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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-04-01 · 4 (Abril, 1962) · p. Seite 12

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
4 (Abril, 1962)
Date
1962-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 BOLETIN INFORMATIVO Abril 1962 PAPIERE ENTDECKEN VERWANDTE Von HAIM MASS, JERUSALEM ff DIE HEBRAEISCHE DRUCKEREI IN ISNY Vonl RABBINER DR. NEUFELD Isny! Ein merkwürdig klingender Ortsname! Man denkt vielleicht an Nancy, an Vitry. an das Machsor des Simcha aus Vitry, an aehnlich klingende französische Namen, aber man würde nicht aui den Gedanken kommen, dass es ein deutsches Staedtchen mit diesem fremdlaendischen Namen gaebe. Und doch ist es eine schwaebische Kleinstadt, sehr entlegen, in Obersch waben, sehr hoch, auf beschwerlichen wegen mit dem Auto und noch beschwerlicher mit langsam fahrenden Zügen auf Nebenbahnen von Kempten oder Leutkirch zu erreichen. Das Reisehandbuch belehrt uns, dass Isny eine alte Reichsstadt von sehr südlichem Charakter am Fuss der Ailgaeuer Voralpen ist und nur 4000 Einwohner hat. Reste einer Ringmauer mit vier Türmen und Toren sind vorhanden, in der Naehe ist das alte Römerkastell Vemania. Und in dieser entlegenen Kleinstadt haben auch einmal Juden gewohnt, am 1. September 1401 werden sie in der Reichssteuerliste erwaehnt, und es gab sogar eine hebraeische Druckerei vo'n 1537-1544 dort, freilich von einem Apostaten Paulus Fagius begrüundet, in der aber ein jüdischer Gelehrter von Format als Korrektor taetig war und auch einen Teil seiner eigenen Werke druckte. Das war Elia Levita, auch Elia Habachur, Elia Tischbi oder Elia Medakdek genannt genauer: Elia Ben Ascher Halevi Germanus, also ein deutscher Jude, wahrscheinlich in Neustadt an der Aisch in der Naehe von Nürenberg am 13. Februar 1469 geboren. Vor den Verfolgungen in Deutschland rettete er sich nach Italien, führte aber ein unruhiges Leben, war baid in Padua, bald in Rom, bald in Venedig, meist durch wirtschatliche oder politische Verhaeltnisse zum Wandern genötigt., Frühzeitig beschaeftigte er sich mit juedischer Sprachwissen Schaft und war ein Vorlaeufer der modernen wissenschaftlichen Behandlung des Hebraeischen. Er gab viele Schriften über hebraeische Grammatik, Massora, Lexikographie heraus. Da diese Werke zum Teil für Christen bestimmt waren, lenkte er die Aufmerksamkeit hoher weltlicher und kirchlicher Würdentrae ger auf sich. Auf Einladung von König Franz I. haette er den Lehrstuhl der hebraeischen Sprache an der Pariser Universitaet einehmen können; da aber damals den Juden der Aufenthalt in Frankreich verboten war, lehnte er es ab, als einziger Jude in Frankreich zu leben. Er haette auch eine Professur für Hebraeisch an einer christlichen Lehranstalt bekleiden können, lehnte aber auch diese Ausnahmestellung ab und zog es vor, in der entlegenen Kleinstadt Isny beim Aufbau der hebraeischen Druckerei zu helfen und als Korrektor taetig zu sein. Von den vielen Werken, die er in den wenigen Jahren in Isny herausgab, können nur einige von allgemeinerem Interesse genannt werden: Er gab ein Lehrbuch der hebraeischen Grammatik in 2. verbeserter Auflage heraus (1542), das schon 1517 in Rom mit Approbation des römischen Rabbinerkollegiums erschienen war. Er nannte es nach seinem Beinamen Habachur. Dieses Werk ist von Sebastian Muenster ins Lateinische übertragen 1543 herausgegeben worden. Ferner erklaerte er 712 neuhebraeische, aramaeische und fremd sprachige Wörter aus der jüdischen Literatur mit Heranziehung des Griechischen, Lateinischen und Italienischen. Er gab dieser Arbeit den Titel “Tischbi” (Anspielung auf_ den Propheten Elia und Zahlenwert 712). Die Arbeit ist mit lateinischer Uebersetzung von Fagius 1541 in Isny erschienen. Er gab die Psalmen mit dem Kommentar von David Kimchi heraus und schrieb dazu Berichtigungen (1542). Unter dem Titel “Meturgeman” gab er 1541 ein Wörterbuch zu den Targumim, den aramaeischen Bibelübersetzu n g e n, heraus und Anmerkungeh zur aramaeischen Uebersetzung der Sprüche Salomos. Dass seine Werke teilweise für Christen bestimmt waren, ihnen das Verstaendnis des Hebraeischen erleichterten wurde ihm zum Vorwurf gemacht.. Insbesondere behauptete man, dass er dadurch den Christen die Möglichkeit gebe, Bibelstellen im christlichen Sinne umzudeuten. Gegen diese Vorwürfe wehrte er sich in der Vorrede zu einer seiner Schriften. Die Lehrer haetten ausdrücklich erlaubt, die sieben noachidischen Gebote den Völkern der Welt zu übermitteln. Wie. sei das aber möglich, wenn man sie nicht vorher in der hebraeischen Sprache unterweise, in der diese Gebote geschrieben seien? Aber auch Spaetere griffen ihn an, so sein italienischer Landsmann Asaria de Rossi und spaeter sogar der ganz moderne Moses Mendelssohn. Die Druckerei wurde 1544 von Isny nach dem zentral gelegenen Konstanz verlegt. Dort wurde der Pentateuch, die für den Gottesdienst gebrauchten Prophetenabchnit te und die fuenf Megilloth ins Deutsche übersetzt Kon- Augsburg). Nach Angabe von Graetz war Elia Levita der Uebersetzer, doch ist dies stanz 1544 und gleichzeitig nach der Darstellung von Dubnow unwahrscheinlich. Von Konstanz zog Elia wieder nach Venedig, wo er im Alter von 80 Jahren am 28. Januar 1549 starb. In Tel Aviv gibt es im Norden einige Strassenzüge, die nach italienischen Gelehrten genannt werden, so nach Inmanuel aus Rom, Kalonymus, nach dem schon genannten Asaria de Rossi, der hier als Asaria min Haadumim erscheint. In dieser Gegend heisst auch eine Strasse Elia Habachur. (“Allgemeine Wochenzeitung”. Im Laufe der letzten Jahre haben sich in Israel vereinzelte Faelle ereignet, die ausgezeichneten Stoff für dramatische Filmwerke liefern koennten. Es stellte sich naem-lich in diesen Filmen heraus, dass nahe Verwandte — Schwestern, Brüder, Vater und Kind — die voneinander glaubten, dass sie waehrend des Krieges umgekommen waren, in Wirklichkeit nur wenige Kilometer entfernt im gleichen Lande, im Staat Israel, lebten, ohne es zu wissen. In einem Jerusalem Vorort — Kirjat Hajowel — wohnt die Familie Sar-Schaiom, deren Haupt aus Persien stammt. Die Frau des Hauses trug den Maedchennamen Raubvogel, war in Polen geboren, und 1936 als Chalutzah nach Palaestina eingewandert. Frau Jona Sar— Schalom, heute Mutter zweier Kinder, musste bis vor zwei Jahren annehmen, dass ihre Schwestern Regina und Zila sowie ihr Bruder Mosche waehrend der Schreckenszeit der Nationalsozialisten umgeko m m e n waren. Durch einen Zufall fand jedoch im Dezember 1959 ein Beamter der Abteilung zur Fahndung nach Verwandten in der Jewish Agency, Jerusalem, in einem Aktenvorgang eine Postkarte, die Jahre zuvor angekommen war und in der eine gewis se Regina Raubvogel, die 1947 in Palaestina eingewandert war, Erkundigungen über ihre 1936 eingewanderte Schwester Teibe einzog. Damals waren die Recherchen fruchtlos gewesen, doch jetzt fiel dem Beamten ein, dass er irgendwo in einem anderen Aktenvorgang den Namen Raubvogel schon gelesen hatte. Er suchte und suchte und erinnerte sich ploetzlich. dass der Name Raubvogel in . einem Dossier Sar-Schalom erwaehnt worden war — und fand tatsaeclilich heraus, dass eine Frau Jona Sar — Shalom, geborene Raubvogel, ihre Schwester Regina vergeblich in Deutschland gesucht hatte. Er folgerte aus dieser Angelegenheit, dass Jona eine Hebraisierung des jiddischen Namen Teibe sein müsse (Jona heisst Taube) und stellte an Hand der gefundenen Postkarte fest, dass sich Jona — Teibel Schwester — seit 13 Jahren in Ness Ziona, in Israel, befand. Als man Regina Raubvogel mit einem Taxi aus Ness Ziona nach Jerusalem fuhr und kurz darauf ihre jüngere Schwester Teibe alias Jona Sar-Schalom in Ohnmacht fiel, konnten die anwesen-“ den Pressefotografen und Reporter ihre eigenen Traen e n kaum unterdrücken. Nachdem sich die Jerusalemer Schwester erholt hatte, erfuhr sie zu ihrer groessten Freude, dass auch ihre andere Schwester, Zila, in Brasilien, und ihr Bruder Mosche in Argentinien am Leben seien. Dieser Glücksfall ist dem hervorragenden Gedaechtnis eines der fünf Beamten zuzuschreiben, die in der Fahndungsabteilung beschaeftilgt sind, deren Leiter Israel Siemanns ist ,ein Experte auf diesem Gebiete. Diese Abteilung verfügte einst über 20 Beamte — heute sind jedoch nur fünf Mitarbeiter in ihr taetig. Der Fall der Schwestern - Raubvogel ist keineswegs ein Einzelfall. Es geschehen jaehrlich etwa fünf bis sechs aehnliche Faelle. Die Kartothek der Abteilung umfasst 3 Millionen Namen, von denen sich allerdings die meisten auf Menschen beziehen, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurden. Da sind zum Beispiel die Brüder Stein: Leopold Stein, der in Kefar Ata lebt. Er hielt seinen jüngeren Bruder Max nach dem Krieg für verschollen, gab aber niemals die Hoffnung auf, dass er am Leben geblieben sei, und suchte ihn —> mit Hilfe der Fahndungsabteilung der Jewish Agency — in Deutschland, Russland und in den USA, Gleichzeitig wandte sich der gesuchte Bruder M|ax, der sich inzwischen in Rlschon-Le-Zion niedergelassen hatte, an diese Fahndungsabteilung und suchte ‘Verwandte . namens Stein aus Lemberg”; .einer gaenzlich unzureichenden Be Zeichnung. Erst als man zu-. faellig des Umstandes gewahr wurde, dass die Personalien der Eltern der beiden Steins identisch waren, ergab es sich, dass Max Stein aus Rischon-LeZion der von Leopold Stein in der ganzen Welt gesuchte Bruder war. Nicht immer finden die Folgen des Zusammenführens von Verwandten ein ausgesprochenes Happy end wie in den berichteten Begebenheiten. Uns ist ein Fall bekannt, in dem ein Vater seine leibliche Tochter zuerst abzuleugnen versuchte und sich dann weigerte, sie zu sehen. Diese Sache begann damit, dass ein 13 jaehriges Maedchen der Fahndungsabteilung einen Brief schrieb, in dem es mitteilte, von seiner Mutter erfahren zu haben, dass der Mann den es bis dahin als seinen Vater angesehen hatte, in Wirklichkeit sein Stiefvater sei, das jedoch der wirkliche Vater so und so geheissen habe. Das Maedchen bat die Fahndungsabteilung, doch nachzuforschen, ob er noch am Leben sei. Die Abteilung stellte fest, dass der Gesuchte lebte, und zwar in Kefar Saba wohnte, wenige Kilometer von Jaffa entfernt, wo sich das Maedchen befand; und teilte dies der Mutter des Kindes vertraulich mit. Als ein Beamter der Abteilung dem Vater in Kefar Saba die Mitteilung machte dass seine Tochter am Leben sei, bestritt der Mann, überhaupt eine Tochter zu haben. Er hatte, in der Annahme, seine Frau sei umgekommen, ein zweites Mal geheiratet, und überhaupt keine Ahnung, dass seiner kurzen Ehe mit ihr ein Kind entsprossen war. Nachdem der Fall geprüft wurde — und in Anbetracht der schwierigen finanziellen Situation des richtigen Vaters in Kefar Saba sowie der kategorischen Weigerung des Stiefvaters in Jaffa, auf die Pflegetochter zu verzichten, kam die Mutter des Maedchens zu dem Entschluss ihrem Kinde die Existenz des Vaters zu verheimlichen. (“Algemeine Wochenzeitung”) BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterslueizt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487

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