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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-01-01 · 1 (Enero, 1963) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
1 (Enero, 1963)
Date
1963-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ENERO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 7 A n TISCHGESPRAECH MIT DAVID BEN GURION Von Dr. Abner Nechushtan, Tel Aviv mm mmm ' mm * "DER ALTE" Nationale Sicherheit, Dem Sinne nach leitäte “der Alte" — sie nennen ihn hier in Israel seit Jahr und Tag so und nicht anders — seine Ansprache an uns von der Tagespresse ungefaehr so ein: “Wir sitzen gemuetlich zusammen und haben die United Nations so lieb... nun, uebertreibt nicht”. Ein alter Groll explodiert Die zweite Haelfte dieses Satzes, mit ihrer Warnung, v e r schlug der Tafelrunde umso mehr den Atem, als sie mit David Ben Gurion zusammengetroffen war, um der fuenfzehnten Wiederkehr des Tages zu gedenken, an dem die U. N. in Lake Success gegen Ende 1947 die Gruendung des juedischen Staates — und eines nie zustande gekommenen arabischen — in Palaestina westlich des Jordan beschlossen hatten. Er fuhr fort: “Uebertreibt nicht! So gross das Verdienst war, das sich die Vereinten Nationen mit diesem Beschluss um uns erworben hatten, so schmaehlich versagten sie mehrere Monate spaeter, nachdem das hoechste Ideal... unser Staat ausgerufen worden war, als sie nicht das mindeste gegen den Ueberfall der sechs arabischen Armeen unternahmen. Haben sie den Anspruch auf unsere Dankbarkeit damit nicht verwirkt?”. Nicht weniger als seine verbluefften Hoerer weiss “Mister Israel” selbstredend, dass den U. N. im Jahre 1948 noch geringere eigene militaerische Machtmittel gegen Agressoren zur Verfuegung standen als in spaeteren “lokalen Kriegen”, von Korea ueber Kongo bis zum Jemen Dass es dem Weltsicherheitsrat und dem von ihm damals sofort eingesetzten “Palaestina-Schlichter”, dem Grafen Bernadotte, dennoch bin nen verhaeltnismaessig kurzer Zeit zumindest gelungen war ,die erste zweiwoechige Kampfpause durchzusetzen, die der fast ueber Nacht improvisierten israelischen “Ve'rteidigungsarmee” alles andere als unwillkommen war und dass die Serie der Waffenstillstandsvertraege von Rhodos und damit der Abbruch jenes Krieges im Fruehjahr 1949 dem Nachfolger Bernadottes zu verdanken war, Dr. Ralph Bunche, dem heutigen Stellvertreter U Thants. Aber warum in die Ferne schweifen? Fast am gleichen Tag, da Ben Gurion solche alten i Rechnungen aufrollte, hatte j im New Yorker Glaspalast | wieder einmal die grosse Re-; deschlacht ueber die arabi-; sehen Fluechtlinge begonj nen, und dabei haben seine I Wortfuehrer hoechsten Wert auf alte und neue Freunde in den United Nations zu lei gen, von den westlichen j Grossmaechten, den westeu- : ropaeischen Demo kratien und einer ganzen Reihe der Lateinamerikaner bis zum suedostasiatischen Burma und moeglichst vielen der jungen mittelafrikanischen “Entwicklungslaender”. Geht einem unbezaehmbaren Feuerkopf das Temperament, durch, so droht die beruehmte “aussenpolitische 'Sprachreglung” allemal das Nachsehen zu haben. Gegen st^enannte Ideale Sofort aber “fing sich der Ministerpraesident wieder”. Als er sich nun der Frage des Verhaeltnisses zu Deutschland und den Deutschen zuwandte, liess er einen mindestens so wuchtigen Angriff auf “gewisse Gruppen, unserer Oeffentliichkeit” folgen, “in deren Aeusserungen rassistische Untertoene spuerbar sind, um nicht zu sagen Anleihen an die verwerfliche nazistische Irrlehre”. Gewiss, i fuhr er fort, die Weigerung Bonns, in normale — diplo-; matische — Beziehungen mit Israel zu treten sei gelinde gesagt bedenklich, und skandaloes die Teilnahme' westdeutscher Spezialisten am Bau der Fernraketen, mit denen Abdel Nasser seinen “zionistischen Erzfeind” bedroht. Aber auch, nein gerade, wer solche Masstaebe der Moral anlegt, sollte wissen, wie ungerecht es ist, einem ganzen Volk die kollektive Verantwortung fuer diese bedenkenlosen Leute in Kairo aufzubuerden. “Gibt es denn nicht auch anstaendige Deutsche? will man mir im Ernst verbieten, mit einem Mann wie dem Bundestagspraesidenten Gerstenmaier zusammenzutreffen? Unser Staat verfuegt nicht in solchem Mass ueber aussenpolitische Beziehungen, dass wir irgendeinen Ansatzpunkt in den Wind schlagen koennen, wo auch immer und mit wem auch immer”. Mehr und mehr ereiferte sich “der Alte”. Gute aussenpolitische Beziehungen — je mehr sie gepflegt werden, desto mehr Aussichten bestehen nicht zuletzt auch darauf, neue Quellen zum Kauf von Waffen fuer die Streitkraefte des Staates Is rael zu erschlossen, des einzigen Staates in der Welt, “dem seine saemtlichen Nachbarn ^len Garaus machen wollen”. Nationale Sicherheit ueber alles! “Geht es darum”, und er wandte sich mit einer Mischung von Ironie und Ingrimm den rechtsradikalen, grundsaetzlich deutschfeindlichen Redakteuren an der Tafel zu und schlug mit der Faust auf den Tisch — “geht es um unsere Sicherheit, dann pfeife ich auf Eure sogenannten Ideale”. Mit Stillschweigen uebergangen Hier haette Ben Gurion zwanglos zu Bemerkungen ueber die Verhandlungen ueberleiten koennen, die nach mehrjaehrigen Vorbereitungen in ihrem formellen Stadium vom israelischen Finanzminister L. Eschkol an der Spitze einer umfangreichen Regierungskommission in Bruessel mit dem Spitzena u s s chuss der lEuropaeischen Wirtschaftsgemeinschaft soeben eingeleitet worden sind. Prof. Walter Hallstein ist ja der Praesident der EWG, zu deren 6 Mitgliedsstaaten die Bundesrepublik Deutschland in einer hoechst einflussreichen Schluesselstellung geh oert. Niemanden von den Hoerern des Mini sterpraesidenten haette es also verwundert, wenn er auch diese Tatsachen zugunsten seiner positiven Haltung in der Frage der israelisch-deutschen Beziehungen angefuehrt haette. Sie wissen so gut wie er, von wie vitaler Bedeutung es fuer das wirtschaftliche Gedeihen dieses Landes’hier ist .sich nicht durch immer hoehere Zollmauern von den europaeischen Maerkten abschliessen zu lassen, in die etwa ein Viertel der hiesigen Warenausfuhr geht. Schon im vorigen Jahr standen Exporten im Wert von 245 Millionen $ Einfuhren fast in doppelter Hoehe gegenueber. Kleiner ist das Defizit der Han delsbiianz inzwischen gewiss nicht geworden. Umso entscheidender ist es, ob sich mit der EWG wenn schon keine “Assoziation” oder gar ein foermlicher Bei tritt, so doch eine “Freihandelszone” oder zumindest eine Regelung ueber gegenseit i g e Zollvergünstigungen herbeifuehren lassen wird. Ben Gurion aber schwieg sich ueber dies Thema wohl nicht nur deshalb aus, weil es bis zur Verstaendigung in Bruessel noch gute Weile haben wird ,und nicht nur, weil er “von wirtschaftlichen- Dingen nichts versteht”, wie er es mit Recht oder Unrecht von sich behauptet. Wahrscheinlicher noch ist es, dass er die aufs Grundsaetzliche gerichtete Stellung, die er in der “israelischen Deutschlandfrage” einnimmt, nicht selber durch den Einbau opportunistischer Beweggründe schwaechen wollte. Trifft diese Annahme zu, so bewies er damit jenen Takt, der so viel zum Erfolg des echten politischen Taktikers beitraegt. Und - ein hoechstpersoenliches Glaubensbekenntnis... In diesem “tour d’horizon” hatte er jetzt allerdings noch nicht mehr als die erste Haelfte bewaeltigt .In einer weiteren geschlagenen Stunde schlossen sich daran so zahlreiche, auf die Innenpolitik Israels gerichtete Bemerkungen, dass hier nui Stichworte verzeichnet seien Wieder benutzte Ben Gurion die Gelegenheit, das in Israel gueltige System der Verhaeltniswahlen zu der Knesseth genannten Volksvertretung wie zu den staedtischen Kommunen in Grund und Boden zu verdammen, und Bezirkswahlen nach en ■ glischem Muster im Verein mit dem dort wie in den Vereinigten Staaten herrschenden Zweiparteien-System zu verlangen. Wieder kuendete er wie vor kurzem in der Knesseth schaerfsten Widerstand jedem Versuch an, das militaerische Verwaltungsregime in den Wohngegenden der moslemisch-arabischen Bevoel kerungsminderheit jetzt schon abzuschaffen; eher werde er demissionieren und damit vorzeitige Pariam e n t s w ahlen erzwingen. Wieder warnte er so eindringlich wie oft in der letzten Vergangenheit vor der Levantinisierung, von der ein Land mit derartigen Einwanderermassen aus vielfach r u e ckstaendigen orientalischen Laendern bedroht sei, und entwickelte, um dem drohenden Niedergang des Bildungsniveaus zu begegnen, g e radezu revolutionierende Plaene fuer einen Ausbau des Volksschulwesens. Und auch dieser Tafelrede gab er wie ungezaehlten anderen, die er im Laufe von Jahren und Jahrzehnten gehalten hat, am Schluss die t y p i sch Ben Gurionsche Wendung zu einem Credo das hier Wort fuer Wort zitiert sei: “Ich hoffe, dass man es mir nicht als Chauvin i smus auslegen wird, wenn ich stolz auf meine Zugehoerigkeit zu einem Volk bin, das an schoepferischer Leistung seiner Grossen durch die Jahrtausende, von den Weisen der Bibel bis zu einem Albert Einstein, und an menschlicher Hingabekraft unserer Jugend hier in Israel seinesgleichen sucht”.

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