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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-11-01 · 11 (Noviembre, 1962) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
11 (Noviembre, 1962)
Date
1962-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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NOVIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO Weiser und Nechushtan zum ‘‘Hawk’’- I^aketenverkauf an Israel EIN ROSCH- HASCHANA- GESCHENK FUER ISRAEL Von Benno Weiser, Jerusalem Die Nachricht, dass die Vereinigten Staaten beschlos sen haben, Israel die Luftabwehr-Raketen “Hawk” zu verkaufen, erreichte uns am V o r a bend von Rosch-Haschana. Ich sagte bereits in einem meiner frueheren Artikel, dass der Israeli nicht wegen des Sicherheitsproblems seinen Schlaf verliert. Doch dies ist eher die Folge der Gewohnheit, als eines den Tatsachen “genau in die Augen zu Sehen”. Kein Mangel an Gleichgewicht in der Bewaffnung kann fataler sein als der, der zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zur Zeit der Proklamation des Staates existierte. Israel besass dama.s kein einziges Kriegsflugzeug und bloss 4 armselige Artillerie-Stuecke, die zum Training verwendet wurden. Da jener ungleiche Krieg von Israel gewonnen wurde, hat sich der Buerger dieses Landes daran gewoehnt, an Wunder zu glauben. Der Sinaikrieg im Jahre 1956 bestaetigt diesen Glauben. Und wenn er nunmehr liest, dass Aegypten noch 100 Kriegsflugzeuge und eine neue Sorte von Tanks aus Russland erhalten hat, (Tanks, die besser sind als was immer der Westen produziert), zuckt er mit den Achseln und sagt: “Bah, unsere Regierung wird sich schon darum kuemmern”. Als er davon hoerte, dass die Aegypter Raketen fabrizierten, die jeden Punkt Israels erreichen koennen, war seine Reaktion: “Die Deutschen haben ihnen geholfen, wir haben unseren “Shavit 2” selbst gemacht. Doch die Russen schickten nicht bloss Tanks und Bombenflugzeuge nach Aegypten, sondern auch hunderte von Instruktoren, die wahrscheinlich irgendwelche Wirkung auf die aegyptischen Soldaten haben. Der Israeli hoert immer wieder, dass das Menschenmaterial Israels dem seiner N a chbarstaaten ueberlegen sei und den Bewaffnungsvorsprung der Araber , wettmache. Abgesehen davon lebt er, von gelegentlichen Plaenkeleien an der syrischen Grenze abgesehen, im Frieden. Zwischen Aegypten und Israel befindet sich der Puffer der UNO-Truppen und solange diese im Gazastreifen sind, weiss er, dass es Weder Krieg noch einen Ueberraschungsueberfall geben kann. Unter diesen Umstaenden interessiert sich der Israeli im Moment eher < fuer den Ausgang jener anderen Schlacht, die mit der Abwertung des israelischen Pfundes begann. Die Wirtschaftsfront Die Preise sind seither langsam angestiegen. D i e Arbeiter und Angestellten haben dements prechend Lohn erhoehungen bekommen, die aber durch ein Dekret in Zwangsersparnisse eingefroren sind. Exporte sind gestiegen, doch nicht so hoch, wie man es allgemein erwartete. Das Problem der wirtschaftlichen Weiterexistenz des Landes haengt nach wie vor vom Abschluss eines Modus Vivendi mit den Laendern des Europaeischen Gemeinsamen Marktes ab, die traditionell mehr als die Haelfte der israelischen Exporte abnehmen. Unter diesen Umstaenden erscheinen andere Probleme weniger aktuell. Amerika bezieht Front Es ist jedoch anzunehmen, dass fuer die duenne Schicht, die das Geschick des Landes leitet, der Beschluss der amerikanischen i Regierung, Israel Hawk Raketen zu verkaufen, eine grosse Erleichterung darstellte, und zwar aus den folgenden zwei Gruenden: Der erste 'ist militaerischer Natur. Aegypten hat sich, [ was Bewaffnung anbetrifft, i zur groessten Macht entwik- ' kelt die der Vordere Osten je gekannt hat. Rommel und Montgomery , verfuegten zur Zeit der Schlacht von El I Aiamein zusammen nicht ue -; ber die Zahl von Tanks und! Kriegsflugzeugen, die Aegypten gegenwaertig besitzt. Das a e gyptische Kriegsmaterial ist erstklassig, in Russland hergestellt, neu, modern. Die Distanz zwischen den ae- : gyptischen Flugbasen und Tel Aviv kann von einem der neuen Bombenflugzeuge in 8 Minuten zurueckgelegt werden. Es ist wahr, es wird keinen Krieg geben solange die UNO-Truippen in Gaza sitzen. Doch diese Truppen sind dort, wo sie sind, weil dies gegenwaertig sowohl Aegypten als auch Israel konveniert. Wenn Nasser ihrer ueberdruessig wird, kann er seine Zustimmung zu ihrem , Verbleiben zurueckziehen. Nachher kann ein Ueberraschungsangriff mit TU 16 Bombern, von welchen jeder einzelne zehn Tonnen Explosivstoffe abwerfen kann, solchen Schaden anrichten, dass die erste Stunde des Krieges eventuell dessen R e s u ltat bestimmen wuerde. Deshalb regt die Nachricht, dass Aegypten Raketen wie die V 2 des letzten Weltkrieges fabriziert, die israel ischen Strategen nicht weiter auf, denn verglichen mit den TU 16 Bombern stellen sie keine ernste Drohung dar Die Flugabwehr - Raketen “Hawk”, elektronisch dirigiert, , koennen jedes Flugzeug, welches zwischen 100 und 12.000 Metern fliegt, finden und zerstoeren. Sie haben die dreifache Geschwindigkeit des Schalles und stellen eine ideale Verteidigungswaffe dar. Israel ist das erste Land ausserhalb der NATO, welches die “Hawk” k a u f en koennen wird. Der zweite Grund fuer die e r w a e hnte Erleichterung haengt mit. diversen Zweifeln zusammen, die letzthin ob der amerikanischen Stellung im arabisch-israelischen Konflikt auf gestiegen sind. Die USA hat versucht mit beiden Seiten dieses chronis c h en Konfliktes freundschaftliche Beziehungen aufrecht zu erhalten, cl o c h schien es in den letzten Monaten, dass die Kennedy- (Fortsetzung Seite 10) RAKETENFIEBER ODER ABRÜSTUNG IM NAHEN OSTEN Von Dr. Abner Nechushtan, Tel Aviv Dr. Mahmud Fawzi: “Der 1 Beschluss Ihrer Regierung, Exzellenz, oder soll ich sagen Ihres Herrn Praesidenten, den Israelis Hawk-Raketen zu liefern, hat die Spannung im Laendergebiet, zu dem unser Palaestina gehoert, seit dem 26. September bedenklich verschaerft. Fuer das Wettruesten, das jetzt unvermeidlich einsetzen wird, und das zu wer weiss welchen Folgen fuehren kann, wuerden die Vereinigten Staaten die Verantwortung tragen”. Mr. Dean Rusk; “Oh, dieses Wettruesten ist viel aelteren Datums; muss ich Ihnen, Sir, die Ferngeschosse in Erinnerung bringen, die am 21. Juli in der Naehe von Kairo abgefeuert worden sind, die Erklaerungen die aus diesem Anlass von hoechster Stelle abgegeben wurden? Und schon Jahre vorher... aber let bygones be bygones, lassen wir die Vergangenheit. Denken wir lieber an die Zukunft. Die immer wieder deklarierte Politik meiner Regierung war und ist es, dem Nahen Osten kriegerische Verwiklungen vielmehr zu ersparen, und ich hoffe, voraussetzen zu koennen, dass Ihr Staatschef nichts anderes will. Nichts wuerde diesem Ziel besser dienen als Demilitarisierung, ein militaeris c hes Stillhalte-Abkommen zwischen ihm und Herrn Ben Gurion, eine teilweise, nach und nach erweiterte, wenn schon keine totale Abruestung. Meine Regierung ist jederzeit bereit, ihre guten Dienste zur Vermittlung dafuer anzubieten”. So etwa verlief nach zuverlaessigen Berichten ein Gespraech, das die beiden Aussenminister Aegyptens und der U.S.A im New Yorker Glasspalast der Vereinten Nationen in der ersten Wo-; che des Oktober zwischen zwei Sitzungen gefuehrt haben. Den Vorschlag, vom Rüstungswettlauf zu einer A b ruestung ueberzugehen, hatte die israelische Aussenministerin, Frau Golda Meir, | der Gegenseite schon auf frueheren Vollversammlungen der U. N. mehrmals unterbreitet. Er war regelmaessig von den Arabern abgelehnt worden, wenn ihre Delegierten es ueberhaupt der Muehe fuer wert hielten, sich damit in den sogenannten Palaestina-Debatten der United Nations auseinanderzusetzen. Auch der amerikanische Staatssekretaer konnte jetzt schwerlich also auf ein anderes, ein besseres Ergebnis hoffen. Erschuettertes Gleichgewicht der Kraefte Denn nicht nur in Tel- Aviv wird es heute erklaert, sondern ebenso von den Militaer-Attaches wohl saemtlicher Botschaften in Kairo — mit dem Abschuss der vier, nach dem Muster der V 1 und V 2 Waffe Hitlers gebauten Raketen hat die aegyptische Auf ruestung am 21. Juli dieses Jahres zu den Feiern des zehnten Jahrestages der Revolution Abdel Nässer, einen viel zu triumphalen Hoehepunkt erreicht, als dass sich diese Entwicklung jetzt noch zum Stillstand bringen oder gar in ihr Gegenteil verkehren liesse. Und Feldmarschall Amr liess in seiner Festrede keinen Zweifel daran, zu welchem Zweck diese Projektile —mittlerweile vielleicht schon im Serienbau— konstruiert werden, als er ausdruecklich - feststellte, dass sie jedes beliebige Ziel “suedlich Beiruths” erreichen koennten. Nun, im Sueden der Hauptstadt des mit Aegypten trotz mancher Unstimmigkeiten befreundeten Libanon liegt Israel, mit seinen Staedten, Flugplaetzen und den uebrigen Nervenzentren von militaer-strategischer Bedeutung... Gewiss, seit 1955 hatten schwere Panzerwaffen aus dem Ostblock, sowjetrussische MIGS 19 und sogar MIGS 21, diese denkbar modernsten Bomber das aegyp- Lische Kriegspotential fortgesetzt angereichert. Das hatte dennoch die Generalstaebler der Zwa Hagana ('‘Verteidigungsarmee”) David Ben Gurions und die Experten des Verteidigungsministeriums, das er seit seiner Staatsgruendung pausenlos leitet, ernstlich nicht aus der Ruhe gebracht. Waren sie gegen Kairo auch im Hintertreffen mit ihren eigenen Moeglichkeiten, entsprechende Waffen einzufuehren, so rechneten sie zum Ausgleich eben mit der qualitativen Ueberlegenheit ihrer Offiziere, und dem besseren Ausbildungsstand der Truppe, wie er sich vor sechs Jahren in der Woche des fuer Israel siegreichen Feldzugs auf der Sinai-Halbinsel so gut bewaehrt hatte. Dieses Mehr an Qualitaet gewaehrleistete zwischen dem juedischen Staat und Aegypten ein solches Gleichgewicht der militaerischen Kraefte, dass sich dieser massgeblichste aller arabischen Gegner nicht auf das Risiko eines A n g r iffskrieges einlassen werde. Das war die Konzeption. Aber konnte die militaerische Fuehrung Israels nach den “Kairoer Raketen” noch an dieser Konseption festhalten? Weder der lei- -s t ungsmaessige Hochstand von Kommandeuren und die Disziplin ihrer Soldaten noch “konventionelle” Waffen schrecken den Gegner ja von Aggressionsplaenen ab, wenn er ueber fernwirkende Raketen verfuegt, die in einem so kleinen, abgesehen von der Steppe des Negew so eng besiedelten Land ihr Zerstoerungswerk m i t Terrorangriffen selbst dann leisten koennten, wenn ihnen Vorrichtungen zum Praezisionszielen und vorlaeufig vielleicht auch noch “Atomkoepfe” fehlen. Konnte unter solchen Umstaenden von besagtem “Gleichgewicht der militaerischen Kraefte” noch gesprochen werden? Abdel Nassers deutsche Helfer Wie hier eingeschaltet sei, trat zur Besorgnis, die diese Frage in den einschlaegigen, fuer die Sicherheit des israelischen Staates verantwortlichen Kreisen begreiflicherweise ausloeste, Verblueffung bis hart an die Grenze der Erbitterung in; der breiten Oeffentlichkeit, als ihre Tagespresse mehr und mehr davon sprach, in welchem A u s m a s s ganze Scharen wes tdeutscher Spezialisten unter der Fuehrung des S t uttgarter Raketenbauers Prof. Saenger , in Nassers Diensten an der Konstrukt i o n seiner Femgeschosse mitgewirkt hatten. Die Meldungen von der mysterioesen Entfuehrung Dr. Hans Krugs aus Muenchen und vom angeblichen, ,ebenso unauffindbaren Verschwinden zweier weiterer Fachleute der Gruppe — man sprach von Dr. Wolfgang Pilz ,und Rudolf Engel — machten zwar Schlagzeilen, besonders als zunaechst behauptet wurde, dass Leute des israelischen Geheimdienstes, vom Schlage der seinerzeitigen Haescher Adolf Eichmanns, dabei im Spiele gewesen seien. Aber schon bevor dieser Un- | sinn richtig gestellt und I vielmehr darauf hingewiesen i wurde, dass sich B. DT! Krug jetzt viel wahrscheimii eher aus freien Stuecken ] oder auch gegen seinen Willen wieder in Kairo befinde, wandten die Israelis diesen Sensation en nur einen Bruchteil ihrer Aufmerksamkeit zu. Um folgendes ging es ihnen vielmehr: Wieviele Landsleute der Saenger, Krug Pilz, ,Engel — dem Vernehmen nach hunderte, wenn nicht noch mehr — haben da zu einer Bedrohung von uns beigetragen, wie sie ihresgleichen nur in Hitlers “totaler Loesung der Judenfrage” findet und nach seinem Untergang fuer unwiederholbar gehalten werden duerfte? Und: Haette es die Regierung Dr. Adenauers, ihi nen bei aller Freizuegigkeit, die die Bundesrepublik ihren : Staatsangehoerigen erfreuli- | cherweise gestattet, wirklich nicht unmoeglich machen koennen, unter Umstaenden : an der “Vollendung” dessen : mitzutun, was der “Fuehrer” i (Fortsetzung Seite 10)

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