Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 4 (Abril, 1963)
- Date
- 1963-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ABRIL 1963 10 BOLETIN INFORMATIVO EINE GESCHICHTE AUS ISRAEL: DAS MAEDCHEN JOYCE Von HERBERT FREEDEN (Jerusalem) Da stand sie, im Fuersorgeamt in Jerusalem, zart, fast zerbrechlich, mit kastanienfarbenem Haar, und als ich sie ermutigend fragte, was wir fuer sie tun kosnnten, antwortete sie: “Ich moechte helfen”. Sie sagte das so selbstveistaendlieh, als waere das' fuer ein Maedchen von 20 Jahren, das gerade ihr konfortables Elternhaus in New York verlassen hatte, das Alltaeglichste in der Welt. Ich erinnere mich dieses ersten Zusammentreffens, als ob es gestern gewesen waere, denn in jenem Amt, voll bedrueckender Probleme und bedrueckter Mens'chen, stand Joyce, frisch vom Flugplatz und entschlossen, den Kampf gegen das Elend aufzunehmen. Nein, Bureauarbeit interessierte sie nicht. Da, wo die Not am groessten war wollte sie sein. Ihre Erfahrung in Wohlfahrtspflege war kaum der Rede wert, aber ein offenes Herz macht fuer vieles wett, und so wurde sie Assistentin einer Fürsorgerin, die Doerfer fuer neue Einwanderer in den Jerusalemer Bergen zu betreuen hatte. Ich verlor Joyce aus den Augen, und nach ein paar Wochen traf ich sie zufaellig auf der Strasse. Sie sah missmutig drein. “Sie sehen aus, als ob Sie das Elend der ganzen Welt zu tragen haetten”, s'agte ich. Sie schuettelte den Kopf. “Im Gegenteil — ich habe zu wenig zu tragen”, gab sie zur Antwort. Sie war envtaeus'cht, nicht genuegend Verantwortung zu haben und nicht viel tun zu koennen. Die Berichte ueber ihre Arbeit waren gut, und nach einiger Zeit erhielt sie die Betreuung einer Siedlung von jemenitischen Einwanderern bei Jerusalem. Eines Tages beschloss ich, sie zu begleiten. Es war ein Dezember- Morgen. Die Luft war sonnenklar und durchsichtig, und es duftete nach feuchter Erde, als wir die Berge hinauffuhren. Joyce war wie ein Kind, das eine Ueberraschung vorbereitet hatte. Und so war es auch. Der Wagen fuhr ins Dorf — eine der Frauen sah uns und rief “Jossa — Jossa —”. Der Ruf “Jossa” ging von Mund zu Mund wie ein Losungswon, und erst, als von allen Seiten Leute auf uns zurannten, merkte ich, dass Jossa ihr Name fuer Joyce war, und dass sie ihr einen fuerstlichen Empfang bereiteten Sie kannte jeden von ihnen und bald war sie von der Menge umzingelt. Nach einer Weile kam sie zu mir zurueck, einen etwa 12 jaehrigen Jungen an der Hand. “Das ist David”, stellte sie vor — “David ist mein Assistent, er hilft mir seit meinem ersten Tage hier”. David war ein echtes Jemenitenkind, mit feurigen Augen und einem Gesicht1 i von aristokratischer Feini heit. Als Joyce von Haus zu i Haus ging, folgte er ihr wie j ein routinierter Sekretaer mit ihrer Aktenmappe und - den Papieren. Das Verhaelt - i nis zwischen dem Kind und I Joyce war ruehrend, und! noch erstaunlicher war ihr I Erfolg mit diesen Menschen hier. Man konnte spueren, 'wie sie ihre Maedcbenhaf- | tigkeit in den Monaten det Arbeit verloren hatte. Das neugewonnene Selbst v e r I trauen lieh ihr muetterliche 1 Zuege. “Ich sehe s’chon, wie David ebenfalls eines Tages in : unserem Amt erscheinen j wird, um Wohlfahrtspflege! zu werden”, scherzte ich. Sie lachte. “Er ist ein dari ling”. Inzwischen hatte der Winter mit schweren Stuermen und Regenguessen eingesetzt, ajs Joyce im Amt anrief. Sie brauche sofort einen Doktor fuer “ihre” Sied iung. Das war gar nicht so einfach, denn ein Doktor besuchte das Dorf turnusgemaess nur einmal in der Woche. Ich fragte, ob nicht eine Schwester genuegen wuerde, aber Joyce bestand auf einem Arzt, und zwar heute, nicht morgen, denn David; war erkrankt. Nach einiger j Ueberredung fanden wir ei-! nen Arzt, der bereit war. noch heute in die Berge hinaufzufahren. | Am naechsten Morgen war Joyce bereits in aller Fruehe im Amt. Aus ihren Telephongespraechen .entnahm ich, : dass sie versuchte, ein Bett in einem Krankenhaus zu finden. Sie hatte keinen Erfolg. “Es gibt eine lange i Warteliste”, rief sie mir zu, 1 das ist, was' man mir am Telephon sagt. Ich muss selbst von Krankenhaus zu Krankenhaus gehen. Viel, viel spaeter kam sie zurueck, erschoepft aber mit gluecklichen Augen. “Ich habe einen Platz bekommen”, sagte sie und warf sich in einen Sessel. “Morgen frueh um 8 Uhr. Wir muessen ihn abholen”. Ich vers'prach, mit ihr zu fahren. Der Morgen war truebe und regnerisch, nicht wie damals, als die Luft durchsichtig war und es nach feuchter Erde duftete, und Joyce wie ein Kind war, das eine Ueberraschung vorbereitet hatte. Heute war sie nervoes und der Wind unerbittlich. Der Wagen gelangte ins Dorf. Ein paar Menschen, d i e herumstanden, verschwanden, als sie uns kommen sahen. Niemand rief, Jos'sa. ' I Joyce schien das nicht zu merken. Sie eilte, dass ich; kaum f olgen konnte, zu Da-; vids Haus, und sofort in den Raum, in dem er schlief. Von dem Schock der durch ihren Koerper ging, wusste ich, bevor ich es sah, dass sein Platz leer war. Sie blickte sich um. Ein paar Frauen Casabeia Compraventa de ropa con poco uso en consignación Providencia 1388 Local J waren da, die gleichen Frauen die einst ihren Namen gerufen hatten, als ob sie eine Fuerstin waere. “Wo ist David?”,fragte sie. Sie schienen nicht zu hoeren oder gaben vor,nicht zu veri stehen. Joyce wollte davon- | eilen. Sie hielt an. Leute hatten sich vor der Tuer an-; gesammelt, nicht um sie zu begrues'sen, nicht um ihre Hilfe zu erbitten, sondern sie standen da mit feindlichen Mienen, drohend, eine Menschenmauer, die nicht wich. “Was ist geschehen?” Joy- ' ce wandte sich an mich. Sic! begriff nicht. ' Ich sagte: “Die Familie hat David versteckt. Jemei niten trennen sich nicht von ihren Soehnen, auch nicht, wenn sie krank sind. Sie : wollen nicht, dass Sie ihn! fortnehmen”. “Aber wenn er bleibt, wird er sterben... ich muss ihn linden...” und damit wollte sie sich ihren Weg quer durch die Menschen bahnen, die den Ausgang verstellten. Die Leute ruehrten sich : nicht. Nichts erinnerte daran, dass dies ihre “Jossa” war. Ihre Gesichter waren unbeweglich, als ob sie diese Frau niemals zuvor gesehen haetten. “Ich hole die Polizei". Joyces Nerven waren am Ende. Da war der Junge, der Hilfe i brauchte. Da war sie, nach i einem Kampf um einen Platz im Krankenhaus — und hier die Menschen hielten ihn versteckt, in einem Augenblick, da sein Leben auf dem Spiel stand. Ich fuehlte, dass | das zuviel fuer sie war. Sie argumentierte, flehte, drohte — die Leute blieben stumm. Endlich murmelte ein Alter, David waere gestern fortgegangen, sie wuessten nicht wohin. “Aber er konnte nicht ge- , hen, er war ja viel zu! schwach", schrie Joyce. ’ Der Mann widerholte nur, \ dass niemand wuesste, wo David sei. Die Menschenmauer gab nicht nach, bis : ich Joyces Arm nahm und sagte: “Wir gehen, zum Wagen zurueck”.; Man folgte uns, bis wir ab- 1 fuhren, I Im Augenblick, als wir ' allein waren, schien Joyce in sich zu sinken. Die Spannung fiel von ihr ab, und mit ihr ihre Entschlossenheit und Energie, ihr Wunsch zu helfen und ihre Fälligkeit, mit Menschen Kontakt zu finden — Traenen stroemten ueber ihr Gesicht, das Gesicht eines zerbrechlichen, I zarten Maedchens, das weit- I her uebers Meer gekommen! war, um zu helfen und sich selbst nicht helfen konnte. Ich nahm ihre Haende. “Sehen Sie, Joyce, nicht nur David braucht Hilfe — sie alle brauchen Hilfe: der Alte, der vorgab, dass David fortgegangen ist; die Frauen die so taten, als hoerten sie nicht; die Maenner, die ihnen den Weg versperrten... sie alle brauchen Menschen, wie Sie es sind, sie brauchen Guete, Verstaendnis, eine feste Hand, und vor allem — Geduld, Geduld, Joyce, um der vielen Davids willen, in all den Doerfern und Siedlungen. . Sie antwortete nicht. Aber ich fuehlte einen leisen Druck ihrer Hand, und unter ihren Traenen . wagte sich der mutige Versuch eines Laechelns hervor. DIE NATIONALEN FONDS.. (Fortsetzung Von Seite 4) Wenn eine Judenheit der Welt gefaehr^Jt ist, oder Juden aus irgendeinem Lande fluechten muessen, so geht es die Juden in Amerika, Europa und Australien genau so an, wie die Israelis, und jeder Teil des ¿juedischen Volkes in ,der , Diaspora hat genau so fuer dieses Rettungswerk und Rehabilitierungswerk aufzukommen wie die Buerger Israels - ja mehr noch. Denn die Buerger Israels teilen mit den Einwanderern die Produkte des Landes und ihre Arbeitsplaetze, und sie zahlen mit ihren Steuern fuer die Erziehung ihrer Kinder ,und fuer ihre aerztliche Versorgung. Die Nationalen Fonds geben den Juden in der Welt das Recht und die Pflicht ihren selbstverstaendlichen Anteil an diesem Rettungs-und Aufbauwerk zu leisten. Diese Konzeption hat nichts mit Wohltaetigkeit zu tun, sondern mit nationaler Solidaritaet. Die A r b e itsteilung zwischen dem Keren Kajeineth und Keren Hajessod ist kiar und u n m i ssverstaendlich. Der KKL bereitet das Land fuer Siedlung durch (Urbarmachungs-und' andere Landgewinnungsarbeiten vor und der Keren Hajessod bringt die M e n s c h en hin und errichtet die Wirtschaften, Farmen und Doerfer. t Was haben die Fonds seit 1948 geleistet? Der Keren Hajessod hat 1948 durch den Magbith ,450 Millionen Dollar aufgebracht. , Ueber pine Million Einwanderer sind seit Staatsgruendung ins Land g e k o mmen, 470 landwirtschaftliche Siedlungen sind gegruendet worden, die bebaute [Fiaeche ist von 1 Million auf 4 Millionen Dunam angewachsen, und der Realwert von Israels landwirtschaftlicher Produktion Ist um 300%gestiegen. Judenheiten aus 47 Laendern haben finanziell zu diesem Ergebnis beigetragen. Nicht weniger dramatisch sind die Leistungen des KKL seit Israels Staatswerdung. Um die richtige Perspektive , gu deren Beurteilung zu finden, muessen wir uns vor Augen halten, dass s a e m 11 iche landwirtschaftliche B o eden in Israel jetzt bereits voll ausgenuetzt sind und dass um die landwirtschaftliche Produktion fuer die immer groesser werdende Bevoelkerung zu steigern, Boden neu “geschaffen” , werden muss. Darin liegt die Bedeutung der Landurbarmachungsarbeiten des KKL. Ein Fuenftel der genannten Fiaeche, die gegenwaertig bestellt und bebaut . wird, ist seit ,1948 durch verschiedene Landverbess e r u n gs arbeiten des Fonds neu gewonnen worden i — sei es durch Entsteinung und Terrassierung, sei es durch Entsumpfung und andere Ameliorierungswerke. Allein im Hulatal sind 60.000 Dunam aus einem malariaverseuchten Sumpf in landwirtschaftlichen Bodten verwandelt worden. In den ,Ber- | gen und zwar in besonders j e x ponierten Grenzgebieten sind eine Viertelmillion Dunam Boden iurbar gemacht; und somit die Moeglichkei- I ten geschaffen worden, diese | bisher leere Laendereien zu! besiedeln. Ueber 600 Millionen Baeume sind seit Staats- , gruendung gepflanzt worden; und zwar nicht nur als Wael- | der in den Bergen, sondern 1 auch im Negev als Schutz- ' guertel um Felder, als Alicen; an den Strassen, als “Anker” : fuer wandernde Duenen usw.! Die Wirtschaft des Landes , ist durch eine Vielfalt von; Investierungen seitens der , Nationalen Fonds erweitert worden. Um, nur ein Beispiel! zu geben: Voellig neue Zweii ge der Landwirtschaft sind | durch die Bergsiedlungen geschaffen worden, wie Z. B. | der , Anbau europaeischer ' Obstarten wie sie bisher im 1 Lande unbekannt waren, und j eine grosse Anzahl von In- I dustriepflanzen, wie Baum- | wolle, Zuckerrohr, Erdnues- , se, Agaven usw. sind in den letzten Jahren mit Hilfe der nationalen Planung in Israel eingefuehrt worden. Die Erschliessung neuer Gebiete im Lande, war seit je ein Privileg des Keren Kajemeth und Keren Hajessod — von der Haifa Bai ueber das Eixiek Israel bis zum Negev. Die Entwicklung des noerdlichen Negev hat erst nach Staatswerdung im vollen Mass begonnen. Ihr folgte die Erschliessung des Taanach Distrikts und des Lachisehgebietes, in dem viele Tausende von Einwanderern Arbeit und ein Zuhause gefunden haben, und’ wo sich neben Landwirtschaft neue Industriezentren abzeichnen. Nunmehr liegt der Akzent auf der Erschliessung der Grenzgebiete — Adullam, Korazim, Modi’in, um nur einige zu nenaan. Rueckschau und Ausschau Ist zu halten, in einem solchen Augenblick wie Israels 15. Jahrestag, eine echt juedische Sitte, — so wie man sich am Rosch Haschanah Rechenschaft von seinen Taten ablegt und seine Plaene ueberprueft. Die Nationalen Fonds haben alle Ursache diese Bilanz mit Stolz zu ziehen. Ihre Leistungen sind eine echte Pioniertat, wie sie heutzutage in der Welt selten sind, und die grosse Aufgabe, das ganze juedische Volk am Aufbau Israels teilnehmen zu lassen, wird noch auf lange Zeit hinaus weiter gehen. MANFRED0 RANZIGER F. Casa Mayorista en Artículos de Escritorio IMPRENTA Casilla 9506 — Teléfon 66952 — Santiago teilt seiner geschaetzten Kundschaft seine NEUE ADRESSE mit: Matías Cousiño 64 - piso 7 - OS. 708 —Edificio MONSERRAT— (zwischen Moneda und Alameda)