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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-04-01 · 4 (Abril, 1963) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
4 (Abril, 1963)
Date
1963-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ABRIL 1963 BOLETIN INFORMATIVO 7 J NÄSSER AUF DER HOEHE SEINER NACHT? “Die Lage im Mittleren Osten beurteilen zu wollengleicht dem Versuch-, ein abstraktes Gemaelde zu definieren”. .So schrieb (die “Jerusalem Post” am Tage nach dem Umsturz im Irak. Und sie fuegte hinzu: “Die Intrigen sind viel komplizierter, als die Wirklichkeit scheint, auch wenn ä'ie Resultate so monoton klingen wie ein Beduinenlied”. Genau ein Monat spaeter erklang das gleiche Beduinenlied in Syrien: nun durfte niemand mehr Zweifel ueber die ¡Person des Komponisten und Dirigenten hegen. Das abstrakte Gemaelde hatte sehr realistische Konturen angenommen. In den zehn Jahren seiner bewegten Existenz als unumstrittener Herr Aegyptens ist Nasser schon oft von den Wellen des Erfolgs emporgetragen worden: 1954 Raeumung der Kanalzone, 1957 der , Kanal unter asgyptischer Kontrolle, 1958 Anschluss Syriens. Ebenso oft und ebenso tief! hinabgeschleudert: 1956 die Sinai— Kampagne, 1961 Ende der Vereinigten Arabischen Republik. Noch nie aber schien er seinem ersten grossen Ziel, der Vereinigung der arabischen Staaten unter seiner Aegide, so entscheidend naeher gekommen wie ln diesen ersten Monaten des Jahres 1963. Die Tatsache, dass 30.000 seiner Soldaten im Jemen intervenierten, glaubte man noch weithin mit einem Achselzucken abtun zu koennen. Washington kalkulierte, den Abtransport seiner Legionaere mit der Anerkennung seines Satelliten Salal erkaufen zu koennen. Salal ist nun, von Washington und von den Vereinten Nationen, als rechtmaessiger Herr des miserablen Wuestenstreifenc anerkannt. Nassers Truppen intervenieren aber 1 u s tig weiter. Gibt es nicht Parallelen -in der Entwicklung der kubanischen ‘Situation? Nach dem Jemen kam der Irak. Das war schon sehr ernst. Mit einem Achselzukken konnte man in Washington zwar nicht mehr reagieren, die neurotische Verd'raengung der Niederlagen aeusserte sich daher in einer b e s o n ders originellen Form: unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit konnte jeder, der es hoeren oder nicht hoeren wollte, erfahren, dass der Sturz Kassems nicht in Kairo, sondern viel viel weiter westlich organisiert worden war. Irgend ein amerikanischer Botschaf ter im Stil des “Ugly american” nahm sogar Gratulationen entgegen. Dann Syrien. Dazu “Time”. “Nasser hat noch nicht Partei ergriffen (im kalten KriegJ. Aber die Sache steht besser als sie sich anhoert. Vor wenigen Jahren noch war Nasser unparteiisch zugunsten des Osten, freute wird er genauer definiert, als unparteiisch zugunsten de* Westen. “Nun ist. ’Time” zwar kein Interpret der heutigen Regierung von U. S. A„ aber in diesem Falle bestatstigen deren Handlungen und Haltung, dass sie so dmkt. Kruschev denkt anders Er liess Kassem, seine pro-russische Regierungsclique und ein paar tausend' Kommunisten in Irak in einem barbarischen Blutbad ersaufen, ohne mit der Wimper zu zuk ken. Fuer ihn schafft Naser nicht die Stabilitaet, an die die naiven Dilettant o im State Department oder im Pentagon glauben, sondern das Vakuum, das er fuer aen Ernstfall braucht. Es sind also keine ausserarabischen Faktoren, die das Zustandekommen e’ i n e r neuen groesseren VAR bisher verzoegert haben. Die kommunistischen Waffen unu das kapitalistische Geld, die Nasser dazu braucht, werden weiter stroemen, solange er fuer die einen das Vakuum schafft und den anderen Stabilitaet und “Unparteiischkeit zugunsten des Westen” vorgaukeln kann. Es sind Beden ken, Zweifel, Machtkaempfe in Bagdad und Damaskus selbst. Da ist die bittere Erfahrung der i Ausbeutung Syriens durch | Aegypten 1958 bis 1961. Da ist Aref, ehrgeizig und jung , zur Macht gelangt : doch nicht nur, um Amt und Wuerden sogleich aufzuge- , ben? Da ist die Baath-Par- | tei, die ueber Methoden und i Ziele des arabischen Nat’o- | nalismus oft anders denkt! als Nasser, Und andere Fak-! toren, die das Bild verwirj rend, das “Gemaelde ab- I strakt” gestalten, j Mit oder ohne Erklaerung steht jedenfalls fest, dass die arabische Fcederation, deren Proklamation nach Nassers Revolte Nr. 3 bevorzustehen schien, noch nicht geboren ist. Der aegyptiscne Diktator selbst scheint es vorzuziehen, behutsam vorzugehen, wenn ihn auch die fanatischsten seiner Gefolgsleute, wie z. B. im treuen Aleppo, draengen. Er denkt zu sehr auf lange Sicht, um heute, in seiner bisher groessten Stunde. Dummheiten machen zu wollen. Wenn es nur auf ihn ankaeme, so wuerde er seine zukünftige Politik in folgenden Etappen planen: 1. ) Vereinigung aller arabischen Staaten unter seiner Herrschaft. 2. ) Ordnung im eigenen Haus: sozialer, wirtschaftlicher, technologischer Fortschritt. 3. ) Israel. Israel an dritter Stelle heisst, dass er kein neues Abenteuer mehr riskier m will. Er traeumt vielmehr davon, die Revanche durch eine drueckende zahlenmaessige Ueberlegenheit (Punkt 1) und durch Aufholen des gewaltigen israelischen Vorsprungs an menschlicher Qualitaet (Punkt 2) erst gruendlich vorzuber eiten. Wenn er auch keine friedliche Koexistenz anbietet, so ist sein Gedankengang doch eine Kopie von Kruschevs Illusion, de Vereinigten Staaten bis . 1970 wirtschaftlich ueberholen zu koennen. Es kommt aber nicht nur auf ihn an. Zum Glueck gibt es noch andere Faktoren. Wenn auch von den heute einflussreichsten die meisten ihm guenstig scheinen, so kann es morgen andere geben. Geschichte steht nicht still.! Schon bei den beiden naechsten Schritten, die er zur Unterwerfung Arabien« vorhat, drohen ihm Gefah j ran. Der eine ist die Ermor- | düng Sauds, dessen Privat- \ flugzeug in Italien zerschellj te, allerdings nachdem Seine! Majestaet schon ausgestiegen war. Zwar hat man inzwi-; sehen aus der Presse entnehi men koennen, an welch stattlicher Anzahl von Krankheiten dieser Sohn des Proj pheten leidet (an den Ohren j hat er garnichts?), sodass ' Nassers Agenten sich vielleicht die Muehe sparen koennen, seine Abfahrt in die Gefilde seiner Ahnen gewaltsam zu beschleunigen. 1 Aber der. Griff nach den Erdoelfeldern von Arabien, auf j die es ja schliesslich ani kommt, wuerde doch aeusserst empfindliche amerikanische Interessen beruehrao. Seine “Unparteiischkeit zugunsten des Westen” wa^re einer ernsten Belastungsprobe ausgesetzt. Die Ermordung Husseins, schon so oft versucht und nie gelungen, ist eine nicht minder harte Nuss. Der kleine Koenig von Amman ist, nicht krank und alt, sondern gesund, jung, mutig und geschickt. Sollte sie aber gelingen, so waere eine Krise mir Israel lange brvor sie in Nassers neuem Fahrplan steht unvermeidlich. Eine aegyptische Intervention in Jordanien waera das letzte, was Israel als “inner-arabische-' Ange lègenheit akzeptieren kosnnte. Nasser in Xalkiiia, in Nablus, Djenin und in alten Jerusalem? Daran glauben doch wohl noch nicht einmal die Stabilisierung«- Ideologen von Washington. So sieht sich Israel, 15 Jahre nach der Staatsgruendung und einer Entwicklung, die die Bewunderung aer Mitwelt hervorruft, zu aeus- «erster Wachsamkeit g fczwungen. Seit 10 Jahren herrscht Nasser in Kairo, eine aussergewoehnlich lange Zeit fuer einen arabischen Fuehrer. Er hat grosse Erfolge erreicht und trotz nicht minder bedeutender Rueckschlaege hat er per Saldo einen betraechtlichen Teil seiner Ziele verwirklicht; Die anderen Ziele, die er sich fuer die Zukunft gesteckt hat, koennen Pruefungcn ■ fuer Israel bedeuten. Um sizu bestehen, heisst es gewappnet sein. RAUFF: INTERMEZZO CORAM PUBLICO Seit vielen Jahren hat in 1 Chile keinte Gerichtsverhand- : Jung ein solches Interesse i ausgeloest. Die wenigen Sit-; Zungen, die unter Zulassung! der ” Oeffentlichkeit stattj fanden, bewiesen es: ein Pu- I blikum von meist ueber 150 j Menschen, das bei kaum: mehr als 50 Sitzplaetzen; stoisch die Unbequemlichkeit, j die Hitze des engen Saals und I die marathonische Ausdauer j der Plaedoyers in Kauf j nahm. j i Wer war da nicht alles da? i Vor allem Studenten, vorj letztes oder letztes Jahr Ju-1 ra. Was moegen sie gedacht | haben? Ghetto, Transporte j in Viehwagen, Erschiessun-1 g e n, Massenvergasun gen.! Verstehen sie das?... Der dicke blonde rosahaeutige j Anwalt in der ersten Reihe, i den man sich so gut in' brauner Uniform vorstellen! kann. Er laesst keine Zweifel: ueber seine Gedanken —sie' bestanden ohnehin nicht—: i “...alles schoen und gut, ‘ aber nach 20 Jahren!”... Der j kleine ausgemergelte Mann,; der sich vor Nervositaet nicht einmal hinsetzt, wenn ein Platz leer wird. In der . Pause tritt er an Rechtsanwalt Novoa. heran und zieht ein zerknittertes Buch aus der Tasche: “Kennen Sie das; Dokument?”. Er kennt es. Aber vielleicht haette er auch den Mann kennen 1er- : nen sollen. Er ist ein Opfer : des Dokuments. Er oder sei-. ne Familie... ReChtsanwael-; te. Justizbeamte. Wir fragen einen: “Wie wird das Urteil [ zustande kommen?” Er er- : klaert: “Zuerst wird der im; Amt juengste Richter seine Meinung geben. Dann der, naechste, als vorletzter , der; aelteste und zum Schluss der; Praesident. Eine Methode, um uebermaessige Beeinfius- | sung ersterer durch letztere; einzuschraenken”. “Ihre Pro- ' gnose?” “Bestimmt ke i n e . Einstimmigkeit. 4 zu 3,, hoechsten 5 zu 2. Zu wessen Gunsten? Unmoeglich vo-! rauszusagen. Aber Raufis1 Position hat sich mehr und! mehr geschwaecht”. \ Den Beweis dafuer bleibt; er schuldig. Aber er liegt auf j der Hand. Da ist in erster i Linie der Wahrspruch erstet Instanz von Obefrichter Don Rafael Fontecilla, in welchem dem Auslieferungsantrag der' Bundesrepublik Deutschland stattgegeben wird. Wenn er auch in der Revisions-In -: stanz aufgehoben werden, kann, so mag dies doch ein! schwerer zu erzielendes Re-1 sultat als die Bestaetigung | sein: Einfluss uebt er zweij fellos aus. Sehr erheblich ist' er schon beispielsweise durch die Tatsache der Reihenfol-; ge der Plaedoyers: dadurch, ‘ das Rauff in’ erster Instanz; verlor und er, nicht die Ge-; genpartei, Einspruch erheben musste, sprach als erster sein Anwalt. Dadurch ver-; tauschten sich die Rollen,j sehr zu seinen Ungunsten.; Der Anwalt der BRD sprach; zum Schluss. I Er sprach, wie niemand j besser haette sprechen koen-' nen. Klar, praezis, logisch,; eloquent, ueberzeugend. Stel- ■ lenweise hatte man -das Gej fuehl, einem der grossen Pro-! zesse der Neuzeit beizuwohi nen, einem Moro-Giafferi,' einem Frey oder einem Lef-, kovitz zu lauschen. Oder dem; Nuernberger Prozess, wo RA ’ Novoa als Gleicher unter! Gleichen neben Robert H. . Jackson und Sir Hartley ’ Shawcros's als Hauntanklaei ger haette figurieren koennen. Das sind schon drei schwer- I wiegende Faktoren in derj Position des Rauff. Der vier-' te ist, um nicht zu sagen sein; Anwalt, das Plaedoyer seines; Anwalts. Niemand hat ein' Recht daran zu zweifeln, dass! Don Enrique Schepeler seinen grossen Ruf zu Recht verdient. Dass' er ihn aber, bei dieser Gelegenheit nicht i unter Beweis gestellt hat, ist schwer zu bestreiten. i Kein Mensch erwartete senj sationelle neue Argumente, j sondern vielmehr eine Rekai pitulierung jener bereits; schriftlich in erster Instanz: vorgetragenen. Und was be-; kamen wir serviert? j Gewiss, wir sind voreingej nommen. Wir haben keinen: Appetit auf die Kost des i Rauff. Aber dieser Salat, ge- 1 mischt aus dem Kraut der* Rauffsehen Unschuld und I den Riieben der Verjaehrung, muss selbst fuer den dicken blonden Parteigenossen m der ersten Reihe ungeniessbar gewesen sein. Dass der Leutnant Rauff nur seine Pflicht... Novoa: “Rauff war nie Leutnant. Er tat mehr als seine Pflicht, denn er war als Vetrauensmann seines Freundes Heydrich im RSHA, im Dienste einer verbrecherischen Organisation, der SS, freiwillig taetig”. Dass Rauff schon lü Nuernberg freigesprochen... Novoa: “Das- Militaer-Tribunal von Nuernberg hat sich mit Rauff nie béfasst. Der Anwalt der Gegenpartei verwechselt einen nichtbest,ehenden Freispruch mit dem Verhoer, dem Rauff von der Alliierten Militaerpolizei m Italien unterzogen wurde” Dass bei dem Bombardement von Dresden, dass in Hiroshima, dass der' russisene Richter in Nuernberg, dass der Pakt Hitler-Stalin... Novoa: “Es’ ist nicht klar, welche Bedeutung diesen Argumenten beigemessen werden soll. Jedenfalls kommen sie nicht zur Sache”. Dass die Jurisprudenz i.n der Frage der Praeskription... Novoa: “Das Gesetz ~ schreibt vor, dass in Faellen, da kein Auslieferungsvertrag existiert, in Uebereinstimmung mit den Prinzipien des internationalen Rechts geurteilt wird. Prinzipien, nicht Jurisprudenz! Welches aber sind diese Prinzipien?”. Und es folgte ein Hochschulvortrag. Ein Fest des Geistes. Zweimal war es der Vorsitzende selbst, der den Anwalt des Rauff unterbrechen musste. Zu Beginn, als er gegen Richter Timm von Hannover vom Leder zog: “Das Hohe Tribunal verlangt Respekt vor auslaendisclien Gerichten”. Und dann zum Schluss, als er ihm noch ein Schlusswort erteilte, um zu Tatsachen Stellung zu nehmen. Und es wieder entzog: “Nur Tatsachen, bitte. Der Anwalt der Gegenpartei kann vom dem gleichen Recht Gebrauch machen”. Don Eduardo Novoa verzichtete dankend. Es war nicht mehr noetig. ATSCHEKA

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