Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-06-01 · 6 (Junio, 1962) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
6 (Junio, 1962)
Date
1962-06-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/8553624-8558349-9194509--3514-8558492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Junio 1962 BOLETIN INFORMATIVO 15 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT BERICHT AUS SUEDVIETNAM Von ALFRED JOACHIM FISCHER BEGEGNUNG MIT DEM “OBERRABBINER VON SÜDOSTASIEN” Nachdem die schlanke, liebenswürdige Hostess der THAI International im kleidsamen Nationalkostüm den weiblichen Fluggaesten eine violette Orchidee überreicht hatte, blickten wir noch einmal auf das riesige Gelaen. de der buddhistischen Tempelstadt Bangkok hinab. Dann erfreuten sattgrüne von Kanaelen planmaessig durchzogene Reisfelder das Auge. Man servierte Whisky und Champagner. Als schliesslich ein Schlaraffia aufgetischt wurde und der schwedissche Flugkapitaen dieses thailaendisch-skandinavischen Unternehmens sei. ne Passagiere zu Sonderwünschen aufforderte, bat mein Nachbar: Für mich kein Fleisch”. Neugierig wie alle Journalisten, fragte ich rund heraus: “Sind Sie Vegetarier?”. Nun, das war er nicht, hingegen der Luftwaffenrabbiner aus Manila. Spaeter erfuhr ich den Spitznamen “Oberrabbiner von Südostasien”. Tatsaechlich unterstehen seiner geistlichen Betreuung die US-Basen in Taiwan, den Philippinen, Thailand und Südvietnam. Natürlich werden die Gottesdienste aber auch von allen juedischen Zivilisten dieser Laender besucht. Wahrend Rabbiner Ralph Kingsley —alias Kissinger— Gemüse, Salat, Kaese und Obst verzehrte, unterhielten wir uns eifrig und waren bald vom Englischen zum Deutschen übergegangen. Er stammt naemlich aus Nürnberg, kam aber schon mit fuenf Jahren nach Amerika. Im Elternhaus wurde weiter deutsch gesprochen. Seine Taetigkeit ist vielseitig. Bisher fanden die F r eitagsabendgottesdienste abwechselnd in Manila, Bangkok und Taipei statt. Sie sind immer gut besucht; aucn die Zahl der Mischehen ist nicht übermaessig gross. Nunmehr wird Saigon dazukommen. Mit dem steigenden aktiven Interesse der Amerikaner für Südvietnams Kampf gegen die kommunistischen Guerillas waechst auch die Zahl der sogenannten Militaerexperten, die angeblich demnaechs.t achttausend erreichen soll. Da man nur Berufsoffiziere und Sergeanten hinüberschickt, ist die prozentuale jüdische Beteiligung nicht so gross wie in r e g u laeren Einheiten. Rabbiner Kingsley wird zum erstenmal einen Saigoner Seder abhalten, waehrend er früher zu solchen Gelegenheiten nur Mazzoth, gefillte Fisch, Hühnersuppe und andere koschere Konserven hinüber schickte; man rechnet mit einigen fünfzig Teilnehmern. Durch den Rabbiner, übrigens einen hervorragenden Kenner Issels, lernte ich dann die verschiedensten in Saigon lebenden amerikanischen Juden kennen. Seit langem schon haben sie die Hohen Feiertage gemeinsam verbracht. Genau wie auf den Basen laden die Familien abwechselnd ein, wovon auch J u n g g e s eilen und Strohwitwer profitieren. . Ranghöchster j ü d i s eher Offizier in Südvietnam ist Oberst Berpard Big. Zuvor war er militaerischer Berater in verschiedenen Mittelostlaendern. Major Sam Steroben wurde in Russland geboren. Seit frühester Kindheit ist Amerika seine zweite Heimat. Steroben hatte die Aufgabe, der deutschen Bundeswehr bei ihrem Aufbau mit Expertenrat zu helfen. Durch seine Kenntnisse des Jiddischen fiel ihm das Verstehen der deutschen Sprache ziemlich leicht. Innerhalb der US-Botschaft und der USOM (Nachfolgeorganisation der Marshall-Plan-Hilfe) gibt es verschiedene Juden, die sich als solche nicht zu erkennen geben. Bewusst zugehörig fühlen sich hingegen der erste Botschaftsrat und der Kanzler. Einige jüdische US- Beamte erfüllten und erfüllen interessante Aufgaben. So hat der Chef der Land, w i r t s c haftsabteilung Matthew Drosdorf viel zu einer wirkungsvollen Hilfe an die Bauern beigetragen, ohne die die südvietnamesische Bodenreform kein Erfolg sein kann. Von Haus aus Diplomlandwirt, war er früher in Südamerika taetig. Da die Agrarsituation dort der siidostasiatischen weit mehr aehnelt als die der Vereinigten Staaten, kommt ihm das jetzt zustatten. Drosdorf s Idee war es, vietnamesische Bauern gruppenweise auf ein paar Monate nach Taiwan (Formosa) zu schicken. Die Voraussetzungen in beiden Staaten sind ganz aehnliche. Deswegen muss der Anschauungsunterricht, den die hervorragende taiwanesische Landwirtschaft nach der wohl geglücktesten Bodenreform in dieser Region bietet, von grossen praktischen Nutzen sein. Bei Andachten ist Drosdorf so etwas wie ein Vorbeter, denn er gehört zu den wenigen, die Hebraeisch fliessend beherrschen. Sein von ihm oft besuchter Anfang der fünfziger Jahre aus USA nach Israel ausgewanderter jetzt 88-jaehriger Vater fand kürzlich einen Verleger für sein in jiddischer und englischer Sprache geschriebenes Buch über Achad Haam. Unter den Saigoner Juden ist Miriam Cursey die einzige Sabre. Waehrend ihrer Sekretaerinnenzeit an der Washingtoner israelischen Botschaft —deren Chef noch Abba Eban war— lernte sie den spaeteren Ehern ann, auch einen USOM-Beamten, kennen. Ihre nie abklingende Sehnsucht gehört der Vaterstadt Haifa, und sie wird sehr oft erfüllt. Lester Gottlieb ist Verwaltungschef der USOM. Zu einer Zeit, als es darauf ankam, ob Jugoslawien seine Unabhaengigkeit gegenüber der , Sowjetunion wahren kann oder nicht, leistete er dort wichtige Amerikahilfe. Zwischenetappe war Haiti. Last not least, sei noch Chefingenieur Sultan Cohen genannt. Cohen baute die Birmastrasse. Ein Mann seiner Erfahrung ist in Südvietnam von höchster Bedeutung, da der Kampf gegen die Viet. kong, wie man die kommunistischen Guerillas nennt, nur nach Erschliessung des Landes gewonnen werden kann (Strassen, Brücken, Flugplaetze usw). Staendiger Korrespondent von “Life” und “Time” ist der jüdische Journalist Jerry Rose. Wochenlag lebte er unter primtivsten Verhaeltnissen in abgelegensten Dörfern, um seinen Blaettern Berichte aus erster Hand liefern zu können. Interessanterweise hatte Vietnam im Gegensatz zu anderen ehemals französischen Kolonien und Protektoraten immer nur verhaeltnismaessig wenige Juden angelockt. Die Atmosphaere soll nicht gerade wohlwollend gewesen sein. Daher war es auch Hitlerflüchtlingen fast unmöglich ,sich niederzulassen. Selbst dringend gebrauchte Aerzte hatten kaum eine Chance. Von solcher Diskriminierung kann seit der 1954 erreichten Unabhaengigkeit des Landes, die gleichzeitig eine Teilung zwischen nichtkommunistischem Süden und kommunistischem Norden brachte, keine Idee mehr sein. Manche Vietnamesen verehren Hitler nach wie vor, weil er Frankreich bekaempfte und 1940 besiegte. Solche geschichtlich und moralisch falsche, aus dem Antikolonialkomplex geborene Beurteilung bleibt jedoch ohne antijüdische Folgen. ALTEINGESSENE UND EINGEWANDERTE JUDEN Zu den alteingesessenen Juden in Saigon gehören A. B. David und der aus Belgien stammende Waldhausen. David kann auf ein halbes Jahrhundert südvietnamesischen Aufenthaltes zurückblicken und wurde durch Grund, und Hausbesitz vermögend. Er ist britischer Staatsbürger und griechischer Ehrenkonsul. Waldhausen besitzt eine Schaedlingsbekaempfungsanstalt. Beide waren oft so etwas aehnliches wie amtierende Rabbiner. M. Gruzka ist Lehrer eines französischen Gymnasiums. Am israelischen Befreiungskrieg nahm er als Freiwilliger teil. Regster Kontakt herrscht mit seinem Bruder —Kibbuznik im Galil. Zu den mehr schillernden Persönlichkeiten gehört Jacques Halpern. Vor sechs Jahren wanderte der junge baertige Künstler aus Frankreich ein. Anfangs beschaeftigte sich Halpern mit Innendekoration. Nachdem dann aber eine ganze Konkurrentenschar auftauchte, begann die Suche nach neuen Erwerbsmöglichkeiten. Nummehr besitzt er ein gut gehendes Antiquitaetengeschaeft im Zentrum Saigons. Schirmherr der Ausstellungen seiner eigenen abstrakten Bilder ist der Staatspraesident Ngo Dinh Diem. Er empfing ihn auch mehrfach. Eugene Charles de Pollak, ein ehemaliger Siemens-Ingenieur, ist gebürtiger Belgier, ■ heute : französischer Staatsbürger, und spricht fehlerlos Deutsch. Pollak gehörte der Fremdenlegion an und war dann ein höchst erfolgreicher Geschaeftsmann in Hanoi, bis es die Kommunisten übernahmen. Jetzt vertritt er eine betraechtliche Zahl grosser internationaler und vor allem deutscher Firmen, darunter Siemens. Erst seit 1952 besitzt Vietnam ein Gewerbeschutzgesetz. Einziger Patentanwalt, der die N a c h b arstaaten Kambodscha und Laos “mitversorgt”, ist der nicht weniger als sieben Sprachen beherrschende Dr. Adolphe Haimoff. Den Krieg hat er in Bulgarien überlebt und zur faschistischen und kommunistischen Zeit Terror und Gefaengnisse aus eigener Erfahrung kennengelernt. Haimoff war Arbeitsdienstverweigerer. Waehrend der Dimitroff-Regierung b 1 i e ben seine Lippen geschlossen, als man aus dem Rechtsberater des Schweizer Konsulats bestimmte Aussagen erpressen wollte. 1949 glückte die Ausreise dank der Intervention eines alten Freundes, der auf einer sehr hohen Sprosse der Parteihierarchie stand. Dr. Haimoff stammt aus einer zionistischen Familie. Zusammen mit Max Nordau gab sein Vater Menachem Haimoff die erste zionistische Zeitschrift heraus. Vor allem aber arrangierte er den triumphalen Sofieter Besuch Herzls. Als ein Führer des bulgarischen Zionismus hat Adolphe Haimoff die Kriegsereignisse genau verfolgt. Von ihm wird die These einer Rettung der Juden Bulgariens durch Boris III. bestritten. Vielmehr sei die Zeittafel als Folge der Kriegsereignisse, innerer Schwierigkeiten nach dem Tode des Königs usw. einfach umgeworfen worden. Ferner, hin musste sogar der Judenkommissar mit Vorsicht handeln. Bulgaren kennen keinen Judenhass, und die orthodoxe Nationalkirche setzte sich mit ihrer ganzen Autoritaet gegen eine Verfolgung ein. Haimoff, gle ichzeitig Rechtsanwalt, pendelt viel zwischen Saigon und Koblenz hin und her. Dort eröffnete er —von einem deutschen Kollegen vertreten— ein Wiedergutm achungsbüro für bulgarische und rumaenische Juden, die in Israel leben. Mindestens sooft macht Dr. Haimoff in Israel Station. Seine Frau ist Aerztin an einem Tel Aviver Kupat Cholim Krankenhaus, seine Tochter Bakteriologin. Aus Jerusalem brachte er nach einer langen Auseinandersetzung mit dem Oberrabbinat die Beschneidungswerkzeuge nach Saigon mit um die Brith Mila von zwei Knaben zu ermöglichen. Leider ist der jüdisch-ungarische Arzt, der sie a u s f ührte, inzwischen weitergewandert. ISRAEL UND SÜD VIETNAM Zwischen Israel und Südvietnam wurde ein Handelsvertrag abgeschlossen, aber nie unterzeichnet. Im Gegensatz zum benachbarten Kambodscha, dessen Regierungschef Prinz Sihaonuk darin fest blieb und auch gerade Golda Meir als Staatsgast feierlich empfing, hat Saigon keine diplomatischen Beziehungen zu Jerusalem aufgenommen. Für diesen Fall drohten die Araberstaaten mit Anerkennung des kommunistischen Nordvietnams. (Uebrigens unterhaelt keine einzige arabische Regierung eine staendige Vertretung in Saigon.) Da Israel von der Meistbeg ü n stigung ausgeschlossen ist, macht auch der Handel nur geringe Fortshritte; obgleich grosser Bedarf an Zement und Düngemitteln herrscht —600 Tonnen made in Israel sind zwar eine erste Schwalbe, aber noch lange kein Frühling. Für den jüdischen Staat und seine Probleme herrschen grosses Interesse. Junge Intellektuelle sind beispielsweise über das Kibbuzsystem und die Eroberung der Negewwüste ausgezeichnet informiert. Vor drei Jah. ren hatte Moshe Sharett, wie überall im Fernen Osten, auch als Gast Saigons grosse Erfolge. Seine Pressekonferenz war überlaufen. Besonders herzlich wurde eine israelische F u s s b a 1 lmannschaft aufgenommen. Schliesslich lud man zur Praesidentenwahl im April 1961 den Journalisten Gileadi vom “Maariv” (Tel Aviv) ein. ZWEI WICHTIGE BERATER DES STAATSPRAESIDENTEN Nur wenig bekannt ist es, dass zwei der wichtigsten Berater Diems —das Staatsoberhaupt gehört der katholischen Religion an, etwa 80 Prozent der Revölkerung der buddhistischen —in Russland geborene amerikanische Juden gewesen sind. Wesly Fi- . schel stand ihm zweieinhalb Jahre (bis 1956) zur Seite. 1958 kehrte er —eine Auto, ritaet in öffentlicher Verwaltung— auf einige Zeit als Leiter der von USOM finanzierten Michigan-Universitaetsgruppe nach Saigon zurück und unterhielt weiter einen sehr engen Kontakt mit Diem. Fischei soll Wulf Ladijinsky beim Praesidenten eingeführt haben. Ladijinsky gilt mit Recht als landwirtschaftliches Genie. In Japan griff General McArthur seinen Plan einer Landreform auf, die dann sehr erfolgreich verwirklicht wurde. Zwischen 1949 und 1952 besuchte Ladijinsky Taiwan (Formosa) sechsmal. Auch dort holte man seinen Rat ein, und er wurde ein guter Freund des Vizepraesidenten Chen Cheng. Naechste Station war Südvietnam. Da Ladijinskys Schwester noch in der Sowjetunion lebt, gab es ein Tauziehen zwischen State Dep a r t m ent und Landwirt. schafts-Department um ihn, und das grosszügigere State Department setzte sein Verbleiben durch. Spaeter muss, te er jedoch wegen einer anderen unerquicklichen Affaere ausscheiden. Buchstaeb lieh im gleichen Augenblick stellte ihn Praesident Diem an. Wulf Ladijinsky beriet ihn nicht nur in landwirtschaftlichen Dingen und anderen Fragen. Vielmehr war er gleichzeitig ein Mittelsmann zwischen dem vietnamesischen Praesidenten und den Amerikanern. Nach sei- (Fortsetzung Seite 29)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.