Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1962)
- Date
- 1962-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 i f KENNEDYS GROSSER ERFOLG IN CUBA Selten hat die Menschheit | so viel Anlass gehabt, den j Atem anzuhalten, wie in dieser dramatischen zweiten Haelfte des Monats Oktober; selten auch, mit so gutem 1 Grund wieder aufzuatmen , wie in den darauffolgenden : Tagen der Entspannung. Die : von dem Presidenten Ken- I nedy gegen Cuba dekretierte und alle als “offensiv” angesehenen Waffen betreffende Blockade; die tagelange Ungewissheit ueber die Verhaltungsmassregeln, die Moskau seinen schwer mit Kriegswerkzeugen beladenen Schiffen erteilen wuerde; die intensiven Invasionsvorbereitungen gegen die karibische Insel seitens der USA; das taktisch fundierte Tauscha.n gebot Kruschevs, Cuba gegen die Tuerkei zu opfern; die Entschlossenheit Washingtons, die , nationale Sicherheit ueber das internationale Recht zu stellen und schliesslich die unerwartete, ploetzliche, fast bedingungslose Bereitschaft , des russischen Diktators, seine Stuetzpunkte sofort |zu demontieren und einzupacken: es war einfach zuviel, um in einer Woche erlebt, ertragen, verstanden zu werden. Und es war dieses Uebermass an i bedeutungsvollen Geschehnissen, sowie das dadurch bedingte Gefuehl der schicksalsschweren Umstaende, welche die ansonsten so leichtfertig gefuehrte Debatte ueber die Hintergruende den Ablauf und die Bedeutung dieses politischen Dramas nur so langsam in Gang kommen liess. Auch der Gedanke, das “letzte Wort” sei vielleicht noch nicht gesprochen, scheint eine “endgueltige” Analyse zu hemmen. Ist man aber a priori bereit, zu- ' zugeben, dass heutzutage das Ende jeder Gueltigkeit kaum laenger befristet sein kann als beispielsweise die Dauer eines Raketenflugs zu unserem Trabanten oder anderen Planeten —und das sind Zeiten, Distanzen und Begriffe, die fuer unsere Eltern noch zu Recht mit Ewigkeit und Unendlichkeit identisch wa-; ren—, dann soll man sich vielleicht doch schon ebenso! getrost wie bescheiden fragen: was hat sich geaendert in der Welt durch diesen. Krieg, der nicht ausbrach Viele, vielleicht sehr wej sentliche Faktoren, werden wohl erst nach geraumer Zeit klar hervortreten. Ein grosser Teil der Hintergruen-! de wird moeglicherweise fuer Generationen im Geheimnis 1 der Staatsarchive begraben bleiben und dies nicht nur im hermetischen Kreml, sondern auch im indiskreten Kapitol und dem , so vielen Besuchern offenen Weissen DER AUS GROSSMEISTER MOSKAU Er opferte den Turm... Haus. Aber das Wesentliche scheint , so klar zu sein wie der Sommer des Karibischen Meeres, das auch Cubas Kuesten badet: Um an einen Satz von De Gaulle anzuknuepfen, als er den Widerstand des Freien Frankreich proklamierte und sagte: “Frankreich hat eine CORTE CALIDAD PERFECCION WALTER SCHUFTAN Alameda 51 Fono 393268 Ein Begriff fuer Kinder und Jungmaedchen KONFEKTION Schlacht verloren, aber nicht den Krieg”, kann man Ken- , nedys , grossen Triumph in Cuba so definieren: “Der Krieg, der nicht ausbrach, ist noch nicht entschieden, aber j die Schlacht, die nicht gei schlagen wurde, hat der : Westen gewonnen”. , In der reichlich perplexen , kommunistischen Welt wurj den fuer den ueberstuerzten i Rueckzung aus Cuba! Drei Erklaerungen _ , geliefert, die wie so oft, je-! de etwas Wahrheit und et-; was Propaganda,- etwas “mo- > nolithische” Weltanschauung und mindestens ebensoviel Widerspruch , enthalten. Die erste feierte Kruschevs Friedensdienst und —liebe. Man sollte sie nicht mit einer w e g w erfenden Handbewegung abtun, denn es ist etwas dran. Wer das nicht zugeben will, soll sich —Hand aufs Herz— fragen, wie Stalin und sein Neinsager Molotow auf das amerikanische Ultimatum reagiert haetten. Andererseits hat der gleiche Kruschev ,in Situationen, in denen er der Staerkere war —man denke an Budapestbedenkenlos die Tanks rollen lassen und hat es auch, mit dem Schuh in der Hand, noch nie ,an Eingestaendnissen fehlen lassen, dass seine Hingabe an die Sache des Friedens keine bedingungslose ist. Was er will, ist, wenn nur irgend moeglich, seine Ziele ohne Krieg erreichen. Ob dies nun aus Pazifismus geschieht oder aus der richtigen Einsicht, dass ein Krieg nur zu (Niederlage oder siegreichem Untergang und totaler Zerstoerung fuehren kann, ist fuer das Ergebnis fast belanglos. Fuer die Soldaten, die nicht marschieren, d i e Zivilbevoelkerung, die nicht unter die Erde schlupfen, die |Welt, die nicht im Regen der Atomasche verbrennen musste, ist es gleichermassen ermutigend und Kennedy legte erneut ein Zeugnis seiner Reife und Verantwortlichkeit ab, als er in der Stunde des Sieges den Gegner als massvollen Staatsmann pries. Die zweite Erklaerung kommt aus Peiping und brandmarkt den Rueckzug aus Cuba als kommunistisches Muenchen. Ob dieser Bezeichnung so ganz ■ am Platze ist oder nicht, mag dahingestellt bleiben: wahreheinlich ist sie es nicht. Aber wichtiger als der Inhalt der Definition ist ihr Autor. Geht doch daraus hervor, wie tief das kommunistische Lager gespalten ist, wie fanatisch das einst legendenumwobene Reich der Mitte dem stalinistischen Dogmatismus verschworen ist und welch g i g a ntischer Machtkampf hier schon in einem ¡Moment ausgetragen wird, da der Westen noch kaum begriffen hat, dass er sich ueberhaupt angebahnt hat. Zum dritten, und darin ist. sich auch die auf Wellen-' laenge Moskau abgestimmte j kommunistische Propaganda einig, hat Kruschev durch, sein ueberrasehendes Zuge-; staendnis eine Invasion Cu-! bas seitens der USA verhue-! tet. Das ist zweifellos richtig,, wenn es auch nicht in der | Form zutrifft, dass Kennedy ] als Gegenleistung eine binj dende Zusage abgegeben ha-! ben soll —sie ist nirgends zu finden—, sondern dass mit der Entfernung der Raketenbasen auch allen weiteren Massnahmen die unmittelbare Motivation entzogen wurde. Und so sehr auch Kruschev durch die teilweise Preisgabe Castros und durch die beschaemende Behandlung ,die er ihm erteilte, dessen Position schwaechte und gefaehrdete, fuers erste hat er durch die Aufgabe der mi- FIDEL CASTRO ...um den Bauern zu retten litaerischen Stellung in Cuba die politische noch gerettet. In anderen Worten: er hat in diesem raffinierten Schachspiel der Grossmeister einen Turm geopfert, um den Bauern (der vielleicht, vielleicht, vielleicht noch einmal zur Dame werden koennte) zu retten. Denn ebenso wenig wie man ihn fuer einen edlen Vorkaempfer des Pazifismus halten darf, sollte man Krus c h e v als dumm oder schwach einschaetzen. Besonders letzteres waere verhaengnisvoll, schenkte man jenen Reaktionaeren zuviel Gehoer, die ueber den “halben Sieg” ganz unverhohlen enttaeuscht sind und Kennedy draengen, das Pulver nicht trocken werden zu lassen Die Politik des Kalkulierten Risiko geht fuer ihren Geschmack nicht weit igenug: sie wollen’va banque spielen. Sie glauben an das Dogma, dass Russland nicht in den Krieg ziehen wird und leiten daraus die Ueberzeugung ab, dass die Vereinigten Staaten je nach Wunsch und Bedarf in der Lage sind, den Bogen soweit wie notwendig zu spannen. Ein Treppenwitz der Zeitgeschichte hat es gewollt, dass dies nicht nur die gleichen Strategen sind, die mit und unter Eisenhower nicht faehig waren, Castro am Anfang seines Weges zu parieren, sondern dass sie jetzt den Erfolg der voellig anders konzipierten Strategie Kennedys im Brustton der Ueberzeugung des “habe ich es nicht vorher gesagt?” als ihren eigenen. Erfolg buchen. Gewiss spielen da bereits viele Elemente innenpolitischer Art, vor allem in der Zeit vor den Kongresswahlen, mit, aber eins steht fest: Kennedy verlaesst sich, mit vollem Recht, nicht auf eine nie bewiesene bedingungslose Konzessionsbereitschaft der Ud¬ SSR. Im Gegenteil verwirft er wahrscheinlich im Hinblick auf die verantwortungslosen Elemente im ei- , genen Lager, die da raten, ruhig auf den ominoesen Knopf zu druecken, der die Bomber starten und die Raketen schwirren laesst, die Befuerchtung nicht, dass es auch im anderen Lager ebenso leichtfertige und verantwortungslose Elemente gibt. Was er daher getan hat, hat er mit Mass und Ziel getan. Er hat dem Feind die M u n itionszufuhr gesperrt, aber nicht die der Nahrung oder Medizin; er hat ihm die Pistole aus der Hand geschlagen, aber ohne selbst zu schiessen; er hat ihn entbloesst, ohne ihn zu demuetigen und besiegt, ohne ihm den Rueckzug zu versperren. Das alles im richtigen Moment, mit Ernst, Mut und Entschlossenheit. Das Ausmas seines Erfolges ist noch nicht abzuschaetzen. Es wird durch eine Menge Faktoren bestimmt werden. Dazu gehoert in erster Linie ein allgemeiner Zuwachs des Vertrauens in die Vereinigten Staaten und ihre Kapazitaet,, zumindest den statu quo zu verteidigen. Auf der Kehrseite der Medaille steht der nun schaerfer ziselierte Zweifel, russische Drohungen nicht ganz als bare Muenze zu nehmen. Castro aber —und um ihn ging es ja in erster Linie— ist auf seine wahren Dimensionen reduziert worden. Ein erneuter Versuch, ihn in seinem eigenen Saft von wirtschaftlichen Fehlschlaegen, Knappheit an Konsumguetern, schleichender Unzufriedenheit und aussenpolilischer Isolierung schmoren zu lassen, erscheint mehr als , gerechtfertigt. Waehrend er I noch vor einem Jahr, mit | Quadros in Brasilia und dem ' in Buenos Aires triumphie- | renden Framini an den Toren aller lateinamerikanischen Laender zu pochen schien, ist er nun in die Defensive gedraengt. Und wenn auch die Gefahr nicht gebannt ist und der Krieg, der nicht ausbrach, nicht gewonnen wurde, so ist das Aufatmen nichtsdestotrotz sehr berechtigt: um des Friedens willen, der Entspannung und einer neuen Zuversicht. ATSCHEKA