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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-12-01 · 12 (Diciembre, 1962) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
12 (Diciembre, 1962)
Date
1962-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Diciembre 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 Das menschliche Antlitz - drahtlos gefunkt Die grossen Tageszeitungen sind seit einigen Jahren in der Lage, Bilder abzudruk ken, die wenige Stunden vorher in einem anderen Erdteil aufgenommen worden sind. Wir haben schon laengst verlernt, solche technischen Leckerbissen zu gemessen — zu sehr werden wir mit elektronischen, atomischen und sonstigen Delikatessen, deren Art der Zubereitung der normale Sterbliche (Ohnehin nicht .begreift, ueberfuettert. Es ist wohltuend, ab und zu einmal eine ruhige Stunde dafuer zu verwenden, mit dem abgestumpften Gaumen solche Dinge . wieder abzuschmecken, auf Wunder wenn nicht mit Ehrfurcht, so doch wenigstens mit Staunen zu reagieren und eine urspruengliche Beziehung zu all dem Unverstaendlichen, das wir aus Hast und Gleichg u e 1 tigkeit wie Selbstverstaendliches behandeln, wiederzugewinnen. i Ein moeglicher ¡Weg liegt vor uns, wenn wir in dem beunruhigenden Gewirr von Nachrichten einmal an Steile der Struktur der Vorfaelle und Tatsachen ganz schlicht das Antlitz des Menschen suchen, dieses Antlitz, das vormittags in London fotografiert werden konnte und uns nachmittags in Santiago de Chile den ganzen Stolz eines Triumphs oder den Schmerz eines Verlustes offenbart. DIE FREIHEITSSTATUE Eine unvergessliche “Herblock”-Illustration im “Aufbau”, vor vielen Jahren; Ein Einwandererschiff e r r eicht New York. Die Silhouette der Weltstadt beginnt sich abzuzeichnen. Eine Mutter auf Deck zeigt auf die Freiheitsstatue und fragt ihr Kind; —Weisst du, was das ist? —Ja, antwortet das Kind, das ist Mrs. Roosevelt! ■ Es ist .schwer, wenn nicht unmoeglich, die symbolhafte Bedeutung dieser grossen Frau, nun da sie die Welt der Lebenden verlassen hat, besser darzustellen als mit diesem kindlichen und wahrheitstraechtigen Irrtum. Der Name Roosevelt war in den schrecklichen dreissiger Jahren identisch mit Freiheit. Ihr Gatte, Franklin Delano Roosevelt, war der erste unter den Staatsmaennern, der die satanische Macht, die sich in Berlin erhoben hatte, richtig einschaetzte, anklagte und s c h 1 i esslich bekaempfte. Eine tief religioese, vielleicht ans Messianische grenzende Ueberzeugung, dazu berufen zu sein, dem Boesen Einhalt zu gebieten, verlieh seinem Auftreten eine moralische Kraft, die in schwersten Stunden Entscheidendes zu dem Erfolg beitrug, dessen Kroenung er selbst nicht mehr erlebte, Waehrend , all , der ELEANOR ROOSEVELT fm Tod einer Unvergesslichen schweren Jahre stand Mrs. Roosevelt ihm zur Seite. Wenn' jemand den leisesten Zweifel 1 gehegt ¡hatte, dass auch sie als Persoenlichkeit die Ideale des Hauses Roosevelt v o 1 lgueltig und nicht , etwa nur als Gattin des grossen Praesidenten repraesentierte, so wurde er nach seinem Ableben eines Besseren belehrt. Sie schritt weiter auf diesem breiten Weg der Freiheit, der ¡Menschenwuerde, des Humanismus, in der Politik, im Journalismus, im sozialen Leben. Und mehr noch: wenn ihr Mann im schweren Amt des Praesidenten der ¡USA sich da und dort zu schmerzlichen Kompromissen gezwungen sah oder gar irrte — sie war kompromisslos;und von unbestechlicher Urteilskraft. Niemand weiss dies besser als wir Juden, die wir ihrer stets in Dankbarkeit ob ihrer unermuedlichen Taetigkeit fuer die Jugend-Alijah gedenken wuerden, , selbst wenn sie nur dies geleistet haette. Ihre rastlose Einsatzbereitschaft fuer alle edlen Sachen jedoch fuehrte sie in ¡unzaehlige Schlachten, in denen Kaempfe fuer Unterdrueckte, Verfolgte, Fluechtlinge, Entrechtete ausgetragen wurden. Von der grossen Kommission fuer Menschenrechte der Vereinten Nationen, wo ihre Stimme der Delegation der USA Prestige verlieh, bis zu jenem miserablen Klub in New York, dem sie (ihre Mitgliedskarte zurueckschickte, weil er einem Juden die Aufnahme verweigerte, gibt es zu viele Institutionen und Ereignisse, die von dieser einmaligen Frau Zeugnis ablegen, um sie jetzt alle aufzuzaehlen. Aber ein g e m e i nsamer Nenner ist da: Es ist oft schwer, sich im Wirrwarr der nordamerikanischen Innenpolitik zurechtzufinden. Da gibt es eine Demokratische Partei mit ihren inneren Widersprachen, mit Süedstaatlern und mit Tammany Hall und dort gibt es Republikaner, die sich Liberale nennen,, und Probleme verfassungsmaessiger, religioeser und rassischer Natur und noch viele Dinge, die nicht immer bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Wie unklar oder verschleiert aber auch die Konflikte berichtet wurden, wenn das Kabel nur hinzugefuegte, fuer wen Mrs. Eleanor Roosevelt Partei ergriff, dann konnte ein jeder wissen, auf welcher Seite Recht und Anstand, Fortschritt und Menschlichkeit war. "Oh, welch ein edler Geist ist hier zerstoert”, koennen wir mit Ophelia klagen, denn in Zukunft werden wir uns fragen muessen, was wohl Frau Roosevelt dazu gesagt haette. “ DER PATRIARCH Der Praesident des Staates Israel, Jizchak Ben Zwi, ist vor wenigen Tagen fuer eine dritte Amtsperiode wiedergewaehlt worden. JIZCHAK BEN ZWI Wiederwahl eines Praesidenten ipllt Seine grosse Bescheidenheit hatte ihn auch diesmal, ebenso wie vor seiner ersten Wiederwahl, dazu bewogen den Wunsch auszusprechen, nicht mehr zu kandidieren. Seine nicht minder grosse Bereitschaft, der Sache und dem .Volk,, die sein Lebenswerk repraesentieren, zu dienen, bestimmten ihn jedoch, den Bitten nachzugeben, dies schwere Amt wiederum zu uebernehmen. Als Chaim Weizmann starb, konnte man sich nur schwer vorstellen, dass ein anderer Mann diesen Platz nicht nur einnehmen, sondern auch ausfuellen koennte. Ben Zwi ist es gelungen. Die Praesidentschaft ist in Israel ein Symbol des Staates mehr als der Herrschaft. Es ist daher die erste Pflicht des Praesidenten, selbst inmitten des turbulentesten Strudels politischer Tagesereignisse die permanenten Werte und Interessen der Nation obenanzusetzen. Dass er dies stets getan hat, auch in schweren Momenten, mit ebensoviel Festigkeit wie vornehmer Zurueckhaltung, ist sein erstes Verdienst. Sein zweites ist die Wuerde, mit der er mehr als den jungen Staat, das alte Volk, das ihn e r r ichtete, repraesentier t: die Wuerde des biblischen Patriarchen, von denen Besucher aller fuenf Kontinente so beredtes Zeugnis ablegen. Was ihn sodann auszeichnet, ist sein staendiger und lebendiger Kontakt mit allen Teilen des Volkes. Ben Zwi ist “volks-tuemlich” im besten und urspruenglichen Sinn des Wortes; dass er es sein kann trotz und bei aller patriarchalischen Wuerde gehoert zu den Mysterien des sozialen und moralischen Bildes des modernen Israel, das auslaendische Besucher immer wieder aufs neue fesselt. Schliesslich gebuehrt ihm besonderer Dank fuer die Opferbereitschaft, mit der er nicht nur Verpflichtungen, die nicht zu seinen eigentlichen Amts-Obligationen gehoeren, uebernimmt, sondern selbst entwickelt. So war z. B. seine kuerzliche Reise ins Innere Afrikas gewiss eine Strapaze fuer einen Mann seines Alters und der Erfolg, den er erreichte, deutet auf eine Taetigkeit, die den engen repraesentativen Rahmen weit ueberschreitet. Und trotzdem ist nicht einen einzigen Moment die Idee aufgekommen, er koenne seine Befugnisse ueberschreiten, nicht innerhalb der Regierungsaemter, denen eine solche Taetigkeit spezifisch obliegt und nicht innerhalb der Opposition, die Maengel, Fehler oder Ressort-Probleme auch dort sucht, wo sie wirklich nicht zu finden sind. Denn das Amt des Praesidenten symbolisiert die Einheit der Nation und Jizchak Ben Zwi ist heute schon selbst ein Symbol dieses Amtes. MEPHISTO Er hat den Blick des boesen Geistes — und nicht nur seinen Blick. Fuenfzehn lange Jahre hindurch hatte er Nehru in das Netz seiner Intrigen ein- KRISHNA MENON Hoellenfahrt eines Intriganten gesponnen, bis es riss, weil es einmal reissen musste, da er niemals seine Hand mit an Gandhis Webstuhl haette legen duerfen. Vielleicht ist es zu bequem, all die vielen Fehler, Widerspreche und unheilvollen Entschluesse N e h r us auf Krishna Menons Konto zu buchen. Vielleicht auch zu o p t imistisch, von seinem endlich erfolgten Sturz eine Wendung des indischen Ministerpraesidenten zu jenen Idealen zu erwarten, denen er mit , billigen Lippenbekenntnissen ebenso haeufig wie leichtfertig huldigt. Dass aber die Engel frohlokken, wenn Mephisto zur Hoelle faehrt, wen koennte es Wunder nehmen? Krishna Menon war der V e r t eidigungsminister Indiens. Krishna Menon war der UN-Delegierte Indiens. Krishna Menon war der inoffizielle Aussenminister Indiens. Krishna Menon war der fliegende Botschafter Indiens. Krishna Menon war Nehrus intimster Berater, die graue Eminenz im Palast..., was war er noch, was war er nicht? Oft unterwegs, immer geschaeftig, m e i s tens im Halbdunkel, gehoert er zu jenem Typ des macchiavellischen Politikers, die nie offen Farbe bekennen. Man muss ihre Spur verfolgen, um den Pferdefuss zu finden, den sie in den Falten des weiten roten Mantels verbergen. Auf dem internationalen Feld zeichnet sie sich zum ersten Mal ab in Bandung, wo 1955 der Versuch unternommen wurde, von Rotchina bis Afrika eine farbige Front gegen die alte, die weisse Welt zu organisieren. Seitdem ist er rastlos; taetig gewesen, zwischen Kairo und Djakarta, zwischen Peiping und Moskau, agierte bei Nasser gegen Israel und bei Sukarno gegen die Hollaender, bei Mao gegen Chiang und bei Kruschev gegen das freie Ungarn von Imre Nagy. Er faselte von Gewaltlosigkeit, weil er an die Gewalt der Raenke und Intrige , glaubte und* er zeterte gegen Kolonialismus, weil er von einem indischen Imperialismus traeumte, der sich bis nach Afrika erstrecken sollte. Als der Grenzkonflikt ausbrach, in dessen Verlauf seine rot-chinesischen Freunde all die Festungen und Paesse des Himalaja spielend einnahmen, die sie nur nehmen wollten, wurde es offenbar, dass er das einzige Amt, das er wirklich hatte verwalten sollen, straeflich vernachlaessigt hatte; das des indischen Verteidigungsministers. Fuer den Spaziergang nach Goa hatte es noch gereicht, wenn er auch die Reste jeglichen Vertrauens in (Fortsetzung Seite 27)

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