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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-05-01 · 5 (Mayo, 1962) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
5 (Mayo, 1962)
Date
1962-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mayo 1962 BOLETIN INFORMATIVO 9 Vier Geschenke der Medinat Israel Von Robb. Egon I. Loewenstein Ministerpraesident David Ben Gurion íftWSft S. E. Jizchak ben Zwi - der Praesidenf der Medinah Der Midrasch sagt: “Als Israel aus Aegypten auszog, wurde in der ersten Nacht sein Pessachopfer in Eile verzehrt, denn so wurde es ihnen geboten. Aber fuer die Zukunft kuendet der Prophet Jesaia: Nicht in Eile sollt Ihr ausziehen und nicht in Hast Eures Weges gehen”. Unsere Generation kann diesen Midrasch verstehen und nachempfinden. In den ersten Jahren der Existenz unserer Medinat Israel standen wir noch unter dem Eindruck des wunderbaren Geschehens. Uns erfuellte das Gefuehl des Gluecks und der Dankbarkeit. W i r kamen nicht zum Nachdenken. Der Staat mit seiner Vielfalt von Problemen, die auf uns eindrangen, stellte uns vor Aufgaben, die neu und zugleich beglueckend waren. Jetzt feiern wir seinen 14. Geburtstag. Medinat Israel ist ein Teil unseres Alltags geworden. Wir koennen das wunderbare historische Ereignis der Wiedergeburt unseres Volkes auf seiner eigenen Erde —ohne Hast und ohne Eile— deuten. Allzu oft sehen wir nur den einen Aspekt der neuen Entwicklung juedischen Lebens: den der materiellen und geistigen Leistung des juedischen Volkes in der Welt fuer den “Staat unterwegs” und fuer Medinat Israel selbst. Heute, am Geburtstag unseres Staates, wollen wir dieses Tema vom entgegengesetzten Blickwinkel her betrachten. Wir sprechen nicht von der ungeheuren geistigen, moralischen, menschlichen und materiellen Kraft, die zur Verwirklichung des “Judenstaates” gefuehrt hat. Wir wollen ohne Eile und ohne Hast darueber nachdenken, was Medinat Israel schon jetzt nach 14 Jahren ihrer Existenz den Juden in der Welt und vor allem in der westlichen Hemisphaere gebracht hat. I. Der 5. Ijar 5708T4. Mai 1948 ist der Hoehepunkt von Ereignissen, die mit dem Aufs tand im Warschauer Ghetto begannen und die das Antlitz des modernen Juden fundamental veraendert haben. Der Widerstand im Warschauer Ghetto konnte brutal niedergemetzelt werden. Aber das Ereignis selbst loeste in der Judenheit Kraefte aus, die in den zweitausend Jahren unserer Galutgeschichte nur selten sichtbar gewesen sind. Es vollzog sich ein Wandel in der geistigen und seelischen Physiognomie des juedischen Volkes, ohne den der Akt der Proklamation der Medinat Is. rael wohl kaum denkbar gewesen waere. Eine Gemeinschaft, die zum Dulden und Leiden bestimmt schien, wurde innerhalb weniger Jahre zum aktiven Gestalter Ihrer Geschichte. Dieser Umwandlungsprozess von der Passivitaet zur Aktivitaet erfasste das gesamte juedische Volk. Auch uns, die wir weit entfernt von unserem Staat leben, ist die passive Haltung des Erduldens unfassbar geworden. Unsere Jugend ist nicht mehr bereit, Verleumdung und Verfolgung untaetig hinzunehmen. Der Jude ist zur aktiven Verteidigung uebergegangen. Dadurch haben wir aber auch viele Juden, die aus mannigfachen Gruenden dem Judentum entfremdet worden sind, der Judenheit wiederzurueckgewonnen. Das ist das erste Geschenk der Medinat an die Judenheit der Welt. II Ihr zweiter Beitrag ist, dass den Juden zum ersten Male seit dem Jahre zum ersten Male seit dem Jahre 70 unserer Zeitrechnung, ein Recht zurueckgegeben worden ist, das jeder freie Buerger auf dieser Erde besitzen soll: Das Recht, sich seinen Wohnsitz waehlen zu duerfen. Wir duerfen uns entscheiden. Wir koennen bleiben oder auch von unserem Recht Gebrauch machen und in die Heimat unserer Vorfahren zurueckkehren. Wir sind nicht mehr abhaengig von dem mehr oder weniger guten Willen der Voelker, in deren Mitte wir leben. Dieses Recht der Wahl des Wohnsitzes gibt unserem Leben Wuerde und Freiheit. III Drittens ist die Stellung der Juden in der Welt durch Medinat Israel weitgehendst normalisiert worden. Der Jude war in den Laendern seiner Immigration die einzige Einwanderungsgruppe, dessen Ursprungsland nicht eindeutig bestimmt werden konnte. Das Ergebnis war, dass wir Juden deutscher oder ungarischer oder rumaenischer oder polnischer Abstammung sind. Dadurch wird die Rolle des Juden tragikomisch. Er bleibt der Kulturtraeger des Landes, das er verlassen hat, weil er in ihm verfolgt wurde. Er wurde mit dem Land identifiziert, nas ihm das Leben unertraeglich machte. Durch Medinat Israel beginnt die Welt zu verstehen, dass wir nur mit uns selbst identifiziert werden wollen. Wir werden von illegitimen Mutterlaendern befreit. Wir koennen Juden ohne Bindestrich werden. Die Schlagzeilen, die die internationale Presse 14 Jahre lang ueber Medinat Israel veroeffentlicht hat, lehren die Voelker, dass wir nicht nur mit den Ueberlebenden der Ghettos und Konzentrationslaeger i d e ntisch sind, sondern auch mit den Soehnen und Toechtern des alten Volkes, dass sich im Staate Israel einen demokratischen und unabhängigen Staat geschaffen hat. Als Jude soll und kann er seine Staatsbuergerpflicht gegenueber dem Land seines Wohnsitzes loyal erfuellen. IV. Das vierte Geschenk unserer Medinat Israel scheint uns auch ihr bedeutenster Beitrag zu sein. Sie hat das Profil des Juden in der Welt wiederhergestellt. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang einmal das Buch des nordamerikanischen Rabbiners Joshua Trachtenberg; “The Devil and the Jews” (Der Teufel und die Juden), zu lesen. Im mittelalterlichen Weltbild war der Jude der Teufel, der Zauberer, der Antichrist. Er trug Hoerner und war verunstaltet. Alle diese Vorstellungen vom Juden wurden auch Wurzeln des m o d ernen Antisemitismus. Bis in unsere Tage blieb die Existenz des Juden ein unerkla.erbares Phaenomen. Sein Fortbestand war ein unerklaerliches Raetsel. Auch ueber den Juden in der Karikatur ist geschrieben worden. Wir haben Juden und Nichtjuden Buecher schreiben lassen, um der Welt zu erklaeren, wer wir sind und woher wir kommen. Aber sie hat keine Zeit, um die Aufklaerungsschriften zu lesen. Und im Grunde hat es sie auch nicht interessiert. Sie brauchte den Juden, um sich von ihren Hasskomplexen zu befreien. Was blieb, war die Abneigung gegen den Juden, die ihre Wurzeln in den Tiefen des menschlichen Unterbewusstseins hat. Zum ersten Mal kann der Jude seinem nicht juedischen Nachbarn nunmehr wieder zeigen, wer wir sind und woher wir kommen. In Medinat Israel werden nicht nur politische Antworten auf die Judenfrage gegeben. Dort wird die Welt auch von einem schweren psychischen Trauma befreit. Gestern waren wir noch ein unklaerbares Raetsel. Heute besitzen wir seine Loesung. Die Welt sieht diese Loesung im Rin. gen eines Volkes um seine Zukunft. Wir koennen eingeordnet werden in die Kategorien des menschlichen Denkens. Was immer Juden in der Welt fuer die Medinat Israel getan haben, es ist ihnen vielfach wiedergegeben worden. Wir sind wieder zu aktiven Traegern unserer Geschichte geworden, wir haben die Freiheit des Rechtes der Wahl unseres Wohnsitzes zurueckgewonnen, unsere Stellung ist normalisiert worden und schliesslich ist das Profil des Juden wiederhergestellt worden. Hinzugefuegt werden darf noch, dass nunmehr auch das Buch der Buecher-unsere B i b e 1-dem rechtmaessigen Eigentuemer in Medinat Israel zurueckgegeben worden ist. Israel hat uns bereits mehr geschenkt, als wir ihm gegeben haben. Dafuer danken wir der Medinat Israel an ihrem 14. Geburtstag. Am Klnereth - dem Schauplatz der letzten Zwischenfaelle

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