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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-04-01 · 4 (Abril, 1963) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
4 (Abril, 1963)
Date
1963-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 BOLETIN INFORMATIVO ABRIL 1963 ZUM 15. JAHRESTAG ISRAELS Die Nationalen Fonds und der Aufbau des Landes Von HERBERT FREEDEN (Jerusalem) Zum 15. Jahrestag dtes Staates ist es angebracht der Eltern zu gedenken, die das Kind Israel zur Welt gebracht haben — der beiden Nationalen Fonds — des Keren Hajessod und Keren Kajemeth Leisrael Hatten sie ihre Rolle ausgespielt als im Jahre 1948 der Staat proklamiert wurde oder bilden sie einen integralen Bestandteil der Entwicklung dieses Staa-; tes? Es war von jeher eine zionistische Forderung das juedische Volk zu normalisieren, i Vielen muss es daher “anormal” erscheinen, dass ein grosser Teil der oeffentiichen Arbeiten in Israel, wie Einwanderung, landwirtschaftliche Siedlung Bodenentwicklung und Aufforstung von den Nationalen Institutionen durchgefuehrt werden die; zwar mit dem Staat eng kooi perieren aber keine staatlichen Behcerden sondern In-: strumente der Zionistischen Organisation sind. Aber was heisst eigentlich Normalisierung? Die Souveraenitaet des Staates Israel und d'ie Schaf- , fung eines Staatsvolkes inner halb seiner Grenzen hat Israel zu einem Land gemacht “wie die anderen auch” und seine zwei Millionen Juden fuehren was ihre Stellung dem Staate gegenueber anbelangt ein “normales” Leben. Aber es waere weit gefehlt zu behaupten, dass mit der Schaffung des Staates Israel das gesamte juedische Volk “normalisiert” worden Waere. Politische, soziologische, historische und andere Gruende lassen die Mehrheit des juedischen Volkes nicht nur heute, sondern fuer unabsehbare Zeit ausserhalb der Grenzen des Staates. Der Status der russischen Judenheit ist trotz der Existenz von Israel nicht “normal”, und wenn wir das Vorhand e n s e i n einer Diaspora, gleiehgueltig unter welchem politischen Vorzeichen als eine A u snahme-Erscheinung im Leben eines Volkes betrachten, so a'uerfte auch in diesem Sinne die Existenz der amerikanischen und anderen westlichen Judenheiten nicht “normal” sein. Es ist deshalb klar, dass Israel Institutionen bewahren muss, die bei anderen Voelkern k e i ne Lebensberechtigung haben. Die psychologische Aufgabe jener Instrumente besteht darin, den Zusammenhang zwischen der Nation in Israel und' dem juedischen Volke ausserhalb seiner Grenzen zu bewahren, und zwar gerade auf dem Gebiet, das heute im Brennpunkt der gesamten juedischen Arbeit steht — dem Aufbau Israels. Hier beginnt die historische Mission der Nationalen Fonds seit der Staatswerdung. Die Zeit vor 1948 braucht hier nicht ausführlich behandelt zu werden. Niemand wird dem Keren Kajemeth und dem Keren Hajessod absprechen, dass sie in jenen Jahrzehnten die Traeger der Verwirklichung des “Juedischen Staates Unterwegs” gewesen sind. Wie diese beiden Fonds Palaestina durch praktische Arbeit so entwickelt hatten, dass die politische Moeglichkeit, den Staat auszurufen gegeben war, gehoert heute zum allgemeinen Geschichtsgut. Seit fast 50 Jahren vor der Staatswerdung hatte der Ke-! ren Kajemeth durch Bodenj kauf in fast allen Teilen des; Landes die praktische Vcj raussetzung fuer einen Ju-. denstaat geschaffen, — der KKL wurde 1901 und der Keren Hajessod 1920 gegruendet — und es ist kein Zweifel, dass im November 1947, als die Vereinten Nationen die Teilung Palaestinas in | einen arabischen und juedij sehen Sektor beschlossen, die Grenze des juedischen Sektors fast identisch mit den Laendereien des KKL gezogen wurde. Und ohne den Keren Hajessod waeren jene Laendereien nicht besiedelt worden, und der neue chaluzische Typ, der gegen i die Wueste kaempfte und j sein Leben fuer die Verteidi- | gung des Jischuws zu geben bereit war, entstand in neuen gesellschaftlichen Gemeinschaften und For-1 men, die nur auf nationalem i Boden moeglich waren. j Es ist von Menschen, die! die historische Perspektive I nicht sehen koennen, be- \ hauptet worden, dass die Nai tionalen Fonds “Schnorrerini stitutionen” und ein Ueberi bleibsel der Galuth sind. Das I was manche im echten jue- I d i s c h e n Selbsthass als1, Schnorrerei bezeichnen, ist I nichts anderes als der erste i grosse Akt juediseher Selbst-! emanzipatlon — die frei-' w i 11 i ge Selbstbesteuerung fuer einen Staat, der noch : nicht existierte, von Juden-- j h e i t e n, die geographisch j weit von jenem potentialen Staat entfernt waren. Auch heute, wo dieser Staat, existiert, ist diese freiwillige Steuer, die , Juden der Welt auf sich nehmen, um Israel weiter zu entwickeln, eine 1 der drei festen Bande, die 1 die Gola mit Israel verbin- : den. Das erste Band ist religioes - historisch: d'ie zentrale Stellung Israels im Le- . ben jeder Gemeinschaft; das zweite ist die Verbundenheit durch Familie und Freunde — d. h. die vielen naeebsten Menschen, die heutzutage fast ein jeder Jude in Israel zaehlt; und das dritte Band ist das Geld in Form von I Spenden, d. h. die Investie-! rung der Fruechte seiner eigenen Arbeit in einem Lande, das ihm keinen persoenlichen Gewinn bringt, sonder diesen Profit der grossen Gemeinschaft und der Geschichte ueberlaes'st. Im dritten dieser Punkte spielen die Nationalen Fonds eine entscheidende Rolle. Vom wirtschaftlichem Standpunkt gesehen, geschah und geschieht in Israel viel was j sich nicht rentiert. Hunderti tausende von ar’rjen und un.! j geschulten Menschen in ein ,! Land zu nehmen, das zum ’ ' grossen Teil Wueste ist, ist j o e k onomisch gesehen uni rentabel. Siedlungen auf kahlen Bergen-zu bauen und ihre Erde aus den Felsen gewinnen zu muessen, damit sie ueberhaupt Land Wirtschaft betreiben koennen, ist \ kostspielig und wahrscheinj lieh ueberteuert. Aber jene j hunderttausende von Men- I sehen waeren zugrunde gegangen, waeren sie nicht nach Israel gekommen und jene Berge, blieben sie leer i und unbebaut, wuerden die Sicherheit des Staates ge-; faehrden und ein ideales Ge-; biet fuer Infiltranten von! der nahen Grenze bilden, ln anderen Worten — fuer den Aufbau Israels ist nicht nur der , oekonomische Faktor massgebend — historische, psychologische, politische und Sicher heitsfaktoren sind nicht weniger entscheidend. Kein privater Unternehmer haette sich leisten koennen, Doerfer in der Wueste aufzu- Stellen, einfach weil er nicht zehn, und zwanzig Jahre warten kann, bis die Felder Ernte geben und die Gaerten Fruechte tragen. Nur die Nationalen Fonds, die diesen Rentabilitaetsfaktor n i c ht kurzfristig, sondern langfristig sehen, koennen an diese Investitionen auf geschichtliche Perioden hinaus, herangehen. Es sind gerade solche Investitionen, die das juedische Volk von den Nationalen Fonds erwartet und verlangt. Es ist oft gefragt worden, warum der Staat nicht die Aufgabe der Nationalen Fonds uebernimmt. . Selbst Kreise, die die historischen Leistungen des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod nicht leugnen, geben zu bedenken, ob deren weitere Existenz nach der Staatswerdung notwendig war und ist. Wenn schon das Argument nicht allein ausreicht, i dass jene Fonds eine der festesten Bruecken zwischen der Gola und dem Staat bilden, wenn es nicht genuegt, dass sie von der Diaspora aus gesehen, die Instrumente des juedischen Volkes in aller , Welt sind, um jedem einzelnen Juden die Moeglichkeit zu geben, am Aufbau Israels beizutragen, so gibt es vom : Staat aus gesehen andere | Gruende fuer ihre Weiterexi- : stenz. Der Staat ist verantwort- : lieh fuer die Sicherheit und das W o h 1 e r gehen seiner : Buerger. Kann er verantwortlich sein fuer eine staendig | steigende Menschenzahl, aie; doppelt und dreifach die , Zahl seiner ursprünglichen Bevo elkerung uebersteigt? i Was waere in den Vereinig- | ten Staaten geschehen, wenn | im Laufe der letzten 15 Jahre! se’ine Einwohnerzahl von 150 Millionen auf 400 Millionen angewachsen w a e re? Was fuer wirtschaftliche Konsequenzen haetten sich daraus fuer die ganze Welt ergeben?! Und Amerika ist reich, seine Bodenschaetze sind voll ausgenuetzt, seine Landwirtschaft ist in der' Bluete und die Industrie hoch entwickelt. , Was waeren die Folgen gewesen, fuer jeden anderen j Staat, wenn sich proportlo-; nel eine solche Flut in ein | Land ergossen haette, in j dem nur ein Fuenftei der; Bodenflaeche kultiviert ist, j ein Land, das sozusagen nur ■ mit 20% Kapazitaet seiner I Kraft arbeiten kann? Genau! diese Situation besteht in Is-; rael wo auch heute noch 4/5 I des Bodens brach unter Sand; und Steinen liegt, und wo die i Beveelkerung von 600.000 auf 1 ueber 2 ^Millionen arigewach-; sen ist.; Der Transport jener Meni sehen nach Israel und ihre i A b s o r b ierung im Lande kann nicht allein eine Aufgabe des Staates sein. (Fortsetzung Seite "Tfl) 15 JAHRE DANACH (Fortsetzung von Seite 1) sich um die ausgehaengten ITA-Berichte draengten.. Hatte es je Differenzen zwischen “Ostjuden” und “Jeckes”, zwischen “Ungarn” und “Sefarden” gegeben? Ploetzlich waren sie vergessen, auf einmal suchten wir uns alle in der gemeinsamen Besorgnis, fanden wir uns in dem Willen, unser Schicksal, zusammen, mit unseren Bruedern in Palestina und in der ganzen Welt, zu meistern. Jeder Tag brachte neue Nachrichten. Eine widersprach der naechsten, auf allen Lippen hing die bange Frage: Was wird geschehen? Am 14. Mai war das nervenzerruettende Warten zu Ende. In feierlicher Sitzung im Museum von Tel Aviv proklamierte David Ben Gurion den dritten juedischen Staat, wurde das Wort Israel ein Be- I griff der hohen Politik, wur- ' de es zum Symbol eines Vol- : kes, welches, gleich dem Phoenix aus der Asche, aus : Not und Vernichtung zu neuem Leben, z u neuer Schoepfungstat, auferstanden ' war. Schwere Wochen und Mo- : nate folgten, Manchmal i schien es, als ob das Schicksal des jungen Staatswesens nur noch an einem Haerchen hinge, als ob nur noch ein | Wunder Israel retten koenne. j Und das Wunder geschah; ' geschah, weil juedische Menschen es wollten, geschah, weil das juedische Volk der 1 ganzen Welt einmuetig das i Unmoegliche moeglich machi te. i __ j —oOo— ' Fuenfzehn Jahre sind eine I lange Zeit, eine halbe Generation. Die Jugend kann sich ein Leben ohne Israel nicht mehr vorstellen, ist nicht mehr ln der Lage sich in das Gefuehl “Buerger des Judenstaates unterwegs” zu sein, hineinzuversetzen, eines Gefuehles, das wir vor der Staatsgruendung empfanden. Israel, wenn auch gefaehrdet, wenn auch umgeben von einem Meer von Feinden, wenn auch mit schweren Problemen kaempfend, ist in diesen Jahren, schneller, als wir es uns je ertraeumt haetten, zu einer Wirklichkeit des taeglichen Lebens "geworden. Vor 1948 konnte jeder Jude, wie schon gesagt, Buerger des “Judenstaates unterwegs” sein. (Nun aber ist der Staat nicht mehr unterwegs. Jetzt ist er angekommen, stellt eine Realitaet unserer Zeit dar. Und nun, gerade heute am Jom Haazmaut, fuenfzehn Jahre spaeter, muessen wir uns der Frage stellen, der w i r bislang ausgewichen sind: Was ist uns der Staat heute, was ist der Zionismus im Jahre 5723 - 15 Jahre nach der Erfuellung des Basler Programms, nach der “Schafj fung einer oeffentlich, rechtlich gesicherten Heirnstaette fuer das juedische Volk in Palaestina”? I Die Welt um uns herum hat sich gewandelt. Die jue- | dische Situation heute und i hier ist eine im fundamen- : talen andere als .die des Jahres 1948. Auch wir muessen beginnen umzudenken, uns von ueberkommenen, liebgewordenen Denkgewohnheiten freimachen. Es nuetzt uns nichts und ist auch nicht gut fuer Israel ,wenn wir neuen Situationen mit alten Schemata gegenuebertreten. Das Judentum in der Welt steht vor einer historischen Entscheidung, die uns zum Untergang oder aber zu neuem Leben fuehren kann. Uns, nur uns, denn Israel wird davon nicht mehr direkt betroffen. Der juedische Staat ist zu einem besonderen geschichtlichen Koerper ge- (Fortsetzung Seite 27)

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