Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 5 (Mayo, 1962)
- Date
- 1962-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 BOLETIN INFORMATIVO Mayo 1962 WANDLUNGEN IM KIBBUZ / Soziale Struktur und soziales Denken Von GERDA LUFT In einer der internen Publikationen der Kibbuzbewegung, die kürzlich erschien sind zwei bedeutsame Artikel enthalten. Der erste schildert die Lage in einem Kibbuz, in dem fast saemtliche “alten” Mitglieder, die den Kibbutz begründet und im Laufe von fast zwanzig Yahren gehalten und geführt haben, die Siedlung verliessen. Die Gründe für diese Entwicklung, die von den Betroffenen als eine Tragödie empfunden wird, sind von höchstem Interesse. Die aeltere Gruppe hatte zur Bekaempfung des chronischen Arbeitermangels eine Gruppe von Einwanderern aus nicht-europaeischen Laendern herangezogen. Die zwei Gruppen fanden keine gemeinsame Sprache, die neuen Ankömmlinge fühlten sich fremd und unfaehig, in eine geschlossene Gemeinschaft einzudringen. Die “Alten” fanden keine Möglichkeit, die Lebensform und die Ideen der “Neuen” zu verstehen. Das ist kein einzelner Fall, und es ist auch nicht verwunderlich, dass eine so stark geschlossene Gruppe wie ein kleiner Kibbuz Schwierigkeiten dabei findet, neue Mitglieder zu vollgültigen Genossen in der Gemeinschaft zu machen. Das Auffallende und Neue bei diesen Geschehnissen ist jedoch, dass nicht die “neue” Gruppe wieder den Platz verliess, sondern dass sich eine grosse Anzahl der “Alten” zum Abzug entschloss. Nur wenige fanden den Weg in einen anderen Kibbuz, denn sie 'wollten nicht Gefahr laufen, noch einmal in eine aehnliche Krise zu geraten. Sie gingen in dir Stadt und fanden sehr bald in einer Wirtschaft, die jede Art von qualifizierter Arbeit mit einer Praemie bezahlt, Unterkunft und Arbeitsstellen. Der Kibbuz wurde von der “‘neuen” Gruppe übernommen, aber sie verlangen Anleitung, Hilfe und mehr arbeitende Haende. In derselben Nummer erschien ein Aufsatz eines der alten Mitglieder von Dagania. Dieser Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, ob das Prinzip: “Jeder nach seinen Kraeften und jedem nach seinen Bedürfnissen”, dass die Grundlage der Kibbuzim bildet, heute noch anwendbar ist. Der Artikel ist ein Ausdruck der Enttaeuschung der Gründergeneration, die sich mit der Welt, wie sie heute ist, nicht abfinden kann. Die alten Zeiten werden heraufbeschworen, in denen jeder nur darauf bedacht war, der Gemeinschaft möglichst viel zu geben und für sich möglichst wenig zu verlangen. Dieser glorifizierten Periode wird die heutige Wirklichkeit gegenüber g estellt: die Mitglieder stellen vor allem Ansprüche, sie halten einen hohen Lebensstandard für notwendig und verlangen von der Gemeinschaft immer neue Zugestaendnisse, ohne sich viel darum zu kümmern, ob diese ihren Forderungen gewachsen ist. Es wird darüber geklagt, dass die Jugend nicht auf die alte Generation hören will. Soweit ist in dem Artikel nicht viel Beachtenswertes. Wir wissen, dass die aeltere Generation immer über die Jungen die Köpfe schüttelt, dass sie dazu neigt, die Vergangenheit zu glorifizieren, dass, sie nicht einsehen wiil dass die Zeiten sich geaendert. haben, und dass sich damit auch die Lebensform und die Reaktion der jüngeren Generation aendern muss. Neu ist jedoch der Vorschlag, tiilii v\ - TIEFSEETAUCHEN IN EILATH das alte Prinzip: “Jeder nach seinen Kraeften und jedem nach seinen Bedürfnissen” neu zu interpretieren. Der Autor geht idavon aus, dass ein Teil der Mitglieder nicht so viel für die Gemeinschaft tue, wie es seine Kraefte erlauben; dass immer wieder Mitglieder sich weigern, Aufgaben, die Verantwortung und besondere Mühe mit sich bringen, zu übernehmen. Daher verlangt der Autor, dass solche Mitglieder weniger bekommen sollen als die anderen. Als Masstab soll nicht die “Leistung” dienen, sondern die “Faehigkeit” des ein zelnen Mitgliedes. Es ist bedeutsam, dass der Verfasser des Artikels diesen für den Kibbuz durchaus revolutionaeren Vorschlag mit dem Prinzip der Gleichheit begründet. Echte Gleichheit, so argumentiert er, wird nur erreicht, wenn jeder entsprechend seinen Faehigkeiten und seiner Begabung zu der Gemeinschaft beitraegt. Wiil man den Vorschlag scharf formulieren, so soll der Esel nicht mit einer Karotte zu besseren Leistungen angelockt, sondern mit dem Stock gezwungen werden, so stark zu ziehen, wie seine Kraefte es erlauben. Die beiden angeführten Beispiele zusammen werfen ein charakteristisches Liciit auf die Schwierigkeiten in den Kibbuzim. Um Missverstaendnisse zu vermeiden: Wir wissen sehr gut, dass beide Aufsaetze nicht für alle Kibbuzim charakterist i s c h sind. Es gibt viele Beispiele,, wo, neue Gruppen sich harmonisch in den alten Rahmen eingliedern, und viele Stellen, wo die -Jugend ohne viele Differenzen die Alten in der Arbeit und der Leitung der Geschaefte ablöst. Dennoch darf man derartige Erscheinungen und Aeusserungen, wie wir sie hier zitiert haben, nicht leicht nehmen. In den Jahren, wo in den Kibbuzim die Entwicklung der Wirtschaft mit allen Kraeften vorwaerts getrieben wurde, war das Hauptproblem der Siedlungen der Mangel an Arbeitkraeften und daher die meist diskutierte Schwierigkeit das Eindringen der Lohnarbeit in die Kibbuzim. Das Problem ist trotz allen Beschlüssen nie gelöst worden. Jetzt tauchen, nachdem die landwirtschaftliche Entwicklung an vielen Stellen zum Stillstand kommt, weil keine grösseren Maerkte oder nicht genug Beden oder Wasser vorhanden ist, andere Probleme auf. Die Einfuehrung von industriellen Unternehmungen in Kibbuzim aendert die Arbeitsbedingungen und die Atmosphaere. Und das Gefühl, dass die dringende Aufgabe der Entwicklung beendet ist, setzt die Spannung herab, die die Siedlungen zu grösster Leistung anspornte. Gerade die Begabten, die durch schwierige Aufgaben angezogen werden, finden den Rahmen des Kibbuz zu eng und streben nach grösseren Möglichkeiten in der Stadt. Und so mancher Gleichgültige benutzt die Sicherheit eines Kollektivunternehmens und macht sich das Leben leicht. Um auf diese einen Druck auszüben, plaediert der Autor aus Daganiah für “Sanktionen” im Namen der Gleichheit. All diese Fragen gehen nicht nur die Kibbuzim an. Wir müssen immer im Auge behalten, dass die Siedlungen bei uns die Stelle der Grossbetriebe vertreten, dass ihnen die Entwicklung einer modernen und mechanisierten Landwirtschaft im Laufe kurzer Zeit zu verdanken ist. Sich damit zu bescheiden, dass sich die Stimmung im Lande geaendert hat, und dass naturgemaess auch die Jugend nicht mehr für das Ideal einer vollkommenen Gleichheit schwaermt und sich in den Konkurrenzkampf’der Stadt stürzt, wird uns nicht viel helfen. Wenn sich eine Situation aendert, so muss sich auch die soziale Struktur und die soziale Denkungsart aendern, soll es nicht zu Katastrophen kommen. Es scheint vernünftiger, das Prinzip der vollkommenen Gleichheit, das sich anscheinend heute nicht mehr halten laesst, neu zu interpretieren als zu ignorieren, dass es unter den heutigen Bedingungen nicht mehr die Resultate liefert wie vor zwanzig Jahren. Das Prinzip: “Jeder nach seinen Kraeften, jedem nach seinenBeduerfnis sen” ist und bleibt ein Ausdruck des sozialen Gewissens. .Es tat ausgezeichnete Dienste in den heroischen Zeiten des Pioniertums. Wie es heute in den Siedlungen anzuwenden, ist, wird zu einer Zentralfrage ihrer Existenz. (“M. B.”) MONATSSPIEGEL (Fortsetzung von Seite 13) der UN zu vertrauen als in die eigene Kraft. Das Gegenteil ist richtig. Und alle Beteiligten haben diese Lehre verstanden. Denn wenn es einen Weg gab, die provokative Aggresivitaet der Araber zu schueren, so war es dieser sie ermunternde Beschluss des UN-Sicherheitsrates (lies: Unsicherheitsrates). Trotzdem ist die Ruhe an der Grenze wiederhergestellt. Warum? Weil trotz des propagandistischen Siege s g eschreis, das dt Opfer, die die israelische Aktion leider gekostet hat, die Angst vor Israels eigener Kraft groesser ist als die Hoffnung auf die Instanzen der UN und die Hilfe der anderen arabischen Laender, die nun in vierzehn bewegten Jahren samt und sonders bewiesen haben, dass sie im Ernstfall keinen Finger fuereinander ruehren. Fuer Israel aber gibt es nach dieser Lehre keinen anderen Weg, als erneuten Provokationen mit der gleichen Festigkeit zu entgegnen. Es wird versuchen muessen, die internationale Verurteilung durch Einhaltung der Spielregeln der Weltorganisation zu vermeiden und sie sodann, wenn alles nichts nuetzt, gelassen hinzunehmen. Mit Erlaubnis von Mr. Rusk und Lord Home haben wir noch einige nationale Belange zu verteidigen, die uns ebenso teuer sind wie ihre wohlwollende Zuneigung. ÄYSCHEKA ENTSCHAEDIGUNG FUER RESTITUTION? BONN.— (dpa). .Entschaedigungen aus öffentlichen Mitteln soll künftig erhalten, wer in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes jüdisches Eigentum erwarb und es nach Kriegsende aus Gründen der Wiedergutmachung zurückgeben musste. Diese Regelung ist unter anderem in einem Gesetzentwurf vorgesehen, der gegenwaertig im Bundesfinanzministerium ausgearbeitet wird. Das “Gesetz zur Regelung der Reparations-, Restitutions- und Demontageschaeden”, dessen Anwendung einen Kostenaufwand von schaetzungsweise zwei Milliarden Mark erforderlich macht, soll in Kürze dem Kabinett zugeleitet und noch vor ddn Sommerferien im Bundestag eingebracht werden. (“Frankfurter Allgemeine”) FERRELUZ FRANCISCO BERGER Lampen Spiegel Garderoben Geschenke Grösste Auswahl Merced 555 Tel. 30475 Huérfanos 1261 Tel. 65071