Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1962)
- Date
- 1962-12-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO Diciembre 1962 IM NAMEN DER DELEGATIONEN DANKTE Dr. Feuereisen (Sao Paulo) NEUE WELT UNSERE GESAMT - JUEDISCHE HALTUNG [ FORTSETZUNG VDN SEITE 5] Es ist fuer meine Gemeinde und fue mich eine besondere Ehre, in dieser Stunde der Eroeffnung des 4. Kon. greses der Centra im Namen aller hier erschienenen Delegierten das Wort ergreifen zu koennen. Als erstes moechte ich unserer gastgebenden Schwestergemeinde, der Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jis. roel”, herzlichst fuer ihre lie— benswuerdige Einladung dan. ken und fuer die Liebe und Sorgfalt und Muehe, mit der sie diese unsere Arbeitstage vorbereitet hat. Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck bringen, dass von dem ersten Zusammentreffen der Delegierten unserer Gemeinden, angefangen der Kontakt mit den Vertretern Ihrer Gemeinde, waehrend dieser acht Jahre ein besonders harmonischer und freundschaftlicher war, und das wir immer die Hingabe und das Verantwortungsbewusstsein, mit dem Sie ' in unserem Kreis gearbeitet haben, igeschaetzt und bewundert haben. Darueber hinaus verband un mit Ihren Vertretern ein persoenlicher, ein menschlicher Kontakt, der unser Zusammeinsein und unsere Arbeit bereicherte. Gerade aus diesem Grund wird die Freude, mit der wir Ihrer Einladung gefolgt und nach Santiago gekommen sind, getruebt, denn unter den lieben Freunden fehlt uns heut einer, den wir schaetzten und verehrten Siegfried Landau. Wer Siegfried Landau —wie ich das Glueck hatte— von unserem unser Zusammensein und kannte, konnte sich von dem Eindruck seiner Persoenlich. keit nicht mehr freimachen; in seiner Arbeit in diesem Kreis der Centra war er uns Vorbild als Mensch, als Jude, als Fuehrer einer Gemeinschaft, war er uns Freund mit seinem Rat, mit seinem Verstaendnis, mit seinem feinen Humor. Wir koennen diesen Kongress nicht beginnen, ahne seiner zu gedenken, ihm ueber das Grab hinaus unserer Dankbarkeit zu versichen und zu versprechen, in seinem Geiste unsere Arbeit fortzusetzen: Zu schaffen und zu erhalten ein grosses und starkes Judentum in Suedamerika, getragen von unserer Jugend, die er ueberdas Erbe in diese Laender gebracht haben, zusammen mit unserer Jugend, die es uebernehmen soll fuer die Zukunft. Meine Damen und Herren: Zwei Jahre sind wieder seit unserer letzten Zusammenkunft vergangen; ich moechte im Augenblick nicht entscheiden, ob die Zeit zwischen unseren Kongressen immer so ereignisreich und schwerwiegend fuer uns war, oder ob gerade die letzten zwei Jahre uns eine besondere Fuelle von Problemen gebracht haben. Soweit unsere Nachrichten reichen, haben alle unsere Gemeinden zwei Jahre tatkraeftiger Entwicklung hinter sich. Programme sind er. fuellt worden, neue Gemeindehaeuser und Synagogen, Altersheime und Schulen sind geschaffen worden, die Kon. solidierung unserer Institutionen ist fortgeschritten und was vielleicht das Wichtigste in unseren Entwicklung ist — die Jugend-Arbeit ist aus ihren Anfaengen in ein Sta dium maechtiger Evolution gelangt. Und waehrend wir Gemeinden — manche mehr und manche weniger — im Charakter einer wahren “Kehilla” unseren Weg und unsere Aufgaben vorgezeichnet haben, beobachten wir in der juengeren Generation ein Ringen und eine lebhafte Auseinandersetzung ueber die ideologische Basis unseres und ihres Judeseins. Wir duerfen dankbar sein, dass es der Leitung der Centra gelungen ist, von Beginn unerer Arbeit angefangen, in dem Kreis der Centra jede DL ferenz aus einer religioesen Einstellung einer Gemeinde zu vermeiden. Bei uns galt und gilt die Gemeinde, die Traegerin und Bewahrerin unserer grossen juedischen Tradition. Wir haben uns bemueht, jede Parteipolitik und jeden parteipolitischen Einf 1 u s s auszuschalten und unser Israel nur als ‘Ganzes”, als das Wunder unserer Tage, als unseren Stolz, aber auch als unsere Verpflichtung zu neh. men. Wir haben versucht, durch unsere geistigen Fuehrer, unsere Rabbinen, unsere Lehrer und Jugendfuehrer die Idee der “Gesamt-juedischen Haltung” zu betonen und in die Tat umzusetzen, um jeder Gemeinde und jedem Individuum innerhalb dieser Gemeinschaft die positive Einteilung zu unserer Arbeit und darueber hinaus ihre positive Mitarbeit zu ermoeglichen. Diese “Gesamt-juedische Haltung” ist keine Neutralitaet, sie ist keine Flucht vor dem einen oder idem anderen Problem, sie ist Ausdruck und Bekenntnis eines positiven Judentums auf breitester Basis, gestuetzt auf Religion und Staat und gibt uns die Moeglichkeit erschoepfender Arbeit und (Betaetigung, als da sind die verschiedenen ¡Sparten unserer Arbeit, die wir in diesen Tagen unter dem Thema! “Orientierung unserer Arbeit” sehen. Wir hoffen und wuenschen, dass wir diesen Weg in Frieden und Freundschaft, im gegenseitigen Verstehen und so erfolgreich wir bisher weitergehen koennen. In unsere Betrachtungen muesen wir noch einen Punkt einschliessen. Die Welt um uns und wir in ihr erleben im Augenblick sehr schawere und kritische Tage. Problema politischer, wirr, schaftlicher, und sozialer Art erschuettern das Leben der Voelker, in deren Mitte wir leben und beruehren natur. gemaess in gleicher Weise uns wie die Umwelt. Doch damit ist nicht gesagt, dass in al diesen Laendern, in denen sich diese grossen Probleme verschieden iauswir. ken, auch ein “juedisches Problem” existiert, wenn auch unverantwortliche Eiemente nach dem bekannten j Rezept den Punkt des schwaechsten Widers t a n. I des suchen und glauben durch antisemitische Machenschaften allgemeine Fragen und Probleme, die die Welt bewegen, loesen zu koennen. Ich moechte wie. derholen und unterstreichen, auch zeitweise auftretende antisemitische Exzesse sind nicht ein Zeichen fuer das Vorhandensein eines spezifisch “Juedischen Problems” und eine Gesundung der tiefgreifenden Probleme, d i e diesen ganzen Kontinent belasten, wird auch dieser sdoradisch auftretenden Zeiterscheinung ein Ende bereiten. Wir glauben und hoffen, dass die Menschen, denen das Schicksal der einzelnen VoeL ker in die Hand gegeben ist. ja die das Schicksal der ganzen Menschheit in ihrer Hand haben, diese Probleme werden friedlich loesen koennen und dass uns die hoechsten Gueter der Menschheit, cie wir verloren und hier wiedergefunden haben, Fri e d e, Freiheit und Gleichheit erhalten bleiben, damit wir1 und unsere Jugend im Geiste unserer grossen Lehre und mit den Werten unseres Glaubens unseren Weg als Juden weiter gehen koennen. Vor wenigen Tagen standen wir Alle —ein Jeder in seiner Gemeinde— in unseren Gotteshaeusern um ein neues Jahr willkommen zu heissen. Moege die erste Arbeit, zu der sich unsere Gemeinden in dem neuen Jahr zusammenfinden, gesegn e t und von Erfolg gekroent sein zum Wohle einer jeder unserer Gemeinden und zum Wohle der gesamten Judenheit Kultur und auch die Seele unserer neuen Laender kennen zu lernen. Trotzdem erfahren wir, wie wir es in allen Generationen erfahren haben, dass im Augenblick tiefster Erschuett erung ploetzlich wieder das Gespenst das Antisemitismus ueber uns herein bricht. Es hat uns erschuetter. Es hat uns ganz besonders erschuettert in dem Jahr, da in Jerusalem vor dem Gewissen der ganzen Welt der Moerder der Millionen vor Gericht ßtand und zur , Verurteilung kam. Wir duerfen, wir wollen diese antisemitische Erscheinung auf unserem Kontinent nicht unterschaetzeh. wir haben schon einmal bitter dafuer bezahlt, als wir sie nicht in ihrer ernsten, alarmierenden Tragweite erkannten. Trotzdem glaube ich, sagen zu duerfen: die Welt, die ernste und j verantwortliche Welt hat . erkannt, dass sie sich jetzt nicht mehr Antisemitismus leisten kann. Sie hat verstanden, dass, wo immer A n t isemitismus ausbricht, dies wie ein eitriges jGeschwuer ist, das eine tiefe gefaehrliche Erkrankung im gesamtem Weltkoerper ausloest. Sie hat erkannt, dass, wo man S y n a gogen beschmiert, sehr bald die Kirchen brennen. Sie hat erkannt, dass es mit sechs Millionen Juden begann, mit dreissig und viel mehr Mil¬ DAS ENDZIEL... [ SCHLUSS VDN SEITE 5 ] bleme. Unsere zweite und dritte Generation blickt auf uns, meine Damen und Herren Delegierten, sie wartet darauf, dass ihr das Gedankengut, dass wir mit uns brachten und mit uns fuehren, naeher gebracht und ihr derselbe Kontakt mit den Gemeinden in der Zukunft ermoeglicht wird, den wir, die mittlere und die aeltere Generation, mit ihnen haben. Es handelt sich hier nicht ausschliesslich lum das sprachliche Problem, obwohl auch dieses ein Hauptfaktor, wenn auch nicht der allein ausschlaggebende ist. Es sprechen noch zahlreiche andere Momente mit, von denen einige, wie ich hoffe, auf der gleichzeitig stattfindenden Tagung des suedamerikanischen Rabbine r — Verbandes ihre Loesung finden werden. Selbstverstaend. lieh kann es sich hierbei nicht um das handeln, was man im allgemeinen unter Reform versteht. Ich selbst bin vor allem aus Gruenden persoenlicher Ueberzeugung und als Praesident einer Einheitsgemeinde Gegner eines Reform-Gottesdienstes. Fuer einen solchen ist in meiner Gemeinde wie sicher in den meisten der hier vertretenen Schwestergemeinden kein Platz. Ich glaube aber, dass auch unsereren Gottesdiensten eine gewisse Modernisierung sehr nuetzen koennte, wie z. B. eine erhoehte Verwendung der Landessprache und dergleichen mehr. Denn unsere Gottesdienste muessen von ¡unserer Jugend verstanden werden, die ihm bis jetzt zum groessten Teil fern bleibt, weil sie infolge ihrer geringen Vorkenntnisse, die nicht ihre Schuld sind, ihnen nichts geben koennen. Ich bin mir darueber klar, dass sicher mancher unserer aelteren Freunde mit diesen Gedankengaengen nicht einverstanden ist. Wir, meine Damen und Herren Delegierten, als verantwortungsbewusste Leiter von Gemeinde muessen uns aber darueber klar sein, dass, wenn wir uns nicht zu diesen Umwandlung unserer Gemeinden in lateinamerikan i s c h e Gemeinden entschliessen koennen oder wollen, unsere Gemeinden nicht den Bestand haben werden, der ihren Gruendern vor Augen geschwebt hat. Unsere Gemeinden sind nicht gegruendet den fuer 25,30 auch 35 Jahre, sondern um zu bestehen, solange juedische Menschen auf diesem Kontinent leben und als Juden leben wollen. Wenn wir dieses Ziel bei unseren morgen beginnen, den Arbeiten vor Augen haben, dann wird auch dieser Kongress den gleichen, vielleicht sogar einen noch groesseren moralischen und praktischen Erfolg haben wie die vorherigen. In diesem Sinne, meine Damen und Herren Delegierten, heisse ich Sie nochmals aufs Herzlichste bei uns willkommen und gebe der Hoffnung Ausdruck, dass unsere Beratungen, wie immer, freundschaftlich und harmonisch verlaufen werden und sich zum Segen fuer unsere Gemeinden und das gesamte lateinamerikanische Judentum auswirken moe"- gen. hohen aller Voelker weiterging und, wer weiss, mit wie vielmehr Millionen es das naechste Mal bezahlt wird. Und wir haben noch etwas erfahren, gerade in dieser neuesten Phase des Antisemitismus: Der Geist des Warschauer , Gettos lebt nicht nur in Medinat Israel; er ist uebergesprungen auf unsere Gemeinschaften. In Wuerde und mit Mut haben Juden auf diesem Kontinent sich der neuen Bedrohung gestellt und ihr gewachsen gezeigt. Wir wollen hoffen, dass das Ringen in unseren Laendern um neue soziale Lebensformen auf die Dauer des alten Lasters des Antisemitismus entbehren kann. Was bedeutet diese Situation fuer unsere Kinder? Eines der bedrueckendsten Erlebnisse, das man als Lehrer in diesen Monaten haben musste, ist die tiefe und gefaehrliche Unsicherheit, die sich u n s e rer Kinder bemaechtigt. Psychologen aus der ganzen Welt haben ueberhaupt , festgestellt, dass die neue Generation unter Alarm und Angst und Bedrohung aufwaechst. Unsere Jugend hoert noch mehr von unsicherer Zukunft, von Ungewissheit, von Angst vor dem Morgen. Geben wir unserer Jugend, so viel wir koennen, innere Sicherheit und innere Ruhe. Wir werden nachher noch davon sprechen, wie sehr gerade durch und mit unserem Judentum wir diese innere Festigung jedem jungen Menschen geben koennen. Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Probleme koennen wir fuer die Jugend nur eines empfehlen; Sie sollen so viel als moeglich , lernen. Sie sollen die bestmoegliche Ausbildung sich erarbeiten. Sie sollen wissen, dass je mehr sie koennen, je mehr sie gelernt haben, desto wichtiger und wertvoller werden sie fuer die Laender und fuer die Gesellschaft sein, in der sie leben. Sie stellen menschliches Erb-Gut dar, das von groesstem Wert fuer die erwachende Gesellschaft auf diesem Kontinent ist. So gesehen, werden wir der Entwicklung auf dies em Kontinent mit aller uns zugaenglichen Aufmerksamkeit uns verbunden fuehlen und uns bereit halten, dem gerecht zu werden, was die Stunde von uns fordert. Wir Juden haben darin Jahrtausende lange Erfahrungen und vielleicht ist es gestattet, mit einer kleiner Anekdote diesen Teil abzuschliessen: In eine kleine hollaendische Stadt kommt die Alarmbotschaft, der Damm am groessten Stausee koenne nur noch wenige Stunden widerstehen, dann wuerden die Fluten sich ueber , die Stadt ergiessen und man wuesste nicht, wie man die Bevoelkerung retten koennte. Der Buergermeister ruft die Vertreter der Religionen zu sich, mit der Aufforderung, ihre Glaeubigen um sich zu sammeln und sie fuer die letzten Stunden vorzubereiten. Nachdem er den drei Geistlichen die Nachricht uebermittelt hatte, fragte er sie danach, was sie zu tun ged a c h ten. Der katholische Priester sagte, er wuerde sie (Fortsetzung Seite 9)