Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 7 (Julio 1962)
- Date
- 1962-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 i r Vor einer historischen Wendung,? Nach der Vollstreckung des Urteils Nach seiner kuerzlichen Rueckkehr aus Rom gab der chilenische Kardinal Silva der Presse einige Erklaerungen ab, die auf grundlegende bevorstehende Aenderungen in der Einstellung der katholischen Kirche zum Judentum hindeuten. Seine Reise in die Vatikansstadt hatte die Mitwirkung an den Vorbereitungen des Oekumenischen Konzils, das noch in diesem Jahre beginnen soll, zum Zweck gehabt und so war er, nicht nur durch seinen hohen Rang als Kirchenfuerst, sondern durch direkte Sachkenntnis ganz besonders in der Lage, Mitteilungen ueber die Ziele dieses Konzils zu machen. Dies ist ein Umstand, dank demman Gedankengaenge ueber deren Bedeutung anstellen kann, die schon mehr sind als Mutmassungen und Spekulation Ein zweiter Umstand, den man sich vor Augen fuehrtn darf, besteht darin, dass die grossen Entscheidungen in Rom immer erst nach g r u e ndlicher Vorbereitung getroffen werden. Der Mechanismus dieser Vorbereitung muesste in diesem Falle so funktionieren, dass das Konzil weniger zur Debatte neuer Ideen dienen duerfte —es ist schliesslich kein Parteikongress—, sondern zur Erhoehung der Feierlichkeit ihrer Promulgation. Die also allem Anschein nach bereits gut vorbereiteten Beschluesse bewegen sich auf zwei Bahnen. Die eine soll der Modernisierung des Wirkens der Kirche dienen, womit man vor allem an die Dienstbarmachung der Instrumente denkt, die wie Fernsehen und Radio heute schon breitesten Schichten zugaenglich sind und ihr Denken beeinflussen. Die andere soll zur Annaeherung an die anderen westlichen Religionen fuehren, womit, wie dies Kardinal Silva ausdrücklich erwaehnt hat, die griechisch-orthodoxe, <d i e protestantische und das Judentum gemeint sind, zumindest aber soll sie aus der katholischen Literatur und Lithurgie all jenes ausmerzen, was dieselben distanzieren und beleidigen koennte. Damit wird klar, dass Papst Johannes XXIII mehr als einer Laune folgte, als er vor Jahr und Tag anordnete, die Textstelle von den “perfiden Juden” aus dem Ostergebet auszumerzen. Er gedachte damit zweifellos, einen ersten Schritt zu gehen und die gewonnenen Erfahrungen, weiteres Nachdenken und Beratungen haben ihn nun davon ueberzeugt, dass es korrekt ist, diesen Weg weiter zu beschreiten. Eigentlich haette es der Kirche schon seit langem klar sein sollen, dass das Judentum fuer sie keine Gefahr und keinen Feind darstellt. Seit eh und je dem Proselytismus abgeneigt, zahlenmaessig unbedeutend und in der Defensive, bestehen schon seit Jahrhunderten weder politische noch theologische Gruende fuer einen religioesen Antisemitimus, es sei denn in verstaubten und verlogenen Ueberlieferungen, an welche die hoeheren Schichten der Hierarchie selbst bestimmt nie geglaubt hatten. Vielleicht musste aber erst die geschichtliche Konjunktion sich ereignen, in der auf der einen Seite nicht nur der Kirche, sondern der westlichen Welt, die ihre Existenz gewaehrleistet, ein uebermaechtiger Feind ersteht und auf der anderen ein Mann an ihre Spitze gelangt ist, der das Prinzip der Naechstenliebe in einer Form zur Geltung bringt, die zumindest seinem unmittelbaren Vorgaenger fremd war. Fuer das Judentum jedenfalls wuerde die Ausmerzung des antisemitischen Glaubensguts im Katholizismus den Beginn einer wahrhaft historischen Wendung darstellen. Es ist uns gewiss klar, dass der' Antisemitismus viele Gruende hat, nationaler, sozialer, wirtschaftlicher, psychologischer und anderer Natur. Wo aber auch immer in Europa oder Amerika dieses giftige Getraenk kredenzt worden ist, nie hat darin der Tropfen religioesen Vorurteils gefehlt, an dessen bitte ren Geschmack das christliche Kind oft schon vor Erlernen des ABC gewoehnt wurde. Und wenn a u ch Ritualmordmaerchen und Brunnenvergiftungslegenden schon seit einiger Zeit nicht mehr an der Tagesordnung sind, so stiften doch historische Luegen wie jene, die Juden haben Jesu gekreuzigt, weiter tagtaeglichen Schaden in weltweitem Masstabe, Dass aber von autorisierter katholischer Seite her in letzter Zeit des öftern die geschichtliche Wahrheit insofern betont wurde, als man die Glaeubigen darauf hinwies, dass ihr Religionsstifter ein Sohn unseres Volkes war, darf als Bestaetigung der eingangs festgestellten Versoehnungste n d e n z gelten, die von nurf an vorherrschen soll. ENRIQUE u. LOTTE SINGER BERND und MARTHA MEINHARDT beehren sich die Verlobung ihiler Kinder EVI und AL bekanntzugeben Santiago, Huérfanos 518 603, Elizabeth Ave. Depto. 201 Newark 8, N. J. USA Fairer Prozess, gerechtes Urteil, notwendige Suehne: das sind so ungefaehr die wese n 11 i c hen gemeinsamen Nenner, auf die sich die Meinungsfraktionen der Mitwelt bei der Beurteilung der Hinrichtung Eichmanns bringen lassen. Die juedische Reaktion innerhalb und ausserhalb Israels weicht auch nicht wesentlich davon ab und es ist vor allem bemerkenswert, dass wenig von jener Genugtuung zu spueren war, welche sie mit Fug und Recht von der der Umwelt haette unterscheiden k o e n n e n. Zu stark spuerte man den Abgrund, der zwischen dem. Ausmass des und der S t r a fe klaffen musste. Sie konnte nicht adaequat sein, so wie sie keine erlittene Tortur lindern, keine Schmach ungeschehen machen und kein Leben wiedererwecken konnte. Es war zu tragisch, die Suehne fuer so viel Perversitaet nur an einem einzigen Urheber vollziehen zu koennen; allein der Gedanke, dass sie sonst ganz ungesuehnt haette bleiben koennen, waere noch tragischer gewesen. Bekanntlich hat es aber auch an missbilligenden Urteilen nicht gefehlt. Es ist nicht schwer, diese in zwei grosse Gruppen einzuteilen. Die erste, die auch unter uns z. B. durch eine solch bedeutende Erscheinung wie Prof. Martin Buber vertreten ist, rekrutiert sich aus prinzipiellen Gegnern der Todestrafe. Sie aeusserte sich in japanischen Tageszeitungen, was insofern interessant ist, als die Methoden der Kriegsfuehrung jener grossen Nation noch garnicht von der “Blaesse der humanitaeren Gefuehle angekraenkelt“ waren, die seit ihrer Niederlage so vehement zum Durchbruch gelangten. In England andererseits hatten sich bereits waehrend des -Prozesses sehr wohlmeinende Stimmen erhoben, die noch ueber die prinzipielle Gegnerschaft zur Tod esstrafe hinweggehend, einen grossen moralischen Gewinn fuer Israel im Fall eines Zusammenspiels von Verurteilung und Begnadigung prophezeiten. Dabei nehmen wir ausdruecklich den Appstaten Victor Gollancz aus, der bei seinen kriecherischen Anbiederungsversuchen an alle Feinde der Juden geistige Purzelbaeume schlug —dieses Mal auf dem teuren Satinpapier der Illustrierten “Life”—. Aber ansonsten waren es Meinungen von Ehrenmaennern aus den Reihen des Sozialismus, Pazifismus oder sonstiger intellektuel len Schichten Wenn sie nicht zur Geltung kamen, dann aus dem einfachen und schlichten Grunde, dass sie fehl am Platze waren. Ein Jedermann spuerte, dass hier Recht vor Gnade ergehen imusste, dass fuer solch beispiellos scheussliche Verbrechen gewisse Prinzipien keine Anwendung finden durften , dass im Hinblick auf das nie dagewesene Ausmass des Massenmordes zumindest , eine Ausnahme statthaft war. Es muss diese Betrachtung gewesen sein, die die bei weitaus meisten der an sich sehr zahlreichen Gegner der Todesstrafe veranlasste, in diesem Falle ihre Opposition nicht zu auessern. Die andere Gruppe aeusserte sich rabiater. Sie ist gegen Eichmanns Richter, so wie sie gegen Eichmanns , Opfer „ . .;.’ -"ar. Sie beschuldigt Israel ei- VerbrechenSA- - “Racheakts”, wie jener Deutsch-Chilene Rafael Kittstein in Radio Prat (2. Juni, 15 Uhr); waere der Unhold begnadigt worden, so haetten sie ueber Israels Schwaeche Spekulationen angest eile. Kurz, es handelt sich hier um die Nazis. Wo stecken sie? Selbstverstaendlich noch ln Deutschland, wo sich eins ihrer Hetzblaetter dazu verstieg, einen Prozess gegen Churchill. Truman und andere Fuehrer der Alliierten des 2. Weltkriegs zu fordern. Ansonsten, mehr oder weniger ernst zu nehmen, in der ganzen uebrigen Welt, wo es bekanntlich an Nazis und Antisemiten nicht mangelt. Neues hatten sie nicht mitzuteilen und die Muehe, sich mit ihren “Argumenten” zu befassen, wuerde sich wohl auch in diesem hypothetischen Fall kaum rechtferti gen. “An ihren Fruechten sollst du sie erkennen”, heisst es im Neuen Testament, und das genuegt wohl auch hierbei. So schlug das Organ der spanischen “Falange” starke Toene an und befasste sich sogar mit Betrachtungen ueber Recht und Justiz. Als offizioese Zeitung einer Diktatur, die seit 25 Jahren Recht und Menschenwuerde, Freiheit und Anstand mit Soldat e n stiefeln niedertrampelt, die ein stolzes Volk zum Objekt des Mitleids der Umwelt gemacht hat, die ein herrliches Land in einen Kerker verwandelt hat, wo, um Salvador de Madariaga zu zitieren, “tagtaeglich Sokrates der Schierlingsbecher verabreicht und Jesu gekreuzigt wird”, besitzt sie fuer solche philosophischen Betrachtungen natuerlich eine ganz spezielle Legitimation. Die gefaehrlichsten Auswuechse traten jedoch in Ar gentinien zutage, zumal dort eine zahlreiche juedische Kollektivitaet lebt. Die Tatsachen sind bekannt: Nazi- Gangster ermordeten eine Studentin und unterzogen ei“ ne weitere barbarischen Torturen. Mehr als in der Tatsache, das Eichmann urspruenglich in Argentinien aufgespuert wurde, muesste der ursaechliche Zusammenhang darin gesucht werden, dass es eben dieses Land war, dass ebenso wie ihm, vielen N a zi - V erbrechern als Zuflucht und Versteck diente und noch dient. Auch * ine Ungeschicklichkeit der Regierung Guido, bur Hinricn tung Eichmanns noch einmal Stellung zu nehmen, was sowohl im Hinblick auf die Sache an sich wie auf ihre eigene prekaer fundierte Legalitaet voellig ueberfluessig war, duerfte die Rowdies in Buenos Aires und Provinz noch mehr ermuntert haben. Wie dem auch sei, handelt es sich hier um eine Form antijuedischpn Terrors, dem mit allergroesster Energie begegnet werden muss. Die Frist, die der argentinischen Polizei zur Aufspuerung der Schuldigen gewaehrt werden kann, darf nicht zu lange sein. Keinesfalls duerfen die Terroristen auch nur einen Tag zuviel in der falschen Hoffnung gewiegt werden, dass sie straffrei ausgehen koennen. Gezuechtigt muessen sie werden, so oder so. Die erste Protestaktion der argentinischen Juden —der Streik am 28. Juni— war im Prinzip richtig. Man darf es nur nicht dabei bewenden lassen. Wenn er die Behoerden beeindruckt und zum Handeln veranlasst, ist es gut. Die Nazis wird er nicht beeindrucken. Sie muessen anders bekaempft werden. Und um es zu tun, darf man immer eingedenk sein, dass sie feige sind, elend feige. Sie randalieren, wenn man sie laesst, sie schlagen los, wenn sie in der Ueberzahl sind, sie morden und ueberfallen Frauen, wenn sie ausreissen koennen. , Verhindert man sie daran, werden sie ganz klein. Dann kann man die Bedingungen schaffen, dass sie die Bestrafung Eichmanns als Lektion verstehen. ATSCHEKA FUER UNSERE FREUNDIN Witwe, gut aussehend gebildet, harmonischer Charakter; vertraegUch und pekuniaer unabhaengig, mit schoenem Eigenheim suchen wir LEBENSKAMERADEN bis 65 Jahre Zuschriften untier Chifre G. 78, wenn moeglich mit Bild werden mit groesster Diskretion behandelt.