Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 1 (Enero, 1963)
- Date
- 1963-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO ENERO 1963 DER FALL DES MASSENMOERDERS... (Fortsetzung von Seite 1) rauf der Prozess in zweiter und letzter Instanz einer Spruchkammer des Obersten Gerichts vorgelegt werden wird. Die Taktik der Verteidigung... , Auf die Moeglichkeit, die Identitaet Rauffs mit dem SS-Sturmbannf uehrers des gleichen Namens zu leugnen, hat die Verteidigung von Anfang an verzichtet. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Entlassung des ersten Anwalts, Don Rolf Buecher, auf Meinungsverschiedenheiten ueber diesen fuer die Interessen seines Klienten etwas uebereilt anmutenden Entschluss zurueckzufuehren sind. Jedenfalls sind Nazis im allgemeinen nicht so grosszuegig in ihrer °rozessfuehrung und die hie und da erscheinende Behauptung, es handle sich um eine Verwechslung mit dem Himmler-Ad j udanten Hermann Rau mutet wie ein zu spaet g e s t a rtetes Taeuschungsmanoever an. Ganz nebenbei bemerkt: wer haette fuer wen die Maske des Biedermanns liefern sollen:' etwa der Rau fuer den Rauff? oder umgekehrt? Allen Erklaerungen des Anwalts Buecher war jeden-; falls zu entnehmen, dass er I sich eines Umstandes absolut sicher fuehlte: der nach chilenischem Recht erfolg-' ten Verjaehrung. Sollte, wie er dies nicht nur als Argument vorbr achte, sondern zweifellos auch mit felsenfester Ueberzeugung glaubte, dieses Prinzip der Praeskription triumphieren, so konnte er es sich leisten, auf die Gel tendmachung , weiterer und seiner Ansicht nach damit sekundrerer Gesichtspunkte zu verzichten. Seine ueberstuerzte Ent-, lassung sowie die Verlaut- ' barungen aus dem Kreisel seines Nachfolgers, Don Eni rique Schepeler, wie vor allem Rauffs selbst deuten jedoch darauf hin, dass sie es vorziehen, ihre Position soweit wie moeglich mit den zur Verfuegung stehenden Argumenten abzuschirmen. Dass dies nur wenige sind und duerftige obendrein, liegt in der Natur der Sache. ...und ihre Argumente So kamen zu dem Argument der Verjaehrung noch zwei weitere hinzu: ein ganz neues und ein ganz abgenutztes. Bei dem “originalen” handelt es sich darum, die in den letzten Jahren vorgenommenen Deutschlandreisen des Angeklagten als Beweis dafuer anzufuehren, dass er sich unschuldig fuehlte.. Wer in diesen Zeiten intensiven europaeischen Reiseverkehrs je eine Grenze innerhalb des alten Kontinents;ueberschritten hat, weiss zu bestaetigen, mit welcher Nonchalance die Papiere revidiert werden. Ueber die Konfrontierung der Personalien an Hand irgendeines Registers schwebender Haftbefehle hat noch niemand ein Drama geschrieben und die Grenzen der BRD liefern wohl ganz gewiss nicht mehr Stoff dafuer als die ihrer Nachbarn Ansonsten: wie haette z. B. der Offenburger Nazi Zind, der nicht erstmalig aufgetrieben werden sollte, sondern bereits ausgerueckt war, seinerzeit den deutschen und italienischen Behoerdeh sein Schnippchen schlagen koennen? Ob, wie und in welcher Form die deutsche Polizei ueberhaupt planmaessig nach Nazi-Kriminellen fahndet, bleibt ihr Geheimnis und muss es wohl auch bleiben, wenn man vermeiden will, dass die Fische die Maschen und Knoten des Netzes, das sie so frisch und frei durchschwimmen, bis HOESS FA1 SEI METHODE BESSER! “Die Menschen ,die in den Gaskammern von Auschwitz umkamen, haben einen schnelleren Tod erlitten als diejenigen, die in den Gasautos... umgebracht wurden, denn die Leichen der Toten von Auschwitz waren ohne entstellende Merkmale. Der millionenfache Moerder des Todeslagers Auschwitz, Rudolf Hoess, hat in seinem Prozess in Nuernberg ausgesagt, bei seinen Opfern sei der Tod nach acht Minuten eingetreten”. , Wie war es aber mit den Gaswagen des Obersturmbannfuehrers Rauff? “Von weitem sahen diese Wagen wirklich wie Wohnwagen aus. Sie hatten aufgemalte Fenster, Gardinen, Fensterlaeden sowie einen Schornstein. Als ich diesen Schornstein zum ersten Male sah, fiel mir auf, dass er neu lackiert war und im Gegensatz zu dem Wagen keine Gebrauchsmerkmale aufwies. Und dann lernte ich die grausige Wirklichkeit kennen. Wenn der Wagen so voller Menschen war, dass, niemand mehr hineinging, wurden die eisernen Tueren zugeschlagen, und dann, ja dann wurde der Motor angelassen, und das Auspuffrohr brachte^ das toedliche Gas in das Innere des Wagens. Da die Chauffeure, um schneller mit ihrer grausigen Arbeit fertig zu werden, den Motor auf hoechsten Touren laufen liessen —vielleicht'wollten sie auch nicht das Schreien der Ungluecklichen hoeren— drang weniger Gas in das Wageninnere als vorgesehen war, so dass die Menschen in den Wagen nichts vergast wurden, sondern erstickten. Ihr Todeskampf muss furchtbar gewesen sein, denn die Leichen wiesen ausnahmslos Spuren von Blut auf, das ihnen aus Augen, Ohren, Nase und Mund gedrungen war”. , (Aus: Karl Loewenstein, “Minsk Lager der deutschen Juden”) Im ins letzte Detail kennen lernen. Rauff jedenfalls schlupfte hin und zurueck, rauf und runter, bildet sich etwas darauf ein und fuehrt es als gewichtige Entlastungsprobe an, dass er sich “unschuldig fuehlte”. Als ob seine Gefuehle massgeblich seien fuer die Schuld, die auf ihm lastet. Das alte, abgenutzte, sattsam bekannte und tausendfach widerlegte Argument, das die. seit der zweiten Prozesswoche etwas nervoes gewordene Verteidigung ins Feld fuehrt ,ist das oben bereits erwaehnte des Befehlsnotstands: der Offizier —bis zum General befoerderten ihn einige Boulevardblaetter—, der Befehle empfing und Befehle weitergab. Offenbar versprach man sich davon,, abgesehen von der Ermangelung besserer Einwaende, etwas Echo in einem Lande, dem Begriffe wie Heer, Offizier und Disziplin mit Recht etwas ehrenhaftes bedeuten. Ob einesolche S p i egelfechterei allerdings die gerichtlichen Instanzen ueber den wahren Sachverhalt wird taeuschen koennen, muss sehr angezweifelt werden. Vor allem kann dies vermieden werden, wenn sich der Vertreter der Anklage der Muehe unterzieht, diese darueber aufzuklaeren, dass Rauff keineswegs ein Offizier des regulaeren Heeres war —wenngleich auch dieses, nebenbeibemerkt, unter Generaelen wie Keitel, Manstein, Schoerner und anderen Vollstreckern des “Nacht und Nebel’-Erlasses sich gemeinster Vergehen schuldig gemacht hat-, sondern der SSi, jener “Elite- Formation der NS-Partei, deren Existenz eigens in der brutalen Durchfuehrung der Nazi-Verbrechen begruendet war. SS-General gewesen zu sein, bedeutet absolut nicht, eine militaerische Wuerde besessen zu haben. Im Gegenteil : Der Anspruch Rauffs, als Offizier in Ehren behandelt zu werden, gehoert auf das Gebiet verwiesen, auf dem in Nuernberg die SS als “verbrecherische Organisation” und jedes Mitglied ihrer fuehrenden Kader als gemeine Kriminelle stigmatisiert wurden (siehe: “Auf Ausrottung gedrillt”). Was er sonst noch vorbringt, ist Makulatur und nicht der Rede wert: dass seine Soehne anstaendige Menschen ' sind und hervorragende Schueler hiesiger Hochschulen: wer bestreitet das?, dass er Kumpanen hat, die in Treue fest ihre Hand fuer ihn ins Feuer legen: wen nimmt das Wunder?, dass er in Punta Arenas ein ehrsamer Buerger war: was wird damit gerechtfertigt? Doch hoechstens, dass kein Grund vorliegt, ihn des Landes ob hier begangener Delikte zu verweisen, eine Hoffnung," die niemand gehegt hatte. Im Gegenteil: es gehoert zu der beispiellosen Natur dieser beispiellosen Verbrechen, dass ihre Mentoren sich durchwegs “ehrsamer Buerger” fuer ihre Durchfuehrung b e d i e nen konnten. Wenn naemlich in Mittelamerika irgend ein wuester Tyrann Willkuerakte durchfuehren wollte, so pflegte er sich dazu stets eigens gedingter Zuchthaeus« ler zu bedienen. Das Ausmass des deutschen Verbrechens gegen die Menschheit war aber erst dadurch eigentlich moeglich und wird d.adurch gekennzeichnet dass der ehrsame Buerger, der Anwalt, der Beamte, der Blumenzuechter, der Arzt, der Dr. Jekyll, in der braunen oder schwarzen Uniform zum Mr. Hyde des KZ-Aüfsehers, des Folterknechts und des Obersturmbannfuehrers wurde. Irrtuemer und Irrefuehrung Es gehoert zu den erstaunlichen Einzelheiten dieses Prozesses, wie sehr oft richtige Einzelheiten oder Kommentare von entstellenden Irrtuemern durchsetzt sind. Einige sind recht harmloser Natur wie jene, die Rauffs Laufbahn in Chile durch sein Angestelltenverhaeltnis zu den “ju< dischen” Firmen Goldmann Janssen bszw Sara Braun illustrieren. Be-- kanntlich ist keine von beiden Firmen auch nur im entferntesten “nichtarisch”. Ten denzioese Berichterstatt ung flagranter Art machte sich dagegen stellenweise besonders in den ersten Tagen, in einigen der grossen Zeitungen breit und gipfelte in der beilaeufigen Bemerkung, die evtl. Auslieferung Rauffs beguenstige lediglich Russland und die (Fortsetzung Seite 10) UNTERFUEHRER BECKER TRAEGT OBERFUEHRER RAUF SORGEN VOR Feldpostnummer 33704 B. Nr. 40/42— Kiew, den 16. Mai 1942 GEHEIME REICHSSACHE! AN SS OßFRSUBA«« RAUFF -n vi jj i "w ■ Die Ueberholüng der Wa-1 gen bei der Gruppe D und C! ist beendet. Waehrend die Wagen der ersten Serie auch bei nicht allzu schlechter Wetterlage eingesetzt werden koennen, liegen die wagen der zweiten Serie (Saurer) bei Regenwetter vollkommen fest. Wenn es z. B. nur eine halbe Stunde geregnet hat, kann der Wagen nicht eingesetzt werden, weil er glatt wegrutscht. Benutzbar ist er nur bei ganz trockenem Wetter. Es tritt nun die Frage auf. ob man den Wasren nur am Ort der Exekution im Stand benutzen kann. Erstens muss der Wagen an diesen Ort gebracht werden, was nur bei guter Wetterlage moeglich ist. Der Ort der Exekution befindet sich aber meistens 10 - 15 km abseits der Verkehrswege und ist durch seine Lage schon schwer zugaenglich, bei feuchtem oder nassem Wetter ueberhaupt nicht. Faehrt oder fuehrt man die zu Exekutierenden an diesen Ort, so merken sie sofort was los ist und werden unruhig, was nach Moeglichkeit vermieden werden soll. Es bleibt nur der eine Weg uebrig, sie am Sammelort einzuladen und dann hinauszufahren. Die Wagen der Gruppe D habe ich als Wohnwagen tarnen lassen, indem ich an den kleinen Wagen auf jeder Seite einen, an den grossen auf jeder Seite zwei Fensterlaeden anbringen liess, wie man sie oft an den Bauernbauesern auf dem Lande sieht. Die Wagen waren so b e k a n nt geworden, dass nicht nur die Behoerden, sondern auch die Zivilbevoelkerung den Wagen als ‘Todeswagen” bezeichneten, sobald nur eines dieser Fahrzeuge auftauchte. Nach meiner Meinung kann er auch getarnt nicht auf die Dauer verheimlicht werden.» . .Ausserdem ordnete ich an, bei den Vergasungen alle Maenner vom Wagen moein Berlin -’T-'isnprinz Albrecht-Str. 8 | glichst fern zu halten, damit! sie durch evtl, ausstroemen de Gase gesundheitlich nicht geschaedigt werden. Bei dieser Gelegenheit moechte ich auf folgendes aufmerksam machen; Verschiedene Kommandos lassen nach der Vergasung durch die eigenen Maenner ausladen. Die Kommandeure der betreffenden S. K. habe ich darauf aufmerksam gemacht, welch ungeheure seelische und gesundheitliche Stohaedigungen diese Arbeit auf die Maenner, wenn auch nicht sofort, so doch spaeter haben kann. Die Maenner beklagten sich bei mir ueber Kopfschmerzen, die nach jeder Ausladung auftreten. Trotzdem will man von dieser Anordnung nicht abgehen, weil man befuerchtet, dass die fuer die Arbeit herangezogenen Haeftlinge einen guenstigen Augenblick zur Flucht benutzen koennten. Um die Maenner vor diesen Schaeden zu bewahren, bitte ich, dementsp rechende A n o rdnungen herauszugeben. Die Vergasung wird durchweg nicht richtig vorgenommen. Um die Aktion mocglichst sehr eil zu beenden, geben die Fahrer durchweg Vollgas. Du 'ch diese Massnahme erleiden die, zu Exekutierenden den Erstickungs tod und nicht, wie vorgesehen, den Einschlaeferungstod. Meine Anleitungen haben nun ergeben, dass bei richtiger Einstellung der Hebel der Tod schneller eintritt und die Hacftlinge friedlich einschlafen. Verzerrte Gesichter und Ausscheidungen wie sie seither gesehen wur den, konnten nicht mehr bemerkt werden. im Laufe oes heutigen Tages erfolgt meine Weiterreise nach der Gruppe B, wo mich weitere Nachrichten erreichen koennen. Dr. Becker SS-Unteruturmfuehrer