Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1962)
- Date
- 1962-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 ZUM THEMA BERLIN DIE FEINDLICHEN BRUEDER Wir leben in einer Zeit der Paradoxe. Wenige aber sind so krass wie das von Berlin. Denn es laesst sich nicht bestreiten, dass diese Stadt heute eine Vorhut der Freiheit darstellt. Aber koennen wir darum jemals vergessen, in welch schicksalsschweren Jahren sie das Symbol der Knechtschaft und des Grauens war? Ebenso wenig kann man sich der Einsicht versohliessen, dass die ominoese Mauer ebenso wie die Grenze quer durch Deutschland hindurch eine fuer die Deutschen unertraegliche Situation beinhaltet. Aber verschweigen sie nicht allzu systematisch, dass sie nicht nur durch einen Krieg, sondern durch einen von ihnen und ihrer Regierung angestifteten Krieg und vor allem, durch einen, verlorenen Krieg, hineingeraten sind? Anscheinend kommt es in unserer schnellebigen Zeit nicht so sehr auf die Vergangenheit, auch nicht auf die juengste Vergangenheit an, wie auf gegenwaertige und zukuenftige Machtfaktoren. War da nicht so ganz mitkommt und bei so manchem naechtlichen Alpdruck noch an Reichskanzlei, an Sportpalast und Fuehrerbunker denkt, der legt sich besser Zurueckhaltung auf, wenn die Rechte der ehemaligen Reichshauptstadt zur Debatte stehen. Der kann sich eben doch nicht so leicht schluessig werden, ob eine Ehrung der. russischen Gefallenen an dem Denkmal, das im freien Teil Berlins steht, unbedingt durch Steinwuerfe gestoert werden soll. Waeren diese Russen naemlich nicht gefallen, nicht nur vor Berlin, auch in Stalingrad —das heute anders heisst in dieser Zeit der Paradoxe—, auch in Orel, in Kiev, in Charkov, dann waere das heute freie Berlin. . . nicht frei. Statt Ulbricht draussen haette es Hitler drinnen. Zu den Leuten, die keinen Grund zur Zurueckhaltung sehen, zaehlt Ex-Praesident Eisenhower. Er hat anlaesslich seiner kuerzlichen Europa-Reise seinem Nachfolger den wohlgemeinten Ratschlag erteilt, in Berlin keinerlei Konzessionen zu machen. Ruft man sich ¡die Verantwortung ins Gedaechtnis, die er persoenlich an der Tatsache hat, dass 1945 zuerst die Russen und nicht, wie Churchill dies unter allen Umstaenden durchsetzen wollte, die westlichen Allierten in Berlin einrueckten, dann kann man ihn nur um sein unbekuemmer tes Gemuet beneiden. William L. Shirer berichtet in seinem brillanten “Aufstieg und Fall des Dritten Reiches” folgendermassen darueber: “... Eisenhower und sein Stab waren. . . von der Idee besessen, sie muessten sich nach Vereinigung mit den Russen (an der Elbe) schleunigst nach Suedosten wenden, um die sogenannte Alpenfestung zu erstuermen, in der, wie sie meinten, Hitler seine restlichen Streitkraefte sammle. Doch die Alpenfestung war ein Phantom. Sie existierte, ausser in Goebbels’ Propaganda, nur noch in den Koepfen der vorsichtigen Leute in Eisenhowers Hauptquartier, die auf diese Propaganda hereingefallen waren”. General Omar Bradley schrieb nach dem Kriege dazu: “Die Geschichte war so grotesk, dass ich mich wundere, wie wir in aller Unschuld an sie glauben konnten. Aber sie hat in den letzten Kriegswochen unsere taktischen Ueberlegungen beeinflusst!” Folgerichtig laesst General Bradley auch keine Ratsehlaege ueber die fuer Berlin richtige Politik verlauten. Er wuerde sich wohl genieren. GEGEN DIE A Der nunmehr in Santiago zur Auffuehrung gelangte sowjet-russische Film “Cielos despejados’’ ist ein interessantes Dokument der “Schneeschmelze” - Periode, die auf ¡Stalins Tod folgte. Er ist als solches vielleicht nicht besonders aktuell, auch nicht so wichtig wie beispielsweise die politischen Verlautbarungen zum gleichen Thema, selbst , kuenstlerisch nicht von (lern Niveau des anderen Chujrai- Werks “La Balada del Soldado” und trotz allem wohl die unmittelbarste Botschaft aus russischer Quelle, die bis heute zu uns gelangt ist und in menschlich ansprechender Form aussagt: “So haben wir Russen unter dem Diktator gelitten”. Der Streifen handelt von Leben, Liebe und Leid eines russischen Kampffliegers, der sich durch Tapferkeit gegen die Luftwaffe auszeichnet, als “Held der Sowjetunion” t—wie man glaubt, posthum— den hoechsten Orden erhaelt, aber in Wirklichkeit in deutsche Gefangenschaft geraten war. \ach seines Rueckkehr findet er alle Tueren verschlossen: die Partei kann ihm nicht mehr trauen. Er wird zum Paria, sein Kampf um Gerechtigkeit, ja, um einfaches Angehoertwerden, scheitert. Bis dahin waere nichts Sensationelles festzustellen, denn die Tatsache, dass wir bereits damals um diese brutalen Ungerechtigkeiten, um tyrannische Diktatur und um zynische Missachtung des Einzelnen wussten, ist nicht sensationell. Ebenso wenig ist es die Erinnerung daran, dass ein jeder freie und denkende Mensch, der damals das aussprach, was Kliruschev heute in seinen Reden, Es ist gut moeglich, dass die Sitzung der “Arabischen Liga” in Shtoura (Libanon), die dieser Tage mit dem Verlassen ' der Konferenz durah die aegyptischen Delegierten ein so brueskes Ende gefunden hat, fuer immer die letzte dieser unglueckseseligen Vereinigung, gewesen sein wird. Gewiss, die Aegypter haben nur die Tagung und nicht die Liga verlassen. Aber ein der Regierung nahestehendes Blatt in Kairo (im Grunde genommen stehen alle Zeitungen in Aegypten der Regierung “nahe”) sprach es ganz klar aus: “Die von Anthony Eden 1945 in Szene gesetzte Komoedie (gemieint ist die Arabische Liga) ist zu Ende”. Einberufen worden war die Konferenz durch Syrien, das Beschwerde gegen die nasseristische Einmischung, die ganz offen auf einen erneuten “Anschluss” hinzielte, fuehren wollte. Waehrend auf der einen Seite Nasser aus seinen Rachegeluesten gegen die “Separati- LTEN LUEGEN Erenburg in seinen Gedich-- ten und Chujrai in seinem Film sagt, als bluttriefendes trotzkistisch-nazistischfaschistisches Ungeheuer beschimpft wurde. Hochinteressant ist aber e i n Gespraechsfetzen des verfemten Rueckkehrers mit seiner Frau. Er gruebelt ueber die ihm voellig unverstaendliche, am ihn veruebte Ungerechtigkeit nach, um ungefaehr zu f o 1 g e n d er Schlussfolgerung zu kommen: “Wo so viele gegen einen sind, kann der eine nicht recht haben. Und selbst wenn er es haette, ist sein Recht gemessen an dem Wohl der Partei unwichtig. Worauf es ankommt, ist die Partei”. Dieser Gedankengang deckt sich verblueffend weitgehend mit der Motivation, die Artur Koestler seinem unsterb liehen Rubaschow in “Sonnenfinsternis” unterstellt, um das Mysterium der Selbstbeschuldigungen in den Moskauer Theaterprozessen zu ergruenden. Da nicht anzunehmen ist, dass selbst nach erfolgter “Schneeschmelze" Koestler vom kommunistischen Index gestrichen wurde, bleibt nur zuzugeben, dass seine Idee von den Gehirnverkruemmungen eines fanatischen Parteimitglieds weitgehend korrekt war. Wohin allerdings Chujrai Koestler nicht folgen konnte, war in der Bewertung der Stalin-Deflation. Er glaubt wohl, dass nach der Epoche der Luegen nun die Wahrheit ans Licht gekommen ist. Die Wahrheit ist aber, dass nach den alten Luegen nun. . . die neuen Luegen an der Tagesordnung sind. Mit denen wird sich aber erst der Politiker, der Dichter und der Filmdirigent befassen duerfen, der einstmals Khruschev “entlarven” wird. sten der Nordprovinz” gar keinen Hehl macht und in oeffentlichen Ansprachen ueber den Kopf ihrer Regierung hinweg an die syrischen Massen appelliert, schickte er auf der anderen Seite seine Delegierten mit dem Auftrag auf die Konferenz, jede Einmischung zu leugnen. Das taten sie denn auch in der heute ueblichen Form der Diplomatie durch Tramp e 1 n mit den Schuhen —wenn auch ohne sie auszuziehen—, Laermen und Handgreiflichkeiten. Ihr schliesslicher Austritt wirft ein grelles Schlaglicht auf die Rolle, die Nasser der Arabischen Liga zugedacht hatte und das Konzept, das er von der Einheit der Araber hat: Solange sie als Instrument seiner imperialistischen Hegenionie-Ansprueche geeignet erscheint, ist sie gut. Hoert sie auf, es zu sein, oder verwandelt sie sich gar in ein freies Forum, zieht er ror, sie zum alten Eisen zu werfen. Er muss dann eben versuchen, mit den feindlichen Bruedern sich auf eine weniger elegante Art auseinanderzusetzen. Denn die arabische Einheit war fuer ihn nie ein Ziel, sondern immer nur ein Mittel, um die eigene Vorherrschaft zu errichten. Dass Israel keinen Grund hat, der politischen Missge- EIN GUTE! Im Verlauf der Ersatzwahlen zur Deputierten- Kammer, die am 2. September im 1. Distrikt Santiago stattfanden, war es moeglich, eine recht bedeutungsvolle Episode zu beobachten. Sie mag weit davon entfernt sein, ueber die fundamentalen Gegensaetze, die dabei ausgetragen wurden, Aufschluss zu erteilen, ist aber doch wert, festgehalten und als kleines Symptom gewertet zu werden. Es handelt sich dabei um den Vorwurf, dem sich zwei der drei Kandidaten seitens ihrer Gegner ausgesetzt sahen, in den 30er Jahren mehr oder weniger aktive Sympathieen fuer die Nazis bekundet zu haben. Wir wolburt, die die Liga seit ehedem darstellt, auch nur eine Traene nachzuweinen, ist wohl klar. Selbst der allen eigene Hass gegen uns genuegte diesmal nicht, die inneren Gegensaetze zu vertuschen, geschweige denn zu ueberbruecken. Ganz im Gegenteil wird es immer klarer, dass es nicht nur Israel ist, das Grund hat, gegen Nassers imperialistische Politik auf der Hut zu sein. So haben, abgesehen von der Tuerkei, Irak, Cypern und Syrien, die frueher oder spaeter alle in Deckung gegangen sind, nun auch Jor danien und Saudi-Arabien einen Pakt unterzeichnet, der ganz klar gegen die Gelueste des Diktators von Kairo gerichtet ist. Was Hussein und Saud dabei an dynastischem, religioesem und persoenlichem Hass ueberwunden haben, ist mit westlichen Augen schwerer zu uebersehen als selbst die unendliche Wueste, die sich zwischen ihren Palaesten erstreckt. Umso trauriger und unverstaendlicher ist es, dass Washington immer noch an der Politik festhaelt, die Waffenkaeufe, die der nunmehr in seiner eigenen Region ganz isolierte Nasser in Moskau taetigt, durch grosszuegige Kredite zu finanzieren. I ZEICHEN len es dahingestellt sein lassen, ob und inwieweit daran etwas wahr ist. Was aber ebenso wichtig wie erfreulich anmutet, ist die Tatsache, dass sich offensichtlich alle politischen Experten darin einig sind, dass eine nazistische . Vergangenheit in Chile eine Hypothek bedeutet. “Nazi” ist ein bitterer Vorwurf, den niemand auf sich sitzen lassen kann, da er ihn in schwersten moralischen und politischen Misskredit bringt. Leider ist dies nicht in allen Laendern Südamerikas und auch nicht Europas der Fall. Dass man in Chile so sauber denkt, ist ein sehr erfreuliches Symptom. ATSCHEKA ZU FAMILIEN - FESTLICHKEITEN KEREN KAJEMETH LEIISRAEL Telegramme Blumen-Abloesungspenden, Baeume. Goldenes Buch, Bar-Mizwah-Buch, Kinder-Buch des KKL. 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