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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-09-01 · 9 (Septiembre, 1962) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
9 (Septiembre, 1962)
Date
1962-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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SEPTIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 ZWEI WIEGEN DER MENSCHEN FREIHEIT Von Robb. Manfred Lubliner Die 300 —Jahrfeier der ersten juedischen Siedlung in Amerika und die Wiedereinwanderung der Juden in England nach einer mehr als 350— jaehrigen Abwesenheit gab einem modernen juedischen Historiker (Cecil Roth) Veranlassung, eine kurze Abhandlung ueber “Die zwei Wiegen der juedischen Freiheit” zu schreiben. Es war, so fuehrte er in, seiner Skizze aus, nicht nur der Umstand, dass diese beiden Ereignisse —Einwanderung und Rueckwanderung— fast zur gleichen Zeit sich abgespielt haben, sondern mehr noch die Tatsache, dass das Verhaeltnis Amerikas zu England —als einem Lande der Bedrueckung— auch in der juedischen amerikanischen Geschichte seinen Widerhall erfahren hat. Es waere wohl an der Zeit, dieses Urteil zu berichtigen und von der SchwarzWeiss malerei abzusehen. Als die ersten Juden im September 1654, 23 Familien insgesamt, in Neu Amsterdam landeten, hatten sie Fernambuco nach einen 25 —jaehrigen Aufenthalt lauf Grund der ehemaligen portugiesischen Verfolgung verlassen In diesem Zeitpunkt, d.h. in der ■ zweiten Haelfte des 17 Jahrhunderts, laesst es sich in Tat nicht leugnen, dass die juedische Situation auf dem alten Kontinent mehr als unguenstig zu betrachten ist. Spanien und Portugal hatten in diesem Zeitpunkt die Juden ausgewiesen. Wer heimlich dem Glauben treu blieb, riskierte den Flammentod. Die gleiche Situation gilt auch fuer SueditaJ.0’n und Sizilien In Norditalien, wo den Juden ein Wohnrecht eingeraeumt wurde, waren sie in Ghettos )eingeschlossejn, die sie nachts nicht verlassen durften. Auf der Kleidung war der be kannte Judenfleck geheftet. Was ihre Erwerbsmoeglichkeiten angeht, so war ihnen der Handel mit getragenen Sachen und das anruechige Geldverleihgeschaeft gestattet Oftmals wurden ihnen die Kinder geraubt um sie als Christen aufzuziehen. In Deutschland waren die Lebensbedingungen gleich, oder noch schlimmer. Viele Staedte und verschiedene Gegenden waren ihnen verschlossen . Auf den Strassen, auf denen« sie dahinwanderter,, mussten sie' Kopfgeld bezahlen. Die Zahl der Eheschliessungen war beschraenkt, um ein Anwachsen der juedischen Bevoelkerung zu verhindern. Einige Ausnahmen, die ales Fuersprecher fuer die recht-und schutzlosen Juden ein traten, z.B Jud Suess, aendern nicht das allgemeine duestere Bild dieses tiefen Mittelalters. In Frankreich, wo sie im 14 Jahrhundert ßusgewiesen' waren, durften sie offiziell nicht mehr leben. In Polen, wo der grossste Teil des juedischen Volkes seit jeher in Europa gewohnt hat, lebten sie ohne Recht und Hoffnung oft verfolgt und angeklagt wegen des Ritualmordes, und anderer grausiger Verleumdungen, die " interessierte Kreise in Umlauf gesetzt hatten. Die einzige Hoffnung war die Auswanderung, aber wohin fuer so viel unglueckliche Menschen. Russland war in jenem Zeitpunkt praktisch frei von Juden Hier war ihnen die Niederlassung aufs strengste verboten. Das einzige Land, das eine ruehmliche Ausnahme bildete, war auf dem europaeischen Kontinent Holland. Von hier aus ging irr der Tat der Weg zu einer neuen Freiheit. Insbesondere sind es hollaendische Juden, die sich fuer die Wiederrueckkehr ihrer Glaubensbrueder nach England tatkraeftig eingesetzt haben. Es war das ausserordentliche Verdienst / des grossen angesehenen Rabbi 'Nepi:*;- che ben Israel, er selbst ein Nachfahr einer Marannenfamilie dass er die Initiative ergriff, um einerseits den Kriptojuden, anderseits den Juden des Ostens, die, insbesondere unter den Progromen 1648-49, gelitten hatten, einen neuen Lebensraum zu schaffen. Die religioese Toleranz, die den Puritaner Oliver Cromwell, den damaligen Ministerpraesidenten von England auszeichnete, veranlasste Menasche, eine Bittschrift an den englischen Staatsmann zu richten, in der er um die Wiederrueckkehr der Juden nach England nachsuchte. Im Jahre 1665 reiste er selbst nach London, um in einer persoenlichen Aussprache ein legales Statut fuer die Niederlassung der Juden zu erreichen Auch hier zeigten sich gewisse feindliche Stroemungen, die auf wirtschaftlicher Basis ihre Ursache hatten. Dennoch organisierte sich im Jahre 1656 —der weise Rabbi hatte es leider nicht mehr erlebt— eine Gemeinde mit zumindest halb oeffentlicher Anerkennung. Der Umstand, dass es zu keinem offiziellen Abkommen zwischen den juedischen Repraesentanten und der englischen Regierung gekommen ist, war auch die Ursache dafuer, dass es kein spezielles Judenstatut gab, sodass sich die Juden frei entwickeln konnten. Sie wohnten nicht nur in London, sondern auch in anderen, von ihnen freiwillig gewaehHen Staedten, konnten sich nach ihrem eigenen Geschmack kleiden und waren auch in der Wahl ihres Berufes mit ganz wenigen Einschraenkungen keinem Zwang ausgesetzt. Es war ihnen gestattet Haus und kaufmaennisches P e r s onal anzustellen. Ausserdem waren sie nicht verpflichtet, vor dem Gericht einen besonderen Eid abzulegen, noch eine besondere spezielle juedische Steuer zu bezahlen. Ein Ghetto hat es in Eng- 1 a n d niemals gegeben, Sehwierigkeitem, die sich einstellten, waren nicht nur gegen Juden gerichtet, sondern gegen alle, die nicht Mitglieder der anglikanischen Kirche waren. Als die ersten Juden nach Amerika kamen, betrachteten sie es als einen ihrer groessten Siege, dass sie im April 1655 das Recht erwarben, (sich in Neu Amster dam niederzulassen, weiterhin, dass sie in der Milizdienen und sich frei im Lande bewegen durften und auch keine Einschraenkung in der Berufsausuebung erfuhren. Erst ein Jahr spaeter wurde ihnen gestattet, einen' eigenen Friedhof zu er\yerben, dagegen war es ihnen bis 1730 untersagt, eine eigene Synagoge zu errichten. Eigene Wohnungen zu besitzen war ihnen ebenfalls untersagt. Ein weiterer Schritt in der jueaisehen Emanzipation in Amerika war das Zugestaend nis des Wahlrechtes. In dem Vergleich zwischen dem alten und neuen Kontinent zwischen England und Ameka— geht nun der Verfasser von dem Gesichtspunkt aus, dass das Recht auf Niederlassung, dass die amerikanischen Juden als ihren besten Sieg betrachteten, in England in diesem Zeitpunkt niemals strittig gewesen war, OLIVER CROMWELL * mmsm •íS&S iägjgjggs lili (Kupferstich von E. Happelius) Unter seiner Regierung kehrten die Juden nach England zurueck. d.h. de facto existiert hat. Was die Militaerpflicht angeht, so waren in England wohl die Juden davon ausgeschlossen. Der Umstand, dass Amerika ihnen dieses Recht zubilligte, erklaert sich aus Gruenden der Verteidigung, die dieses neue Land benoetigte. Nachdem in England das Wohnrecht erteilt war, ergab sich daraus logischer Weise die Konsequenz, Reisen und Handeln automatisch zu gestätten. Es ist absolut zu verstehen, dass man Neueinwanderern, die in ein nicht stark besiedeltes Land kommen, das Recht zubilligt, Grund und Boden zu erwerben im Gegensatz zu einem Land das schon seit Jahrhunderten existiert. Gewiss war in England nicht alles rosig, antisemitische Stroemungen hat es auch hier gesten Laendern der Welt mit derer, aus den verschiedenpunkt von diesem Weltuebel nicht frei gewesen. Ein kleiner Beweis dafuer sei erwaehnt. Im Jahre 1743 berichtete eine New Yorker Zeitung von gewissen Ausschreitungen, die sich sogar bei juedischen Beerdigungen abgespielt haben. Ausserdem darf nie vergesen werden, dass das politische Klima in einen Land der Neueinwanderer, aus der verschiedensten Laendern der Welt mit den ihnen eigenen Sitten und Gebraeuchen und religioesen Vorstellungen, mehr toleranter ist als ein Land, in dem seine Bewohner schon mit einer eigenen festen Kultur leben. Abschliessend kommt der Historiker zu dem Urteil, das zwischen England und Amerika gewisse Unterschiede bestanden haben, die auch in der Judenfrage ihren Niederschlag fanden. Aber er schliesst seine Arbeit mit der Feststellung, dass die Judenheit der angelsaechsischen Welt fast zum gleichem Zeitpunkt geschaffen wurde und dass sie nicht nur ein gemeinsames Schicksal und eine gemeinsame Sprache eint, sondern auch das gleiche historische Experiment, das diesen beiden juedischen Zentren bis heute die Freiheit des Denkens, Schreibens und Glaubens garantiert hat. Máquinas para Oficinas WEISSE1EICC T Oll LIM. Representantes exclusivos para Chile de “W A L T H E R” Büromaschinen Werke GmbH. Niederstotzingen; (Wuertt). , “A L P IN A” Bueromaschinen Werke K. G. Kaufbeuren (Allgaeu) y Distribuidores autorizados de “REMINGTON RAND,? Bandera N.o 236 (Galería Alessandri) local 14, Teléfono 87281 Casilla 13651, — SANTIAGO José Komis K. Harry S. 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