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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-02-01 · 2 (Febrero, 1963) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
2 (Febrero, 1963)
Date
1963-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO FEBRERO 1963 EINE AMERIKANISCHE BAR-MIZWAH IN ISRAEL "INTEGRIERUNG - NICHT ASSIMILATION Von Frederíc R. Lachmann (New York) Mit besonderer Freude bringen wir heute einen ersten Beitrag unseres neu gewonnenen Mitarbeiters, Herrn Frederic R. Lachmann. Herr Dr. Lachmann war als Professor der Hebraeischen üniversitaet, Jerusalem viele Jahre in Suedamerika taetig. Im Aufträge der Jerusalemer üniversitaet besuchte er auch einige Male Santiago, und ist sicher noch vielen Gemeindemitgliedern durch seine immer hochinteressanten Vortraege in bester Erinnerung. Seit einigen Jahren hat Herr Professor Lachmann seinen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten, wo er weiter fuer die Hebraeische üniversitaet wirkt und gleichzeitig als Associate Editor des “Aufbau” taetig ist. Wir sind Herrn Dr. Lachmann sehr dankbar fuer seine Bereitwilligkeit, fuer unser Mitteilungsblatt Beitrage zu senden, und hoffen recht oft mit seinen sicher stets interessanten nen. ' Vor kurzem its der republikanische S e n a tor des Staates New York, Jacob Javits, der in den letzten Wahlen mit ueberwaeltigender M e h r h eit wiedergewaehlt worden ist, mit seiner Familie aus Israel zurueckgekommen. Es war durchaus nicht seine erste Israel-Reise aber dieses Mal hatte die Reise eine besondere Bedeutung: Javits war gefahren, um seinen Sohn in Jerusalem Bar-Mizwa werden zu lassen. Diese Handlung eines juedischen Senators der Vereinigten Staaten ¡haette in seinem Heimatstaat weit staerkeres Interesse gefunden, waero nicht durch den Zeitungsstreik in der Stadt New York, der zu der Zeit in vollem Gange war, die Informierung der Bevoelkerung duerftig gewesen. In Israel jedenfalls nahmen die hoechsten R e gi e rungs-Instanzen, einschliesslich des Praesidenten des Staates, mit grossem Enthusiasmus an einer Bar-Mizwa teil, hinter der weit mehr'steckt als nur das erstmalige feierliehe Zur-Thora-Aufrufen eines jungen Juden. Als, vor allem waehrend der Nazi-Jahre und kurz danach, grosse Mengen deutschsprachiger Juden aus Zentraleuropa nach den Vereinigten Staaten stroemten, fanden sie hier eine Situation vor, die viele von ihnen bis zum heutigen Tage nicht voll erfasst haben: sie kamen in ein Einwanderungsland - ein Land, das in den letzten zwei Jahrhunderten durch Einwanderer gebaut und zu dem gemacht worden ist, was es darstellt — ein Land, dessen Bevoelkerung jeder nur erdenklichen Rasse, Religion und Sprachgruppe angehoert — ein Land, in dem der kulturelle Hintergrund jedes Bewohners von dem seines Nachbarn voellig verschieden ist. Das Bemerkenswerte dieser Konstellation ist es, dass die Kinder und Kindeskinder der Einwanderer, die hundertprozentig und sehr ueberzeugte Amerikaner sind, ihre kulturellen und Gefuehlsbeziehungen zu den Laendern und Voelkern ihrer Herkunft durchaus aufrecht erhalten haben. Alle paar Wochen marschiert in New York ueber die Fuenfte Avenue eine Parade —heute der Iren, morgen der Griechen, uebermorgen der Deutschen— und alle die Zehntausende, die in der Parade mitmarschieren, sind voll und ganz Amerikaner. Denn die Vereinigten Staaten sind ein Land, in dem nicht "Assimilation”, ¡sondern ’’’Integrierung?’ die Zielsetzung ist. Artikeln rechnen zu koen- JACOB K. JAVITS Nur so ist man Amerikaner (Foto: “AUFBAU”) Der deutsche Jude war aus einem Land gekommen, in dem angesichts der niemals iwirklich zuende gefuehrten Emanzipation der Juden einer grossen Mehrheit die Idee der Assimilation hoechst v e r f uehrerisch erschienen war. “Assimilation” bedeutete, dem Schicksal des Jude Seins, das von so manchem wie eine schwere Last auf seinen Schultern getragen wurde, nach Moeglichkeit zu entfliehen und sich in die “Geborgenheit” des Wirtsvolkes zu fluechten. Das Problem der Assimilation wurde dabei —und wird immer noch in vielen Laendern der Erde— in voellig irriger Weise diskutiert. Die Fragestellung lautet fuer die Meisten: kann oder will eine Minderheit, die innerhalb einer Mehrheit lebt, sich der Mehrheit assimilieren oder nicht? Dabei gibt es kein Beispiel in der Welt dafuer, dass sich eine Minderheit jemals an eine Mehrheit assimiliert haette. In Wahrheit lautet die Fragestellung: kann oder will eine Mehrheit die Minderheit assimilieren? Was die Minderheit wuenscht, ist dabei ohne erhebliche Bedeutung— die Haltung der Mehrheit ist es, die entscheidet. Wenn man eine Frucht isst, so assimiliert der Koerper (die Mehrheit) die Frucht (die Minderheit): Die Frucht als solche hoert auf zu existieren und verwandelt sich in neue Zellen des Koemers, der Mehrheit. Ob die Frucht will oder nicht, ist ohne Bedeutung— bedeutungsvoll ist Viur, ob die Mehrheit will, Wenn aber jemand eine Muenze verschluckt, so hat der Koerper, die Mehrheit, nicht die Moeglichkeit, die Muenze zu assimilieren. Wenn nach einer Schlacht eine Kugel im Koerper eines Soldaten stecken bleibt und nicht entfernt werden kann, so kann der Koerper bestenfalls eine Art Kapsel darum bilden. Aber diese Kapsel ist ein pathologisches Gebilde— und wenn sie, Infolge eines Schocks, aufbricht, so Ist das Resultat eine blutende Wun de— und das ist, was dem deutschen Judentum gesche- | hen war. I In den Vereinigten Staaten aber , ist, dank der Entstehungs-Geschichte und der Entwicklung dieses (Landes, die Frage eine ganz andere: niejilt Assimilation, sondern “Integrierung”. Der fundamentale Unterschied ist das Nicht-Existieren einer Mehrheit und einer Minderheit — denn die Mehrheit, das amerikanische Volk, setzt sich aus lauter Minderheiten zusammen. Mehr als das: das “Wirtsvolk”, legt den groessten Wert darauf, dass sich die Angehoerigen der verschiedenen Minderheiten ihrer Herkunft, der Verschiedenheiten ihres kulturellen Hintergrundes und der Werte, die sie, jeder von seiner Kultur, mitbringen, bewusst bleiben. Denn diese hohen kulturellen und geistigen Werte kommen der Gesamtheit zugute und bereichern die amerikanische Kultur. Hier liegt nicht die mindeste Veranlassung vor, seinem “So-Sein”, im besonderen Falle dem Jude-Sein, entfliehen, es verleugnen zu wollen. Ganz im Gegenteil: im tiefsten Grunde ist nur der ein wirklich wertvoller Amerikaner, der, seines Herk u n f ts Hintergrundes bewusst und ihn pflegend, in die Gesamtheit des amerikanischen Volkes eigene Werte mitbringt und sie zu Nutz und Frommen Aller betreut. Hier kann man ein Amerikaner und ein Ire, ein Amerikaner und ein Grieche, ein Amerikaner und ein Deutscher, ein Amerikaner und ein Jude sein — mehr als das: es ist geradezu wünschenswert, weil es der Kultur der Vereinigten Staaten zusaetzliche Werte sichert. Nicht jeder ist sich dieser Situation bewusst — besonders nicht, wenn er einmal durch die traumatische Erfahrung eines Nazi-Deutschlands gegangen ist. Nicht jeder weiss, dass es sich hier um Integrierung, nicht um die Frage einer Assimilation handelt. Diejenigen aber, die bereits die noetige innere Sicherheit erworben haben, fuehlen und wissen es. Und darum nimmt Jacob Javits, Senator von New York, Mitglied der hoechsten Regierungsbehoerde der Vereinigten Staaten und ein Mann, dessen Tun der Kritik der gesamten Bevoelkerung ausgesetzt ist, seinen Sohn und geht mit ihm nach Israel. Es gibt in Amerika und gerade in seinem Heimatsort New York genug Synagogen und Rabbiner — aber indem Jacob Javits seines Sohnes Bar-Mizwa in Jerusalem vor sich gehen laesst, betont er vor den Augen aller, dass sein Amerikaner-Sein, sein Jude - Sein und seine Beziehungen zu des Judentums ewigem, alten Heimatland, Israel, in keinerlei Gegensatz zueinander stehen, sondern eine schoene Harmonie bilden. Ben Gurion bittet um Spenden für israelische Volksbildung: Die “Orientalen” bereiten Yon Francis Ofner Mitarbeiter des israelischen Ministerpraesidenten Bein Gurion haben fuer den Regierungschef eine Liste von 300 wohlhabenden Juden Inder ganzen Welt zusammengestellt. An sie will Ben Gurion sich mit der Bitte wenden, je eine halbe Million Dollar zu stiften. Mit dem Betrag soll das Bildungsgefaelle zwischen israelischen Kindern orientalischer Herkunft und anderen jungen Israelis verringert werden. Fuehrende Politiker Israels vertreten die. Ansicht, dass die Hebung des Bildungsniveaus der aus afrikanischen und asiatischen Entwicklungslaender s t a mmenden Einwanderer fuer Israel eine lebenswichtige Frage ist. Sie glauben, dass eine Verringerung der bisherigen Bildungsueberlegenheit ‘ Israels zu einer Schwaechung der Wiederstandsfaehigkeit g egenueber den zahlenmaessig sehr viel Istaerkeren arabischen Nachbarn fuehren i wird. Die Masseneinwanderung der von Hitler verfolgten eur opaeischen Int elligenz - Schicht nach Israel ist beendet. Von den knapp mehr als zwei Millionen Israelis stammt die Haelfte aus afrikanischen und asiatischen Entwicklungsgebieten. Nach einer neuen Untersuchung der Regierung kommen zwar auf tausend Beschaeftigte in Israel elf Ingenieure, Aerzte, Wissenschaftler und wissenschaftlich vorgebildete Landwirte —eine ungewoehnliche Proportion akademisch gebildeter Menschen, die Israel vor Grossbritannien (sieben je tausend) und hinter die Vereinigten Staaten (zwoelf je tausend) stellt. Die Aussichten fuer die Zukunft sind jedoch weniger ermutigend. Wie der israelis c he Volksbildungsminister und fruehere Botschafter in Washington, Abba Eban, unlaengst mitteilte, ist ein Drittel der orientalischen Kinder trotz achtjaehriger Schulpflicht nicht in der Lage, ein leichtes Buch oder eine Zeitung zu lesen. Sie koennen weder einen richtigen Brief schreiben noch beherrschen sie die vier Grundrechenarten, ihnen fehlen die elementarsten Kenntnisse ueber das juedische Volk, den Staat Israel oder die Welt. In Oberschulen und Universitaeten ist das Bild noch negativer. Nur ein Neuntel der 4000 Schueler, die im letzten Sommer das Abitur machten, war orientalischer Abkunft. An Universitaeten betraegt der Anteil der “Orientalen” ein fast nur symbolisch zu nennendes Zwanzigstel. Uebereinstimmung besteht darueber, dass diese Situation nicht das Ergebnis mangelnder Faehigkeiten ist, sondern auf die unzulaenglichen, , gesellschaftlichen Verhaeltnisse zurueckzufuehren ist, unter denen die meisten orientalischen Kinder aufwachsen. Ben G urion hat dies mit einfachen Worten erklaert: “Ein Kind europaeischer oder ajneriikan Ischer Eltern kommt nach der Schule in ein geraeumiges Heim und macht dort seine Hausaufgaben, wobei ihm Vater und Mutter helfen, sollte dies noetig sein. Das aus, Afrika oder Asien stammende Kind jedoch findet in dem kleinen, ueberfuellten Haus, in dem seine acht— bis zehnkoepfige Familie lebt, nach der Schule keinen Platz zum Lernen. So verbringen diese Kinder ihre Freizeit auf der Strasse, anstatt ihre Hausaufgaben zu machen”. In Israel wird ueber diesen Zustand leidenschaftlich debattiert, Selbst der stets optimistische Regierungschef Ben Gurion hat auf die damit verbundenen Gefahren hingewiesen und erklaert; “Wenn die Bildungsluecke zwischen den orientalischen und den anderen Kindern nicht geschlossen wird, wird Israel ein levantinisches Land wie die arabischen Staaten um uns herum. Solch ein juedischer Staat wird seine Bedeutung fuer die Juden der Welt verlieren und nicht in der Lage sein, sein e n arabischen Gegnern auch nur kurze Zeit Widerstand zu leisten”. (“Die Welt”) Recht auf Information Das Recht des Bürgers auf Information betonte das israelische Obergericht kürzlich in einer Entscheidung gegen die Filmzensur. Das von der Zensurstelle erlassene Verbot einer Wochenschauszene wurde als ungesetzlich erklärt und aufgehoben. Die von der Zensur beanstandeten Bilder zeigten Polizeimassnahmen gegenüber Bewohnern eines zum Abbruch bestimmten; Hauses, die sich dem gerichtlichen Räumungsbefehl widersetzt hatten. Die Szene war aus moralischen Gründen verboten worden, weil einer Frau, die gewaltsam zu einem Polizeiwagen; getragen wurde, die Kleider hochrutschten. Das Obergericht wies darauf hin, dass "Bettszenen und andere sexualbetonte Filmbilder" unbeanstandet die Zensur passiert haben. Selbst wenn die Polizei sich falsch verhalten hätte, gäbe es keinen Grund, dies nicht zu zeigen.

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