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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-04-01 · 4 (Abril, 1962) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
4 (Abril, 1962)
Date
1962-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Abril 1962 5 BOLETIN INFORMATIVO ALEJANDRO LANDE s. A. Am. 28. Maerz 1962 verschied nach schwerem Leiden unser allseitig beliebter und verehrter Vize-Praesident, Herr Alejandro Lande. Direktorium und Mitglieder des Repraesentantenkollegiums der S. C. I. und der B’ne Berith Pacifico, der er viele Jahre angehoerte, hielten in seinem Hause Wache am Sarge des Verstorbenen, bis er am fruehen Nachmittag des 29. Maerz in das Gemeindehaus ueberfuehrt wurde, wo seine Mitarbeiter und Freunde die letzte Stunde gemeinsam wachten. Nach dem von Herrn Rabbiner Loewenstein gesprochenen 23. Psalm und einer Ansprache des Herrn Martin Michel, Vorsitzender des Repraesentantenkollcgiums, deren Text wir gesondert bringen, sang der Damenchor unter Leitung von Herrn Erwin Herper den Psalm Enausch, der uns aus unserer Seelenfeier so vertraut ist. Anschliessend begab sich der Trauerzug nach dem Friedhof, wo sich eine grosse Menge von Gemeindemitgliedern, Freunden und Logenbruedem des Dahingegangenen versammelt hatte, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. ' Nach dem Vortrage des “El Mole Rachamim” durch Herrn Kantor Ruschin und einer Ansprache des Herrn Rabbiner Lubliner ergriff Herr Dr. Landau das Wort, um namens des Vorstandes dem verstorbenen Freund und Mitarbeiter Worte des Gedenkens zu widmen, dann sprach in Vertretung der B’ne Berith Pacifico deren Vize-Praesident Herr Rodolfo Pincus. Nach Beendigung der Trauerfeier wurde die sterbliche Huelle Alejandro Landes der Erde uebergeben. IN MEMORIAM ALEJANDRO LANDE In den Mittagsstunden des 28. Maerz ist der Vize- Praesident unserer Gern de, Herr Alejandro Lande, venige Monate nach Vollendung seines 67. Lebensjahres inem schweren Leiden erlegen. Er wurde am 28. November 1834 als juengstes von 4 hindern eines frommen ju°- dischen Hauses geboren, in hnem kleinen Doericnen, Feuerstein bei Lissa in Posen, jener ehemaligen deutschen Provinz, die neben Obsrschlesien das schier unerschoepfliche Nachwuchs reservoir des religi o e s e n deutschen Judentums war. Fast unmittelbar nachdem er seine al1°-°m'ine und berufliche Ausbildung vollendet hatte, brach der erste Weltkrieg aus und fast von Anfang an war er Soldat, stand 3*4 Jahre an der Front und wurde zwei Mai schwer verwundet. Nach seiner Entlassung aus dem Militaerdienst nahm er seinen Wohnsitz in Gross-Wartenbsrg, wo er seine zukuenftige Gattin, seine treue Gefaehrtin in guten und boesen Tagen kennen lernte. Gross-Wartenberg war ein kleines Staedtchen in der Naehe von Breslau mit einer juedisehen Gemeind von etwa 80 Seelen. Wie in allen diesen schlesischen und posenschen Kleingemeinden, pulsierte auch hier regstes juedisches religioeses Leben.! ter, 1952, wurde er Mitglied En Gross-Wartenberg verdiente sich Alexander Lande seine ersten Sporen im juedischen Gemeindeleben. Er wurde schon nach wenigen Jahren Vorsteher der Gemeinde und schliesslich auch Vorstandsmitglied des Landesverbandes Niederschlesischer juedischer Gemeinden Centralverein und RJF zaehlten ihn zu ihren aktivsten Mitarbeitern. Bis * zum Ausbruch der braunen Pest lebte Alejandro Lande in Gross-Wartenberg. Als jedoch das Leben in der kleinen Stadt immer unertraeglicher wurde, wand te er sich zuerst nach Breslau und dann, als er sah, dass die Drohung ueber dem deutschen Judentum sich immer mehr zusammenballte, wanderte er 1939 nach Chile aus. Seine Korrektheit und seine grosse Gabe, Menschen richtig zu behandeln, verschafften ihm bereits in den ersten Jahren seines Aufenthaltes in Chile einen grossen Bekannten — und Freundeskreis, und so konnte es nicht ausbleiben, dass man ihn bald bat, seine Kraft der j uedischen Gemein schaft zur Verfuegung zu stellen. Im Jahre 1947 wurde er zum Mitglied der Repraesentantenversammlung unserer Gemeinde gewaehlt, der er seitdem ununterbrochen angehoerte. Fuenf Jahre spaedes Direktoriums, in dem er verschiedene wichtige Posten bekleidete, bis er schliesslich im iTahrh 1957 z.um Vize- Praesidenten gewaehlt wurde. Wir, die wir das Glueck hatten, mit ihm jahrelang zusammen zu arbeiten, haben seinen klugen Rat und seine wohlbegruendeten Ansichten immer zu schaetzen gewusst. Er war kein Mann grosser und vieler Worte, stets gab er seiner Meinung in wenigen knappen Saeizen Ausdruck. Immer waren seine Aeusserungen das Produkt reiflicher Ueberlegung, keine theoretischen Ausfuehrungen, sondern stets praktisch durchfuehrbare Massnahmen. Grosse Arbeit zum Besten unserer Gemeinde hat er als Vorsitzender der Kultuskommission geleistet. Zu diesem Amt war er auf Grund seines Verstaendnisses fuer alle Richtungen besonders geeignet; seine Objektivitaet und sein Gerechtigkeitssinn trugen viel dazu bei, die Arbeiten dieser Kommission erfolgreich zu gestalten. Der Hoehepunkt seines Lebens war die Reise, die er im vergangenen Jahre zusammen mit seiner . Frau nach Israel machte, um dort seine Tochter, den Schwiegersohn und die Enkelkinder (Fortsetzung Seite 6) WORTE DES PRESIDENTEN DER SCI DR. S. LANDAU "B'NE JISROEL" Lautes Schl uchzen — Schwaigen — tiefes ernstes Schweigen, das ist die Raaktions eines Menschen angesichts eines ihm jaeh widerfahrenden Ungluecks, je nach seiner Veranlagung. Der Schmerz laesst keine Gedanken aufkommen und noch weniger sie in Worte kleiden. So haben die Mitglieder AUS DER REDE DES VORSITZENDEN DES REPRAESEN- TANTEN-KOLLEGIUMS, HERRN MARTIN MICHEL Wir nehmen Abschied von unserem Mitarbeiter Alejandro Lande in diesem Haus das ihm ein zweites Heim war. Seit langen Jahren war er nicht nur Mitglied, sondern immer an fuehrender Stehe taetig. So wie sein Aeusseres war, aufrecht und gerade — so war er in seiner Taetigkelt, in seinem Verhaeltnis zu seinen Mitmenschen. Er war ein bewusster Jude, der seine Zugehoerigkeit zum Judentum nicht als Erbe auffasste, sondern um es mit dem Dichter zu sagen, das er es sich immer wieder erwarb um es zu besitzen und weiterzugeben. Er war' ein liberaler Mensch, sein Liberalismus war positiv und er opferte seine Zeit um seine Gedanken zu verwirklichen, einen Gottesdienst wuerde — und veihevoll zu gestalten. Und' dies zeichnete ihn besonders aus: Er, der die orthodoxe Erziehung der po-;ener Kleinstadt erwarb, sah in dem positiven Liberalismus die Zukunft des juedi-;chen religioesen Gedankens rnd er, der aus der politisch liberalen Welt kam, sah die Zukunft des Judentums im nationalen Zusammenschluss, im Auf.— und Ausbau des .Staates Israel. Und es war nur natuerlich, dass sein Blick dorthin gerichtet war, wo seine Kinder und Enkel lebten, wo er, wie auch hier — einen grossen Freundeskreis besass, die in Gedanken alle von ihm heute Abschied nehmen, den ewigen Abschied. Als Vize-Praesident der SCI “B’ne Jisroel”, als Vorsitzender der Kultuskommission hat er eine Faehigkeit entwickelt, die beispiellos war und die ihm Anerkennung und Dank nicht nur seiner Mitarbeiter und der Repraesentanz, sondern der gesamten Gemeinde und darueber hinaus des ganzen Jischuw brachten. Unsere Trostworte, die wir seiner teuren Gattin und tapferen Gefaehrtin auf dem nicht immer leichten Lebensweg .aussprechen, erfuellen auch uns mit Trauer, die wir einen wahren Freund verloren haben, dessen guter Name mit der “B’ne Jisroel”; mit diesem Hause und dem gesamten Jischuw in ewigem Andenken verbunden sein wird. Lech le Scholaum des Direktoriums und der Repraesentanz unserem Freunde, unser-m Kollegen Alejandro Lande schweigend dis Ehrenwache gehalten. Sc haben wir soeben die letzte Stunde am Sarge unseres Freundes geschwiegen. Und so soll auch der Abschied von unserem Freunde ein stiller sein, ein letzter p.rsoenlicfier rein gedanklicher Gruss an ihn, ein Dank fuer das was er uns war, was er mir war. /Alejandro Lande war uns ein wahrer Freund. Nicht zu gross war der Kreis der Menschen, die er seine Freunde nannte, wer aber das Glueck hatte, sein Freund zu sein, dem war er es mit seiner ganzen aufrechten, ehrlichen Persoenlichkeit. Fuer ihn setzte er sich ein. Wer zu ihm Zugang gewann, konnte mit Recht das Dichterwort zitieren: “Wem der grosse Wurf gelungen, eines freundes Freund zu sein”. So waren seine Freunde in gegenseitigem geistigen Geben und Nehmen in wahrer Seelenfreun d s c h a f t und Wahlverwandschaft mit ihm verbunden. Ich betrachte es als ein besonderes Privileg, dass es mir v-rgoennt war. noch vor ganz kurzer Zeit einige V|fo-;hen mit ihm in Vina zu verbringen und die bestehende Freundschaft noch zu vertiefen. Alejandro Land6 war uns ein lieber, wertvoller Kollege. Er, der schon in seiner frueheren Heimat in der Ge-, meinde taetig gewesen ist, Isr ein grosses juedisches Wissen besass, war der Jude kat exogen. Fuer ihn war;s eine Selbstverstaendliclikeit, auch hier am Aufbau unserer Gemeinde regsten Anteil zu nehmen. In vielen Ehrenaemtern taetig, war er in den letzten Jahren der Vize-Präesid nt und Vorsitzende der Kultus-Kommission unserer Gemeinde. Seine Klugheit, seine Ausgeglichenheit und sein ausgesprochener Sinn fuer Gerechtigkeit und seine Objektivitaet waren Eigenschaften, die ihn in der Ausuebung seiner Ehrenaemter auszeichneten. Er war die Synthese zwischen einem konservativen und einem liberalen Juden und er war die Synthese zwischen einem religioesen und einem nationalen Juden. Aus frommem, traditionellen Hause stammend, hatte er dennoch Verstaendnis und Liebe fuer diejenigen Unter uns, die nicht mehr urber die Kenntnisse verfuegen, um in unseren althergebrachten Formen die Erhebung zu finden, die jeder Mensch so dringend noetig braucht. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde er (;um Kaempfer, zum Verteidiger dieser Menschen und war stets darauf bedacht, dass unser Gottesdienst fuer alle unsere Freunde zum Erlebnis wurde. Er wurde so zum verstaendnisvollen F r e u nd (Fortsetzung Seite 6)

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