Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 2 (Febrero, 1963)
- Date
- 1963-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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FEBRERO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 5 ZUM B5. GEBURTSTAGE DES GELEHRTEN: VOM WELTWEITEN SCHAFFEN MARTIN BUBER’S Von Curt Wilk mm Ä* Professor Martin Buber Am 8. Februar vollendete Prof. Dr. Martin Buber das 85. Lebensjahr. Sein Name, ueber den juedischen Kulturkreis weit hinaus, geachtet und geehrt, war kuerzlich im Zusammenhänge mit einer moeglichen Verleihung des Nobel-Literaturpreises fuer 1962 genannt worden; diese Hoffnung erfuellte sich nicht, doch eine andere schoene Ehrung ist dem grossen Weltweisen zuteil geworden: Das “Leo Baeck Institut” v e r o e ffentlichte unlaengst das schon frueher erschienene und inzwischen bedeutend erweiterte Werk von Hans Kohn und Robert Weltsch “Martin Buber, sein Werk und seine Zeit” mit dem Untertitel “Ein Beitrag zur Geistesgeschichte Mitteleuropas”. So entstand ein Buch, mit dem die juedische Welt sich eingehend b e s c h a eftigen wird, weil es sich bemueht, bis an die Urspruenge des Buberschen Lebe nswerkes heranzukommen. Was ist dieses Werk, so fragen wir in dieser festlichen Jubilaeumsstunde, und wer ist und wie wurde sein Schoepfer? Martin Buber, in Wien geboren, stammt aus einer frommen G e lehrtenfamilie, und besonders sein Lemberger Grossvater, Salomon Buber, in dessen Hause das Enkelkind entscheidende Jugendjahre verbracht hatte, war ein gruendlicher Talmud und Midraschkenner, ein Meister der hebraeischen Sprache. Martin, nach Beendigung philosophischer und k u n s t geschichtlicher Studien in Wien, Leipzig, Berlin und Zuerich, ist mit 23 Jahren bereits Redakteur der Zeitschrift “Die Welt”; der Zionistischen Bewegung hatte er sich schon als Student angeschlossen. Auf dem 5. Zionistenkongresse zu Basel, 1901, finden wir ihn als Vertreter der kulturpolitischen, demokratischen Stroemung, als einer der allerersten, die fuer eine kuenftige Hebraeische U n i v e rsitaet eintreten. Es folgten Jahre intensivster juedisch-politischer Aktivitaet; damals war es der junge Dr. Buber, der dem zionistischen Denken in Deutschland neue Wege wies, indem er die Anerkennung der Kulturarbeit als wesentlichen Bestandteil der nationalen Renaissance forderte, bei gleichzeitigem Verlangen nach praktischer Palaestina Arbeit, was in jener Fruehepoche des Zionismus von 1904-1908 ein selten-gehoerter Wunsch war. Parallel mit dieser Taetigkeit gingen seine Studien ueber das Wesen des Chassidismus, jener religioes-mystischen Bewegung, die auf den beruehmten Rabbi Baal Schern Tow (Mitte des 18. Jahrhunderts) zurueckgeht. Zweifellos war Buber im gnosselterlichen Hause, in welchem enthusiastische Freunde der Bewegung verkehrten, von diesen Menschen tief beeindruckt worden. Was Buber im Chassidismus zu erkennen glaubte, war das menschliche Bemuehen, zu einfacher, aufrichti ger Glaeubigkeit zurueckzukehren und auf diesem Wege, in Verbindung mit sittlichem Tun, den schlichten Juden seinem himmlischen Schoepfer naeherzubringen. In einer ganzen Reihe von Buechern, die im Laufe vieler Jahre herauskamen. “Mein Weg zum Chassidismus”,! “Der grosse Maggid”, “Das j verborgene Licht”, “Die Geschichten des Rabbi Nach- 1 man” u.a. hat Buber das Wesen dieser 'Bewegung zu erklaeren und zu deuten versucht, waehrend das Resultat seiner allgemeinen mystischen Studien in den “Ekstatischen Konfessionen”, und Liebesgeschichten” und anderen Sagenbuechern der verschiedensten Voelker niedergelegt worden ist. Ueber Prag, wo Martin.Buber die letzten Friedens—, sowie die Jahre des 1. Weltkrieges verbracht hatte, und wo er seine geistvollen und mitreissenden "Reden ueber das Judentum” gehalten hatte, war er in das stille, anmutige Staedtchen Heppenheim a.d. Bergstrasse, nahe Frankfurt a.M., uebergesiedelt! und damit begann eine neue j Lebensepoche des nunmehr i 40 jaehrigen Forschers, die einen Hoehepunkt in der Berufung als Professor fuer “Juedische Religionswissenschaft und Ethik” an die “Johann Wolfgang Goethe Universitaet” zu Frankfurt (1923) fand. Gleichzeitig war Buber Leiter des ’’Juedischen Lehrhauses” und der “Mittelstelle fuer juedische Erwachsenenbildung”. Gemeinsam mit dem gelehrten und unvergesslichen Freunde Franz Rosenzweig (gestorben 1929) begann er damals das gigantische Werk der neuen Bibeluebertragung in die deutsche Sprache, um es spaeter allein weiterzufuehren. Ueber diese grandiose Leistung bezw ihren eigentlichen Zweck (das Werk trat dann in einen edlen Wettstreit mit der Bibeluebersetzung von Prof. Torczyner) hat Buber sich im Jahre 1919 wie folgt geaeussert: “Wer die Bibel aus dienendem Wissen um die hebraeische Sprachseele liest, aber nicht als Literaturwerk, sondern als fundamentale Urkunde des Wirkens des Unbedingten am juedischen Volksgeiste, ueber alle Erklaerungeh alter und neuer Exegese (noch hinaus, nach dem urspruenglichen Sinn jeder Stelle schuerfend, aber mystische Deutung nicht hineintragend, wo die geschichtliche zureicht, mit Verstaendnis fuer dichterische Form, wer solchermassen die Bibel liest, dem wird sie ein Walten der Urkraefte offenbaren, daraus sich der Kern seiner jungen Religio - sitaet ernaehren i und aufbauen kann”. Das Jahr 1933 setzte Martin Bubers Lehrtaetigkeit an der Universitaet ein Ende, aber noch nicht dem Wirken im juedischen Kulturleben waehrend der Naziepoche. Erst als die begrenzten Moeglichkeiten der Arbeit in Deutschland zu I Ende waren, siedelte der Ge- | lehrte nach Erez Israel ueber, wo ihm der Lehrstuhl fuer “Sozialphilosophie” an i der Hebraeischen Universi- I taet zur Verfuegung stand und wo er wertvolle For-! schungsarbeit am ’’Judaisti- : sehen Institut” leisten konnj te. Und diese Epoche, 1938- 1952, bis zu seiner Pensionierung als Universitaetslehrer, in der er mithalf, das juedische Volksschulwesen nach der Staatsgruendung Israels mit auf und auszubauen, ist auch eine ungemein-fruchtb a r e Zeit dichterischen Schaffens gewesen. Damals entstanden: “Gog und Magog”, “Die chassidische Botschaft”, “Gesammelte Essays” “Schuld und Schuldgefuehle” und andere Schriften mehr. Auf einer seiner ersten Nachkriegsreisen wurde Martin Buber im Jahre 1953 zu Frankfurt, der Stadt seines 10 jaehrigen, glanzvollen Wirkens, der “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” ut-! berreicht und diese Auszeichnung sollte den Dank des; gebildeten und in der Hitlere p o c h e anstaendig-geblie 1 benen deutschen Volksteils; an den Gelehrten ausdruek-; ken, der einer der bedeu- I tendsten ‘Religionsphilosoi phen unseres Zeitalters, ein edler Mensch und ein schoepf erischer Gestalter von Wort und Dichtung in der deutschen Sprache zeitlebens geblieben ist. Zwei Jahre zuvor war Albert Schweitzer in dieser Weise geehrt worden. Frankfurts Oberbuergermeister sagte damals: “Die Stadt Frankfurt, ' die den Juden so unendlich viel zu verdanken habe, wolle lernen, “weltbuergerlich” und “weltweit” zu werden. Das ist bin langer Weg, den das deutsche Volk gehen muesse, um sich wiederum die Achtung der Welt zu verdienen”.; Martin Buber, kein "strengglaeubiger Jude” im landlaeufigen Sinne dieses Wortes, ist ein wahrer Gotteskaempfer, der im “Ringen um eine neue Humanitaet” den letzten Sinn all seines Schaffens sieht. Der Hegelschen Staatslehre und der Verherrlichung des sogenannten “Volksgeistes” als i koennen. einem sich selbst genuegenden Element der Entwicklung steht Buber sehr kritisch gegenueber. Er sieht alles Unglueck der Gegenwart darin, dass der Begriff der Ewigkeit, der zeitaufheb e nden Betrachtungsform, verlorengegangen sei “Zeit ist aber”, so sagte der Gelehrte einmal, “ nicht das Letztseiende, denn das zeitbefangene Denken hat die G e s c hic hte verabsolutiert, dem staatlichen Nachgetriebe einen abschreckenden, absoluten Charakter zugesprochen”. Dieser grosse Lehrer des juedischen Volkes, sein Mahner und Verwarner, hat in seinen vier letzten Reden ueber das Judentum nach der Staatsgruendung Israels zu den Problemen des jue- ■ dischen Menschen vpn heuj te Stellung genommen. So ¡sagte er darin u.a.: “In das Urfundament, die einzigartige Einheit von Volk und Religion, war seit den Tagen des Ghettos ein tiefer Riss gekommen. Sind wir noch Juden? Lebt das Judentum noch? Sind die Wurzeln noch gesund und zu ¡retten? ¿Wird das Volk merken, dass von der religioesen Erneuerung seine Existenz abhaengt?” Martin Buber, nationaler Jude in des Wortes weitreichendster Bedeutung, Europa e e r und Weltbuerger, kommt in all seinen Reden und Schriften zu der “Weisheit letztem Schlüsse”, wonach der Mensch ’’eine dauernde Beziehung zum Weltganzen, zu Gott, suchen muesse. “Und es muesse ferner” eine neue Demafka tionslinie des Dienstes an Gott und am Menschen gefunden werden”. Moege der 85-jaehrige noch lange genug leben, in bester physischer Verfassung, um die Morgenroete einer neuen Zeit fuer die gesamte gesittete Menschheit erblicken zu MflGISCHlUSS am 4. Macrz "SALON ANELIS" bietet Ihnen das Neueste in KOSMETISCHER BEHANDLUNG UND PEDIKÜRE 9-1 h 15.- 19 h. Antonio'Varas 70, Dep. 208 (2. Block) A. M. de Neumann BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unlersluelzl das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487