Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-06-01 · 6 (Junio, 1962) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
6 (Junio, 1962)
Date
1962-06-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8553624-8558349-9194509--3512-8558490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Junio 1962 BOLETIN INFORMATIVO 13 Á FLUECHTLINGE: WIE LANGE NOCH? PRAESENS Auch in diesem Jahre waren die Klaenge der Israelischen Unabhaengig k e i t sfeiern in unserer Mitte noch nicht verhallt, als die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit durch einen schrillen misston gereizt wurde. Ein “Palaestine nsisches Fluechtlingskomitee in Chile’ versuchte, mit seinen aiijaehrlichen Veranstaltungen und Veroeffentliehungen sich und die Andern davon zu ueberzeugen, dass es noch existiert und vor allem, dass er noch etwas zu sagen hat Nimmt man die halbseitige Anzeige in der Tagespresse als Masstab, so ist Letzteres misslungen . Und. zwar rundweg. Abgesehen von der klaeglichen Form —das von Fehlern strotzende Spanisch legt die Vermutung nahe, dass durch eine Verwechslung die Tuchfabrikanten den Text redigiert und die Advokaten die Publikation bezahlt haben statt umgekehrt—, ist auch der Inhalt mehr als duerftig. Er befasst' sich mit der Geschichte des Heiligen Landes, das mit ebenso viel Unbeirrbarkeit wie Anachronismus weiterhin wacker “Palaestina” genannt wird, um zu beweisen, dass es durch die Jahrtausende stets nur von Arabern besiedelt war. Da die Beweisfuehrung auf das Niveau mittlerer Analphabeten zugeschnitten ist. ohne aber zu bedenken, dass selbige sie mangels Schriftkunde nicht lesen koennen muss sie natuerlich ihre Wrkung verfehlen. Wodurch dies aber bestimmt geschieht, ist durch den misslungenen Versuch, zum Fluechtlingsproblem auf dem Umweg ueber eine geschichtliche Abhandlung zu gelangen, zumal die Autoren noch obendrein kein Zeug fuer Akademiker der Historie haben. Wie dem auch sei, mit oder ohne Geschichte, ausgesprochener— oder unausgesprochenerweise, gemeint sind wohl die Fluechtlinge. Denn selbige sind Zweck und Sinn dieses und aehnlicher Komitees, wenn es auch in seinem Edelmut nicht so weit geht, den Fluechtlingen zu helfen. Leider mussten wir selbst auch schon oft Fluecht lings-Komitees bilden und verstehen also etwas davon Bei uns ist es immer ueblich, dass man den Fluechtlingen hilft. Die Araber haben dagegen das System patentiert, bei dem nicht, sie ihren Fluechtlingen, sondern die Fluechtlinge ihnen helfen. Nicht mit Geld, das sie nicht brauchen, aber mit dem propagandistischen und politischen Stroh, an dem sie das Feuer ihres Hasses immer wieder entzuenden koennen. Im letzten Vierteljahrhundert hat es unendlich viele Fluechtlings-Probleme gegeben; insgesamt waren davon schaetzungsweise 40 Millionen Menschen betroffen. Das der Araber unterscheidet sich jedoch von allen anderen aus drei Gruenden: 1. ) Es ist nicht von aussen her, sondern von ihnen selbst provoziert worden. 2. ) Es ist lange nicht so schlimm, wie sie behaupten. 3. ) Obwohl es von allen am leichtesten zu loesen ist, bleibt es nach wie vor das einzig ungeloeste der viemn Fluechtlings-Probleme. PRAETERITUM Warum die Araber 1948 aus Palaestina flohen, wurde am 16. August des gleichen Jahres sehr praegnant folgendermassen erklaert: “Die Fluechtlinge waren ueberzeugt, dass ihre Abwesenheit nicht lange dauern wuerde und dass sie innerhalb weniger Tage, oder hoeichstens einer bis zwei Wochen zurueckkehren koennten. Ihre Fuehrer hatten ihnen versprochen, dass die arabischen Heere die “zionistischen Horden” rasch niederschlagen wuerden und dass kein Grund fuer Panik bestehe odar gar fuer die Furcht, dass das Exil sehr lange dauern muesste.” Hinzu muss man fuegen, dass diese Erklaerung keineswegs von einem israelischen Delegierten vor einer der vielen UN-Kommissionen vorgetragen wurde, sondern von dem Griechisch-Orthodoxen Bischof George Hakim an die libanesische Zeitung “Sada AI Chanub” abgegeben wordtn sind. Es gibt unzaehlige gleichlautender Eingestaendnisse von autorisiertester arabischer Seite und sie alle kontrastieren mit dem Passus der Israelischen Unabhaengigkeitsproklam ation, der sich damit befasst: “Inmitten dieser perversen Aggression, appelieren wir an die arabischen Bewohner des Staates Israel, zum Frieden zurueckzukehren und an der Entwicklung des Landes teilzunehmen, mit gleichen Buergerrechten und mjt vollberechtigter Vertretung in allen... Institutionen des Staates.” Ebenso wie die feindseligen Handlungen, zu denen die 'in die Flucht verhetzte Menschengruppe staen dig gegen Israel weiter eingesetzt werden, mit der Behandlung kontrastiert, die ihre im Lande verbliebenen Brüder tatsaechlich erfahren haben und erfahren. In groben Zuegen waren es wohl zwei Gruende, welch1" die Potentaten" der arabischen Nachbarlaender dazu bewogen, ihre “Schuetzlinge” zum Verlassen Palaestinas aufzufordern. Zum einen wollten sie der Welt zeigen, dass kein Araber in einem iuedischen Staate werde leben wollen. Zum andern waren sie selbst, als Opfer ihrer eigenen Propaganda, davon ueberzeugt, das Land im Verlaufe eines raschen Feldzugs erobern zu koennen. An Stelle dieser zwei Beweggründe, die inzwischen nicht mehr stichhaltig sind, haben sich in der Hauptsache zwei neue herauskristallisiert. Der erste: Die Fluechtlinge sollen den Kern einer “Arabischen Befreiungs armee” abgeben, ebenso wie die Kommandos (Fedayen) und Spione fuer alle taktischen Aufgaben. Der zweite: Die absurde Forderung nach Rueckwanderung (die man nicht mehr stellen koennte, wenn die Fluechtlinge aufhoeren wuerden, es zu sein) soll Israels politische Position schwaechen und die Sympathieen der Mitwelt fuer ihre Sache staerken. Dass von den gewaltigen Hilfsgeldern, die ihnen zur Verfuegung gestellt werden, grosse Summen gestohlen werden, sei nur nebenbei erwaehnt. Von der rund halben Million Menschen, die in Jordanien registriert sind, stammt ein gutes Drittel aus dem Teil des alten Palaestina, der nicht von Israel, sondern von Jordanien selbst besetzt worden ist; ein betraechtlicher Teil sind “Infiltranten”, die sich in den Jahren nach dem Befreiungskrieg bei den Fleisch toepfen der UN gemeldet haben und schliesslich: “waehrend alle Geburten sofort eingeschrieben werden, werden die Sterbefaelle soweit wie moeglich geheim gehalten”, wie UNRWA in einem ihrer jaehrlichen Rechenschaftsberichte delr UN zu melden - wusste (UN-Dokument AÎ2171, 1952, Seite 3). Der gleichen, gewiss nicht von Israel beeinflussten Quel le, kann man entnehmen, dass der Lebensstandard der Fluechtlinge dank der UN- Fonds hoeher ist als der eines durchschnittlichen arabischen Staatsbürgers: hoehere Lebensdauer, weniger epidemische Krankhe iten, mehr Schulbesuch und Sport, keine Mietszahlungen, mehr Aerzte, Krankenschwestern und Hospitalbetten pro Kopf, sowie andere zivilisatorische Errungenschaften, die ihr zwar wenig beneidenswertes Los doch immerhin ertraeglicher gestalten, als es das eines gleichgestellten Untertans von Husseins oder Nassers Gnaden ansonstens ist FUTURUM Womit zwei der drei eingangs aufgestellten Praemissen belegt waeren; Es waren ihre Leute und nicht wir, die ihre Flucht provozierten. Und: Es ist nicht so schlimm, wie sie es hinstellen. Zur dritten aeusssert sich eine Autoritaet wie Dr. Eifan Rees, Fluiechtlings-Experte des Welt-Kirchenrates; “Es muss klar gesagt werden, dass das Bestehen auf diesem Vorsatz (Rueckwanderung) gefaehrliche Ungeschicklichkeit seitens der Fluechtlinge selbst darstellt, kriminellen Irrsinn aber seitens ihrer Fuehrer. Kein Problem solchen Ausmasses wurde je durch Rueckwanderung geloest und gewiss gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese spezielle Frage so behoben werden koenn te. Von allen Fluechtlingsproblemen der Nachkriegszeit ist das arabische, ohne Zweifel, das einfachste. Es kann durch Integration geloest werden. Dank ihrer Religion, Sprache, Rasse und sozialer Struktur sind die Fluechtlinge von den Ansaessigen in den Laendern, in denen sie sich befinden, nicht zu unterscheiden. Es ist Raum fuer sie da. Es gibt eine steigende Nachfrage fuer die Art Arbeit, die sie leisten koennen. Was noch ungewoehnlicher ist, es gibt selbst Geld, um diese Integration durch’zufuehren.” Die Erklaerung fuer ^in halbes >Menschenalter “gefaehrlicher Ungeschicklienkeit” und “kriminellen Irrsinns” liegt auf politischem Gebiet und Dr. Rees hat Recht, nicht nach ihr zu fragen. Sie liegt darin, dass die arabischen Staatsmaen n e r unter dem Schafspelz der humanitaeren Fluechtlingshilfe nichts anderes als den Wolf der Revanche und der Aggression maesten. Solange keine Macht aufkommt, die. sie davon abzubringen vermoechte, gibt es fuer die arabischen Fluechtlinge auch in der Zukunft, keine... Zukunft. UNSERE ERFAHRUNG Ist es nicht am Platze, in diesem Zusammenhang darauf zurueckzukommen, dass auch wir einmal Fluechtlinge waren? Dass wir Juden aus Mitteleuropa in alle Wind richtungen ver schlagen wurden, in Laender, die uns fremd waren, mit anderer Sprache, anderen Menschen, anderer Religion? Dass wir in ein Milieu kamen, in dem die nazistische Propaganda nichts unterlassen hatte, um uns schon vor der Ankunft zu diskreditieren? Dass sich kein Voelkerbund um uns scherte? Dass wir mittellos ankamen und mit einer Berufsausbildung, die den Beduerfnissen der Gastlaender nur sehr relativ entsprach? Und bei alle dem gab es auch nicht ein Land, in dem unsere Menschen einen einzigen Tag dem Staat zur Last gefallen waeren, wo wir unsere sozialen Probleme nicht aus eigener Kraft geloest haetten, wo wir uns nicht ueberdurchschnittlich gut eingeordnet haetten und nach gewiss weniger als 14 Jahren nicht aufgehoert haetten, Fluechtlinge zu sein und Buerger zu werden. Wenn dem aber nicht so gewesen waere: haette der Versuch einen Sinn, aus einer solchen Tragoedie Kapital zu schlagen zu versuchen? Wir haben viel Grund, dies zu bezweifeln. Die Fluechtlinge, die im Gaza-Streifen, in Syrien oder Jordanien immer noch als solche —wie lange noch?— gehalten werden, sind bedauernswert. Unterstellen wir fuer einen Moment, unsere These sei falsch und an ihrer Auswanderung seien die boesen Zionisten schuld und es ginge ihnen von Jahr zu Jahr schlimmer und ihr Problem sei sehr schwer loesbar: welches waere das Ausmass ihrer Tragoedie, verglichen mit der unseren von Konzentrationslagern und Gaskammern, von Ausrottung und millionenfachem Tod? Und dennoch: will noch jemand von unserem Drama etwas hoeren? Kaum. Was die Sympathieen der Welt fuer die juedische Sache erweckt hat, war nicht Leid und Mitleid, sondern das israelische Wunder und die Bewunderung dafuer. Die menschliche Natur ist so. Es gibt im individuellen wie im kollektiven Bewusstsein einen Mechanismus, der die Tragoedien verdraengt. Aufbau, Fortschritt, Technik, Wissenschaft, Raumflug, Forschung, Produktion: so heissen die Kapitel, die im Inhaltsverzeichnis unse rer Epoche mit fetten ¡Lettern gedruckt sind. Eines Tages werden das auch die verbohrtesten unter den arabischen Hassern merken. Dann wird sich heraussteilen, dass niemand mehr etwas von ihren Problemen wissen will und dass es vernuenftiger ist, sie nicht kuenstlich zu verewigen, sondern sie schlicht und einfach, zu loesen. ATSCHEKA líquido polvos crema

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.