradoxon haette genuegt, aber gleich so viele? Es ist schwer fuer uns Juden hier in Chile, das alles zu begreifen, uns darueber klar zu werden, was auf diesem kleinen Stueckchen Erde, nicht groesser als die Provinz Valdivia, vor sich geht. Almogi begreift das, er entschuldigt es, denn, wie er sagt, “... uns besucht zwar das juedische Volk, der Kaufmann, der Arzt, der Industrielle und der Intellektuelle. Sie alle kommen, sehen das Land, staunen und lieben es. Aber... sie sind keine Staatsmenschen, kaum ein Jude im Golus ist das. Und deshalb ist es fuer einen Juden schwer zu begreifen, was vorgegangen ist. Das koennen nur Menschen, die die Probleme wirklich kennen, Well sie ihnen selbst in gleicher oder doch aehnlicher Form gegenuebar stehen —Staatsmaenn e r, Politiker, Verwalter, meist Nichtjuden, verantwortliche F u e h r e r ihrer Voelker. Und deshalb ist der Ruf, ist die Legende Israels in der niehtjuedischen Umwelt groesser als in unseren eigenen Reihen”. “Es ist schwer” —fuehrt der Minister aus— “eine Legende zu leben. Ganz besonders, wenn unsere Existenz unter staendigem Druck von aussen steht. Wenn eine feindliche Welt nur darauf wartet, uns zu vernichten. Wir hoffen zwar, dass wir noch in unserer Generation Frieden haben werden, denn wahrlich, es gaebe fuer Juden und Araber dringlichere Probleme zu loesen als sich gegenseitig z u -bekaempfen, aber, wir koennen diesen Frieden nur dann haben, wenn die Araber endlich merken, dass es unmoeglich ist uns zu vertreiben”. Gespannt lauscht der Zuhoerer. Ein klein wenig Besorgnis schleicht sich bei ihm ein; Sollte der Minister etwa dem Praeventivkrieg das Wort reden? —Nein, weit gefehlt, seine Loesung, so ueberraschend sie klingen mag, ist viel ueberzeugender, entspricht viel mehr unserem Denken. “Nur dann, wenn Israel wirtschaftlich so gefestigt ist, dass es von keiner Krisis erschuettert werden kann, nur, wenn das juedische Land voll und ganz von juedischen Menschen besetzt ist, kann dieser Zeitpunkt kommen. Eine Fabrik ist mehr wert als 20 Tanks, ein Dorf im Ne- Josef Almogi — unser Gast fuer eine allzu kurze Woche gew wiegt ein Flugzeuggeschwader auf”. Man hoert, merkt auf und ueberlegt —der Mann hat recht. Entstand doch der juedische Staat in den Grenzen die ihm von der juedischen Besiedlung gezogen worden waren, nicht etwa innerhalb der fiktiven, papierenen des Beschlusses der UNO. Und die Konsequenzen die sich .daraus ableiten: “Wir brauchen Menschen —2 bis 3 Millionen Menschen, wir brauchen Geld. Und wir brauchen dies nicht morgen oder Uebermorgen, sondern i heute, Wir laufen gegen die! Zeit”. : Ploetzlich ist das Treffen zu Ende. Die Zuhoerer stehen auf, noch einige hoeflicha Worte des Verabschiedung, . der Minister muss weiter und auch uns ruft wieder die Arbeit. Der Eindruck aber, den dieser “Staatsmensch ”hinter-; lassen hat, wird weiter wirken, hat er doch etwas fertig gebracht, was nur wenige : koennen: Er hat uns die Au- , gen geoeffnet, uns eine neue! Wirklichkeit sehen lassen und er hat uns die Verpflichtungen gezeigt, die uns aus ihr erwachsen. 7 k IN ISRAEL GEBAUTES SCHIFF DER MARINE UEBERGEBEN ln Gegenwart von Verkehrs minister J. Bär JChuda, Vize — Verteidigungsminister S. Peres. Marinekommandant Aluf J. Bin Nun, Werftdirektor Levertowsky und Bürgermeister Aba Chuschi sowie zahlreichen geladenen Gaesten fand auf dem bewimpelten Gelaende der Israel Werft in Haifa die Uebergabe des ersten hier erbauten Schiffes an die Israel Marine statt. Die Werft ist fuer Israel wesentlich und das Sicherheitsmintsterlum wird s i e auch weiterhin mit Auftraegen unterstuetzen, erklaerte Shihion Peres in seiner Ansprache. Fast jedes Unternehmen habe anfangs Klippen zu umschiffen. Verkehrsminister Bar Jehuda betonte. er hoffe, das Boot wüerde nur bei Manoevern verwendet werden, doch muessen wir fuer alles bereit sein. Der Sekretaer des Haifaer Arbeiterrates, S. Barhat, drueckte die Hoffnung aus, dass es trotz anfaenglichen Schwierigkeiten zu einer guten Zusammenarbeit zwischen Leitung und Arbeitern kommen moege. Auch Aba Chuschi und der Werft- Direktor äeusserten sich optimistisch. Das Schiff wurde in dreiviertel Jahr erbaut. Die Spezifikation wurde von Marineingenieuren und Offizieren ausgearbeitet - erklaerte der Zahal Sprecher, Spaetere Arbeiten wuercen 20% wei niger Zeit in Anspruch neh- : und auch billiger sein, i Nach Uebergabe des Pa-! tents an den Kommändan-; ten des Fahrzeugs führ das | bewimpelte neue Schiff die! Reling hinab und stach un- | ter Sirenengeheul anderer! Marinefahrzeuge in See.! (“Canfit”) FABRIK FUER BROMIDE EINGEWEIHT Die neue Fabrik zur Produktion von Bromiden, die d. Toten Meer Werken affiniert ist, wurde in Beer Schewa in Anwesenheit des Finanzministers Levi Eschkol und des Entwicklungsministers Joseph Almogi eroeffnet. Das Werk gehoert zu den groessten und modernsten dieser Art in der Welt. Es wurden IL. 2 Millionen investiert, je zur Haelfte von der 1 Regierung und von englischen red amerikanischen* Investoren. j Die Jahresproduktion soll' 2.000 Tonnen Bromide betragen und ist teils zur Auf bereitung von Duengestof-; fen im Lande, teils zum Exj port bestimmt.! Am Tage vorher wurde in; einer kurzen Zeremonie, an der die beiden Minister eben-; falls teilnahmen, in Shefah Zohar, dem Hafen am Toten Meer ein 4.500 Tonnen Leichter auf den Namen des verstorbenen Arbeitsministe r s Dr. Giora Josephthal genannt. Der Leichter war ueber Land in Sektionen nach dem Toten Meer ueberfuehrt worden. Die Witwe des verstorbenen Ministers Frau Senat Josephthal nahm die Namens'benennung vor. (■“Canfit”)

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