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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-09-01 · 9 (Septiembre, 1962) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
9 (Septiembre, 1962)
Date
1962-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1962? #■ ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT MITTELEU RHIPAEIS CHE JUDEN IN AUSTRALIEN Laut, dem. Jahresbericht der Australian Jewish W’eifare and Relief Society fuer das Jahr 1960-61 haben in diesem Jahre 1250 Familien, die 2680 Personen umfassten, um Unterstuetzung angesucht. Die Anzahl, der Hilfesuchende war weit groesser als in frueheren Jahren, weil sich die allgemeine wirtschaftliche Lage Australiens in diesem Jahr verschlechtert hatte. Dies fuehrt unmittelbar zu einem zentralen Problem der uns beschaeftigenden Frage : da Australien als Exportland von den Fluktuationen des ■Welthandels abhaengig ist, loesen Perioden ungewoehulicher Prosperität und Perioden der Stagnation und dadurch hervorgerufene Arbeitslosigkeit einander ab. Dieser Zustand einer wenn auch nicht allzu haeufigen, so doch chronischen Labilitaet beeinflusst natuerlicb auch die wirtschaftliche Situation des juedischen 3p— voeikerungsteils. Wenn man bedenkt, dass das - Jahr 1960-61 eine Baisse-Zeit war!und weiter beruecksichtigt, dass der juedische Bevoe!- kerungsteil, der. im Schicksals] ahr 1933 nur 23553 Personen umfasste, heute auf 66000 angewachsen ist, so ist die oben genannte Zahl derer, die ¡Unterstuetzung brauchten, nicht beunruhigend Vor dem Kriege war Australien keinesfalls ein Land, das die Eiwanderung beguenstigte und ermutigte Regierung una Oeffentlichkeit waren-einer Massenem- ■wanderung durchaus abge neigt; zur Aufrechterhajtung der etnnischen Homogenitaet bevorzugte man Einwanderer britischer Herkunft, in der Befuerchtung, dass die Zulassung einer groesseren Menge Landfrem- : der den hohen Lebensstandard des australischen Arbeit n eh mers gefaehrdën koennte. Man misstraute der Eignung und Bereitschaft der. Einwanderer nichtbritischer Herkunft, sich in die australische Lebensg; ememschaftt einzufuegen. Die Einwanderungspolitik wurde hauptsaechlich durch ein rein utilitaristisches Bedarfsdeckungsprinzip gelenkt, man wollte nur Leute, die als Arbeitskraefte benoetigt wurden, um die sich stark entwickelnde Industrie zu foerdern. Nicht der Notstand, sondern die berufsmaessige Brauchbarkeit des Einwanderungswilligen gab den Ausschlag. Der Wohnungsmangel war ein weiterer Faktor, der dazu beitrug, die Einwanderung zu beschraenken. So erklaert es sich, dass nur eine verhaeltnismaessig begrenzte Anzahl juedischer Refugees in der Zeit von 1933 bis zum Ausbruch des Krieges im September 1939 in Australien einwandem konnte. Leider sind die Ziffern nicht mit unbedingter Zuverlaessigkeit erfasst worden, denn die amtliche Statistik hat nur die Ursprungslaender, jedoch nicht die Religionszugehoerigkeit verzeichnet, und die Zahlenangaben der juedischen Autoren, die sich mit dieser Frage be~ schaeftigt haben, weichen daher voneinander ab. Nach ■der zuverlaessigsten Schaetzung sind im Zeitabschnitt 1933 bis Oktober 1940 ungefaehr 9000 juedische Refugees nach Australien gelangt; und zwar 1935 nur 1000, 1936 nur 1700; die Angaben fuer 1937-38 schwanken. Von Mai 1939 bis Oktober 1940 wand e r ten schaetzungsweise nur 2600 ein, .und waehrend der weiteren Kriegszeit nur 400. Von den Refugees, die bis zum Kriegsausbruch in Australien einwandem konnten, stammten 7100 aus Deutschland und Oesterreich. Sie stellten die Mehrzahl dar; die uebrigen kamen Hauptsaechlich aus Polen und der Tschechoslovakei. Die juedischen Immigranten aus Mitteleuropa hatten, ebenso wie die uebrigen in der Zeit vor dem Kriege, wirtschaftlich einen sehr schweren Start. Australien litt noch unter den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise. Arbeitsplaetze in den Fabriken waren nicht zu haben Wie stets waren die Akademiker am haertesten getroffen: Rechtsanwaelte, Aerzte,' Zahnaerzte, die nicht praktizieren durften, versuchten sich durch Hausierhandel, durch kleine kaufmaennische Vertretungen oder als -Krankenpfleger,- Laboranten etc., ueber Wasser zu halten. Ein wenig guenstiger waren die mit einem deutschen oder oesterreichischen Diplom ausgestatteten Apotheker dran: sie durften unter Aufsicht eines australischen Managers (“qualified pharmaceutical chemist”) in einer Apotheke arbeiten, jedoch keine Apotheke leiten oder selbstaendig fuehren. Manche von ihnen konnten das Nachstudium beenden und eigene Apotheken eroeffnen. Nach einer Enquete, die Ernest Platz durchfuehrte, arbeitete ein frueherer Richter als (Vertreter eines Fabrikanten, verdiente der fruehere Oberbuchhalter einer grossen Firma seinen Lebensunterhalt als Teppichreiniger und ein frueherer Rechtsanwalt als Nachtwaechter. Ein Arzt aus Wien wandte sich, da er in der neuen Heimat nicht praktizieren durfte, dem Lederhandel, ein frueherer Bucherrevisor -der Herstellung von Konfekt zu. Ein ehemaliger Geschaeftsreisender erlernte das Fabrizieren von Puppen und stellte eine marktgaengige Ware her. Weit guenstiger waren die . Chemiker, Ingenieure, Architekten, Techniker, Mechaniker, Optiker, Handwerker (Elektriker, Schuster, Schneider, Kuerschner usw.) gestellt, die ihre gruendliche Fachbildung zum Aufbau einer neuen Existenz einsetzen konnten. Ihnen gelang es fast durchweg, sich in ihrem Berufe zu “behaupten und zuweilen ihre anfangs bescheidenen Betriebe zu einem ansehnlichen Umfang zu entwickeln. Die wenigen prominenten Wissenschaftler und Kuenstler fanden, wenn auch nÿh einer gewissen Wartezeit, einen ihrer Bedeutung angemessenen W i r k u ngskreis. Der Krieg brachte in seinem weiteren Verlauf jede systematische Einwanderung Zum erliegen, bot jedoch ■den schon eingewanderter Juden aus Mitteleuropa eine unerwartete Chance. iZws.-r waren sie als “enemy àliéns” klassifiziert und unterlagen einer woechentlichen Verpflichtung, sich bei der Polizei zu ‘melden, doch ¡diese Massnahme wurde im Oktober 1943 aufgehoben dank dem ausgezeichneten Eindruck, den das Verhalten der juedischen Refugees gemacht hatte. Als im Februar i'942 die jued.i,sehen Refugees zum Kriegsdienst zugelassen wurden, meldete sich nahezu ein jeder der 3500 Maenner in Alter von 18 bis 45 Jahren; 1200 wurden angenommen und dienten waehrend des Krieges in der australischen Armee. Die Verdienste, die sich eingewanderte juedische Techniker und Wissenschaftler um die Kriegstechnik, eingewanderte juedische Erfinder und Unternehmer bei dem Aufbau kriegswichtiger Industrieen erwarben, wur- Von Dr. Fritz den unter anderem dadurch i anerkannt, dass die Regierung den frueheren “enemy aliens” im Dezember 1943 gestattete, sich um die australische Staatsangehörigkeit zu bewerben. So erhielten die juedischen Immigranten aus Mitteleuropa (und auch die aus Polen und der Tchecholovakei) in der neuen Heimat Staatsbuer - gerrecht. Ferner kam ihnen die wirtschaftliche Konjunktur, die jede Kriegsfuehrung mit sich bringt, zugute. Arbeätskraefte wurden benoetigt und Militaerlieferungen brachten besonders dem Textilhandel und der Konfektion einen wesentlichen Aufschwung. Australien lernte im Kriege, wie betraechtlich der Wertzuwachs war, den der juedische Immigrant dem Lande gebracht hatte, und ein angesehener fortschritt- 1 i g h gesinnter Publizist, Brian Fitzpatrick, fuehrte in einer Schrift “Refugees - Hitlers Löss Our Gain” (Melbourne 1944) in einzelnen den Beweis hierfuer. Australien zog eine weitere wichtige Lehre aus dem Kriege. Es sah ein, dass eine starke und staendige Einwanderung notwendig ist, um die reichen Moeglichkeiten des Kontinents auszuschoepfen. Unter Zustimmung der Gesamtbevoelkerung leitete der damalige Einwander.ungsminister Arthur A. Calwell, der heutige Fuehrer der Arbeiterpartei, ein grosszuegiges, auf lange iS$cht berechnetes Einwanderungsprogramm ein, in dessen Rahmen bereits eingewanderte Juden nahe Angehoerige unter formaler Garantieleistung anfordern konnten. Auf diese Weise gelangten, neben zahlreichen displaced persons juedischer Abkunft, ungefaehr 13.000 juedische Refugees a us Deutschland und Oesterreich bis Ende 1954 nach Austra-- lien. Infolge der intensiven Industrialisierung bestand ein dringender Bedarf an Arbeitskraeften in der Nachkriegszeit. Die Fabriken absorbierten nicht nur Facharbeiter, sondern auch Scharen ungelernter Arbeiter Unter den zahlreichen ' juedischen Immigranten, die dadurch eine Existenz erhielten, befanden sich nicht wenige Frledlaender — Melbourne i Intellektuelle, die infolge mangelnder Qualifikationen oder der Sprachschwierigkeiten nicht oder noch nicht in ihrem eigentlichen Fache taetig sein konnten. Charakteristisch war jedoch bei ihnen die starke Tendenz nach Ueberwindung enormer Schwierigkeiten zu der Ausuebung ihres eigentlichen oder eines analogen Fachberufs zurueekzukehren. Zum Beispiel stellte ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Wien sich auf die Fabrikation von Knoepfen um, bis es ihm durch zaehe Anstrengung moeglich war, nach erlangter Aprobation als Bucherrevisor eine adaequate Berufsform zu finden. Der haeufige Wechsel der Taetigkeit, die Umstellung von einem Arbeitsprozess zum anderen, kennzeichnet vielfach den Wirtschaftsstil des juedischen Immigranten, und nicht nur des mitteleuropaeischen. Manche starten mit dem schweren Betrieb einer. Milk— oder Snackbar, um nach einigen Jahren den sauer erworbenen Profit in etwas anderem anzul« gen. Obwohl es, von Ausnahmen abgesehen, den mitteleuropaeischen (ebenso wie »den »osteuropaeischen) juedischen Immigranten gelun-- gen ist, sich in die australische Wirtschaft gut einzuordnen, darf man ihre wirtschaftliche Macht und ihren wirtschaftlichen Einfluss doch nicht zu hoch anschlagen. Gewiss haben sie (zusammen mit dem osteuropaeischen Einw a n d erern) eine gewisse bevorzugte Stellung im Textilhandel und in der Konfektion sowie im Juwelenhandel, in der Schwerindustrie jedoch, im Bankwesen und ganz gewiss in der Grossagrarwirtschaft spielen sie keine Rolle. Die Mehrzahl gehoert dem Mittelstand an; die Arbeitnehmer ueberwiegen, wenn auch die Tendenz zur wirtschaftlichen Selbstaendigkeit sehr ausgepraegt ist. Nur diejenigen Akademiker, die einen gewissen materiellen Rueckhalt besassen oder deren Frauen wesentlich zum Lebensunterhalt beitrugen, konnten das Nachstudium durchfuehren. Manche Juristen sind nach er- (Fortsetzung Seite 9) siliÜ X - - , ililliliiiipiiiiiii y v fort •/xjw; Australien 66.000 Juden leben auf diesen Kontinent (Bertelsmann) FOTO TIMAR Nueva York 54 * Fono 64945 Retratos Artísticos — Reproducciones y Ampliaciones de todas clases para Diarios, Imprentas — Fotografías de Propaganda para Industrias — Trabajos para Aficionados. 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