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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-12-01 · 12 (Diciembre, 1962) · p. Seite 22

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
12 (Diciembre, 1962)
Date
1962-12-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 BOLETIN INFORMATIVO Diciembre 1962 REISE DURCH WUESTE UND JUNGE STAEDTE!»l m; 0 LABORATORIUM ISRAEL DAS MILITAER WIRD ZUM LEHRER DER AUFSTREBENDEN NATION Dieser Checkpoint heisst nicht “Charlie” wie der in der Berliner Friedrichsstrasse. Er heisst “Kings GaiSegK Koenigstor. Nicht amerikä». nisohe GI’s stehen hier aul Posten, sondern Soldaten des- Koenigs von Daenemark. Aber über ihrem Wachhaeuschen weht nicht der panebrog, sondern die blau-weisse Fahne der Vereinten Nationen. Wir stehen achtzig Meter von ihnen entfernt hinter einem Schlagbaum, auf israelischer Seite. Dazwischen liegt Oedland:; Sand, Stacheldraht. In Niemandsland ein Stück der Eisenbahnlinie, die früher Haifa mit Kairo verband. Ein Teil der Geleise ist herausgerissen. Drüben wird eine Gruppe von Zivilisten auf uns aufmerksam. Arabische Palaestinaflüchtlinge? Der israelische Posten zuckt die Achseln. Er spricht nur Hebraeisch. Um uns wenigstens etwas zu bieten, führt er uns sein Schnellfeuergewehr vor. Die Daemmerung legt sich über die Grenze zum aegyptischen Gaza-Streifen. E s wird hier schnell dunkel. Schakale streifen durchs steinige Gelaende. Nur für sie gilt die Grenze nicht. * Wir hatten eine lange Fahrt durch das noerdliche Negev-Gebiet hinter uns. Nun kamen wir aus dessen Hauptstadt, aus Beersheba. Schon Abraham fand dort eine Quelle, sagt die Bibel. Man muss sich im Alten Testament auskennen; man versteht dann das heutige Israel besser, spoettelt unser Fahrer, der mehrere Prüfungen als Fremdenführer abgelegt hat. Er stammt aus Braunschweig. Seine Familie besass dort einmal ein kleines Gut. * Auf dem Hinweg von Tel Aviv hatten wir Ashdod besucht, ein neues Küstenstaedtchen noerdlich von Askalon in einstigen Philisterland. Hier wird ein Tiefseehafen gebaut. 1967 soll er fertig sein. Mineralien aus dem Süden sollen von hier nach Afrika und Europa verladen werden. Erst kamen 300 Planer und Tiefbauspezialisten. Sie legten die Kanalisation, bauten Strassen und sorgten für Elektrizitaet. Heute wohnen hier schon 12.000 Menschen. Viele Einwanderer aus Nordafrika, auch etliche aus Asien unter ihnen. Sie arbeiten in Fabriken, die binnen Monaten in Sanddünen zementiert worden sind. Auch im neuen grossen E-Werk. Eine englische Firma baut Lastwagen. Diese Entwicklungsstadt soll einmal 50.000 Einwohner zaehlen. Man steuert in Israel auf die dritte Einwohner-Million zu. Die gut ausgebaute Strasse zieht sich durch Citrus-Plantagen, vorbei an Mais-Pflanzungen und Baumwoll-Feldern. In Staellen, die eigentlich nur aus grossen Daechern bestehen, sieht man Milchvieh. Israel hat schon eine Ueberproduktion an Lebensmitteln; auch die Baumwolle reicht aus für den eigenen Bedarf. Es waechst die Zahl der Spinnereien. Die Wasserleitung aus dem Jarkon-Fluss noerdlich von Tel Aviv ist Lebensspender "Bis in den noerdlichen Ne- ¿ev. Bald soll das Jordanwasser dazukommen. An vielen Stellen liegen schon die Be- , tonroehren. Das Land ist ein einziges Laboratorium, voll von Unternehmungsgeist, voll von geistiger Explosivkraft. Sie meistert viele Probleme. Sie schafft auch neue. * Baumlos und karg das Land vor Beersheba. Hier zieht noch der Beduine seinen ziellosen Weg. Kamele vor schwarzen ' Zelten. Bis 1948 war Beersheva ein arabischer Flecken mit 3000 Einwohnern; Kamelmarkt. Ein Jahr spaeter kamen 900 jüdische Pioniere, noch vor dem Wasser vom Jordan. Sie bauten in die Wüste. Man holte einen energischen Bürgermeister aus dem Norden. 1921 war er schon aus Ostgalizien eingewandert. Ein staemmiger Bauertyp dieser David Tuwijahu. Bis 1960 hatte er das einstige Beduinen-Nest auf eine Stadt von 50.000 Menschen gebracht. Heute plant man für 100.000. Tuwijahu etwartet noch viele Einwanderer: aus Nordafrika (Algerien!), dem Ostblock. Südamerika, vielleicht, vielleicht einmal auch aus Russland. Er glaubt daran. Sechzig Prozent der Bewohner sind Nordafrikaner. Nur schwer werden sie integriert. Tuwijahu hofft auf die zweite Generation; auf sie hoffen viele im Lande. * An die fünfzig Kilometer noerdlich von Beersheba liegt Kiryat Gath. Es nennt sich Hauptstadt eines Siedlungsbezirks von 55 Doerfern. Hier wohnte der Riese Goliath, dann entriss David den Philistern den Ort, sagt die biblische Chronik. Heute ist dieses einstige Gath Industrie- und Einkaufszentrum des ganzen Bezirks, zaehlt viele Schulen. Baumwolle, Zuckerrüben, Gemüse sind die Grundstoffe für industrielle Verarbeitung. Auch hier zu sechzig Prozent Nordafrikaner, Kurden, Iraker. Die meisten kommen als Analphabeten. Schwere Krisen zwischen den ethnischen Gruppen bleiben nicht aus. Orthodoxe stehen gegen Areligioese, theokratis c h e s Denken, wenn auch in geringfügiger Minderheit, vertraegt sich schlecht mit den Erfordernissen eines modernen Staates. Liberale, die in Opposition zur sozialistischen Regierung stehen, befürchten eine sich allmaehlich vollziehende “Levantinisierung” Israels. “Neulich haben Eltern zum Schulstreik aufgerufen”, sagt mit leiser Stimme der junge Lehrer S„ Leiter einer Schule mit 700 Kindern. Er kam 1938 ins Land, als Kind, aus Berlin. Wir gehen mit ihm durch d i e Klassenzimmer des modernen Schulgebaeudes, das über alle denkbaren zivilisatorischen Einrichtungen verfügt. Da sitzen die kleinen Jungen und Maedchen aus Libyen und dem Atlasgepirge, aus Südafrika, Kurdestan und dem arabischen Jemen. Sie sind um einige Schattierungen brauner als ihre Mitschüler aus Europa, als die, die schon im Lande geboren sind. Viele müssen erst lernen, was ein Stuhl ist, wie man mit Messer und Gabel isst, dass man die Toilettenraeume aufsucht und nicht den Schulhof. Diese Kinder lernen, wie ihre Eltern in Kursen für Erwachsene, zunaechst eine Art Grund-Hebraeisch. Und die Bibel ist die Grundlage des Unterrichts; sie ist die Nationalgeschichte, die alle untereinander ver bindet. Dennoch befinden wir uns in einer nichtreligioesen Schule. “Ich gehe nicht mehr in die Synagoge”, sagt versonnen .der Lehrer. “Aber wir beten jeden Tag zusammen, auch das macht die Integration leichter”. Aber manche Eltern, die aus Europa und Amerika gekommen sind, sie wollen nicht, dass ihre Kinder mit dem Milieu der Analphabeten in Berührung kommen, dass sie das Lerntempo verlangsamen müssen. Etliche von ihnen wandern wieder ab. Wasser und Sicherheit des Staates seien die Hauptprobleme Israels, hatte man uns bei Betreten des Landes gesagt. Aber die Verschmelzung der vielen ethnischen Gruppen aus über vierzig Laendern, vielleicht sind es sogar sechzig, und der vielen religioesen Gruppen zu einem Staatsvolk — es scheint uns dies heute und für die weitere Zukunft die noch viel schwierigere Aufgabe zu sein. Der junge Lehrer S. aus Berlin, für den Israel das Gelobte Land ist, ist entschlossen, sie zu bewaeltigen. * Wenn aber die Mühe der Lehrer versagt, was dann? fragen wir. Dann gibt es noch immer die Armee, erwidert er mit überraschender Selbstverstaendlichkeit. Schon vorher hatte uns der Leiter des Kulturamtes der Stadt, e i n breitschultriger blonder Englaender auf die Armee verwiesen: “The army is the great leveller, the great Integration machine”. Keiner verlaesst den Heeresdienst ohne abgeschlossene Volksschulbildung. Und der drahtige, hochgewachsene General, dessen Wiege in Ludwigshafen stand und der heute Abteilungschef im Generalstab ist, er beantwortete uns einige Tage spaeter diese Frage so: “Würden wir die jungen Leute nicht ausbilden und wenn notwendig auf einen handwerklichen Beruf vorbereiten, dann würden hier viele voneinander getrennt leben mit ihrer eigenen Kultur. Wir aber müssen allen das Ge-; fühl geben, dass wir ein Volk I sind, mit der Bibel als Basis”. » Der Schulleiter von Kiryat Gath, der junge General mit dem Fallschirmjaegerabzeichen, der Fahrer unseres Autos, der Sekretaer eines Kibbuz — sie fragten uns wohl, aus welchen Staedten der Bundesrepublik wir kaemen. Aber versuchten wir etwas aus Deutschland zu erzaehlen, dann schien es uns, als , Kurz nach der Verkuendung des Urteils im Eichmann-prozess ist, wie erinnerlich, ein Konflikt zwischen Justizminister Joseph und General Staatsanwalt Hausner ausgebrochen. E s ging in der Hauptsache um eine Abgrenzung der Kompetenzen zwischen dem Justizdepartement und der Generalstaatsanwaltschaft. D r. Joseph verlangte eine genauere Uebersicht ueber die Arbeit des Generalstaatsanwalts, als sie ihm bisher gewaehrt war. Dr. Hausner dagegen bestand auf der Wahrung seiner unabhaengigen Stellung. Der Konflikt wurde vor das Kabinett gebracht, das sich jedoch nicht imstande fuehlte, im einem so komplizierten Rechtsfalle ohne weiteres zu entscheiden. Es wurde daher im Juni eine Kommission eingesetzt. Sie besteht aus zwei Mitgliedern des Obergerichts, Agranat und Berinson, sowie dem bekannten Anwalt Abraham Levin. Diese Kommission hat jetzt dem Kabinett ihren Bericht unterbreitet. Darin setzt sie sich vor allem mit der Frage auseinander, wie weit der Staatsanwalt seine Entscheidungen ueber Strafverfolgungen selbstaendig t r e f fen duerfe und wie weit sie vom Justizminister zu bestaetigen sind. Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass die Kompetenzen des Generalstaatsanwalts gesetzlich verankert seien und dass der Generalstaatsanwalt der Regierung direkt verantwortlich ist. Der Justizminister hat aber die Pflicht, den Generalstaatsanwalt zu ueberwachen. Gestuetzt auf Entscheidungen des Obergerichts kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass der Gene r a 1 s t aatsanwalt —w i e auch einige andere hohe Regierungsbeamt e .— s e 1 bstaendig ihre Entscheidungen zu treffen haben. Es wird dabei angenommen, dass sie die politische Linie der Regierung kennen. Das wuerde bedeuten, dass der Generalstaatsanwalt, unbeeinflusst von einer anderen Stelle, beschliesst, in welchen Faellen eine Strafverfolgung einzuleiten und in weichen sie ein zustellen ist. Diese Entscheidung ist in Israel, wo kein Zwang zu einer Strafverfolgung besteht, von grosser Bedeutung. Zugleich spricht sich jei doch die Kommission fuer eine kontinuierliche Beratung zwischen dem Justizminister und dem Generalstaatsanwalt aus. Sie betont, dass der Gener alstaatsanwalt ueber die polische Linie der Regierung informiert sein muss, damit er trotz seiner Unabhaengigkeit bei seinen Entscheidungen mit ihr konform ist. Die Kommission geht dann auf die geschichtlichen Wurzeln des Konflikts ein. Unter dem britischen. Mandat-war der Generalstaatsanwalt ein Mitglied des Rates des Oberkommissars, also der Koerperschaft, die damals dem Kabinett entsprach. Als der Staat Israel gegruendet wurde, behielt man das Amt des Generalstaatsanwalts mit seinen Kompetenzen und seiner weitgehenden Unabhaengigkeit von der Regierung bei, obwohl gleichzeitig der Posten eines Justizministers geschaffen wurde. Solange Pinchas Rosen Justizminister war, kam es zu keinerlei Komp etenzkonflikten mit dem damaligen Generalstaatsanwalt Chajim Cohen, der heute Oberrichter ist. Rosens Nachfolger Joseph jedoch, der sehr energisch ist, will seinen Einfluss auch auf die Abteilung des Generalstaatsanwalts ausdehnen, waehrend Dr. Hausner auf seiner Unabhaengigkeit besteht. In der Diskussion, die im letzten halben Jahr ueber die Abgrenzung der Kompetenzen des Generalstaatsanwalts in der israelischen Presse gefuehrt wurde, ist die Frage gestellt worden, ob die Kompetenzen, die der Generalstaatsanwalt besitzt, nicht dazu gefuehrt haetten, dass praktisch zwei Justizminister amtierten; die Meinung wird ausgesprochen,; dass man vom Justizminister nicht erwarten koenne, dass er vor dem Parlament Entscheidungen des Generalstaatsanwalts verteidige, an denen er nicht mitbeteiligt war. Der Konflikt wird dadurch verschaerft, dass Dr. Joseph ein Mitglied der Mapai ist, waehrend Dr. Hausner vor seiner Ernennung zum Generalstaatsanwalt als ein Liberaler galt. Der Kommissionsbericht wird diesen Winter das Parlament beschaeftigen. ("Neue Zuercher Zeitung") hoerten sie nicht mehr hin. i Auch der blonde Hüne, den! wir nachts mit dem Gewehr! im Arm auf dem Patrouillengang um seinen Kibbuz nahe der syrischen Grenze trafen, schüttelte den Kopf. “Ich bin 1934 aus Hamburg eingewandert. Man hat mich eingeladen zurückzukommen. Doch wozu?” Er war der Enkel eines einst in der Hansestadt berühmten Mediziners. (“Die Welt”) Fancisco Berger Xeat&nos 424 TeleS. 650J1 Meveed 5S5 TeleS. 3©475 Lampen-Acriiico Geschenke Spiegel Garderoben Groesste Auswahl

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