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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-03-01 · 3 (Marzo, 1963) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
3 (Marzo, 1963)
Date
1963-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO M.arzc 1963 Zur 30. Wiederkehr des “Boykotts” vom 1. April 1933 EIN TAG, DER DIE WELT ERSCHUETTERTE - ODER NICHT? Von Herberl Freeden (Jerusalem) Der 1. April 1933 wird heute unterschiedlich eingeschaetzt: einerseits verblasst der Nazi—“Boykott”, an dem SA-Posten vor juedischen Geschaeften Aufstell u n g nahmen und die Auschaltung der Juden aus oeffentliehen Aemtern und Stellungen begann, gegenueber, dem, was zehn Jahre spaeter geschah; auf der anderen Seite duerfte es gerade rueckblickend deutlich werden, dass jener Tag nicht nur eine mehr als hundertfjaehrige juedische Emanzipationsperiode beend etc. sondern das er eine Kriegserklaerung darstellt, eines versteckten Krieges allerdings, der erst 6 1!2 Jahre spaeter, im September 1939. offen ausbrechen sollte: am 1. April 1933 erfolgte die Kampfansage der Nazis an die Normen der Zivilisation. Es war damals noch weniger leicht zu einer adaequaten Bewertung der Ereignisse zu kommen. Deutschland war noch Mitglied des Voelkerbundes; in der Koalitionsregierung mit Hitler sassen die Deutschnationalen im Schatten des Reichspraesidenten Hindenburg, der weniger als acht Monate zuvor den deutschen Juden ihre Bürgerrechte noch einmal garantiert hatte. Im Maerz 1933 begann die gewaltige Propaganda m aschine der nationalsozialistischen Partei mit ihrer ersten Grossaktion nach der Machtübernahme: die Juden im Ausland, s'o hiess es, verbreiteten “Greuelma e ichen” ueber die Behandlung ihrer Glaubensgenossen im Reich und als ein Akt der “Notwehr” wurde deshalb die totale Ausschaltung der deutschen Juden aus der Wirtschaft und dem oeffentlichen Leben gefordert. Aber noch war diese Aktion nicht “regiierungsamtlich” — Vorsitzender des “Zentralkomitee zur Abwehr der juedischen Greuel — und Boykotthetze” war Julius Streicher und sein Stellvertreter Karl Holz, Redakteur des “Stuermer”. Damals gab es' in Deutschland noch Stimmen, die den Mut hatten zu protestieren. So schrieb die “Vossische Zeitung”, Berlin: “Wird der hier von den Nationalsozialisten angeordnete Boykott bis zum Ende durchgefuehrt, so wuerde er den wirtschaftlichen Untergang von hunderttausenden deutschen Staatsbuerge r n juedischen Glaubens bedeuten. Es wuerde die Ausstossung der deutschen Juden aus der Volksgemeinschaft sein. Die deutschen Juden, bewaehrt in Krieg und Frieden, in guten und boesen Zeiten der deutschen Geschichte, haben sich dieser Volksgemeinschaft verbunden gefuehlt. Sie wollen so bleiben... ”. Un die “Deutsche .Allgemeine Zeitung” mahnte, dass man die Situation noch einmal pruefen solle und hoffte, dass man noch zu anderen Ergebnissen kommen werde. Am Freitag, den 31. Maerz, kam es tatsaechlich zu einer Aenderung. Am Abend sprach Goebbels ueber den Rundfunk aus einer Amtswaltertagung. auf der er die Richtlinien fuer den Boykott verkuendete, von droehnendem Beifall, tosendem Gelaechter und brausenden “Heil” — Rufen unterbrochen. Aber die Aenderung war drastisch: der offizielle Boykott wurde auf einen Tag beschraenkt, den 1. April. Offenbar war fuer diesen Rueckzug zu einem gewissen Grade die Reaktion der Welt mitverantwortlich. In England fand am 30. Maerz eine Debatte im House of Lords statt, in der Viscount Cecil ueber die Lage der deutschen Juden sprach und auf die besondere Stellung hinwies, die England als Mandatarmacht Palaestinas einnehme und die zur Folge habe, dass es mit dem;Wohl und Wehe des juedischen Voleks in besonderer Weise verknuepft sei. Die Debatte erreichte ihren Hoehepunkt, als Vertreter der drei Konfessionen die Regierung ersuchten, alles Menschenmoegliche zu unternehmen, um das Los der deutschen Juden zu lindern. Als es kurze Zeit danach zu einer aehnlichen Débat te im House of Commons kam, antwortete der dama lige AusSenminister. Sir John Simon : “Die Debatte hat die Gefuehle der Allgemeinheit in England ausgedrueckt. Als Mitglied der Regierung erklaere ich, dass es ein grosser Irrtum waere, wenn irgendjemand in irgendeinem Land annaehme, dass diese Gefuehle auf die Mitglieder der juedischen Gemeinschaft beschraenkt oder von ihnen hervorgerufen seien. Im Gegenteil, hier ging es um ein spontanes und unvermeidli ches Bekenntnis zum Prinzip der Toleranz”. Commander Locker-Lampson •ein konservativer Abgeordneter, wurde Vorsitzender eines Komitees, ¡das die Lage in Deutschland beobachten sollte, und Winston Churchill sowohl wie Clement Attlee waren unter denen, die sich mit dem oeffentlichen Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland identifizierten. Kein Wunder, dass bald darauf Goebbels in einem Interview mit dem Londoner Sonntagsblatt “Observ e r” sagte: “Das deutsche Volk ist jetzt bereit, die Judenfrage ruhen zu lassen, wenn das Judentum das deutsche Volk in Ruhe laesst”, und am 4. April hiess es in einem deutschen amtlichen Communiqué: “Die Reichsregierung hat mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, dass der Abwehrboykott gegen die deutschfeindliche Hetze seine Wirkung im Ausland nicht verfehlt hat... Der deutsche Abwehrboykott wird also nicht wieder aufgenommen. da er ueberfluessig geworden ist”. Umso schaerfer wurde der unterirdische Kyieg gegen die deutschen Juden fortgesetzt — juedische Angestellte wurden arbeitslos, Lehrer und Hochschulprofessoren gekuendigt, Redakteure auf die Strasse gesetzt. Richter beurlaubt, Schauspieler und Musiker nicht mehr beschaeftigt, juedische Studenten aus den Kollegs gewiesen. Genau so wie der Reichstagsbrand dazu gedient hatte, um die politische Linke “legal“ totzumachen, erfanden die Nazis die “Greuepmpaganda” des Auslandes, um die | w i rtschaftlicfee; Abschlach- I tung der deutschen Juden | “moralisch” zu rechtfertigen. Zu aehnlichen Aeusserun- : gen wie in England kam es auch in den Vereinigten! Staaten. Von besonderem I historischen Interesse aber j ist die Erklaerung von Mus-; soiini zum 1. April 1933. In i einer Audienz, die er dem 1 Oberrabbiner von Rom, Dr. ' Sacerdoti, gab, -in der dieser ueber “die bitteren und bc-! sorgten Empfindungen der! juedischen Bevoelkeru n g! Italiens” im Hinblick auf die i Lage der deutschen Juden sprach, “gab Mussolini seiner Zuversicht Ausdruck, dass die beklagten Verhaeltnisso bald wieder normal sein werden”. Und in Prag setzte sich Aussenminister Dr. Benesch fuer die Erweiterung des Minderheitenschutzes auf die deutschen Juden ein. Heute wissen wir, dass der Krieg der Nazis gegen bitdeutschen Juden sich in drei Phasen abspielte — bi.-* 1938 konzentrierte er sich auf die Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben. Als die Nazis sahen, dass die Moral der Juden trotzdem ungebrochen war. aenderten sie ihre Taktik und mit den Novemberpo- gromen jenes Jahres ze»-- stoerten sie jede kommunale, kulturelle und organisatorische Taetigkeit. Die dritte Phase, die “Endloesung” begann im Jahre 1942. In jenen Tagen des April 1933 bestand fuer die deutschen Juden nicht nur die Gefahr von auss'en, sondern nicht weniger die von innen; die Gefahr einer Panik, eines gewaltigen seelischen Zusammenbruches. Da geschah das Unerwartete: das deutsche Judentum, assimiliert, verwestlicht, verflochten mit seiner Umwelt, besann sich auf seine juedische Substanz. So kam es. dass es in jener schweren Pruefung Haltung bewahrte, mutig blieb, seine Selbstachtung nicht verlor und Wuerde zur Schau trug. Am. 4. April erschien ci i e “Juedische Rundschau”, das Organ der Zionistischen Vereinigu n g fuer Deutschland, mit dem inzwischen oft zitierten Artikel “Tragt ihn mit Stolz, den Gelben Fleck”, der tausenden zur geistigen Orientierung wurde. Eine planmaessige Auswanderung wurde von den juedischen Instanzen in die Wege geleitet, und fuer die, die bleiben mussten, gab es Schulen und Berufsumschichtung, Erwach senenbildung und hebraeische Studien, Theater und Verlagshaeuser. Alles i m geschlossenen Kreise, i m Schatten des Hakenkreuzes. Niemand konnte damals ahnen, welch furchtbare Wendung Hitlers “kalter Krieg” gegen die Juden nehmen wuerde. Zu den wenigen, die prophetische Worte fanden, gehoert die unvergessliche englische Frei ienrechtlerin Eleanor Rathbone. Am 5. April 1933 sagte sie: “Selbst wenn die Verfolgung der Juden jetzt aufhoer te, haette sie bereits ihren Zweck erfuellt — allerdings' einen anderen Zweck, als den ,den die Nazis sich stellten: sie haette die Welt gelehrt, in diesem “Temperamentsausbruch” des deutschen Volkes eine ernste Bedrohung der Welt zu sehen. Vielleicht werden die gegenwaertigen Leiden der Juden die Menschheit vor künftigen und noch furchtbareren Leiden bewahren — indem sie uns als Warnung dienen Die Warnung wurde nicht 1 gehoert; aus der Tragoedie , der deutschen Juden wurde snaeter die Tragoedie der!• Welt und kostete den furcht-; baren Preis von 54 Millionen! Menschenleben, die als Folge I des 2. Weltkrieges umkamen. REGIERUNGSINVESTITIONEN Die Investitionen der Regierung in verschiedenartigen Gesellschaften beliefen sich Ende Maerz 1962 auf IL 6000 Millionen. Diese Anlagen sind auf ca. 90 Gesellschaften verteilt, die in allen Wirtschaftszweigen t a e t i g sind und die ca. 25.000 Angestellte besehaeftigen. Der groesste Teil der Regierungsinvestitionen wurde im Bankwesen a n g elegt, nachdem 26 Prozent aller Bestaende Aktien kommerzieller B a n k en zugeleitet; wurden. Von den Banken dienen neun zur Foerderung billiger Kreditmoeglichkeiten zugunsten g e wisser Wirtschaftssektoren, sodass diese! Investitionen der Entwicklung der betreffenden Sektoren zugute kommen. Der Anteil der Banken, die anderen i Zwecken dienen, betraegt bloss drei Prozent der gesam- : ten Aktieninvestitionen der j Regierung.! 86 Prozent der Investitio- : nen erfolgten in Bezug auf Gesellschaften, an denen die Regierung mit 50 Prozent! oder mehr beteiligt ist. (“Canfit”) DEFIZIT DER LANDWIRTSCHAFT GESUNKEN Das Defizit der Israelwirtschaft an Erzeugnissen der j Landwirtschaft hat sich im Jahre 1962 um 12,4 Millionen Dollar auf ,26,8 Millionen Dollar verringert, d. h. der Wert der von Israel importierten N a h r u ngsmittel war nur; noch um diese Summe grösi ser alse der Wert der von Israel exportierten Nahrungsmittel. D i e se Verbesserung der landwirtschaftlichen Bilanz; Israels ergab sich daraus,! dass der Import um 6,2 Millionen Dollar verringert werd e n konnte, insbesondere hinsichtlich des Einkaufs von Futtermitteln und Rohstoffen waehrend der landwirtschaftliche Export um 6,3 Millionen Dollar gesteigert wurde. Der Import landwirtschaftlicher Produkte pro Kopf der Bevölkerung sank von 52 auf 46 Dollar pro Kopf im Jahr, waehrend der Export von 34 auf 34,6 Dollar vergrössert wurde. Bei den landwirtschaftlichen Produkten, ausser Zitrusfrüchten, ging der Anteil der Produkte der Hühnerwirtschaft am Export von 66% auf 51% zurück, Baumwolle und Erdnüsse machten je etwa 10% aus, der Anteil von Gemüsen stieg von 3% auf 9%, und Obst sowie Weizen machten je etwa 8% des Exports aus; 4% entfielen 1 auf andere Nahrungsmittel. Etwa 95% des landwirt- : schaftlichen Exports gingen nach Europa, das ¡98% aller von Israel exportierten Zi-! trusfrüchte und 90% der an- 1 d e ren landwirtschaftlichen Produkte aufnahm, die zum > Export gelangten, 37% die- : ses Exports gingen ¡nach | EWG-Laendem, 56% aber nach EFTA-Laendem, zu denen bekanntlich England ge- ■ hört. Dagegen haben EWG - Laender etwa drei Vierte' der Produkte der Hühnerwirtschaf und etwa die Haelfte des Obstes und der Baum wolle auf genommen, welche exportiert werden. (“Canfit”) STADTGRUENDUNG IM GALIL j Die neue Stadt Carmiel im j westlichen Galil an der Strai I se Akko-Safed wird so gei! plant, dass sie spaeter 40.000 j Einwohner, in der ersten 1 1 Pha se jedoch nur 10.000 j Einwohner aufnehmen soll. | Diese Phase soll nach fünf j bis zehn Jahren abgeschlos-; sen sein. Der Bauplan des 1 | Schikunministeriums ist Ml- , r.isterpraesident Ben Gurion j vorgelegt worden. Das Ministerium rechnet j damit, dass etwa 1500 Ar- ,! beitsplaetze durch Bauarbei- | i ten, die Anlage des Elektrizitaets- und Wassernetzes, ferner durch das Transportwesen, öf fentliche Dienste, etc., geschaffen werden Man rechnet w e i t e r mit dei Errichtung eines Hotels, eines Ulpans, eines Sanatoriums. etc. Der Plan betont, dass die Landwirtschaft keine bedeutende Rolle in Carmiel spielen wird. Rings um die Stadt befinden sich arabische Siedlungen, deren Bewohner teilweise auf Aussenarbeiten angewiesen sind, weil die Landwirtschaft sie nicht ernaehrt. Es müssen also etwa 2.000 Ar beitsplaetze durch industrielle Betrie- 1 be geschaffen werden. Das ’ Schikun-Ministerium h a e lt : es nicht für zweckmaessig, 1 mit den Bauarbeiten zu beginnen, .bevor die Errichtung i i n dustrieller Unternehmuni gen in Carmiel gesichert ist.! Man denkt an die (Schaf- ’ fung einer öffentlichen^Gesellschaft durch die Regierung, die Sochnuth, die Histadruth, etc. die industrielj le Entwicklung in Carmiel I ankurbeln soll. I (“Canfit”)

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