Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 4 (Abril, 1962)
- Date
- 1962-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 * i f DIE UNABHAENGIGKEIT ALGERIENS DIE BAHN IST NOCH NICHT FREI Mit dem Abkommen von Evian haben sieben Jahre Aufstand in Algerien zu dem einzig moeglichen Ergebnis gefuehrt: dem Ende der franzoesischen Herr schaft und der Unabhaengigkeit dec Landes. Dabei ist es De Gaulle gelungen, die Garantieen zu erlangen, um die allein er kaempfte, da es ihm immer klar war, dass das Ende des Kolonialregimls, so oder so, unvermeidlich war. Diese Garantieen bestehen v ar allem in der Beibehaltung —fuer eine gewisse Zeit— von militaerischen Stutzpunkten, wirtschaftlichen Konzessionen fuer die Erdoelvorkommen der Sahara und das Recht fuer die nichtarabische Bevoelksrung des Landes, waehrend der ersten fuenf Jahre' zwischen algerischer und franzoesischer Staatsbuergerschaft zu optieren,. Wer sich fuer die erstere Alternative entscheidet, soll angeblich absolute Gleichberechtigung geniessen, waehrend bei letzterer ihm die Wahl zwischen dem Status eines ansaessigen Aüslaenders und der Auswanderung bliebe. Frankreich hat damit den einzig moeglichen Ausweg eingeschlagen, der ihm in der nun schon jahrelang verfahrenen Situation geblieben war. Seine Jugend, sein internationales Ansehen und seine Finanzen verbluteten in diesem von vornherein verlorenen Krieg, dessen Ende nun, in Anbetracht der trotzdem erreichten wirtschaftlichen Bluete der letzten Jahre, das Mutterland zu den grosssten Hoffnungen berechtigt. Es ist interessant, diesen Aspekt zu unterstreichen, gehoert es doch zu den Dogmen des Kommunismus, das Gegenteil zu unterstellen: naemlich, dass die kapitalistischen Staaten wirtschaftliche Bluete ueberhaupt nur auf Kosten auszubeutender Kolonieen zu erreichen vermoegen. Wie dem auch sei, ist die Loesung fuer mehr als eine Million franzoesischer Siedler, die sehr wohl fundierte Privilegien fuer aeusserst prekaere Garantieen eintausehen muessen, keineswegs befriedigend. Ihre Terrororganisation wird dieser Unzufriedenheit gewiss noch fuer einige Zeit Ausdruck verleihen .ohne jedoch die Durchführung des Vertragwerks von Evian ernstlich stoeren zu koennen, benoetigten sie doch dazu —wie bei dem Putsch gegen die 4. Republik— der Komplizitaet des Heeres das heute fest hinter De Gaulle steht. Fuer wen die Situation aber nicht nur unbefriedigend, sondern ausgesprochen dramatisch ist, das ist —wen koennte es ueberraschen?— fuer die Juden Algeriens. Was es heisst, als Minderheit in einem arabischen Lande auf die Versprechen 1er Machthaber zu bauen 'as wissen sie, insbesondere wenn diese Versprechen ihren buchstaeblich abgerun. ren werden mussten. Wer Geistes Kind die 'faschistischen Fuehrer der Geheimarmee auf der Gegenseite ind, war ihnen ebenso klar, selbst bevor dieselben im ver. aangenen Monat einen ihrer Anschlaege in Paris gegen das Institut zur Bekaemp- ’ung von Rassenhass und Antisemismus richteten. Es wird also ganz gewiss die ueberwaeltigende Mehrheit zum anderstab greifen muessen. Ein Teil wird sich nach Frankreich begeben, das zwar theoretisch Allen offen steht, in der Praxis aber den auf afrikanischem Niveau stehenden Massen keine Einord . nungsmoeglichkeiten bietet. Das Land, das nicht nur offene Tueren, sondern auch Arbeitsplatz, Tisch und Bett bietet, ist Israel. Der Moment fuer die Alij ah der Juden Algeriens ist gekommen und sie werden gut daran tun, ihn wahrzunehmen, bevor andere arabische Regierungen in Algier so vorstellig werden ,wie sie es seinerzeit in Rabat taten, wo die Auswanderung mit der Begründung unterbundeft wurde, dass sie zur Staerkung Israels beitrage. So hat die Loesung des algerischen Konflikts, die kein friedliebender Mensch unterlassen kann, freudig zu bsgruessen, ein grosses juedisches Problem —wenn es auch nicht neu ist— akut verschasrft. Desgleichen hat es Probleme fuer Israel mit sich gebracht, die sich nicht nur auf die gewaltige Aufgabe der Absorption einer zahlenmaessig grossen, an Kapital und Kenntnissen aber armen, Einwanderung beschraenkt. Dazu gehoert in erster Linie die Belastungsprobe des Gebaeudes der franzoesisch israelischen Freundschaft, dessen erstes Fundament der gemeinsame Gegensatz zu den aggressiven Exzessen des arabischen Nationalismus war. Natuerlich sind inzwischen viele andere Grundsteine gelegt worden, vor allem in Form wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit, sowie persoenlicher Freundschaften zwischen leitenden Staatsmaennern. Inwieweit diese das Gebaeude allein werden zu tragen vermoegen, wird die Zukunft zeigen. Auf der anderen Seite wird eine Ver- .agerung des inner-arabischen Schwerpunkts von Mittelost nach Nordafrika vor sich gehen, die fuer Israel guenstig sein kann. Der triumphale Empfang, den Nässer Ben Bella —den er wohl als “seinen Mann” anoieht—. in Kairo bereitete, zeigt, dass auch der aegypische. Diktator diese Entwicklung sieht... und fuerchcet. Nachdem die israelischen Finanzen und Wirtschaft ’as Erdbeben der Abwertung ueberstanden hatten, begab ich Finanzminister Eschkol iach Europa, um fuer den Vnschluss des Landes an die 1 u r o p apische Wirtschafts- Gemeinschaft (EWG) einzu-' reten. In Paris erzielte er gewisse Teilerfolge, besteht doch in Kreisen der zahlreiihen Freunde Israels dort •ein grosses Verstaendnis fuer die Erfordernisse seiner Wirtschaft und Entwicklung, sowie auch der ernste Wunsch, dieselben zu foerdern. Ob jedoch die Mitarbeit Israels an der EWG im Interesse Frankreichs erforderlich ist, scheint nicht so klar herausgearbeitet worden zu sein. In Bruessel konferierte Eschkol mit seinem Kollegen von der BRD, Prof. Ludwig Erhard. Soweit es gestattet ist, sich aus dem Ergebnis dieser sehr vertraulichen Besprechungen ein Bild zu machen, ist es nicht ermunternd, scheint doch Bonn, weit davon entfernt, Israels Aufnahme in die EWG, zu befürworten, heute mehr als alle anderen Mitgliedsstaaten H i n d e r nisse aufzutuermen. Dem vorlaeufigen Ergebnis der Reise des Ministers sind zwei Fakten zu entnehmen: 1) Israels Anschluss an die EWG wird im besten Falle allmaehlich vor sich gehen, und 2) muss er bis nach der Entscheidung der Aufnahme Englands verschoben werden muessen. Bevor also der Zug aus London nicht das Gleis verlassen haben wird, ist die Bahn fuer Israel noch nicht frei. So erfreulich es ist, dass fuer Frankreich Gesichtspunkte wie die Konvenienz Israels eine mehr oder weniger entscheidende Rolle spielen und dass ein Land wie Holland aus dem einen oder anderen Grund wieder einmal mit der Befuerwortung der Aufnahme Israels einer unverbruechiichen Tradition von Freundschaft Ehre erweist, so sehr muss mar anerkennen, dass an und fuer sich fuer die anderen Laender, wie beispielsweise Belgien oder Italien, kein Grund vor liegt, andere Betrachtungen als die des eigenen Interesses walten Z’- lassen. Je gruendlicher und rascher es den fuer Israel Wirtschaft und Politik verantwortlichen Menschen ge lingt, diese harte Regel zi akzeptieren, desto besser. Es ist aber mehr als leere Rhetorik, wenn man sagt dass auch diese Regel eint Ausnahme hat. Diese Ausnahme ist Deutschland. Es eruebrigt sich, die Gruende dafuer aufzuzaehlen. Fuer Prof. Erhard aber, als den wahrscheinlichsten Nachfolger des greisen Kanzlers, ist es wichtig, sie in seine Betrachtungen einzubeziehen, wenn er seine kommende Aufgabe nicht nur unter den dafuer unzulaenglichen oekonomischen Aspekten, sondern auch unter historischen und politischen Gesichtspunkten in Angriff nehmen will. Die Bundesrepublik hat Israel gegenueber ganz spezielle Verpflichtungen. Sie hat sie auf der einen Seite mit der finanziellen Rueckitellung, euphemistisch “Wielergutmachung” genannt, ¡ehr korrekt erfuellt. Auf ler anderen Seite hat sie dieielben mit Konzessionen an Jazi-Verbrecher in Justiz ind Verwaltung, 'sowie an lie Araber, durch Nichtauf- /ahme normaler Beziehun-;en zu Israel, aufs Groebste 'ernachlaessigt. Der Weg, len Eonn in der Frage von sraels Beziehungen zur EWG inschlagen wird, sollte in lie erste dieser beiden Eichungen fuehren, wenn Palais ichaumburg und Bonn die ’rinzipien ernst nehmen, deen Beachtung Deutschland ie Rueckkehr in die Zivili- .ation ermoeglichte. KRAFTPROBE IN LATEINAMERIKA Die schwere politische Krise, die Argentinien mit dem; Sturz des Praesidenten Froniizi noch keineswegs ueberwunden hat, reicht in ihrer Bedeutung weit ueber die Grenzen des Nachbarlandes. Schon beim Ruecktritt des Praesidenten Quadros im Vorjahre war es klar geworden, dass nicht nur in Laieinamerika im allgemeinen, sondern vornehmlich in einigen seiner wichtigsten Laender, die konstitutionellen Vorsehungen keine Garantie gegen eine eventuelle castrokommunistische Diktatur bieten. In Ermangelung einer sozialen Schicht, deren politisches Schicksal auf Wohl und Wehe mit dem Bestand der Demokratie verknuepft waere bezw., die dies mit der genuegenden Klarheit begreift, sprangen waffenklir rend einige Offiziere in die Arena. In Brasilien fuehrte dies zu einem ganz akzeptablen Ausgleich, der es einerseits dem Lande ermoeglicht, sich von dem chaotischen Gebaren des zurueckgetretenen Praesidenten zu erholen, andererseits den Kommunisten zeigte, dass es nicht noch inmal ganz so leicht sein wird wie dies in Cuba der vau war. Argentinien dagegen ist manu militari in eine Situation abgeglitten, wo eine reaktionaere Minderheit mit dem Aushaengeschild einer geschaendeten Demokratie unhaltbare Privilegien au festigen versucht. Trotz aller Jemagogie, Prinzipienlosig. reit und unzaehliger Uebelätaende ist mit Frondizi ein mtscheidender Versuch ab getreten, das Land in den Bahnen der repraesentativen Demokratie zu lenken. Die neue Alternative ist wieder die der beiden Extreme vom Peronismus bis zum Castro- Kommunismus einerseits und von Faschismus bis zum Militarismus andererseits. Wobei die Extreme Peronismus- Faschismus sich beruehren, wie es im Buch steht. Der relative Wahlsieg der Peronisten, der die Krise in Buenos Aires heraufbeschwor nat in Chile eine starke Resonanz ausgeloest. Die getarnte oeffentliche Meinung, voran die politischen Parteien, haben Rueckschluesse auf die Praesidentenwahlen des Jahres 1964 gezogen. Dies tag, 2 1 2 Jahre vor densel- >en, fuer europaeische und lordamerikanische Begriffe echt verfrueht anmuten, st aber im Hinblick auf die chweren Erschütterungen, lie Suedamerika heimsuchen, ehr erklaerlich. Speziell in Jhile hat die unleugbare ertrauenskrise, die durch lie ueberraschenden Masslahmen auf dem Devisennarkt aufkam, sowie das /ordringen der Castro-Agenn die Saiten des politischen Instruments bis zum Zerreisin angespannt. Einer der naechsten Articel wird sich mit dem Theaa befassen, wer es tonanjebend erklingen lassen ¡nennte und mit welchen Melodien. ATSCHEKA INDUSTRIE - MESSG2RA3TE TEMPERATUR — Ph — DURCHFLUSS FEUCHTIGKEIT Ab Lager und direktem Import REPARATUREN — INSTALATIONEN LECHNER Y CIA. LTDA. Nueva York 52 — Of. 418 — Tel. 87765