Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 4 (Abril, 1962)
- Date
- 1962-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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i 8 BOLETIN INFORMATIVO Abril 1962 EICHMAKNS BERUFUNGSKLAGEI EIN ANWALTLICHES ARMUTSZEUGNIS Von Dr. Abner Nechushtan (Tel Aviv) Noch einmal also kehrte Adolf Eichmann dieser Tage (22. Maerz) aus der. Ab. geschlossenheit der “Todeszelle” des Bezirksgefaengnisses der Kleinstadt Ramleh, in die er vor wenigen Monaten gebracht worden war, in den Glasverschlag des Jerusalemer Sitzungssaales zurueck, der ihm vom Vorjahr her vertraut ist. Wieder starrten ihn hunderte von Augenpaeren an; die derselben inlaendischen Reporter und der Korrespondenten aus aller W'lt, mosgen sie diesmal auch in geringerer Zahl als zum Prozessbeginn, dem 11. April 1961, hierhergekommen sein, und die von Trauer und Hass verdunkelten Blicke derselben Scharen orts- und landsansaessiger juedischer Zuhoerer. _ Und nur das Gericht liefert, in seiner Zusammensetzung dem “Buchhalter des Massenmordes” ein anderes als das gewohnte Bild. Denn nun sieht er sich nicht mehr den drei Juristen gegenueber, die ihn als Bezirksrichter abgeurtrilt haben, sondern jetzt, in der hoechsten Instanz, einem fuenfkoepfigen Senat des Obersten Gerichts dieses Staates. IM BRENNPUNKT VIELFAELTIGER RECHTSSCHULEN Den Vorsitz uebernahm der aus Kowno stammende, heute 51 - jaehrige J. Olschan, der Praesident des Obersten Gerichts; seine Ausbildung' erfuhr er in London an der Universitaet und der School of Economics. Sein staendiger Stellvertreter im Obergericht, S. Agranat. (46 Jahre) aus Louisvllle in den Vereinigten Staaten, der in den philosophischen und rechtskundlichen Disziplinen der Umversity of Chicago doktoriert hat, gehoert dem Beruf unsrss-enpt Hinzutritt Mr, Silberg (62) aus frommem russiacu-ju - öischem Haus, ein profunde: Kenner des talmudischer Rechts und nach Studienjahren in Marburg unr Frankfurt dreifacher Doktor der philosophischen, der juristischen Fakultaet und cH naturwissenschaftlichen ai- Mathematiker. Gleichfalls ir Frankfurt, und ferner'an de: Ünive^Paeten v<”- Cambridge und Heidelberg, wo fr seinen Dr. jur. ma.mte, studierte das vierte Mitglied dieses Senats, der au? Krakau sfamrr>rH’ -T ,Qns.- mann (52). Als fuenfter gehoert ihm Oberrichter A. Witkow (52) an, rin Berlin?1 von Geburt, der dort, ir Bonn und Freiburg Jura studiert und eine Zeitlang ah barrist°r at law in London praktiziert hatte. Ohne Zweifel gehoerer diese Fuenf nach ihrer allgemeinen und fachlicher Bildunod1p’"” -- — den besten alten oestlich Jued 1 s c h e n Usberli ferung : ueber die juristischen T’ra^:- tiionen Mittel- und ten euronss b's?u den moderne’- amerikanischen Schulen spannt, nach ihr^r hoher Intelligenz und nicht zuletzt nach ihrem Gerechtigkeitssinn zu den kompentesten Traegern der Rechtspflege in Israel, und vielleicht auch im zeitgenoessischen Ausland. Seit einigen Wochen befassten sie sich mit der etwa 150-seitigen Berufungsklage, die ihnen Dr. Robert Servatius als Rechtsbeistand des Verurteilten zugeleitet hat. GEISTERBESCHW OERER SERVATIUS Von diesem Schriftsatz wurde die eine Haelfte, mit den Bedenken des koel/ner Anwalts gegen prozessuale Einzelheiten der Vorinstanz und andere Formfragen, bis zur Prozesseroeffnung vertraulich behandelt. Von staerkerem Interesse ' sind fuer die Oeffentlichkeit ohnedies ja die zur Publikation freigegebenen 61 Schreibmaschinenseiten, auf denen Dr. Servatius etwa SO Einwaende gegen die Beweiserhebung des Bezirksgerichts geltend macht und zur Wiederaufnahme des Verrens, insofern er es dergestalt zur Sache bemaengelt. die Vorladung von 13 neuen Zeugen verlangt. Als in der hiesigen Tagesprese bekannt wurde, dass an der Spitze dieser Liste Prof. Chaim Weizmann steht, der vor etwa einem Jahrzehnt verstorbene erste Staatspra e s i d e n t Israels, sprach man vielfach missbilligend von einem wenig geschmackvollen Versuch smarter Journalisten, auf Kosten des deutschen Rechts anwalts die Lacher auf ihre! Seite zu ziehen. Jetzt aber bestaetigte Robert Servatius auf die Frage eines Interviewers, ob er etwa an eine spiritistische Sitzung denke, um len Geist Weizmanns zu bsschwoeren, dass ihm Prof- Weizmanns Ablebenin dD Tat entgangen sei. (Dabei connte der Anwalt waehren; 1er vielen Monate, in dena er sich voriges Jahr in Jerusalem befand, immer wie ler in den hiesigen englischen und deutschsprachige! Leitungen lesen, die er ver nutlich doch schon weger ler Prozessberichte verfolgte vie oft auslaendische Gaest? uch Deutsche, Kraenze auf lern Grab des ersten Staatsiraesidenten niederg e 1 e g t latten!). Wollte sich Dr. Servatiur von Prof. Weizmann viel-. ’ eicht bestaetigen lassen *ass er als. oberster zionisticher Repraesentant dem dritten Reich im September >039” namens des juedischer Volkes den Krieg erklaeF ■>at”, wie das Eichmann im Tozess wahrheitswidrig belauptet hatt". um Hitler? ' usrottungspolitik gl e I c ham zu rechtfertigen? Wem: rgendwo, ist man selbstrelend hier auf Vermutungen •eber die Motive des Vertei- 'igers angewiesen. Vielleicht ag ihm auch daran, durch Vussagen von Gewaehrsleuen wie dem Toten, dem danaligen Chef der zionistichen Jewish Agency, den Tachweis zu erbringen, dass ■■s im Sommer 44 an den Alliierten lag und nicht an Adolf Eichmann, der “zur otalen Loesung der ungaischen Judenfrage” nach Budapest gekommen war, lass nichts aus Eichmanns peruehmt-beruechtigtem Angebot an den dortigen juedischen Vertreter wurde, “Blut fuer Ware” zu liefern eine Million Juden gegen 10.000 Lastwagen. Eichmanr haette, “in deutscher Mannestreue” zu diesem seinem Versprechen gestanden, wenr die englischen und amerikanischen Heerfuehrer sich nicht geweigert haetten, dem ^eind so kriegswichtiges Material zu IPfern, als dr Zionisten mit Dr. Weizmanr an der Spitze ihnen in Kairo London und Washington dar Tauschgeschaeft vor s c h 1 u - gen. NOCH IMMER EIN “RAED CHEN IM GETRIEBE” War Adolf Eichmann in- -i^ssen ueberhauDt b’fu"" ein so weitreichendes Angebot zu machen? Voriges Jahr hatte der Bezirksrichtern u. a. die vom Komplizen des Angeklagten, dem spaeter als Kriegsverbrecher hingerichteten Die- ‘"’r Wislicsny kurz vor de» Exekution gegebene Aussage Vorgelegen. Danach wa Eichmann in Budapest, so weit gegangen, dem Bevollmaechtigten der ungarischer Juden, Herrn Joel Brand, de: er um des besagten Tauschgeschaeftes willen nach der Tuerkei sandte, peremptorisch zu erklaeren: “Wenn Sie aus Konstantinopel zurueckkommen und mir mitteilen, dass das Angebot angenommen wurde, dann loese ich Auschwitz auf.” Fichm a n n s che Grossprech er ei sonst nichts — so fuehrte Dr. Servatius zu derartigen Stellen der Aussage Wislicenys die gewiss nur mit Vor sich' zu betrachten ist, einerseits aus. Andrerseits kann eine ranze Reihe der Zeugenvernehmungen, die er in seinev ’erufungs.begruend u n g berntragt, nur vom Wunsch bestimmt sein, den Oberrichtern glaubhaft zu machen dass das Angebot seine? Mandanten “Blut fuer Ware”, gerade keine Grossprecherei gewesen sei, sondern “effektuierbar”. Und das sind nicht die ■’inzigen. JBlosssen, ..die sich Dr. Servatius in seinem ■Schriftsatz gegeben hat, sofern die Zusammenfassung. Ile das Sekretariat des Geichts bisher allein in Um- ’auf gesetzt hat, Schlussfolgerungen bereits zulassen ^ast nur auf den einen “Fall Budapest” scheint sich die Behauptung des' Anwalts zu beschraenken, dass Eichmann Vertrags- und abschluss befugt gewesen sei. Denn beinahe ueberall sonst laesst Dr. Servatius es sich anscheinend angelegen srin, aus lern Arsenal der Argumente ~°iner Verteidigung das im 'Toriahr am haeufigsten verwendete aufzuwaermen : ^ichmann habe sich auch ais Dbersturmbannfuehrer und sogar als Leiter der Gestapo Abteilung IV B 4 ln einem viel zu subalternen Dienstgrad befunden, um mehr als ein “Raedchen im Getriebe” Regierungs- und Parteiapparats der Nazis gewesen zu sein. Ein reiner “Fahrplan - Besteller”, sei er gewesen und duerfe mithin fuer keine jener Greueltaten verantwortlich gemacht werden. Er habe ..nicht einmal gewusst, dass die Massenmorde der Sinn der Mas-;endeportationen gewesen seien (I). Und so weiter und so fort; mtgegen den Erklaerungen, Tie Eichmann waehrend der 'weiten Jahreshaelfte 1960 lutzende Male dem Polizni- -auptmann waehrend der Vernehmungen in der Unersuchungshaft beisp i e 1 s- ^eise darueber gegeben hat, lass er bei Deportationen uedischer Kinder von Frank ■eich nach Auschwitz fast :tets das letzte Wort zu sprehen hatte. Od'r, ein anderes Beispiel: Einem nationalsozialistischen “Hoheitsraeger” von geringerer Poition waere es schwerlich in ’en Sinn gekommen, den ‘Fuehrer” foermlich zur Rele zu stellert, als Hitler ge- ’■■en Kriegsende der Auswanderung, also Rettung mehrerer tausend ungarischer Juden zustimmte. Den Vorfall bat der damalige deutsche Botschafter in Budap°sL 'reesemaver, eidesstattlich bekraeftigt. Undmit Recht batte, das vorinstanzlicne Gericht in seinem Urteil dam erklaert: "Dipse Aussage belastet Eichmann mehr, ais hundert Leumundsze u g e n;hm helfen koennten”. DIE GEHEIMNISVOLLE LEBENSBEICHTE Aber Dr. Servatius unternimmt jetzt — scheint es — sogar das Wagnis, den Leumund seines Mandanten sozusagen wieder herzustellen. Er verlangte vom Obersten Gericht zu diesem Zweck das Recht, Eichmanns Memoiren zur Verlesung zu bringen, dem Vernehmen nach 500 im Gefaengnis geschriebene Selten. Es scheint zweifelhaft, lass die Richter diesem Wunsch nachgeben werden 'uch der Einvernahme von Zeug'n stimmt das Oberste Gericht bei Berufungsverfahren nur dann zu, wenn in Ausnahmefaellen zu erwarten ist. dass die Vernehmung neue, fuer die Urteilsrevision rel e v a n t e Gesichtspunkte bringen koennte. Also ist auch fraglich, was aus der neuen Zeugenliste des Herrn Dr. Servatius, werden wird. Ausser Frage scheint nur zu stehen, dass die israelisch e Regierung seinen Vorschlag ablehnen wird, ihm das Eigentum an Eichmanns Manuskripten zu ueberlassen, und damit die Moeglichkeit zu geben, aus d°m Copyright spaeter den finanziellen Nutzen zu ziehen, auf den er nach wiederholter eigenen Aussage Wert legt. Die im Gefaengnis niedergsschriebenen Aufzeichnungen sind nach den hiesigen wie den ’nt^rnationalen gueltigen Rechtsnormen Eigentum der Regierung, die keinen Handel damit treiben, und es sich unter den verschiedensten Gesichtspunkten zu ueberlegen haben wird, ob sie sie veroeffentlichen, vernichten oder in ihren Geheimarchiven belassen wird. Und ganz gewiss ist keine Zeile dieser Autobiographie herausgeschmuggelt worden, mag das Gegenteil von sensationslüsternen Illustrierten im Ausland gelegentlich auch behauptet werden. -O-— Von solcher, wie von jeder Popularitaetshasch e r e i ist nichts zu spueren, als das Oberste Gericht nun an die Behandlung der Berufungsklage Eichmanns geht. Bleibt es beim Todesurteil und sollte der Staatspraesident keinen Gebrauch von seinem Recht mejehen, das Strafmass herabzusetzen, so wird sich danach — endlich— zum letzten Mal der Vorhang ueber dies Drama voller Furcht und Schrecken senken. Kirschen in Coñac, Mandelmarzipan, Ananas, bittere Schokolade in unerreichter Qualitaet, taeglich frisch nur bei Dos Castillos Tel. 6T405 — Pasaje Agustín Edwards ¡Neu - Eroeffnung! Restaurant “ LA CASCADE ” empfiehlt seine erstklassige europaeische Kueche. Ungarische-franzoesische und deutsche Spezialitaeten la hausgemachte Torten Platz fuer Autos! Bilbao 1947 . 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