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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-07-01 · 7 (Julio 1962) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
7 (Julio 1962)
Date
1962-07-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO Julio 1962 EINES TRAUERSPIELES LETZTER AKT Von Dr. Äbnsr Nechuschtan (Tel-Aviv) Im vierschoessigen, weitgestreckten Gefaengnis der Kreisstadt Ramie, die einige Kilometerdutzende im Osten Tel-Avivs liegt, hatten sich die Zellen der anderen Haefir linge wie ueblich zur Nacht geschlossen, als einer der Hauptinspektoren am Donnerstag, dem 31. Mai, um 7 Uhr abends zu Adolf Eichmann kam und ihm mitteilte, dass sich der israelische Staatspraesident, J i z c hak Ben Zwi, nicht dazu ent» scnlossen habe, das Todesurteil zu einer anderen Strafe abzumildern. Dem Beamten folgte wenige Minuten spaeter Reverend William L. Hall, ein anglikanischer Geistlicher aus Jaffa, in Begleitung seiner Gattin. Damit wurde dem Verurteilten klar, dass seine Hinrichtung unmittelbar bevorstand. Nach seinen Wuenschen befragt, erbat er eine Flasche wein er trank sie zur Haelfte aus— und Briefpapier, auf dem er sich von seiner Familie verabschiedete. “Wer Blut vergiesst...” In Jerusalem hatte Herr Ben Zwi erst eine halbe Stunde vorher das Studium der Textstellen abgeschlossen, die ihm sein Sekretariat aus den Protokollbaenden der Nuernberger Prozesse vor dem Militaer-Tribuna! der Alliierten herausgesucht hatte, die Lektuere anderer einschlaegiger rechtskundlicher Werke- und Schriftsaetze, und auch der Briefe und Depeschen, die in offenbar recht erheblichem Umfang aus dem In- und Ausland bei ihm eingegangen war en, nachdem das Oberste Gericht das vorinstanzliche Urteil zwei Tage vorher unter Ab Weisung der Berufungsklage Eichmanns bestaetigt hatte. Neben leidenschaftlichen Aufforderungen, keine Milde walten zu lassen, hatten den S t a a t sp raesidenten auch Gnadengesuche erreicht, so die des Verurteilten selbst und seines Verteidigers Dr. Robert Servatius, ferner ein von Professoren der Hebraeischen Universitaet unter dei Wortfuehrung Martin Bubers gekommener A p e 1 grundsaetzlicher Gegner der Todesstrafe, und schliesslich ein Telegramm Vera Eichmanns. “Als Ehefrau Adolf Eichmanns, dessen Schicksal in Ihrer Hand liegt”, hatte es darin geheissen, “und Mutter von vier Kindern trete!ch an Sie heran”. Nach peinlicher Gewissenspruefung, wie man bei einem Mann seines menschlichen Formats voraussetzen kann, hatte der Praesident an den Rand dieser Depesche den Satz aus dem I. Buche Samuelis geschrieben: “Wie Dein Schwert Frauen ihrer Kinder beraubt hat, also soll auch Deine Mutter ihrer Maedchen beraubt sein” (Kap. 15, Vers 33). Die letzten Stunden... Wie er es Tag fuer Tag schon laenger als eine Woche hindurch, und vorher zuletzt am Vormittag dieses selben Donnerstags getan hatte, bemuehte sich Rev. Hall auch jetzt wieder unermuedlich mit der Unterstützung seiner Frau, die der deutschen Sprache besser als er maechtig ist, Eichmann dem evangelischen Glauben zurueckzugewinnen, dem er entsagt hatte, als er seinerzeit zur SS gekommen ¡war. Bis zuletzt blieb es vergebliche geistliche Liebesmueh’. Er bleibe bei der von Hitlers “Reichsbischof” verwendeten “Gottglaeubigkeit”, erwiderte der Verurteilte. Jeden Einwand gegen diese verwaschene PSeudoreligion lehnte er u. a. mit der Begruendung ab, dass er sich unter dem Dogma der Heiligen Dreieinigkeit zu wenig vorstellen koenne, um den Namen des christlichen Gottess o h n e s auch nur nachsprechen zu wollen. Das sein Glaube der einzig richtige sei,, erkenne er daran, “dass er mir jetzt alle noetige innere Ruhe gibt”. Er forderte den Seelsorger schliesslich sogar dann auf,, “mir nichts von der knappen Zeit zu rauben, die mir noch bleibt”. ... und die letzten vier Minuten Es ging auf Mitternacht, als Adolf Eichmann ueber einen schwach beleuchteten Koridor aus seiner Zelle zu dem im gleichen Obergeschoss liegenden Zimmer gebracht wurde, das seit der Bestaetigung des bezirksgerichtlichen Urteils am 29. Mai fuer den lezten Akt des makabren Dramas entsprechend umgebaut worden war. Er trug die uebliche Haeftlingskleidung, ein graues Hemd, lange Hosen, Sandalen. Rev. Hall war in seiner Begleitung. Als Zeigen hatten sich neben den zwei Polizisten, die ihn vor Gericht in seinem Glasverschlag zuletzt bewacht und nun zu identifizieren hatten, um der Form zu genuegen, Vertreter des Gerichts— und Gefaengniswesens eingefunden, der Gefaengnisarzt, ein Beamter des Staatlichen Inf ormationsdienstes und vier Journalisten, zwei Israelis und zwei fuer die Weltpresse unter ihnen Rudolf Kuestermeier, der in Israel hochgeachtete hiesige Korrespondent der "Deutschen Presseagentur” (dpa). Ihren Blicken und denen des Delinquenten verborgen, befanden sich hinter einem Vorhang die beiden Vollzugsbeamten an der Apparatur, die die in den Fussboden eingelassene Klappe mit dem Druck auf einen Knopf zu betaetigen hatten. (Die Namen dieser zwei Beamten sind —vernuenftigerweise— verschwiegen geblieben). Bleich, wie er war, bewahrte Eichmanifeiaeusserlich dennoch Haltung; es muss ihm zugestanden werden. Es wirkte auf die Anwesenden, die in tiefem Schweigen verharrten, umso unheimlicher, als er andererseits alsbald in Saetzen, die sich zu verhaspeln drohten, rasch zu reden begann. “Binnen kurzem, meine Herren, sehen wir uns wieder, denn das ist das Schicksal jedes Menschen... Richten Sie meiner Familie, meinen Freunden Gruesse aus... Es lebe Deutschland. Oesterreich, Argentinien, die drei Laender, denen ich am meisten verbunden war, und die ich nie vergessen werde (!)... Ich habe gottglaeubig gelebt und sterbe gottglaeubig”. Zugleich wurden ihm die Haende auf den Ruecken und die Fuesse an den Knieen verschnuert. Als ihm ein Band auch um die Fussgelenke gelegt wurde, warf er ein. dass er dann nicht aufrecht stehen bleiben koenne, und wurde von dieser Fessel darauf wieder befreit. Auch wurde seinem Wunsch entsprochen, ihm die Augen nicht zu verbinden. Vier Minuten, nachdem er den Raum betreten und sich w e i sungsgemaess auf die Fallklappe gestellt hatte, erfolgte ein knappes Befehlswort. Nach wenigen weiteren Sekunden war alles vorueber Die Leiche wurde im Anschluss daran sofort verbrannt, wie Eichmann es letztwillig auch verlangt hatte. So entsprach es im uebrigen bekanntlich dem Praezedenzfall, wie ihn der Nuernberger Alliierte Gerichtshof nach der Hinrichtung der Hauptschuldigen des “Dritten Reiches” geschaffen hatte, um keinen Hitler-Glaeubigen spaeter die Moeglichkeit zu Wallfahrten an Begraebnisstaetten zu geben. Acht Seemeilen vor der Kueste In tiefem naechtlichen Dunkel traf spaeter, gegen 4 Uhr morgens, eine Stationcar mit dem Gefaengnis-Inspektor, der amtlich mit dev Exekution und Einaescherung befasst gewesen war, einigen anderen Beamten und einem Behaeltnis aus Aluminium im Hafen von Jaffa ein, wohin eine der Schaluppen des polizeilichen Kuestendienstes spaetabendg vorher aus Haifa beordert worden war. Sie gingen an Bord des Patrouillenschiffes und streuten die Asche ins Meer, nachdem es acht Meilen auf hohe See hinausgefahren war. Ueber dieses Trauerspieles letzten Akt ist der Vorhang gefallen. Gewiss hat erst das Bezirksgericht und danach das Oberste Gericht in Jerusalem, das sich den Spruch der Vorinstanz in jedem Punkt zueigen machte, allen, aber auch allen nur denkbaren Vorschriften der Beweiserhebung, der Begruendung und Bemessung des Urteils mit unuebertrefflicher Akribie entsprochen; in den Vereinigten Staaten und ganz Amerika, in England, der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien sind sich darueber alle Voelkerrechtler, Staats¬ und Strafrechtler von Rang einig. Und doch duerfte im Grunde von vornherein festgestanden haben, dass mit keiner anderen Strafe gerechnet werden konnte als der hoechsten, die das israelische Gesetz vorsieht, der Todesstrafe, die seit der Gruendung dieses Staates noch niemals verhaengt worden war. Indessen sei voller Genugtunug auch festgestellt: dass die Verbrechen dieses Massenmoerders jetzt gesuehnt worden sind, wie es das Gebot ausgleichender Gerechtigkeit will, hat in der O e ffentlichkeit hierzulande im Ganzen keine Gefuehle der Befriedigung dunkler Instinkte der Rache ausgeloest. Es ist als sittlich gebotenes, u n ausweichlich gewordenes bitteres Muss empfunden worden. EXPEDITION INS ROTE MEER Eine israelische Expedition zur Erforschung des Roten Meeres ist von Elath nach der unbewohnten Koralleninsel Cundabilu gereist. Die 20 Wissenschaftler wollen vor allem die Moeglichkeiten fuer die Fischerei pruefen. Leiter der Expedition ist. Dr. H. Steinitz, Professor fuer Zoologie an der Universitaet Jerusalem, und Dr. A. H. Aran, der Direktor des Fischerei-Forschungsinstituts in Israel. Beteiligt sind Zoologen, Botaniker, Biologen, Wasser- und Meereskundeforscher, darunter sechs Wissenschaftler aus den USA und den Niederlanden. Die Expedition, die sechs Wochen dauern soll, wurde 1960 in Kopenhagen als Teil des Meeres-Forschungsprogramms der UNESCO, das den ganzen Indischen Ozean umfasst, beschlossen. Die Ergebnisse sollen der wirtschaftlichen Entwicklung der Anliegerstaaten zugute kommen. Expeditionen aus den USA, Grossbritannien, Frankreich, Australien, Indien und der Sowjetunion arbeiten bereits auf ihrem Teilgebiet. Israel kann bei seinen Untersuchungen auf die Resultate einer frueheren Expedition aus dem Jahre 1956 zurueckgreifen, die das noerd* liche Rote Meer bereist hatte. ("Allgemeine") Sonder « Gruppenrelse LDEAI ME I Israel und Europa (Die Hohen Feiertage in Eretz) Abfahrt 21. September (18. 9. optional) Rueckunft 17. Dezember Kombinierte Flug— u. Schiffsreise (Moledet” u. “Th. Herzl” bis Buenos Aires) Verlangen Sie unverbindlich naehere Angaben Z1M Israel Navigation Co. veranstaltet neuerlich 2 Sonderreisen M/N “Theodor Haifa —: Buenos Aires — Haifa ab Haifa: 25. November und 7. Februar ab B. Aires: 17 Dezember und 28. Februar mit Zwischenlandung in Neapel, Marseille, Barcelona, Las Palmas, Rio, Santos und Montevideo. Agustinas 1049 TURISMO TeL 82662/3

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