Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 7 (Julio 1962)
- Date
- 1962-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio 1962 BOLETIN INFORMATIVO 9 ISRAEL'S PONTINISCHE SUEMPFE Von Herbert Freeden ALTERSHEIM EHEMALIGER BRESLAUER IN TEL AVIV Caesar und Augustus eroberten die halbe Welt, aber sie konnten die Pontinischen Suempfe im Suedosten von Rom nicht bezwingen. Es dauerte fast 2.000 Jahre bis man ihrer Herr wurde. Auch Israel hatte seine “Pontinischen Suempfe ” — das Hula tal im Norden des Landes — aber es hat nicht laenger als sechs Jahre gedauert, um sie aus einem Malariaverseuchten Krankheitsherd in ein bluehendes landwirtschaftliches Zentrum zu verwandeln. Es begann mit einem “Knall”, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Januar 1951 fuhren die ersten Bagger am Jordan auf, um ihre Grabe- Arbeit bei dem Projekt zu beginnen, und ein paar Wochen spaeter schössen die Syrier ueber den. Fluss und toeteten israelische- Arbeiter Fuer eine Zeit wurde dei Laerm der Maschinen vom Laerm der Politik uebertoent. Obwohl der Jordan an keiner Stelle syrisches Territorium beruehrt, widersetzten sich die Syrier der geplanten Korrigierung des Flussbettes, da -ein Teil der Arbeit auf privatem arabischem Boden ausgefueh-rt werden musste. Der damalige UNO-Chef General Riley entschied, dass das Projekt weiterhin durchg e f u e h r t werden konnte, vorausgesetzt, die arabischen Landeigentuemer haetten nichts dagegen. Natuerlich konnte ihre Zustimmung nicht eingeholt werden und obwohl es sich nur um 2,8 ha handelte, musste das ganze Projekt revidiert werden und die Arbeit konnte nur vom Westufer aus fortgesetzt werden. Die Aufgabe war klar; jeden Winter ueberschwemmte der Hula-See das Tal, da er sein ueberschuessiges Wasser nicht schnell genug durch das enge und verstopfte Jordanbett abfuehren konnte. Die Ingenieure mussten die Strom geschwindigkeit des Flusses von 20 cbm zu 80 cbm pro Sekunde erhoehen, und zwar durch Vertiefung und Erweiterung des Flussbettes auf eine Strecke von 4. 1/2 km. Alle Ausgrabungs-Maschinen in Israel wurden mobilisiert, denn es schien fast unmoeglich, die Arbeit nur vom steilen Westufer durclr zufuehren. Da die “Haelse” der Grabkraene nicht lang genug fuer die volle Breite des Flusses waren, wurden niedrige, kuenstliche Ufer, die parallel zu den steilen, hoeheren Haengen liefen, erbaut, um als Plattform fuer die Maschinen zu dienen. Eine Strecke von vulkanischem Basalt bildete das letzte Hindernis und ein Diamantenbohrer musste aus Amerika angefordert werden, um Loecher in den Fels zu bohren, der dann mit Dynamit gesprengt werden konnte. Schliesslich wurde das Flussbett gereinigt, eine halbe Million Kubikmeter Erde und 3estein entfernt, und die er ste Phase der Hula-Drainage beendet. Danach ging es an die Anlage der Drainagekanaele durch die Suempfe. Zwei gewaltige Bagger —einer von 700 und der andere von 2.000 PS— kamen' von Amerika h“- rueber und wurden auf be sonders gebauten schwimmenden Inseln aufgestellt Aber bevor die Maschinen ihi Werk beginnen konnten, musste der Papyrus entfernt werden. Die Ingenieure fanden bald heraus, dass jene Pflanzen unterhalb des Wasserspiegels ein ganzes Netzwerk von feinen Wurzeln haben, die die Pumprohre verstopften. So dicht und hoch war der Papyruswald, dass der Lauf der Kanaele nur mit Hilfe von Plattformen angezeichnet werden konnte, ohne die die Vermesser nicht imstande gewesen waeren, sich zu orientieren. Aber auch dieses Problem wurde geloest und 3.. 1/2 Millionen Kubikmeter Erde wurden ausgehoben. Im Sommer 1955 konnten die ersten 100 ha der neuen trockengelegten Erde unter den Pflug genommen werden. Der Weg war frei fuer die dritte und letzte Phase, naemlich durch Daemme und Schleusen die Wasser zu zaehmen, bevor sie das eigentliche Marschgebiet erreichten. Inzwischen sind 6.000 ha neuen Bodens aufgetaucht, nicht nur die Suempfe sind drainiert worden; auch dec See ist trockengelegt, und W" frueher die Fischer die Netze aus warfen, ziehen jetzt Pfluege tiefe Furchen in die Erde. Zum ersten Mal in Israel wurde auf dem neu-g*- wonnen Boden Reis gepflanzt, der gute Ertraege zeitigt. Baumwolle, Mais Erdnuesse, Sorghum und Tulpenzwiebeln wurden in grossem Masstabe angebaut und haben Rekordernten ergeben die jetzt bereits einen Wert von 2 Millionen Dollar pro Jahr erreichen. Ueber 1.000 Menschen haben hier Brot und Arbeit gefunden. Jeder scheint mit dem Ergebnis der Drainagearbeiten in Hula zufrieden zu sein... bis auf die Tiere. Die Suempfe waren naemlich ein Paradies fuer eine reiche Fauna, Wo einst Suempfe waren, ist heute fruchtbares Land ií4*:*S mWMm Hs iliüii mm Wm ¡lili; ail * +„ ,Y> éés Dem “Verbände ehemaliger Breslauer” ist es gelungen, ein wertvolles soziales Projekt in die Tat umzusetzen, indem er ein Heim fuer ehemalige aeltere Breslauer beschafft hat. Die Beschaffung solcher Heime ist in Israel immer noch eine dringende Notwendigkeit, obwohl schon zahlreiche derartige Heime im ganzen Lande bestehen — aber alle reichen nicht aus, um die aelteren Menschen, die keine eigene Hauswirtschaft mehr fuehren wollen oder koennen, unterzubringen. In allen bestehenden Heimen sind auf lange Zeit hinaus Wartelisten vorhanden, und jedes neue Heim ist sozusagen schon besetzt, noch ehe der erste Ziegel angefahren ist. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Wilhelm Freyhan, begegnete der richtigen Adresse fuer sein Vorhaben an dem er seit Gruendung des Verbandes mit zaeher Verbissenheit festhielt, in der Person von Frau Paula Barth, der ruehrigen Vorsitzenden des Women’s Social Service, deren Initiative schon verschiedene derartige Sozialgruendungen zu verdanken sind. Frau Barth zeigte Sinn, Herz und Verstaendnis fuer die Idee der “Breslauer”, die neben dem sozialen Zweck zugleich einer Ehrenpflicht der Breslauer Juedischen Gemeinde genuegen wollten, deren letzter noch lebender Vorsitzender Dr. Freyhan ist — zumal Frau Barth selbst einer alten angesehenen Breslauer Familie entstammt. Sie stellte bereitwillig einen Fluegel ihres im Bau befindlichen Aelterenheims in Jad Eliahu den Breslauern gegen Beteiligung an den Baukosten desselben zur Verfuegung, und so trafen sich zwei Menschen, die genau dasselbe wollten — naemlich anderen, welche Hilfe brauchen, zu helfen, und das Aelterenheim des Women’s Social Service mit dem Breslauer Trakt ist Wirklichkeit geworden' und seiner Bestimmung uebergeben worden. Die ehemaligen “Breslauer” aus aller Herren Laender— die Kartei des Verbandes weist die stattliche Zahl von ueber 1.600 Adressen auf, von» denen sich Wohl sdhon mehr als 1.000 Mitglieder dem Verband anangefangen von einer Vielfalt von seltenen Fischen bis zu den zahllosen Wasservoegeln; und auf ihren Wanderungen zwischen Suedoc't- Europa und Zentral-Afrika pflegten grosse Schwaerme von Pelikanen und Stoerchcn auszuruhen. Um zumindest einen Teil der Tiere und gewisse Arten der einzigartigen Flora, die nur in diesem Ten der Welt vorkommt, zu erhalten, wurden 400 ha unter Wasser gelassen und in ein N a turschutzg°biet verwandelt, durch einen Deich vom uebrigen Land getrennt. Da kann man noch glitzernde Schlangen und wuetende Eber sehen, Pelikane und Adler, Fischreiher und Wild enten, Hyaenen und L u e c h s e, Schakale und Fuechse, und eine Anzahl von tropischen Fischen, in allen Farben schillernd... inmitten eines exotischen Dikkichts von Papyrus-Schilf. Kein Wunder, dass dieses Naturschutzgebeit zu einer Attraktion fuer Touristen und Besucher aus aller Welt geworden ist. geschlossen haben-^- sandten ihre grossen und kleinen Spenden, die es dem Verband ermoeglichen, s e in e Zahlungsverpflichtungen zu erfuellen. Auch prominente nicht juedische Persoenlichkeiten setzten sich fuer das Projekt im Ausland ein und sandten erhebliche Betraege, Der Verband hat mit dem Wo men’s Social Service ein Abkommen getroffen, weitere Wohnungseinheiten zu uebernehmen, sobald weitere groessere Zahlungen geleistet werden koennen. Einzahlungsgeld und Pensionspreis liegen auf dem ueblich«n Niveau. In jeder Hinsicht ist bei der vorbildlichen Ausstattung an alles gedacht worden, um aelteren Menschen einen behaglichen Aufenthalt und einen schoenen Lebensabend zu bereiten. Dem 3. Landestreffen des Verbandes ehemaliger Breslauer, an dem auch zahlreiche Mitglieder aus Amerika und Europa Teilnahmen, ging eine Besichtigung des neuen Aelterenheims in Jad Eliahu voraus. Eine geschmackvolle Aufschrift an der aeusseren Wand des Breslauer Traktes weist auf die Synagogengemeinde Breslaus hin. Das Heim selbst ist nach den neusten, modernen Plaenen erbaut. Licht, Luft und Sonne haben Zutritt zu den Einzelzimmern. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, das schoen ausgestattet ist. Besichtigt wurde eines der Breslauer Zimmer, welches wie alle uebrigen mit kleinen modernen Sesseln, Couch im neuesten Stil und frohen Farben, davor ein laenglicher Tisch mit Bakalitplatte, 2 grossen eingebauten Schraenken ausgestattet ist. In einer Ecke glaubt man einen Schreibtisch zu sehen, beim Oeffnen gewahrt man erstaunt eine Kitchinette mit Faechern fuer Geschirr Abwaschbecken etc., damit sich der oder die Betreffende auch gelegentlich eine kleine Mahlzeit fuer seine Besucher selbst herrichten kann. Jedes Zimmer besitzt eigene Dusche und Toilette und eine grosse Terrase. Gemeinsame schoene Geselligkeitsraeume, ein schoener Speisesaal fuer alle Heimbewohner atmen Behaglichkeit, Von Invaliden wurde eine kunstvolle Wassernische aus kleinen bunten Mosaiksteinen i m Speisesaal hergestellt. In herzlichen Worten dankte der Verbandsvorsitz.ende Doctor Freyhan dem Vorstand des Women’s Social Service fuer die Schaffung dieses neuen Sozialwerkes und bat, den Dank Frau Barth, die an der Teilnahme verhindert war, uebermitteln zu wollen, da bei aller Wertschaetzung aller Beteiligten doch ihr das Hauptverdienst an der Schoep fung dieses neuen fuer die Stadt Tel—Aviv und dem Staat Israel zur Ehre gereichenden wundervollen Hilfswerkes zuzusprechen ist. Man kann sagen, dass Frau Barth hier ein Paradies fuer aeltere Menschen aufgebaut hat. Als Zeichen des Dankes des “Verbandes ehemaliger Breslauer” ueberreichte er das “Goldene Buch” des Breslauer Verbandes, in welches die Stiftungen eingetragen werden, und auf deren erster Seite die Namen der Eltern von Frau Barth, Ludwig Wittenberg und Frau, denen das religioese und soziale Leben der Gemeinde Breslau so unendlich viel zu verdanken hatte, eingetragen werden sollen. Die kleine interne Feier machte durch die liebenswuerdige Aufnahme des Hausvaters Herrn Reiter einen guenstigen, festlichen Eindruck auf alle Teilnehmer. S. BEWAEHRUNGSPROBE FUER INTERNATIONALE ORGANISATIONEN Wie uns Herry Levy, Beauftragter des “Joint” fuer Sued- Amerika, der im Laufe des Juli unseren Jischuw besucht, mitteilte, ist bei einer kuerzlich stattgefundenen Zusammenkunft der “Claims Conference” das Ärbeitsprogramm fuer 1962 festgelegt worden. Die Conference wird 10 Millionen Dollar bereitstellen, um 170 Institutionen und den Opfern der Naziverfolgungen in 25 Laendern zu helfen. Hiermit wird der Benag von 90 Millionen Dollar, den diese Institution seit 1954 fuer diese Zwecke ausgegeben hat, erreicht werden. Auch der Joint sieht sich neuen, grossen Aufgaben gegenüber, insbesondere der Unterstuetzung der immer groesseren Zahl von Fluechtlingen aus Nordafrika. So ist ' in seinem Etat die Summe ' von 30 Millionen Dollar zur j Unterstuetzung von 325.000 Juden in 27 verschiedenen Laendern vorgesehen. Des weiteren aber muss der Joint auch den Institutionen in Europa helfen; deren Leistungsfaehigkeit durch das Einstroemen von Fluechtlingen, die untergebracht, gekleidet, eingeordnet oder auch weitergeleitet werden muessen, auf das aeusserste angespannt ist. So stieg z. B. die Mitgliederzahl der Gemeinde von Marseille von 5.000 auf 52.000 Juden, zum groessten Teil Fluechtlinge aus Nordafrika. Notstandskuechen muessen eroeffnet, aerztlicher Beistand geleistet und andere Hilfsmassnahmen ergriffen werden, um diese Fluechtlinge zu rehabilitieren und ihre Eingliederung, sei es in Frankreich oder Israel, r e i b u n g slos durchzufuehren. Um all diese dringenden Arbeiten koordiniert durchzufu* h-ren, wurde kuerzlich ein internationales Comité juedischer Hilfsorganisationen gegruendet, dem die zentralen b r i t i s chen Fonds, Joint, Ica, Hias, Ort und das Comité der europaeischen Gemeinden angehoeren. Voraussetzung des Erfolges der Arbeit dieses Comités aber ist die Beschaffung der grossen Mittel die dafuer notwendig sind und die ven der Weltjudenheit aufgebracht werden muessen. So hat die Kampagne in den U.S.A. die Aufbringung e i n es zusaetzlichen Fonds von 35 Millionen zur Absorbierung der vergroesserten E i n w anderung beschlossen und es sind Anzeichen dafuer vorhanden, dass auch die anderen Laender dem amerikanischen Beispiel folgen und damit den Hilfsorganisationen die Moeglichkeit geben werden, ihren vordringlichen Aufgaben nachzukommen.