Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1962)
- Date
- 1962-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO NOVIEMBRE 1962 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Die kuerzeste Zeiteinheit,! die es gibt, ist der Tag. Bitte, hier gibt’s keinen Irrtum. Dass dieser “Tag” unterteilbar ist in 24 Stunden, 1440, Minuten oder 66.400 Sekun- \ den, spielt dabei gar keine j Rolle. Beweis: Lassen Sie! sich einmal einen Zahn ziehen. Der trostreiche, nette! Zahnarzt sagt bestimmt: “Das ist Sache von einer Se- I künde” —und dann bricht i das Biest ab, (ich meine natürlich den Zahn). Eine. Wurz-elhautentzu e n,:d u n g j folgt, eine Behandlung von j —na, sagen wir— rund 8 Wochen ist notwendig und! an der Rechnung stottert j man ungefaehr ein Jahr he-! rum. Gehen Sie einmal z. B. zum Anwalt, auf ein Amt oder an irgendeinen Schalter, verlangen Sie einen Rat, ein 1 Formular, ein wichtiges Do-1 kument. Unweigerlich heisst i es dann erst einmal “Un minutito no mäs”. Und diese Minute dauert dann, wenn’s gut und schnell geht, 2 bis j 3 Monate. (Gehen Sie, mit Voranmeldung natuerli c h; und mit preussischer Puenkl lichkeit, um i;2 9 Morgens zum Friseur, zwecks klein- , ster. Verschoenerungs-Proze-! dur, also nur waschen und! einlegen, und rechnen Sie sich mit grosszuegiger 3—, Stunden Zeitspanne aus, | dass Sie gegen 12 Uhr noch j zur Bank oder fuer einen Kieker zur Schneiderin I huschen koennen, —ja, Ho-, nig; Um 20 nach Eins kom- I men Sie gerade noch zum Nachtisch an den mit wuetenden Gesichtern umsessenen Mittagstisch. Sie sej hen also, Sekunden, Minu-! ten und Stunden sind recht dehnbare und oft sehr lan- [ ge Begriffe. Nicht so der Tag. | Dieses ewig durchhetzte: Zeitgeschenk Gottes faengt! unweigerlich mit Sonnenaufgang an, selbst wenn! man noch so fest die schlaf-! schweren Augen zudrueckt. j Prompt beginnt das Gewis-I sen zu fluestern: “Du! musst”, Du solltest, “Weisst i Du nicht, dass..” Heute i ist doch..” und aller Selbst- | betrug nuetzt nichts, man grhebt sich zum froeh-, liehen Tun. Man reckt sich I und streckt sich, macht I brav und pflichtbewusst seine Morgengymnastik und ueberschlaegt sein immer | zu grosses Tagesprogramm, j Bevor man noch recht zum i Ueberlegen kommt, stellt man, mit Verblueffung fest,; dass der Vormittag wieder :: einmal voruebergebraust ist j und die Haelfte des Vorha-1 bens unerledigt blieb. Der sogenannte “geruhs a m e” "Nachmittag muss Stunden fuer Unvollbrachtes einraeumen, und zerfaellt i n Stuecjre der Unrast. 'Glauben Sie nun ja nicht, dass die Dunkelheit den Tag beschliesst. Der laeuft buebsch weiter bei kuenstlichar Beleuchtung und fordert weiter sein Recht. Starker Kaffee hilft etwas, aber nicht viel, und der Gedanke, dass ja morgen auch ein Tag ist, beruhigt ein wenig. Und so weiter und so fort, und jeden Tag das Gleiche. Er reicht nicht, er ist Einfach zu kurz. Mein wundervoller Vater hat mich gelehrt, dass man jeden Abend vor dem Einschlafen sich stets pruefen sollte, ob man wenigstens eine wertvolle Handlung im Laufe des vergangenen Tages geleistet habe. Nur so koenne man den naechsten Morgen mit hellen Augen begruessen. Nun hat natuerlich jeder Mensch seinen eigenen .Wertmesser, seinen persoenlichen Maas-1 stab, den er gewillt ist, an sich selbst anzulegen. Ein klein wenig Schwindel ist dabei erlaubt und menschlich; aber man sollte nicht zu lasch mit sich sein und versuchen, seine Ansprueche zu steigern. Auf jeden Fall sollte man sich streng pruefen. ob das Geleistete nicht doch letzten Endes aus Egoismus geschah, ob es effektiv um des Guten willen getan wurde, ohne von geringstem Vorteil —moralisch oder materiell— fuer uns selbst zu sein. Das ist eine Aufgabe, wert, versucht zu werden. Innerhalb dieser abendlichen Bilanz erwischt man sich wohl oft bei kleinen Versaeumnissen, an denen uns das Tagesgetriebe vorbei gewirbelt hat, die uns im Dunkeln die Schamroete in die Wangen treiben. Diese Erkenntnis ist ein Wegweiser fuer die naechste Gelegenheit, Der kuerzeste Tag ist lang und ausreichend fuer Gutes und Wertvolles. Ein Aufleuchten in ein trauriges Gesich gezaubert, ein froher Gruss aus einsamem Mund, ein winziges Opfer eigener Bequemlichkeit, aufklaerende, kraftgebende Mitteilung an eine verzweifelte Seele, eine hilfreiche Hand dem Bruder gereicht, all diese anonymen Freuden, die uns miterwaermen, aber nicht deshalbgetan sind, sie sind Pluspunkte in unserem Tageslauf. Armer Mensch, der sie nicht kennt und sie nicht i sucht. Der Montag muesste ei-, gentlich Dienstag heissen, denn er ist von allen Wo-1 chentagen der frondienstig- ] ste. Das Wochenende laesst I nicht nur den Magen in: Unordnung zurueck, auch I Haus und Angestellte sind! durcheinander. Schwer nur i kommt die Routine-Maschinerie wieder in Schwung, die ersten Drehungen erfordern Energie. Die. “Montagslaune” ist eine weltweite, nicht nur lokale Depressions erscheinung, die bei manchen Leuten so ausgepraegt ist, dass sie schon am Sonntagabend anfangen zu stoeh nen. Diese Aermsten leiden am sogenannten “Wochentag- Komplex sie sind nur am' Wochenende geniess bar. Wieso ist eigentlich der Montag international der Tag der Waesche? Ueberall sieht man sie flat tern. Im alten Europa fein saeuberlich angeklammert, -hier auf dem .Land ueber Hecken und Straeucher ausgebreitet. Die Veranden und Baikone der modernen Hochhaeuser in allen Staedten sind damit geschmueckt, in suedlichen Laendern, wie Italien und Spanien spannen sich die behaengten Leinen in schmalen Gaesschen von Haus zu Haus. “Waschtag” klingt nur im Schlager der Waescherinnen in Portugal huehsch, flott und angenehm. Ansonsten ist er nass, stoerend und zum Mittagessen gibt es Nudeln. Der schoenste Tag der Woche ist d5r Donnerstag, der eigentlich wieder Freitag heissen muesste. Denn der Freitag ist alles andere denn “frei”, da er ja mit Vorbereitungen fuer das heitere Wochenende vollbesetzt ist. Wohingegen der Donnerstag ein Pausentag ist. Der Wochenlauf hat die Mitte ueberschritten das “Fruehere” ist ad-acta gelegt und vergessen und noch scheint die Woche lang und voll von! Moeglichkeiten. Man plant I und freut sich auf Kommen-! des, verschiebt Unangenehmes auf die naechste Woche, bereitet sich auf Gaeste oder Gastsein mit Vergnuegen vor, goennt sich Theater oder Konzert, geht zum Friseur und macht sich einen guten Tag. Soweit die routinierte Woche. Man kann, je nach Charakter und inneren Ansprachen, damit zufrieden sein Man gibt sich ihrem Rhythmus kritiklos hin, akzeptiert > ihr taegliches Gleichmass oder versucht Verbesserung zu finden. Aus jedem Wochentag einen Sonntag zu machen, ist illusorische Theorie, die der nicht immer heitere Alltag von selbst unmoeglich macht. Versuchen aber sollte man zumindest, sich moeglich viele “Donnerstage” zu gestalten. Ein Troepfchen Freu de. ein Augenblick der Müsse laesst die ewige Tretmuele leichter ertragen, gibt Auftrieb und bringt Sonne ins. Haus. Sonne ist Leben, Leben ist Freude, und Freude ist die Basis fuer produktive Arbeitsleistung. K.g Vom Gottesdienst im Grossen Gaal' Herman Wouk sagt: “Es gibt keinen Juden, ob er nun der konservativen, reformistischen oder orthodoxen Richtung anhaengt, ob er Mitglied einer Gemeinde ist oder nicht, der nicht am Jom Kippur einige Stunden wenigstens in der ueberfuellten Synagoge zubringt. Das gilt auch fuer Juden die das ganze Jahr ueber niemals die Synagoge oder den Tempel besuchen, ja selbst fuer juedische Atheisten. Und wenn sie diesen Besuch auch hoch bezahlen muessen, —den Mitgliedesbeitrag eines ganzen Jahres— sie lassen es sich etwas kosten". Aber mit Geld allein kann man noch lange nicht einen Gottesdienst "erkaufen". Dazu gehoert naemlich sehr viel Arbeit, Muehe und guter Wille. Darum moechte der Vorstand an dieser Stelle all den lieben Menschen danken, die mitgeholfen haben, unseren Gottesdienst so wuerdig und sohoen zu gestalten. Besonders erwaehnen moechten wir die Predigten unseres Herrn Rabbiners, die jedem Einzelnen etwas Bestimmtes zu sagen hatten, den schoenen Vortrag unserer alten Gebetsmelodien durch die Herren Joseph und Adolf Tichauer, die umsichtige Organisation geleitet durch Herrn Leo Weglein, die vielen Arbeitsstunden die unser bewaehrter Gabbay Herr Adolf Spigel daranwenden musste, bis alles so war wie es sein sollte und wir danken auch all den Damen und Herren, die sich in uneigennütziger Weise dem neugegruendeten Chor zur Verfuegung stellten. F K / (jDnuMucüwC efe DIE GEMEINDE Die folgenden Saetze sind der Neilah-Predigt unseres Herrn Gemeinderabbiner G. Friedlaender entnommen Neila ist die Stunde des Abschlusses unserer inneren Erneuerung, und einmal mehr stellen wir fuer uns selbst nicht ohne ein gewisses Erstaunen fest: Erneuerung bedeutet fuer den Juden stets ein .Zurueckfinden zu sich selbst, zu seiner Gemeinschaft. “Erneuere unsere Tage wie ehedem” beten wir. Erneuerung schliesst die Rueckkehr zum Ehedem stets in sich. Deshalb bedeutet Neila stets auch das Zurueckfinden zur Gemeinde. Wir erneuern uns in der Gemeinde, wir erneuern die Gemeinde durch uns. Die juedische Gemeinde: Das Kind wird in sie hineingeboren, und es haelt symbolisch seinen Einzug in die Gemeinde lange bevor es selbst zum ersten Mal diesen Weg betreten 'kann. Die Eltern schicken fuer das Kind einen Wimpel fuer die Thorarolle in die Synagoge, gewissermassen das Geluebde aussprechend: So wie dieser Wimpel am Herzen der Thora liegt, wird die Thora einmal mit Gottes Hilfe und unserem Zutun sich in das Herz unserer Kinder senken. Und kaum dass das Kind seine erste Erziehung ausserhalb der Hauses erhaelt, ist wieder die Gemeinde da, dieses Mal repraesenfiert im juedischem Kindergarten. Es moege niemand die Bedeutung gerade dieses Institutes unterschaetzen: in ihm empfaengt das Kind bedeutsame Anregungen fuer die sich regende Phantasie. Und es ist durchaus nicht gleichgueltig, wer die Phantasie des juedischen Kindes beschaeftigt: Ob menschenfressende Riesen oder die sanften Gestalten der Hirten, die unsere Ahnen waren. Von hier fuehrt der Weg in die juedische Schule. Es gibt Eltern, die sich gegen die juedische Schule wehren, weil sie befuerchten, dass sie den freiwilligen Weg in das Ghetto bedeutet. Welch yerhaengnisvoller Irrtum. Das Ghetto, das solche Menschen fuerchten, ist ja der Sammelplatz der Schwachen und der Schwaeche. Die juedische Schule ist, ganz in Gegenteil, der Ausgangspunkt juedischer Kraft aus dem Bewusstsein des Eigenwertes. Leider wird in unserem Kreis auch nicht immer genug die Bedeutung der Freizeitgestaltung unserer Jugend erkannt. Die Schule leistet die unterrichtende, die Freizeit die bildende Arbeit der Erziehung. In unserem Kreis leisten Maccabl und OUJ diese Arbeit. Sie verdienen jede Foerderung seitens der Gemeinde, denn sie erfuellen das Leben unserer Jugend mit Sinn, verhindern, dass wir eine "zornvolle" Jugend bekommen, wie man das heute nennt, deren Zorn aus der Unsinnigkeit ihres Lebens erwaechst. So waechst der Jugendliche in die Gemeinde hinein. Der Erwachsene begegnet ihr auf vielen Wegen. Da ist zuv naechst einmal die Erziehung, auf die auch er Anspruch hat. Erwachsenenbildung ist eine grosse Aufgabe der Gemeinde, in unserem Falle nicht nur eine Erziehung ausserhalb des Hauses, sondern auch eine Erziehung zurueck ins Haus. Judentum muss zunaechst im eigenen Heim gelebt werden. Unsere Erwachsenen wissen vielfach nicht wie sie das praktisch anzustellen haben. Unsere Erwachsenenbildung weist den Weg zum im Heim gelebten Judentum. In ganz besonderer Weise brauchen diejenigen die Gemeinde die aus irgendeinem Grunde hilfsbeduerftig sind. Wohlfahrtseinrichtungen sorgen fuer diejenigen, die materielle Hilfe brauchen. Aber die materielle Bedürftigkeit ist nicht immer diejenige, die am meisten drueckt. Da sind die Alten, die nicht an allen Veranstaltungen dar Gemeinde teilnehmen koennen, sei es auch nur aus sprachlichen Gruenden. Wir .muessen daran gehen, fuer sie eine Institution zu schaffen, die dem "Golden Age Club" entspricht —es ist gewiss kein Zufall, dass wir in unserer Sprache kein entsprechend schoenes Wort finden. Da sind weiter die Kranken, die unseren Zuspruch brauchen. Bikur Jaulim ist eine religioese Pflicht, ein stetes Anliegen der Gemeinde. Und da sind .schliesslich die Beduerftigsten aller, diejenigen, die allein nichts mehr tun koennen: unsere Toten So wie der Jude in die Gemeinde hineingeboren wird so geht er mit der Gemeinde zu seinen Vaetern zurueck. Die Chewra Kadisoha, jene heilige Genossenschaft derer, die allein wahrhafte Liebeswerke tun, geleitet ihn auf seinem letzten Erdenweg. Die Gemeinde ist der Rahmen des Lebens jedes Juden. MODISTA EUROPEA acepta Hechuras de Vestidos, Abrigos, Faldas v Blusas, Trabajo rápido y fino 3 Norte 279, Dep. 34 VIÑA DEL MAR 2