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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-04-01 · 4 (Abril, 1962) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
4 (Abril, 1962)
Date
1962-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Abril 1962 BOLETIN INFORMATIVO 9 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT RENAISSANCE DES JUEDISCHEN LEBENS IN SKANDINAVIEN Von RICHARD OESTERMANN in Kopenhagen koennen sich jetzt hebraeisch unterhalten. Das erneute Interesse am juedischen Leben wird auch gunestig beeinflusst durch den Umstand, dass eine staendig wachsende Anzahl von Menschen Samstags frei haben, und manche von ihnen benuetzen diese Gelegenheit, um am Sabbatgottesdienst teilzunehmen. Auch werden in gröesserem Masse wieder die Gesetze der Kaschrut in juedischen Haushaltungen befolgt. In den Kopenhagener Vorstaedten haben junge Frauen einige Wizo-Gruppen gegründet und Schulautobusse holen ihre Kinder ab, um sie in die juedischen Schulen im Innern der Stadt zu bringen, deren Schuelerzahl infolge der Abwanderung der Gemeindemitglieder in die Vorstaedte zurueckgegangen ist. Fuer die Alten wird jetzt ein modernes Heim, das eine Abteilung fuer chronisch Kranke enthaelt, errichtet. Fuer die Juengsten wurden einige juedische Kindergaerten eingerichtet. Hier kommen die Kinder von assimilierten Haeusern zum ersten Mal mit juedischem Brauchtum in Berührung und beeinflussen dann ihre Eltern, in Uebereinstimmung mit den Traditionen zu leben. Das Wichtigste aber ist wahrscheinlich der bevorstehende Bau eines juedischen Gemeindehauses in Kopenhagen, das auch die Bnei- Brith-Loge, die aelteste in S k a n d inavien, beherbergen soll. Nach seine Vollendung wird fuer die Erneuerung des juedischen Lebens in Daenemark auch ein angemessener aeusserer Rahmen bestehen. (“Das Blatt”) OBERRABBINER JOSEPH CARLEBACH (Zur 20. Jahrzeit) Obwohl die Juden Skandinaviens wegen ihrer geringen Zahl und grossen Entfernung von den Zentren der Weltjudenheit in einer unguenstigen Lage sind, erleben heute die juedischen Gemeinden D a e n e m arks, Schwedens, Norwegens und Finnlands eine echte juedische Renaissance. Die Taetigkeit und der Enthusiasmus der Jugendorganisationen in diesen vier Laendern sind die Hauptursachen dieses Phaenomens, welches im Gegensatz zu den starken Assimilationstendenz-en steht. Diese sind ja” in Laendern, in denen eine .positive Einstellung zu den juedischen Mitbuergern vorhanden ist, fast unvermeidlich. Pessimisten sagten seit langem das Ende dieser Gemeinschaften voraus, insbesondere in Anbetracht der staendig steigenden Sterbeziffern und der Mischehen. Durch den Einfluss der Ju-’ gend ist trotz des zahlenmaessigen Rueckgangs eine Erneuerung des geistigen Lebens der juedischen Gemeinschaft zu verzeichnen. Die Jugend beeinflusst die aelterfe juedische Generation, die sich in Verschiedenen Stadien der Assimilation befindet, -sodass heute bereits eine Umkehr in der Entwicklungstendenz zu beobachten ist. 300 J.4HRE JUEDISCHES LEBEN IN SKANDINAVIEN Das juedische Leben in Skandinavien weist eine mehr als 300 Jahre alte Geschichte auf. Es gab mehrere juedis c he Einwanderungswellen, die von ganz verschiedenen Ecken und Enden Europas kamen. Die juedische Gemeinde Daenemarks, die aelteste in Skandinavien, wurde von juedischen Kaufleuten und Fabrikanten gegründet, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Portugal ueber Amsterdam und Hamburg kamen. Anfangs lebten sie in kleineren Staedten, spaeter zogen sie nach Kopenhagen, sodass seit Beginn dieses Jahrhunderts das gesamte juedische Leben Daenemarks in der Hauptstadt konzentriert ist. Einige Jahre nach der Jahrhundertwende flohen eine betraechtliche Anzahl osteuropaeischer Juden, groesstenteils Handwerker, vor den Pogromen in ihren Herkunftslaendern und fanden in Daenemark eine Zuflucht. Etwa dreissig Jahre spaeter folgten zahlreiche Fluechtlinge aus Nazi-Deutschland. In Schweden leben Juden seit etwa 200 Jahren. Sie kamen meistens von Russland und den baltischen Laendern und nach 1933 von Deutschland. Sie zaehlten etwa 8000 Seelen. Diese Zahl wurde durch .6000 Juden aus den deutschen Konzentrationslagern, denen man bei Kriegsende in grosszuegiger Welse die Einreise und Niederlassung gestattete, beinahe verdoppelt. Die norwegische juedische Gemeinschaft, die haupts a e chlich osteuropaeischen Ursprungs ist, besteht seit etwa 150 Jahren. Sie zaehlte etwa 2000 Seelen, als die Nazis in Norwegen einfielen. Nur etwa 800 entkamen nach Schweden, die uebrigen kamen fast alle in Konzentrationslagern um. Nach dem Kriege forderte die norwegische Regierung etwa 1000 osteuropaeische Juden aus den iFluechtlingslagern auf, sich in Norwegen niederzulassen. In Finnland sind die Juden hauptsaechlich in den Staedten Abo (900 Seelen) und Helsinki (1600 Seelen) konzentriert. Das juedische und zionistische Leben dort ist intensiver als das der andern skandinavischen Juden. WICHTIGE VERANSTALTUNGEN Die Verhaeltnisse in Daenemark sind weitgehend fuer den ganzen skandinavischen Raum charakteristisch. Der juedischen Jugend in Daenemark ist es gelungen, eine grosse Anzahl Jugendlicher zu kulturellen Veranstaltungen von hohem Niveau heranzuziehen. Es werden Vortraege sowie Vorfuehrungen von israelischen Volkstaenzen, Chorgesang und Sportereignisse veranstaltet. Die Jugendorganisationen entsandten Vertreter zum “Zimriah” Saengerfest und zur Makkabiade in Israel. Die [Foederation der juedischen Jugend Skandinaviens hat sich kuerzlich der Zionistischen Weltorganisation als “Associate member” angeschlossen und war beim Zionistenkongress durch einen Beobachter ohne Stimmrecht vertreten. Man plant jetzt auch einen engeren Kontakt mit dem Juedischen Weltkongress. VERBINDUNG MIT ISRAEL Obwohl die Juden Daenemarks gezoegert hatten, sich offiziell an internationale j u e dische Koerperschaften anzuschliessen, haben sie viel Verstaendnis und Interesse fuer Probleme und Bedürfnisse Israels. Waehrend der letzten Campagne der V e r e i n i gten Israel-Aktion (Magbit) wurde eine Viertel- Million daenischer Kronen aufgebracht, welches fuer ein Jahr, in dem es in Israel keine Krise gab, einen Rekord darstellt. Diese Summe ist auch betraechtlich, wenn man in Erwaegung zieht, dass sie von insgesamt 800 Personen, die durchschnittlich 275 Kronen zahlten, aufgebracht wurde. Aufschlussreich fuer die Einstellung der daenischen Juden zu Israel ist auch dijfe Tatsache, dass waehrend des i s r a e lischen Unabhaengigkeitskriegs von Daenemark v e r h a e 1 tnismaessig mehr freiwillige Soldaten nach Israel kamen als von irgendeinen! andern Land. Diesen Sommer kamen hunderte junger daenischer Juden auf einen dreiwoechentlichen Besuch nach Israel und einige von ihnen beabsichtigen wiederzukommen, um sich dort niederzulassen. Von den skandinavischen Gemeinden weist die daenische die groesste Alijah auf. Seit dem Kriege sind ungefaehr 150 daenische Juden - und auch einige nichtj'uedische Daenen - nach Israel eingewandert und haben sich dort gut eingeordnet. Dutzende von juedischen Jungen und Maedchen aus Daenemark werden jedes Jahr als Jugendfuehrer in Israel ausgebildet. In ganz Israel, in Kibbuzim und Doerfern, leben 2500 Juden aus Deutschland und Osteuropa, die in den dreissiger Jahren in Daenemark unter der Aegide der juedischen Gemeinschaft von Daenemark ihre landwirtschaftliche Ausbildung erhielten. Im taeglichen juedischen Leben in Daenemark wird die starke Bindung an Israel auch durch die grosse Zahl der Personen, die bei israelischen Lehrern hebraeisch lernen, bezeugt. Viele juedische Jungen und Maedchen Am. 8. Nissan, der auf den 12. April faellt, sind zwanzig Jahre vergangen, seit Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach, das geistige Oberhaupt des “Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes” in Hamburg zu Riga das Opfer der SS-Moerderbanden geworden ist. Sein Maertyrertod fuer die Heiligung des goettlichen Namens und die Ehre des juedischen Volkes darf nie vergessen, und das Lebensbild dieses frommen und gelehrten Mannes muss immer wieder in die Erinnerung zurueckgerufen werden. Oberrabbiner Carlebach war erst 59 Jahre alt, als ihn das traurige Schicksal traf. Mit ihm starb seine Lebensgefaehrtin Lotte, die Tochter des angesehenen Luebecker Arztes. Dr. Ephraim Adler, und vier seiner Kinder, waehrend die anderen fuenf ueberleben und sich in Sicherheit bringen konnten. Er selbst haette durch rechtzeitige Auswanderung dem harten Geschick entgehen koennen, zog es jedoch vor, bei seiner Gemeinde bis zum letzten Augenblick auszuharren. Auch seine Gattin war aus England zurueckgekehrt, als ihr sein Entschluss bekannt wurde, den Leidensweg zuende zu gehen. Nur sechs Jahre hatte Oberrabbiner Carlebach an der Spitze dieser Gemeinde in Hamburg wirken koennen, nachdem er zuvor als Direktor der “Talmu d-Thora- Realsehule” und danach als Oberrabbiner in Altona taetig gewesen war. Sein tiefes talmudisch-halachisches Wissen, die umfangreiche juedische und weltliche Allgemeinbildung, seine Rednerbegabung und vor allem sein leidenschaftlicher Wunsch, juedisches Leben innerhalb der Gemeinde zu verankern, hatten all die Voraussetzungen geschaffen, die seine bedeutenden Positionen verlangten. Ohne von seinem streng-gesetzestreuen Standpunkt je abzuweichen, fand dieser Mann auch Verstaendnis fuer andere juedische Richtungen, sofern diese aus echtem juedischen Idealismus heraus entstanden und der Gesamtheit zu dienen bereit waren. In seinem 1959 erschienenen Werke “Joseph Carlebach and his Generation” hat der juengste Bruder, Rabbiner Dr. Hartwig Naphtali Carlebach, New York, nicht nur eine Biographie des grossen Toten geschaffen, sondern zugleich ein grossartiges Lebensbild dieser hochangesehenen, aus Luebeck stammenden, Rabbinerfamilie gezeichnet; dieses Buch verdiente, in den juedischen Haeusern verbreitet und durch unsere Religionsschulen gefoerdert zu werden, weil es einen wichtigen Beitrag zur Geistesgeschichte der Juden in Deutschland darstellt. Ganz besonders die ehemaligen Mitglieder der Hamburger Gemeinden, unabhaengig von der religioesen Einstellung, werden an Oberrabbiner Joseph Carlebach als an ein leuchtendes Vorbild, jued i s c h e r Lebensfuehrung dankbar zurueckdenken. Die 20. Jahrzeit duerfte hierzu besonderen Anlass geben. Curt Wilk Besuchen Sie das altbekannte Restaurant - Bar - Grill “BELLE VUE ” Geeignet fuer alle Arten von festlichen Veranstaltungen. Gute Kueche. Jetzt unter neuer Leitung Familie Schoen Huérfanos 886 — 12 Stock Edificio Astor — Telefon 392034 ANZEIGENSCHLUSS am 30.

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