Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 5 (Mayo, 1962)
- Date
- 1962-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 RUECKBLICK und VORSCHAU (FORTSETZUNG VGN SEITE 6) naeheren Kontakt unoer sich und zu uns gewinnen sollen. Wir wissen, dass dies nicht leicht ist und dass auf beiden Seiten viel Verstaendnis und guter Wille notwendig sind. Wir glauben jedoch, dass wir dieses Experiment wagen muessen, von dem wir uns viel fuer den Fortbestand unserer Gemeinde versprechen. KULTUS- ARBEIT Meine Freunde: Bei aller Anerkennung der Wichtigkeit der Jugendarbeit - und dass wir sie anerkennen -, geht ja schon daraus hervor, dass sie den wichtigsten Teil unserer Arbeit bildet, duerfen wir nicht vergessen, dass die S.C.I. in erster Linie eine Gemeinde ist, dazu geschaffen, den religioesen Beduerfnissen unserer Mitglieder Rechnung zu tragen. Im Rahmen unserer Einheitsgemeinde ist die Erfüllung dieser Aufgabe naturgemaess schwer und nur mit grossem Taktgefuehl und hingebungsvollem Eifer moeg lieh. Unsere Kultus-Kommission hat sich bemueht, das Beste zu leisten. Sie hat trotz erheblich er technischer Schwierigkeiten die Gottesdienste an den Hohen Feiertagen ausser in unserem Gemeindehaus in zwei Saelen durchgefuehrt. Was dies an Liebe und Opferwilligkeit bedeutet, kann nur der verstehen, der von innen her diese Muehewaltung selbst beobachtet. Dass die Hohen Feiertage so wuerdig abgehalten werden konnten, verdanken wir allen ehrenamtlichen Mitarbeitern dieser fuer unsere Gemeinde so wichtigen Kommision. Besonderer Dank gilt den Damen des Chors, die durch ihre Mitwirkung an den feierlichsten Tagen des Jahres zur Verschoenerung der Feierstunden beitrugen und unserem Mitglied Herrn Helmut Herzfeld, der sein wertvolles Harmonium in licbenswuerdiger Weise unserer Gemeinde geliehen hat. Das traditionelle Schawuot- und Hoschana-Rabbo- Lernen wurde im vergangenen Jahre unter erfreulicher- < weise grosser Beteiligung abgehalten. Da es uns gelungen ist, eine neue Verwalterin unseres Restaurationsbet riebes zu finden, konnten wir auch kuerzlich den Gemeindeseder abhalten, an dem ueber 100 Personen teilnahmen und der vielen unserer Mitglieder das grosse Erlebnis des Seders erneut nahe brachte. Wir bitten unsere Freunde, unsere Oekonomie durch ihren Besuch zu unterstuetzen. Die Verwalterin wird sich ihrerseits bemuehen, Ihnen den Aufenthalt in unseren geschmackvollen Raeumen so angenehm wie moeglich zu machen. DIE KULTURELLEN , BELANGE | Kultus und Kultur sollten Grundpfeiler unserer Arbeit sein. Leider aber hat sich wieder einmal gezeigt, dass unsere Mitglieder an Kulturarbeit wenig Interesse zeigen, obwohl wir uns erneut bemuehten, unserem Freunden interessante und wertvolle Veranstaltungen zu bieten. So hatten wir das Vergnuegen, Herrn Dr. Michael Simon, Botschafter Israels in Peru und Bolivien, bei uns zu hoeren, der in anregender und humorvoller Weise ueber seine Erlebnisse als erster Chef des Protokolls des israelischen Aussenministeriums plauderte. Weiterhin veranstalteten wir gemeinsam mit dem Mercaz zwei Konzerte, bei denen erste Kuenstler mitwirkten und wertvolle Werke zu Gehoer brachten. Der beschaemend geringe Besuch dieser Veranstaltungen ist mehr als bedauerlich. Wir werden uns zu ueberlegen haben, ob wir weiter kulturelle Darbietungen veranstalten sollen, da es nicht nur fuer die Gemeinde selbst, sondern aueh fuer die Vortragenden, die sich honoris causa zur Verfuegung stellen, sehr unerfreulich ist, so wenig Gegenliebe zu finden. Es gibt anscheinend nur ein Kulturinstrument unserer Gemeinschaft, welches lebhaftesten Widerhall in allen Kreisen der S.C.I findet: Das ist unser Gemeindeblatt. Wir haben üns bemueht, das Niveau unseres “Boletín Informativo” nicht nur zu halten, sondern es noch zu verbessern, Instruktives und Unterhaltendes, Aktu e 11 e s, leichtere Artikel fuer die Mussestunden und schwerere zum 'Nachdenken in deutscher und spanischer Sprache zu bringen und durch diese Veroeffentlichungen Kontakt zwischen unseren Mitgliedern und der Gemeinde und zwischen der grossen juedischen Welt und damit vielen Persoenlichkeiten im In- und Ausland herzustellen. Wir glauben, dass uns dies im Rahmen unserer Moeglichkeiten gelungen ist. Der Dank hierfuer gebuehrt sowohl der besonders aktiven Presse-Kommission wie unserem mit Recht so beliebten Redakteur, Herrn Hans Kaufmann, dessen Nahmen schon zu den bekannten Schriftleitern gehoert. Ganz besondere Freude macht e¡L uns, dass im Jahre 1961, 40 Kinder und Jugendliche, ein wahrer Rekord, an unserer Jugendbeilage mitarbeiteten. Dies ist in allererster Linie ein Verdienst der sympathischen und kinderlieben Leiterin der “Voz Infantil”, Frau Marianne Tobias, der wir ausserordentlich dankbar sind. Auch der grosse Erfolg der Purimfeier, bei der eine grosse Anzahl von Kindern in geschmackvollen Kostuemen erschienen, die juedische historische Gestalten repraesentierten, bei der wir Preise fuer die Mitarbeiter der I Kinderbeilage ebenso wie Praemien fuer die Schueler der Religionsschule verteilten, ist ein Beweis fuer das grosse Interesse, das diese Abteilung unserer Zeitung bei den Jungen und Juengsten unserer Freunde weckt. WEITERE ARBEITSGEBIETE Neben den bisher erwaehnten, Ihnen allen bekannten Aktivitaeten unserer Gemeinde gibt es noch viele andere Sparten unserer Arbeit, ueber die man nicht viel hoert, die aber deshalb nicht minder wichtig sind. So zum Beispiel unser Schiedsgericht, durch dessen aufopfernde Arbeit mehr als ein Rechtsstreit freundschaftlich beigelegt, mehr als einmal anscheinend unloesbare Meinungsverschiedenheiten aufgeklaert und bereinigt werden konnten. Und nicht nur innerhalb unseres Kreises. Der gute Ruf unseres Schiedsgerichtes ist in der ganzen Kollektivitaet verbreitet, sodass ein nicht unerheblicher Anteil der von uns erledigten Faelle Nichtmitglieder der S.C.I. betraf. Eine andere Einrichtung, ueber deren Taetigkeit der Oeffentlichkeit wenig bekannt ist und wenig bekannt sein darf, ist unser Fond fuer verschaemte Arme. Wir sind der Auffassung, dass es Aufgabe und Pflicht einer juedischen Gemeinschaft ist, da zu sein, wenn unvorhergesehene Notfaelie die wirtschaftlichen Grundlagen einer Familie gefaehrden, wenn durch Schicksalsschlaege, wie sie einen Jeden treffen koennen, sich oekonomische Probleme ergeben. Nicht jeder kann und will in einer solchen Situation sich an Wohlfahrtsorganisa- , tionen wenden. Und deshalb, meine Freunde, helfen wir in diesen Faellen und ich bitte Sie, uns in die Lage zu versetzen, weiter helfen zu koennen, indem Sie dieses Fonds gedenken. MAGBIT Es ist eine historische Erfahrung, die wir Juden leider im Laufe unserer tausendjaehrigen Geschichte immer wieder machen mussten. Ist in irgend einem Lande der Welt irgend etwas nicht in Ordung, sei es auf politischem oder oekonomischem Gebiete - Immer suchen die Verantwortlichen der Voelker einen Schuldigen, so unschuldig er sei und das sind leider so oft wir Juden. Ich brauche nicht die Laender zu nennen, die heute wirkliche Leidensstationen unserer Brueder sind. Sie sind Ihnen bekannt und Sie wissen, wie ruecksichtsios dort gegen jede Minderheit vorgegangen wird, wie man den Juden das Leben koerperlich und seelisch unmoeglich macht. Unser grosses Glueck ist, dass sich die Zeiten geaendert haben. Frueher gab es fuer diese Ungluecklichen keine Rettung. Die Laender der Welt verschlossen ihre Tore, Heute stehen die Tore Israels jedem offen. Israel bringt damit ein Opfer, das die Weltgeschichte bisher noch nicht gekannt hat. Mehr als eine Million unserer Brueder hat Israel bereits aufgenommen, dies, obwohl das Land von Feinden umgeben und von wirtschaftlichem Boykott bedroht, noch mitten in seinem Aufbau steht. Gemeinsam tragen die Bewohner des Landes Israel ihr Schicksal mit allen denen, die mit ihnen den Staat weiter aufzubauen und zu staerken sich bemuehen. Vergessen wir nicht, meine Freunde, dass zwar das Tor Israels offen ist und offen bleibt, dass aber andere Tore sich schliessen koennen. E3 gibt noch Laender, die die Juden ziehen lassen - aber wer weiss wie lange? Ueber Nacht koennen sich die Verhaeltnisse aendern. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir muessen den Augenblick nuetzen. Die Juden der ganzen Welt muessen diese Aufgabe gemeinsam mit den Buergern des Staates erfuellen, Vergessen wir nicht, dass der Staat Israel die enormen Mittel fuer seine Verteidigung und Sicherheit des Landes einerseits und fuer die wirtschaftliche Entwicklung des Landes anderseits aufzubringen hat und dass er trotzdem alle nur erdenklichen Mittel zur Einordnung der neu ins Land kommenden Menschen zur Verfuegung stellt. Gern opfern Israelis, um ihren Bruedern zu helfen. Gern sollen wir wenigstens die gleichen Opfer bringen. Der Praesident des Keren Hajessod Dr. Israel Goldstein hat diese Gedanken wie folgt ausgedrueckt: “Die Buerger Israels haben mehr als den auf sie entfallenden Anteil der Buerde auf sich genommen. Entrechtete, verfolgte und bedrueckte Juden haben hier ein freies, menschenwuerdiges Dasein, ein Heim und ein Auskommen gefunden. Jeder Jude, wo immer er sich auch befinden moege, jede juedische Gemeinschaft haben nicht nur das Vorrecht, sondern die heilige Pflicht, ihren Anteil beizusteuern und so mitzuschaffen an diesem groessten juedischen und menschlichen Epos unserer Zeit, ja aller Zeiten”. Erfuellen wir diese heilige Pflicht. Hoeren wir den Rufdes Staates Israel in dem Augenblick, in dem wieder einmal juedische Fluechtlinge in grosser Zahl an seine Pforten pochen, Fluechtlinge, die in ihren Wohnlaendern keine Zukunft fuer ihre Kinder haben, die unter dem Druck einer feindlichen Regierung leiden, in staendiger Angst vor Verfolgung und Pogromen. Denken wir alle daran, das wir durch Gottes Gnade gerettet worden sind und beweisen wir diese Dankbarkeit durch die Tat. Meine Freunde: Die Erfuellung der Magbit ist Ehrenpflicht eines jeden Juden, jeder muss seine juedischen Steuern bezahlen! Un er soll sie gern bezahlen und soll sie sich moralisch selbst auferlegen. Was haette jeder fuer seine eigene Rettung versprochen, als er noch selbst in dem Lande der grauenvollsten Judenfolgungen auf Rettung hoffte? Erfuellen wir jetzt dies Versprechen und helfen wir denen, die durch unsere Hilfe noch gerettet werden koennen. Lassen Sie sich nicht bitten, meine Freunde, verlieren wir keine unnoetige Zeit. Machen wir uns keine Vorwuerfe, wenn durch unsere Schuld juedische Menschen nicht gerettet werden koennen. Keine Almosen sollen gegeben werden, sondern Betraege, die dem Vermoegen und dem Einkommen eines jeden von uns entsprechen. Jeder von uns, der tfuer die in der einstigen Heimat erlittenen Verluste Wiedergutmachung erhalten hat, die er nur der Intervention unserer juedischen Fuehrer zu verdanken hat, sollte er nicht einen besonderen Anlass sehen, einen .Teil dieses Vermoegens, das er ja ohne juedische Hilfe nicht erhalten haette, fuer seine Brueder zur Verfuegung zu steilen? Nur so koennen wir vor unserem eigenen Gewissen bestehen. Meine Freunde: Mit diesem Bericht glaube ich, Ihnen einen Einblick in die innere Bewegung unserer Gemeinde gegeben zu haben. DER GESAMTE JISCHUW Aber nicht nur die Arbeit nach innen ist unsere Aufgabe, Genau so notwendig ist es, an den grossen Aufgaben des chilenischen Jischuw einen unserer Wichtigkeit entsprechenden Anteil zu nehmen und Verbindungen zu unseren Schwestergemeinden im In- und Auslande zu pflegen. , Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, dass wir zu den uns so nahestehenden Institutionen unseres engeren Kreises, den Logen, der Wizo und der A. T. I. in freundschaftlichster B e Ziehung stehen. Sie teilen mit uns nicht nur unser Haus, sondern nehmen auch lebhaftesten Anteil an allem, ■was, uns bewegt. So haben z. B. die beiden Logen Bene Berith sich an den Aufwendungen fuer unser Jugendheim beteiligt und wir wissen, dass A.T.I. und Wizo immer da sind, wenn wir ihrer beduerfen. Wir begruessen es, dass nicht nur die normalen Arbeitssitzungen, sondern auch alle groesseren Veranstaltungen dieser eben genannten Organisationen in unseren Raeumen stattfinden und dergestalt die enge Verbundenheit zwischen ihnen und der Gemeinde offenbar wurde. Auch die Beziehungen zu den Institutionen unseres Jischuw sind sehr herzlich. Besonders moechte ich die freundschaftliche Verbundenheit erwaehnen, die uns mit der Jevra Kedischa eint und dank derer es uns moeglich ist, die unumgaenglichen Verhandlungen, die wir in Stunden schwerster Trauer fuer unsere Mitglieder fuehren muessen, wuerdig zu fuehren. Den Herren des Direktoriums der Jevra Kedischa, die mit uns zusammen arbeiten, gebuehrt ein besonderer Dank unserer Gemeinde. (Fortsetzung Seite 8)