Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 7 (Julio 1962)
- Date
- 1962-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 BOLETIN INFORMATIVO i«l¡o 1962 Mnvn i» 'i IM KIELWASSER DER PFÜND-ABWERTÜNG DER BERICHT DER STAATSBANK Da war widmet seinen Leitartikel dem letzten Bericht des Praesidenten der Staatsbank über die Lage der Wirtschaft. Der Bericht beweise erneut die Wichtigkeit und Richtigkeit der neuen Wirtschaftspolitik der Regierung. Der neue Bericht enthaelt an und für sich nichts Neues, doch weist er erneut auf die Rückstaende unserer Wirtschaft hin und auf die Wege, um eine Besserung der Lage herbeizuführen, d. i eine Besserung ' der Handelsbilanz und eine Bremsung der Inflations-Tendenzen. Der Praesident der Staatsbank Horowitz stellt die gewaltigen Probleme dar, die unsere Wirtschaftsentwicklung und Gesundung bremsen. Er betont weiterhin, dasin aer Abwertung und der neuen Wirtschaftspolitik kein Wunder-Heilmittel zu sehen ist. und dass selbst jetzt eine Stabilisierung und Gesundung der Wirtschaft noch zu gewaltigen Schwierigkeiten, Problemen u. Konflikten führen wird. Das Jahr 1961 hat uns auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fortschritte, sondern sogar einige Rückschlaege gebracht. Für den einzelnen Bürger war es ein gutes Jahr, denn sein Lebenstandard stieg, aber dies teilweise auf Rechnung des wirtschaftlichen Fortschrittes des ganzen Landes. Es soll erneut betont werden, dass die neue Wirtschaftspolitik keineswegs eine Herabsetzung des Lebensstandards oder einen Verzicht auf soziale , Errungenschaften anstrebt. Wenn der individuelle Konsum in diesem Jahr um nur 3-4 Prozent steigen wird gegenüber den 10 Prozent des vergangenen Jahres, kann das als gewaltiger Fortschritt verzeichnet werden, der den Lebensstandard der Bevölkerung nicht beeintraechtigen wird. Auch Haboker stellt fest dass der Bericht des Praesidenten der Staatsbank nicht nur eine Bilanz der Vergangenheit bringt, sondern auch Forderungen und Richtlinien für die künftige Wirtschaftspolitik enthaelt. Der Bericht ist als eine Warnung an die Bevoelkerung im allgemeinen und insbesondere an die Regierung und andere amtliche Gremien zu betrachten. ESCHKOL UND DIE NEUE WIRTSCHAFTSPOLITIK Die Rede des Finanzministers und die Fragen der neuen Wirtschaftspolitik sind die zentralen Themen die in den Leitartikeln der Presse zur Sprache gebracht werden. Jerusalem Post weist darauf hin, dass der Finanzminister in der Nachfrage-Inflation das beherrschende Problem unserer Wirtschaft sieht, und er will der steigenden Kaufkraft in privater Hand entgegen wirken. Zu diesem Zwecke schlaegt der Finanzminister eine ganze Reihe von Massnahmen vor, die alle darauf abzielen, Geld (Aufgaben jenseit des üblichen Marktes zuzuleiten. Die Regierung hat versproch n, in diesem Jahre keine weiteren Steuern zu erheben. Sie braucht auch keine zusaetzlichen Gelder, und so verzichtet sie auf das klassische Mittel der Abschöpfung mittels Steuern. Die Regierung will ausserdem der Bevölkerung Investitions- und Sparmö- -glichkeiten anbieten, die attraktiv sein sollen, wenn diese Massnahmen durchgeführt werden so kann die Inflationsgefahr ohne zu grossen Druck und ohne weitere Zwangsmassnahmen überwunden werden können. D’e JP meint, dass jedoch verschiedene der Voraussagen und Vorschlaege Eschkoh nicht klar genug waren. Haette er etwas weniger rosiger prophezeit, dann waere manches klarer und glaubwürdiger gewesen. Haboker geht auf die wirtschaftstheoretische Seite der g a nzen Auseinandersetzung ein. Das Blatt erklaert, mau könne kaum glauben, das$ das Finanzministerium die Lehren des Praesidenten der Bank Israel über die Gefahren der Nachfrageinflation akzeptiert hat, die die Preise in die Höhe treibt. Wir. wissen doch sehr gut aus welchen Gründen die Preise stiegen und weiter steigen. Die Teuerung hat nichts mit der umlaufenden Menge des Geldes zu tun, und der übermaessigen Nachfrage, die gar nicht besteht. Nebenbei: Warum zwingt die Regierung die Bevölkerung Gelder umzuwechseln die aus dem Auslande kommen, wenn sie sich vor einer Ueberflutung mit Geld fürchtet? Haaretz ist der Meinung, dass die Kneseth-Abgeordneten, die die Rede Eschkols mit anhörten, sich sicher über das Fehlen der Betonung der Problematik unserer ganzen Situation wunderten. Bei Eschkol war alles m bester Ordnung, die Abwertung ging erfolgreich vor sich, und wenn es irgendwie zu gut klappte, so bei der Ueberschwemmung mit Devisen, so beherrscht das Finanzministerium die Lage und kann Gefahren vermeiden. Das Blatt ist der Auffassung, dass laut vielen Anzeichen es in der Regierung keine einheitliche Haltung zu den Fragen gibt, die die Abwertung aufwarf. Es fehlt an der Kraft, die Fragen i"> realistischer Weise anzupakken, und man ist sich z. B. nicht darüber einig ob man konkurrierenden Import zulassen soll. Ebenso weiss man nicht, inwieweit Eschkol schon im Namen der Regierung sprach, und ob schon völlige Klarheit über das Zwangssparen besteht. ENTTAEUSCHUNG DER OPPOSITION Lamerchaw: setzt sich mit jien Oppositionsparteien auseinander, die versucht hatten, durch Misstrauens-Voten die Regierung zu stürzen. Das Blatt erinnert daran, dass die Liberalen im Februar die Abwertung begrüsst hatten, jetzt sind sie darüber enttaeuscht dass die Regierung “sich von den Prinzipien der A b w e rtung zurückgezogen hat’’. Sie hatten eine “Luxus- Abwertung” mit Senkung des Reallohnes der Arbeiter und völliger Aufhebung der Devisenkontrolle erwartet, und jetzt müssen sie sehen, dass die Regierung Schritte zur Ueberwindung von Ungerechtigkeiten und Verzerrungen unter nimmt. Lamerchaw lehnt die oppositionelle Haltung der Mapam gegenüber der Regierung ab und betont, das Ringeh der Achduth Awodah in der Regierung habe sich als erfolgreich erwiesen. Die Arbeiter und die Siedler können sehen, dass die Vertreter der Achduth Awodah für ihre Interessen sorgen waehrend die Mapam in negativer Opposition ab seits bleibt. DER ZWISCHENFALL BEN GURION¬ GOLDMANN Dawar: Dr. Nach um Goldmann, der Praesident der Z i onistischen Weltorganisation und des jüdischen Weltkongresses, ist eine der grössten Persönlichkeiten des Judentums unserer Tage. Seine politische Taetigkeit für das jüdische Volk und für den Staat Israel hat ausserordenliche Bedeutung, und es ist nicht immer möglich einen g e n a uen Trennungsstrich zwischen den Belangen des einen und des anderen zu ziehen. Es waere auch wohl kaum zu irgendwelchen Auseinandersetzungen gekommen, wenn man eine wirkliche Uebereinstimrpung und Abstimmung geplant und organisiert haette. Bezüglich dieser Taetigkeit Dr. Goldmanns sollte nicht nur eine sporadische Absprache zwischen den israelischen Behörden und denen der Zionistischen Organisation existieren sondern eine gut geplante Organisisrung. Nun darf man nicht daran vergessen, dass Dr. Gold mann hochpolitische Besprechungen ueberall auf der Welt führt, und da ja kaum anzunehmen ist, dass er sich mit den Staatsmaennern über den Neuguinea - Konflikt unterhaelt, sollte eine genaue Uebereinstimmung mit den israelischen Faktoren erzielt werden. Das Publikum stand grösstenteils bei diesem Zwischenfall auf Seiten Dr. Goldmanns. Es herrschte der Eindruck vor, dass Ministerpraesident Ben Gurion diese Angelegenheit zum Angriff auf die Zionistische Organisation benutzt habe, da er ja öfters gegen diese Organisation Stellung nimmt. Diese Annahme war falsch. Hier handelte es sich um ein Missverstaendnis, dar nur durch mangelnde Information hervorgerufen wurde, und man kann nur, hoffen, dass es nun mit der notwendigen Aufklaerung beigelegt worden ist. FREUNDSCHAFTLICHE BEZIEHUNGEN BESUCH AUS BRASILIEN Lamerchaw: Der Besuch des brasilianischen Aussenministers, Dr. Francisco Clementino de San Tiago Dantas, der in Begleitung einer Delegation nach Israel kommt, stellt den Beginn eines neuen Stadiums in den Beziehungen zwischen den beiden Laendern dar. Dieser Besuch wird die technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem suedamerikanischen Riesenland und Israel foerdern. Daher wird auch der Beginn dieses Besuches darin bestehen, dass der Aussenminister u. seine Begleitung die israelischen Werke besichtigen wird, um die Moeglichkeiten der Zusammenarbeit zu studieren und den israelischen Anteil an dieser gegenseitigen Hilfe ■ festzulegen. Vor zwei Monaten wurde bereits in Recife der diesbezuegliche Vertrag zwischen Israel u. Brasilen unterzeichnet. Die Stadt Recife war gewaehlt worden, da sie die Hauptstadt des riesigen Entwicklungsgebietes Brasi: liens im Nord-Osten des Landes, ist. D i e freundschaftlichen Beziehungen zwischen Brasilien und Israel haben aber nicht mit Abschluss dieses Abkommens etwa begonnen. Sie datieren bereits aus der Zeit, da Israel gegruendet wurde. Wie der groesste Teil der lateinamerikan ischen Laender, hat auch Brasilien den 'Freiheitskampf Israels unterstuetzt. Der Besuch Dr. Dantas ist nicht der erste Besuch eines brasilianischen Staatsmannes in Isra el; auch Expraesident Kubitschek war in Israel, nachdem er seine Amtsperiode beendet hatte; und Expraesident Quadros kam, bevorer sein Amt antrat. Nun aber sind die freundschaftlichen Beziehungen in ein Stadium der realen Zusammenarbeit gelangt. Brasilien das erste Land in Südamerika, das mit Israel Vertraege ueber gegenseitige Hilfe abschloss, wird fuer ganz Suedamerika in dieser Hinsicht beispielgebend werden Dawar: Der brasilianische Aussenminister, der nun nach Israel kommt, ist fuer uns ein wichtiger Gast, seiner eigenen Piersoenlichkeit wegen, auf Grund der Bedeutung seines Landes und wegen der Freundschaft u der Zusammenarbeit seines grossen Landes mit unserem Staate. Die letzten Wochen wurden zu einer bedeutsamen Saison der Staatsbesuche in Israel. Sie sind der Ausdruck nicht nur d. Festigung alter Beziehungen, sondern auch der Anknuepfung neuer Bande, die fuer beide Teile sehr wichtig sein koennen. Man kommt zu uns nicht, weil Israel auf der weltpolitischen Tribuene ein so grosses Gewicht besitzt, sondern vielmehr deshalb, weil man die Loesung der Aufbauprobleme in Israel studieren will. Das Problem der Entwicklung geht alle lateinamerikanischen Laender an; und Brasilien, das ein so grosses Land ist und welches internationale Bedeutung besitzt kaempft ebenfalls mit Entwicklungsproblemen. Der israelisch — brasilianische .Vertrag zur gegenseitigen Hilfe u. Zusammenarbeit hat bereits in der kurzen Zeit, die er besteht, Bedeutung erlangt. Der Besuch des brasilianischen Aussenministers wird diesen Fragen ebenso gewidmet sein, wie einem allgemeinen Gedankenaustausch. Unser Gruss gilt dem Aussenminister und seiner Begleitung. DIE TÜERKEI UND ISRAEL Jerusalem Post: Der Besuch von Kamuram Evliyaoglu, des ersten tuerkischen Ministers, der nach Israel (k a m, unterstreicht die glue c k 1 i c h e Entwicklung, welche die tuerkisch israelischen Beziehungen genommen haben. Der Minister, der sich mit Radio und Tourismus befasst, teilte mit, dass man in der Tuerkei und Israel dafuer sorgen werde, den gegenseitigen Tourismus zu foerdern und dass er davon ueberzeugt sei dass die Zusammenarbeit auch auf kulturellem und gesellschaftlichem Gebiete ausgebaut werden koenne. Israel wird solche Entwicklung waermstens b egruessen. Unsere wirtschaftlichen Beziehungen zur Tu.erkei waren immer gut. Bis vor etwa einem Jahre aber mag die politische Ruecksicht auf viele Faktoren eine weitere Annaeherung zwischen Israel und der Tuerkei verhindert haben. Bei der neuen Entwicklung auch der wirtschaftlichen, die nunmehr ki der Tuerkei gestartet wurde, kann man nur erwarten, dass beide Laender nun ihre Erfahrungen austauschen und zum gegenseitigen Fortschritt benutzen werden. DER BESUCH VON PRAESIDENT DACKO Davvar betont, dass der Praesident der Zentral-Afrikanischen Republik Dr. David Dacko, Israel als Ziel seiner ersitn Aus’andsreiie ausgewaehlt hat, Hierin sei ein Zeichen der tiefen Anerkennung luer unser Land zu .sehen. Die Zeitung weist darauf hin dass die Bevoeljkerung der Zentral-Afrika,“ nischen Republik geringer als die Israels ist, waehrend iedorh das Lanl 30 mal groesser als Israel ist In diesem riesigen Lind seien gewaltige Entwicklüngsmoeglichkeiten gegeben, und die Regierung von Dr. Dacko sei entschlossen, die Moeg- 1 i c h k e i t e n auszunuetzen. Waehrend seines Israel-Besuches, der zwei Wochen dauern soll, will Praesident Dacko die vielfaeltigen Errungenschaften Israels auf dem Gebiet des Aufbaus einer neuen Gesellschaft in einem neuen Land studieren, und aus den hier gemachten Erfahrungen sodann praktische Schlussfolgerungen fuer den Aufbau und die Entwicklung seines eigenen Landes ziehen. Praesident Dacko und seine Begleiter werden sich von der Bereitschaft der israelischen Regierung, ihnen soweit als moeglich zu helfen, ueberzeugen koennen, und sie werden auch erkennen, dass die Bevoelkerung des Landes sich mit dieser Bereitschaft der Regierung identifiziert. Die Zeitung betont abschliessend die objektive Haltung der Zentral-Afrikanischen Republik in allen Nah—Ost—Angelegenheiten — die auch in der UNO zum Ausdruck gekommen ist — und heisst Präsident Dacko und seine Begleiter herzlich willkommen in Israel.