Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 8 (Agosto, 1962)
- Date
- 1962-08-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1962 BOLETIN INFORMATIVO 11 f EINE ALTE PESSACH - HAGGADA NEU VEROEFFENTLICHT fe/ren, /tétete, le9&e~i f DAS AELTESTE BUCH ALS NEUERSCHEINUNG Vor einigen Wochen sandte uns das “Orphan Hospital Ward of Israel’’ eine Haggada fuer Pessach. Diese Institution hat schon in den vergangenen zwei Jahren alte Ausgaben neu veroeffentlicht. Dieses Mal handelt es sich um die Guenzburg-Haggada, deren Original sich in der Leni n-Staatsbibliothek in Moskau befindet. Baron David Guenzburg (1857-1910) gehoerte zur Liter ar-Aristokratie des Judentums in Russland und schuf zu seinen Lebzeiten die beruehmt-e Guenzburg- Bibliothek in Moskau. Aus der Titelseite der Haggada ist zu entnehmen, dass das Original im Jahre 1725 durch den Gemeindeschreiber von Bingen, Rabbi Moses, fuer den Maezen Rabbi Gumpel Pear (Beer), Dajan der Gemeinde Frankfurt a/M. geschrieben wurde. Die Zeichnungen, die die Haggada begleiten, sind schlichte aber originelle Darstellungen aus der juedischen Geschichte oder Szenen der haeuslichen Familienlebens des 18. Jahrhunderts. Am 15. August begeht die weltbekannte juedisch-amerikanische Erzaehlerin Edna Ferber ihren 75. Geburtstag. Mit Romanfiguren, in denen sie fuer Amerika gueltige Typen schuf, steht sie innerhalb der grossen klassischen Tradition, die von Mark Twain ihren Ausgang nahm. Ihre Werke sind volkstümlich, da sich ihre Menschen dem Gedaechtnis des Lesers einpraegen. Edna Ferber wurde zu Kalamazoo im Staate Michigan als Tochter eines armen juedischen Kaufmanns geboren. Bald danach siedelten ihre Eltern nach Appleton im Staate Wisconsin ueber, wo Edna die Kindheit verlebte. Frueh musste sie die Sorge fuer die ganze Familie uebernehmen und begann ihre Laufbahn als schlecht-bezahlte Reporterin einer kleinen Provinzzeitung. Spaeter konnte sie zu grossen Zeitungen hinueber wechseln und schliesslich beim “Chicago Tribüne” landen. Ihr Erziehungswerk “Dawn O’Hara” erschien 1911 und eroeffnete der S c h r if tstellerin eine ruhmreiche Karriere. Fast alle ihre Buecher spielen in amerikanischen Kleinstaed- Herr Morris Luzki, eine Autoritaet fuer hebraeische Manuskripte aus Oxford und Professor Abraham I. Katsch der New York Universitaet, der den Mikrofilm in Moskau herstellte, beschreiben die Haggada in hebraeischer bezw. englischer Sprache. Der Vorsitzendedes amerikanischen Comités fuer das “Orphan Hospital Ward of Israel”, Dr. Alexander Mueller erklaert, warum dieses Jahr eine Haggada-Ausgabe aus Russland gewaehlt wurde. In der Einleitung heisst es: “Unsere Haggada hat eine besondere historische Bedeutung.- Sie kommt aus Moskau, Russland, zu uns und es ist ein wunderbares, herzerwaermendes Gefuehl Gruesse von unseren Bruedern in Russland und anderen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang zu erhalten”. Die Haggada wird auf Wunsch zugesandt: Adresse: Mr. B. D. Drenger, Orphan Hospital Ward of Israel, 673 Broadway, New York 12, N. Y. ten. Im Jahre 1925 publizierte sie “Das Komoediantenschiff”, ein Buch, das spaeter durch Film und Radio beliebt wurde. Ihre beste Schaffenszeit war zwischen 1930 und 40 etwa, in der u. a. “Amerikanische Schoenheit” und “Cimarron” veroeffentlicht wurden. Auch dieser Roman wird noch heute viel gelesen. Juedische Themen kehren haeufig in Edna Ferbers Buechern wieder; ihr fruehes Werk “Fanny herseif” behandelt ein ausgesprochen juedisches Schicksal. Stets wusste diese Erzaehlerin mit ihren Schriften alle Volkskreise zu fesseln, weil sie selbst dem wechselvollen Leben tief verbunden ist. Alles Ungestueme, Abenteuerliche, findet eine Resonanz in dem fuer das Heitere, Bezaubernde, aufgeschlossenen Sinn dieser Frau, die das vollste Verstaendnis auch fuer Bitteres und Erschr eckendes im menschlichen Leben besitzt. Zum 75. Geburtstage seien der Schriftstellerin, die heute in New York lebt, die Glueckwuensche auch ihrer zahlreichen juedischen Leser in aller Welt dargebracht. Diesen Titel soll man nicht zu woertlich nehmen, denn ■erstens ist die Bibel (und von dieser ist die Rede) nicht das aelteste Buch, und zweitens sind die Werke von denen hier berichtet werden soll nicht allerneuesten Datums. Aber welches Buch von denen, die die Bibel an Alter ueberragen, wird heute noch von einem groesseren Kreise gelesen? Wer, ausser den Fachleuten, hat Interesse am Gilgamesch-Epos oder am Reiseroman des Sinuhe (gemeint ist der vor 29 Jahrhun derten verfasste und nicht der Best-seller von Mika Wal tari)? Wenn im Uebrigen die Veroeffentlichungen, die hiei besprochen werden sollen, dem Leser unbekannt sind dann tragen sie eben doch den Namen Neuerscheinungen zu Recht. Wir sind das Volk des Buches. So behaupten wir wenigstens. Aber unsere Behauptung zerfaellt allzu leicht zum Staube alles Irdischen, wenn wir einem bibelfesten Christen gegenueberstehen, Ich weiss, es gibt auch unter uns Juden eine Minderheit die die Bibel auch von intnten gruendlich angeschaut hat, aber es ist die Mehrheit, die der Hilfe bedarf. Dás Ideal ist, die Heilige Schrift im hebraeischen Text lesen zu koennen und die Zahl derer, die sich in dieser beneidenswerten Lage befindet, waechst staendig. Aber sollen nun all die anderen, die kein oder zu wenig Hebraeischverstehen von der Lektuere des Buches, dessen Volk wir doch sind, ausgeschlossen werden? Die einzige Antwort scheint mir zu sein, dass die Verbreitung des T’nach in der Ursprache und auch in Ueber Setzung zu foerdern und das auf diesem Gebiete Veroeffentlichte einem moeglichst grossen Leserkreis bekanntzugeben ist Das soll also der Zweck dieser Zeilen sein. Wir werden sowohl von hebraeischen Texten, als auch von Uebersetzungen berichten. Eine neue spanische Bibel haben in Buenos Aires der Philosoph León Dujovne und die Bibelgelehrten Moisés und Manasés Konstantynowski herausgegeben. Es ist die erste moderne spanische Bibeluebersetzung juedischen Ursprungs seit dem 16. Jahrhundert. Das Werk ist bei Sigal verlegt (1961), besteht aus zwei Baenden, und enthaelt die Uebersetzung ohne Anmerkungen oder Kommentar. Eine Sonderausgabe der Tora ist ebenfalls erschienen. Es handelt sich um eine woertliche Uebersetzung! Der hebraeische Text ist Wort fuer Wort in moeglichst entsprechende spanische Ausdruecke uebertragen. Der Satzbau ist eine Kompromissloesung zwischen hebraeischer und spanischer Syntax. Der Text ist verstaendlich, wenn auch stilistisch keineswegs schoen. Man kann das Werk mit dem von Zunz vergleichen, ein Werk des Fleisses, nicht der Kunst. Als Hille bei der Lektuere des hebraeischen Textes wird die Dujovne-Konstantynowski-Version sicher grosse Dienste leisten, als Lesebuch fuer den' des Hebraeischen nicht Kundigen kommt sie kaum in Frage, weil der Stil abschrecken muss. Eine woertliche und gleichzeitig künstlerische Arbeit im Sinne der von Rosenzweig und Buber gibt es bisher auf spanisch noch nicht. Auf franzoesi’ch soll Edmond Fleg mit der Arbeit an einem derartigen Werk begonnen haben. Eine Neuerung der Bibel von Dujovne und Konstantynowski ist das phonetische System die hebraeischen Eigenna - men lautgerecht in die Lateinschrift zu transkribieren zumal dabei mit einfachen Drucktypen und einem Minimum von diakritischen Zeichen verfahren wird, das bedeutet, man kann die so geschriebenen Namen fast mit jeder Schreibmaschine abschreiben. Eine Bilderbibel zu niedrigem Preis erscheint seit 1954 bei der “British and Foreign Bible Society! Bis 1960 ist sie schon 15-mal nachgedruckt worden. Die Bilder legen keinen Wert darauf, als Kunstwerke zu gelten, sie sollen lediglich die Lektuere erleichtern. Sie zeigen Gegenstaende der biblischen Zeit, Landschaften, Trachten und Meilensteine mit einer Ziffer, die Entfernungen der durchwanderten Orte voneinander angibt. Auch kleine Landkarten sind von Zeit zu Zeit eingestreut. Ist von einem Volk die Rede, erscheint ein Symbol: Ein Altar aus unbehauenen Steinen fuer Israel, das Tempeltor fuer Juda, Fruechte und Wein fuer Moab, wandernde Haendler fuer Syrien, Bogenschuetzen fuer Assyi rien, etc. Die Motive sind alten Flachreliefs entnommen. Kehrt dieselbe Idee im Text wieder, wird das Bild wiederholt. Szenenbilder zur Illustration des Textes fehlen vollstaendig. Man stelle sich vor: eine christliche Bilderbibel ohne ein Jesusbild. Alles, was den nicht religionshistorisch oder archaeologisch Gebildeten wenig interessiert, wie Priestergesetze, Genealogien und architektonische Details des Tempelbaues, ist kleiner gedruckt. Fuer Hebraeisch lernende Schueler benutzt das “Instituto Hebreo” seit kurzem eine Textausgabe, die den Tit e 1 T’nach l’vet-hassefcr, traegt, herausgegeben von Jaxob Gutman und Aaron Dubnikow. Der Text ist in kurze Abschnitte geteilt, schwierige Worte werden unter der Linie erklaert, Fragen sollen eine Kontrolle des Verstaendnisses erleichtern und einige Illustrationen dienen dem Werk als Schmuck. Es e r scheint in Einzelheiten, von denen ich II Samuel zur Hand habe. Fuer die Jugend wenig geeignete Stellen sind fortgelassen, ohne dabei die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Fortlassung zu lenken. Die Worterklaerungen sina zugleich eine Art kurzer Kommentar. Verlegt ist das Werk bei “Yavneh Publishing House” in Tel-Aviv. Wer einen Einblick in die Bibelauslegung unserer klassischen Kommentatoren, Raschi, Nachmanides, Abraham ibn Esra, Gersonides, Seforno und Rambam gew innen will, hat jetzt ein sehr praktisches Buch zur Verfuegung. Es handelt sich um den Soncino Chumash von der “Soncino Press” in London verlegt (1956). Das Buch enthaelt den hebraeischen Text der Tora und der Haftarot mit gegenueberstehender englischer Uebersetzung. Darunter befindet sich ein Kommentar, der in zusammengefasster Form die Erklaerungen der oben genannten Kommentatoren zu allen wichtige Stellen enthaelt. Am Ende des Buches ist ein Sachregister zum Kommentar beigefuegt. Was koennen uns die erwaehnten Bibelausgaben und Uebersetzungen nuetzen? Sie sollten ein Vorbild sein fuer unsere Jugend und nicht fuer die Jugend allein. Wir brauchen aber eine lesbare spanische Bibeluebersetzung. Stilistisch waere eher die katholische von Bover-Cantera. die auch juedische Forschung beruecksichtigt, als die von Dujovne und Konstantynowski nachzuahmen. Kommentar ist notwendig, da gerade der Leser, der zum erstenmal zur Bibel greift, in die Welt des biblischen Denkens und Geschehen eingefuehrt werden muss. Der Kommentar muesste sowohl 'historische als auch religioese Fragen beruecksichtigen, und zwar vom Standpunkt heutigen Wissens aus, ohne die alten Kommentatoren unberücksichtigt zu lassen. Auf Bilder wird man wahrscheinlich der Druckkosten wegen verzichten muessen. Kleindruck fuer w e n i ger wichtige Stellen waere angemessen. Die Auslassungen koennen von der h e braeischen Schuelerbibel uebernommen werden, sowie die Herausgabe in Heften, deren Preis erschwinglicher waere. Ob Chile das richtige Land ist, eine solche Arbeit zu unternehmen, ist schwer zu sagen, aber sollen wir warten bis ein anderes lateinamerikanisches Land damit den Anfang macht? Im en ani li, mi li... Gerd Leisersohn Curt Wilk Wir machen unsere Mitglieder darauf aufmerksam, dass es gesetzliche Vorschrift ist, sich in die auf den Standesaemtern aufgelegten Wahlregister eintragen zu lassen. Loewenstein EINER GROSSEN JUEDISCHEN ERZAEHLERIN (Edna Ferber zum 75. Geburtstage) 882906