Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1962)
- Date
- 1962-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 Ein Eosch -Hasehan a- Gruss Wir veroeffentlichen die Rosch-Haschana Bot* Schaft von Praelat Dr. h. c. Hermann Mass ZU ROSCH HASCHANA 5723, 28 SEPTEMBER 1962 Israel im Koenigsmantel der ewigen Beruiung! Meine lieben juedischen Freunde! Ich muss Ihnen, wie alle Jahre, zu Rosch Haschana die innigsten Segenswuensche aussprechen. Wen, wie mich, die Liebe zu Israel und zum juedischen Volk aufs Tiefste bewegt, wer wie ich das Gefuehl der innersten Gemeinschaft, stark wie Blutsgemeinschaft, gerade mit den juedischen Bruedern und Schwestern in sich traegt und immer wach haelt, der ist gerade zu Rosch Haschana Ihnen naeher denn je. ' Ich denke an das zu Ende gehende Jahr 5722 mit besonderer Bewegung und Dankbarkeit zurueck. Es beschenkte mich ja wiedej mit einer Fahrt in die Heimat mei-; nes Herzens, nach Israel. Welch eine Fuelle von Erlebnissen und Begegnungen brachten mir diese 5 ueberreichen Wochen. Ich kann sie in diesem kurzen Brief nicht erzaehlen. Dafuer brauche ich mehr Raum. Nur auf drei Dinge moechte ich hinweisen. Das Jahr 5722 war das Jahr, in dem der Eichmannprozess die gesamte Welt und vor allem Israel erschuetterte. Es war ein Weg durch lauter Schrecknisse. Im Buch Hiob steht die ergreifende Bitte des grossen Dulders: "Lass Deine Hand ferne von mir sein. Dein Schrecken erschrecke mich nicht!" Es war die grausigste Offenbarung entsetzlicher Qualen, mit denen das juedische Volk gequaelt wurde, unvorstellbarer Verbrechen, die auf' s Neue als herzerschuetternde Anklage gen Himmel stiegen. Wir sahen im Geiste die Rauchfahnen brennender Ghetti gen Himmel lodern, hoerten die Jammerrufe der Gemarterten, Gekreuzigten, die Todesaengste der den Teufeln Preisgegebenen. Und doch blieb das Volk Israel und blieben seine grossen Fuehrer, vor allem sein Staatspraesident Ben Zwi und sein Ministerpraesident Ben Gurion, mit dem reden zu duerfen eines meiner groessten Erlebnisse war, ihrem Gott treu. Sie wussten mit Hiob von den Schrecknissen Gottes, die nicht nur in der raetselhaften Menschheitsgeschichte, sondern auch in der Heilsgeschichte ples Volkes Gottes sich kundtaten. Sie verliessen darum ihren Gott nicht, sondern rangen mit ihm, waehrend seine Schrecknisse sie befehdeten, und hielten mit ihm und seiner harten Wirklichkeit Zwiesprache. Sie schritten durch das dunkle Gewoelk mit dem staerlcsten "Du": "Herr Gott, Du bist unsre Zuflucht fuer und fuer". Das erlebt zu haben in vielen Gespraechen, in juedischen Gottesdiensten, in Bekenntnissen aller Art, war ein mich immer wieder erstaunendes und beschaemendes Ereignis.! Und dazu kam ein zweites: die juedische Hoffnung.. Die die Geburtswehen des Glaubens neu durchlitten haben, den Spannungsreichtum ihrer Gottesbegegnungen in sich fruchtbar werden lassen, die feiern Rosch Haschana in der Gemeinde der Heiligen, in messianischer Hoffnung. Wie beglueckend waren fuer mich die Fahrten durch das Land, durch die tausend und abertausend neuen Heimaten fuer die Ruhelosen, Heimatlosen, Wandersleute. Was im vergangenen Jahr geschaffen und gebaut wurde im Galil und im Lachisch-Gebiet, am Meer, in den Bergen und am Negev, in Haifa und Aschkalon, in Tel Aviv und in Jerusalen von Gottes Bauleuten, grenzt an' s Wunder. Nur Hoffende koennen das tun. Wie viel Hoffnungen sind in Israel zerbrochen worden.. Aber die lebendige Hoffnung erblueht immer neu- Ihre Glut ist Flamme des juedischen Herzens. Ich habe in | diese feurige Flamme gesehen, mich an ihr gewaermt. i Sie wirft ihren Schein ins neue Jahr. j Und darum weiss ich auch von einem Dritten, von dem Segen, der Israel auf dem Wege durch das Jahr 5723 begleiten wird. Neben dem Ruf aus den Schrecknissen Gottes ertoent der Schrei des Erzvaters Jacob, Israels: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn". Ich hoerte ihn im Lachen der suessen israelischen Kinder, in den Liedern der chaluzischen Jugend, in Gespraechen, die mir dieJSchleier von den Raetseln juedischer Seelen losrissen. Ungeheures vollzieht sich Jahr fuer Jahr in Israel. Ueber allem steht noch das grenzenlose, das i riesige Leid, stehen noch wie steile Berge der Unfriede an den Grenzen, die politischen Verwirrungen, Dramen und Tragoedien. Aber das Alles wird weit ueberwunden durch den Segen, un den die Muetter und Frauen beten, j wenn sie die Schabbatkerzen anzuenden und dabei _be- 1 (Fortsetzung Seite 10) CHAIM WEIZMANN Zur 10. Jahrzeit am 21. Marcheschwan - 16. November Vor 10 Jahren, am 21. Mar cheschwan, der in diesem Jahre auf den 16. November faeilt, war ein Leben erloschen, von dem durch Jahrzehnte der Glanz des Ruhmes und der Groesse ausgegangen war. Und in jenen Tagen war es sehr dunkel um uns geworden, weil ein Stern am Firmament unseres juedischen Daseins untergegangen war. Chaim weizmanns Leben war umstrahlt vom Ruhme der historischen “Balfour- Deklaration”, an deren Gelingen er den Loewenanteil hatte. Doch auch schon vorher, in der Fruehepoche des Zionismus vor 1914, ragte er in der Bewegung hervor durch die grossartige Fundie - rung des sogenannten “synthetischen Zionismus” durch welchen er die scheinbare Kluft zwischen politischem und praktischem Zionismus ueberbrueckt hatte. Er war damals auch der Vorkaempfer fuer die Verwirklichung der Hebraeischen Universitaet, die er an dem unvergesslichen 1. April des Jahres 1925 auf .dem Scopusberg bei Jerusalem in Gegenwart von Lord Balfour einweihen durfte. Und dieser Mann, staerkste politische Kraft der Zionistischen Bewegung durch viele Jahre, anerkannte1fuehrender Kopf;des Weltjudentums in der kritischen Epoche seit 1933, wurde der 1. Staatspraesident des jungen juedischen , Staates, der dieses Amt vier Jahre lang ausueben konnte. Die juedische Welt liebte und;verehrte Chaim weizmann, obwohl' er oder vielleicht gerade deshalb weil er oft seine Mitarbeiter, diejenigen die dem Werk am naeehsten standen, heftig kritisiert hatte. Mit Liebe und Hochachtung begleitete man seinen Weg aus der Enge des kleinen russischen Staedtchens heraus in die westliche Welt, hinein; die juedischen Menschen waren stolz auf den genialen Wissenschaftler, dessen Erfindungen der Sachs der Alliierten in zwei Weltkriegen genuetzt hatten, Die Menschen waren stolz auf ihn, der sich auf dem schwierigen Pflaster der i n ternationalen Diplomatie bewegen konnte, von dem die hervorragendsten Staatsmaenner mit groesster Sympathie sprachen, und der im letzten Grunde der einfache, schlichte, im Volk wurzelnde Jude des Ostens geblieben war. Weizmann war Visionaer und Realist zugleich, er glaubte fest an die Zukunft der zionistischen Sache, und er wusste, dass das juedische Volk zu schweren Opfern fuer die Erreichung des Zieles bereit sein wuerde. poch sich auch stets der ungeheuren Schwierigkeiten in der Wirklichkeit bewusst zu sein, war ihm selbstversta endlich. So erinnert sich der Schreiber dieser Zeilen einer Aeusserung Weizmanns bei einem Besuche in Deutschland in einer zionistischen Volksversammlung des Jahres 1928, als er seine Politik gegenueber Grossbritanien umreissen sollte. “Den Englaendern ist unser Temperament etwas zu rasch, und uns ist das Tem- Prof. Chaim Weizmann perament der Englaender etwas zu langsam. Da wir aber nicht die Moeglichkeit haben, die Englaender zu zwingen, ihr Temperament zu beschleunigen, muessen wir das unsrige verlangsamen”. Spaeter musste weizmann allerdings zugeben, dass eine “haertere Linie” gegenueber der zunehmenden antizionistischen Politik der englischen Regierung verfolgt werden muesse, und er hat dann auch in bitteren ¿Stunden, 1930, 1937, 1939 und 1946 bittere Worte gebraucht und eine feste Entschlossenheit zur Unnachgiebigkeit gezeigt. Der 74 jaehrige, bereits leidende Weizmann, hatte als Staatspraesident kaum noch politische, fast nur repraesentative Funktionen; er fuehlte sich in dieser Rolle nicht ganz wohl, aber er tat sein Bestes und war ein guter Berater seiner Regierung. Die Juden aus Deutschland hatten in ihm einen Freund, der ihre Fehler kannte und aussprach. Er liebte die starke und i mutige zionistische Organisation im einstigen Deutschland und er war sehr beglueckt, als er in den zwanziger Jahren gerade in diesem Lande die besten Befürworter der “erweiterten Jewish Agency” und des ) “Keren Hajessod” unter I n i chtzionistischen Palaesti-! nafreunden gefunden hatte. I In Maennern wie Rabb. Dr. Leo Baeck, Direktor Oskar Wassermann, Dr. Alfred Neumeyer, Justizrat Blau, Dr. Ludwig Tietz u. a. sah er aufrichtige Helfer, . die ihn nicht enttaeuschten und die 1 sich in kommenden Jahren wunderbar bewaehren sollten. i Die Dankbarkeit und Anhaenglichkeit seines juedischen Volkes blieb Chaim Weizmann ueber den Tod hinaus erhalten. Er war der Wegbereiter einer Zukunft, die er noch hatte schauen duerfen, ein Grosser im Reiche des Geistes, ein Jude, auf den man zu allen Zeiten mit Stolz blicken wird, ein echter Humanist, den die , Welt ebenfalls zu ihren Wertvollsten zaehlen darf. Dies auszusprechen, hierzu duerfte der 10. Todestag besonders geeignet sein. Curt Wilk Bürostunden der Gemeinde Montag bis Freitag vorm, von 9 — 13 Uhr. Montag bis Donnerstag nachmittags 15.30 — 19.00 Uhr. Freilag nachmittags 15.30 bis 17.00 uhr. Sonntag vormittags 10 — 13 Uhr.