Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1962)
- Date
- 1962-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/8553624-8558349-9194515--3599-8558574- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SEPTIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 11 DIE FALSCHSPIELER VON DJAKARTA Von Dr. Abner NECHUSHTAN (Tel-Aviv) Die Nationalflaggen Afghanistans, Burmas, Japans, Hongkongs, Indiens, Indonesiens, Cambodias, Sued-Koreas, Thailands, Pakistans, der Malayen und der Philippinen, Singapores, Ceylons und Sued - Vietnams schmueckten das Senjan- StaSion, als die Ausscheidungsspiele der “Asiade” fuer die naechste Olympiade —sie wird 1964 in Tokio stattfinden— am 24. August in Djak a r t a vom indonesischen Staatspraesidenten, Dr. Sokarno eroeffnet wurden. Zwei Fahnenmasten aber waren leer geblieben .Ein Raenkespiel, das im Sport ohne Vorbild dasteht, hatte Formosa und die olympische Mannschaft Israels von der Teilnahme ausgeschlossen. Dem Tel-Aviver olympischen Landesausschuss war es ziemlich von Anfang an nicht verborgen gewesen, dass sich der indonesische Propaganda —und Sportminister Dr. A. G. Maladi als Vorsitzender des Organisations-Ausschusses dieser Asien-Wettspiele nur widerwillig im Maerz d. J. mit der Frage an ihn gewandt hatte, ob die Israelis mitzumachen wuenschten. In Sportlerkreisen hatte man damals schon vom Versuch der Aegypter gehoert, die indonesischen Moslems als ihre Glaubensbrueder von dieser Einladung an Abdel Nassers “zionistische Erzfeinde” abzubringen, und von ebensolchen Versuchen der Chinesischen Volks republik, die nicht anders als das kommun istische Russland den juedischen Staat als “nahoestlichen Brueckenkopf des westlichen Imperialismus” ablehnt. Aber in Tel-Aviv hatte man sich gesagt: Unsere ' Fussballer, Streckenlaeufer, Geraeteturner usw. sind Buerger eines Staates, der geographisch unzweifelhaft zu Asien gehoert. Vor acht Jahren haben sie in Tokio, vor vier Jahren in Manila in enger sportlicher Kameradschaft an den frueheren “Asiaden” teilgenommen. Auch ist der Olympische Ausschuss Israels Mitglied der Olympischen Asien- Foederation, die dem Organisationsausschuss des indonesischen Ministers uebergeordnet ist. Umso weniger sah man in Tel-Aviv Anlass, den Einfluesterungen von Kairo und Pe king einen so leichten Triumph zuzusehangen. Eines der Mitglieder des Landesausschusses, I. Pannai, flog zur Festlegung der techn i s c hen Einzelheiten im April nach Djakarta, nachdem die Einladung Dr. Maladis mit Dank angenommen worden war. Herr Pannai legte den indonesischen Organisatoren dar, dass sich ihr Staat der Anknuepfung dip 1 om atischer Beziehungen mit Israel bisher entzogen habe und in Tel-Aviv oder Jerusalem mithin auch kein Kon sulat unterhalte, das Einreisevisen und P a e s s e stempeln koenne; er ersuchte sie infolgedessen um die Hersendung entsprechender Ausweise. Sie seien abgesandt worden, wurde bald danach denn auch mitgeteilt. Aber es vergingen Wochen um Wochen, weit ueber die fuer Luftpost und selbst fuer Schiffspost uebliche Zeit hinaus, ohne dass die Zulassungsbestaetigungen kamen. Auf telegra phisehe Anfragen und Mahnungen wurden zunaechst in biedermaennischem Ton Recherchen zugesagt; dann folgten gar Aufforderungen “die mit Herrn Pannai (angeblich) vereinbarte Frist zur Bestaetigung des Erhalts dieser Formulare innezuhalten”, und nicht genug damit: Drohungen, dass die (angeblich) laengst gesandten Ausweise nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist fuer ungueltig erklaert werden wuerden. .. .und inzwischen war aus den besten Vereinen der hiesigen Fussballiga eine Elf fuer die “Asiade” zusammengestellt worden und hatte gemeinsam mit 6 Leichtathleten und 3 Meisterschwimmern ihr Training laengst begonnen... Gerade als dem Tel-Aviver Olympischen Comité nach dem Eingang der oben erwaebnten “Verwarnung” der letzte Zweifel daran genommen war, welch heuchlerisches Spiel Jhier mit ihm getrieben wurde, schlug der indonesische Propagandaminister den drei —als Sportler nicht aktiven— israelischen Mitgliedern der Olympischen Asien-iFoederation, wor, auf jeden Fall nach Djakarta zu kommen. Mit gutgespielter Naivitaet erwaehnte er in der gleichen Depesche, nicht nur diesen drei Herren seien in Djakarta bereits Hotelzimmer reserviert worden, sondern auch dem ganzen israelischen Team —es solle sozusagen auf gut Glueck einfach abreisen. Mit diesem Telegramm und den Paessen fuer die hiesigen Mitglieder der Asien Foederation flog ein Emissaer des Olympischen Landesausschusses daraufhin nach Rom, um sich dort vom i n d onesischen Botschafter auf Grund der telegraphisch erfolgten Willensaeusserung seines Ministers die entsprechenden Visen zu beschaffen. Er antichambrierte vergebens; man muesse dazu, wurde ihm erklaert, fernmuendlich erst die Bestaetigung Dr Maladie einholen, der “momentan leider nicht erreichbar” sei. Auf neue Rueckfragen kam offenbar im Auftrag dieses Herrn —aus Dja- DIE!STELLUNG DER RELIGION ligion liegt in ihr selber und nicht darin ,sie als Funktion für andere Werte zu gebrauchen. Auch ein Staat, der sich nicht offiziell mit der Thora identifieziert, braucht den- Schabbat nicht aus seinen Strassen zu verbannen. England z. B. bewahrt bis heute vieles von der Eigenart des puritanischen Sabbat, obwohl die Puritaner in der Minderheit sind, waehrend die offizielle —anglikanische— Kirche nur eine viel mehr saekularisierte Form des Ruhetages anerkennt. Ueberhaupt übertreiben wir die Bedeutung des Staates für die verschiedenen Gebiete des Gemeinschaftsleben, waehrend man heute, gerade in den fortgeschrittenen westlichen Staaten, die Initiative freiet Körperschaften fordert, wie dies früher auch in den Ge meinden der Gola der Fall war. Selbst der westliche Sozialismus ist laengst vom Glauben an die Allmacht dei staatlichen Nationalisierung abgekommen. . IRRLEHREN UNSERER ZEIT Es besteht noch eine andere Gefahr, die Nation und den Staat als höchste Werte zu erklaeren und sie mit (Fortsetzung von Seite 4) einem Nimbus der Erhabenheit und Heiligkeit zu umgeben. Man benutzt religiöse Geleitworte, meint aber ganz andere, saekulaere Werte. Auch einige ¡Rabbanim, besonders Jünger R. Kooks s. L. unter dem Einfluss der Kabbala, die das Ferne nahebringt und auch im Negativen das Positive sieht, betonen den kosmischen Charakter der Verbindung Israels und seines Gottes, die unauflösbar sei; daher bleibe auch der Nichtreligiöse in seinem Innern, oft gegen seinen Willen, religiös Diese Kreise bejahen den Staat vollauf, ja sehen in ihm und im Heere Israels den Ausdruck absoluter Heiligkeit, weil beide die Herrschaft Gottes über sein Land versinnbildlichen. Da nun die Wirklichkeit so ganz anders ist, i ist diese Verbraemung dazu angetan, die Vergötzung Staat licher Gegebenheiten und Werte religiös anzuerkennen. Anderen Gruppe’-' wieder bietet diese Beziehung unerschöpfliches Material für gegenstandslose Phrasen. * Ob man nun in der Errichtung des Staates selber ein religiöses Ereignis sieht odei nicht, haengt vom Standpunkt des Einzelnen ab. Wer es bejaht, darf aber an der Katastrophe, die unser Volk betroffen hat, nicht Vorbeigehen, wenn er ehrlich mit sich sein will, denn nicht jeder kann sich das Geschehen auswaehlen, das in seine Deutung passt. Weite Schichten, besonders der jüngeren Generation, haben sich von allen Werten des Judentums weit entfernt, sodass vieler das Bewusstsein, Jude zu sein, verloren gegangen ist. Andererseits verlangt man staerker als früher nach der richtungsgebenden Kraft solcher Persönlichkeiten, die die Jugend und ihre Fragen kennen. Man weist inhaltslose Phrasen zurijck und will dass der Rahmen der Gemeinschaft der Wirklichkeit entspricht, auch wenn überkommene Vorstellungen davon betroffen werden. Vielleicht kann eine Trennung zwischen den beiden Bereichen des Staates und der Religion zwischen denen im jüdischen Bezirk ein wesentlicher Zusammenhang besteht, eine Klaerung und ein erneutes wahres Ringen ermöglichen, das letzten Endes auch zum gegenseitigen Verstaendnis und zur Annaeherung führen wird. (“M. B.”) karta der Bescheid, die letzte Entscheidung liege ueberhaupt nicht bei ihm, sondern bei seinem . Aussenminister Dr. Subandrio, der sich soeben auf der Rueckreise von Washington befinde, wo er mit den Hollaendern ueber Neu-Guinea verhandelt habe, und bis auf weiteres inf o 1 g e d e ssen ebensowenig erreichbar sei. Immerhin: Der Aussenminister gab unterwegs, in Tokio, mehr oder minder zweideutige Erklaerungen ab, wahrscheinlich, weil die Israelis inzwischen Herrn Dr. Otto Mayer, den Kanzler des Internationalen Olympischen Comités in Lausanne, also die oberste zustaendige Behoerde um Intervention gebeten und in Europa wie in Asien auch andere Vereinigungen und Persoenlichkeiten von Einfluss auf die Asien-Wettspiele in Bewegung gesetzt hatten. Ja, nach seinem Eintreffen in Djakarta teilte Dr. Subandrio der Olympischen Asien-Foederation brieflich sogar mit, dass auf seine Veranlassung soeben Duplikate der Zulassungsausweise nach Tel-Aviv gesandt worden seien. Aber —das erwies sich als genau so unwahr wie die Behaupt tung, die frueheren Formulare seien seinerzeit auf den Weg gebracht worden und unterwegs auf mysterioese Weise nur verlorengegangen. Um nichts unversucht zu lassen, begab sich schliesslich Sch. Zysman, der Vorsitzende des Olympischen Ausschusses Israels nach Zuerich als der Stadt, die erfahrungsgemaess die besten telephonischen Verbindugen zwischen Europa und Indonesien ermoeglicht, und meldete nicht weniger als 7 Dring-Gespraeche, an Dr. Maladi, andere Minister seiner Regierung und die sonstigen massgeblichen Veranstalter der “Asiade” an. Alle diese hohen indonesischen Wuerdentraeger legten sobald er seinen Namen nannte, im fernen Djakarta den Hoerer auf die Gabel. Nachdem er seinem Ausschuss, wieder in Tel-Aviv Bericht e r s t a t tet hatte, beschloss man endgueltig, keine weiteren Versuche zu unternehmen. Und liess das Inte rnationale Olympische Comité (IOC) in Lausanne, die Londoner Zentrale der “International Amateur Athletic Federation (IAAF), das Sekretariat der internationalen Vereinigunng fuer Schwer athletik und die an der ‘Asiade” beteiligten Olympischen Kommissionen Japans, Burmas, der Philippinen und anderer befreundeter Laender zugleich wissen, dass und wie man in Djakarta gegen das oberste Gesetz aller Wettspiele im Geiste der Olympiade verstossen habe, Sport reinlich von Politik zu trennen. EIN PYRRHUS-SIEG DER ISRAELFEINDE? Das Echo ist nicht ausgeblieben. Dr. Mayer vom IOC entzog der “Asiade” sein Patronat. Ihm schlossen sich die Leitungen der internation a 1 e n Foederationen der Leicht- und Schwerathletik mit der Erklaerung an, dass diese Wettspiele unter solchen Umstaenden nur noch als ein beliebiges, aus mehreren Laendern Asiens , beschicktes Sporttreffen anzusehen seien, statt dass die dort erzielten Rekorde auf der naechsten Olympiade beruecksichtigt werden duerfen. Ja, sogar die nichtindonesischen Mitglieder des Org a n i s a tionsausschusses in Djakarta beschlossen das Gleiche, nachdem sie sich ohne ihren Vorsitzenden Dr. Maladi als “Rumpfkabinett” etabliert hatten. (Dasselbe Schicksal hatten uebrigen die “M ittelmeer laendischen Wettspiele” gehabt, die 1959 im Libanon stattfanden — auch damals, weil israelischen Sportlern die Teilnahme von diesem arabischen Staat untersagt worden war, der sich mit dem juedischen bekanntlich weiterhin als im Kriegszustand befindlich betrachtet.). Zwar ging keine der Mannschaften in Djakarta soweit, sich von der “Asiade” zurueckzuziehen, als sie derart disqualifiziert wurde; selbst das japanische “Team” weigerte sich, so kurz vor Beginn wieder abzureisen, obwohl sein Landesausschuss es von ihm forderte. Dennoch - die Proteste und Massnahmen des Olympischen Weltfeommites und der zwei grossen Sportfoederationen wer den auf die Falschspieler von Djakarta ihren Eindruck nicht verfehlt haben. Was sie den Sportlern Israels — und des genau so niedertraechtig behandelten Formosa— zugefuegt haben, kann sich auf weitere Sicht sehr wohl gegen sie selbst auswirken. Und gleichgueltig wie man fuer oder gegen Ben Gurion und Tschang kai Chek steht; einen Pyrrhus-Sieg wird diesen indonesischen Intriganten und ihren Drahtzieher in Kairo und Peking jeder goennen muessen, der die olympische Flamme nicht von derartigen Raenken verunreinigt sehen will. Ein ¿lueckliches Neues Jahr wuenscht allen Mitgliedern der Gemeinde Jenny Vogel