Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 2 (Febrero, 1962)
- Date
- 1962-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/8553624-8558349-9194501--3395-8558377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 BOLETIN INFORMATIVO Febrero 1962 CHAMSIN «as '-íllh'.».. xr... t¡' ' 'J: J Es ist, als ob die Wusste M*t Feueratem ihrB-n Durst verkuendete, Als ob sie ihre Boten schickte durch Land Damit man sie nicht vergesse. Denn sie leide!-, die Wusste. Ihr unstillbarer Durst legt sich ueber oie sprussende Erde Und nimmt ihr den Atem. Denn die Wueste ist Fleisch von ihrem Fleisch Und Blut von ihrem Blut, Und niemand kann sich ihrem Leid entstehen Das uralt vne seins. Nicht der Mensch, der sich dem Lande verbunden, Nicht das Tier, das duerstend dem Wasser zustrebt, Nicht der Baum, der zwischen riesigen Felsen Seinen Weg sich bahnt ins Dasein, Vichts entreisst das Geschaffene, das Lebende, Dem Leiden der Wueste. EDITH GOLDSCHMIDT Israel — Mai 1961 SCHUHE für jeden leidenden Fass werden schnellstens und preiswert angefertigt. Merced 753 — Lokal ll Galería Andes Santo Domingo 694 - Fono 36387 Erstklassige Maasaniertigung ELEKTRISCHE DEPILACION WIMPER UND AUGENBRAUEN DAUERF4ERBUNG PEELING HAUTREINIGUNG UND GESICHTSMASSAGE MAKE UP Lilly de Sohr Moneda 720 Depro. 208 2 3! ^»^8lÍiÍÍÍÍS|fJ: si*:-: litÄtli ÉMnndl £¥>:v¿K - '•'••••• &>>m Es war einmal ein Garten. Er war gross, gut geschnitten, vcll altem Baumbestand und I mit vielen, vielen, bunten, duftenden Blumen ueber- | streut. Seine Wege waren I breit, seine Rasenflaechen | grosszuegig und gepflegt. Sein H~rr liebte ihn sehr, seine ’ Pfleger hueteten ihn, wie ein verwoehntes Kind. Der ah- Obergaertner, der schon un- | ter der Leitung seines Vaters i ¿ort seine ersten Pflanzveri suche ausprobiert hatte, litt! wie ein kranker Mensch, i wenn er seinen Schuetzlin-; gen in trockenen Jahren nicht regelmaessig Beriese- I lungswasser zufuehren konni te; er liess, wie seine geliebten ‘ Baeume, dann die “Blaetter” haengen und seine schlechte Laune verhiess dem Hilfs- | gaertner strenge Strafe fuer iegliches, kleinstes Versaeumnis. I Die Besitzerfamilie war zahlreich. Fuer jedes Mii-! glied, jedes neugeborene Kino oder Kindeskind, fuer frohe und auch traurige Ereignisse, fuer wichtig0- Weltdatei; wurde ein Baum oder Strauch gepflanzt. Es gab stets angeregte Diskussions- Sitzungen, bis Art und Platz H6U9P 'Pfl-’v*'7*0 frvcf. stand, denn jede Gelegenheit erforderte persosnliche Note und logische Folgerung. Allmaehlich wurde ein Snaziergang durch den Garten Tim Gang durch Erinnerungen. Die Liebkosung, die man dem fernen Sohn nicht selbst geben konnte, bekam “ sein e” hochgewachsene Edelkastanie. Fuer die Tochter wartete die ganze Familie von Geburtstag zu Geburts tag auf die puenktliche-erste Bluete “ihrer” Camelia, die den Ehrenplatz auf dem Gabentisch einnahm. Jauchzend Meten die Enkelkinder als erstes bei ihrem woech'mtiijjocsn <*»]^ Pflanze, die sie bald im Wachstum weit ueberholte Staunend und stolz stand die kl'ine Dreijaehrige im Schatten und Bluetenduft “ihrer” Magnolia und weinend hoerfe der enttaeuschte Enkel, dass leider “sein” Diamelo rst spaeter, als erhofft, die blau-weissen Bluetensterne osffnen wird. Da stand ' die Trauerweide, die den verzweifelten Tag des Kriegsausbruches . unvergesslich machte, der Lorbeerbaum, der an die Freude seines endlich erreichten Endes erinnerte, die Fliederbüsche, in allen lila und weissen Schattierungen, die zu Vaters 5o. Geburtstag gepflanzt wurden, der strahlend blau blurhende, dekorative Jacarandä, der “Oma- Baum” hiess, die Edeltanne, die den Namen eines putzigen, verhaetschelten Hündchens trug, der der Geliebte d"T Kinder war. In pimr Ecke leuchtete die Kaskade der tieflila Flut einer Bougainvilla, die die unverwirkHchto Süden-Sahnsucht des ge- I liebten, noch in Europa veri i storbenen Grossvaters veri! sinnbildlichte, Natue r 1 i c h 1! wurde der Besuch der Tante aus Israel durch 2 Oran- 1; genbaeuma verewigt, deren; erste Fruchtkerne mittleri weile wieder neue Baeumchen! 1 in. Israel selbst entstehen; , Hessen. Auch die alten An- , gestellten bekamen ihr“! I Pflanzen, wenn sie 5 Jahr^ lim Hause waren: es war der Stolz der Hausfrau eine stattliche Anlage von 7 Gewaechsen nachweisen zu koennen, was bei dem ueblichen chronischen Maedchenwechsel einen Rekord darstellen duerfte. Jahre ungetruebten Gluekkes streiften den Garten Hessen ihre produktiven 7’1chen zurueck und machten ihn zu etwas sehr Perso nlichem, sehr Lebendigen Ihn nach laengerer Abwesenheit wiederzusehen, war reine Freude und frohe Freundes-Begru e s s u n g: er nahm Teil am Familienleben troestete, versoehnte, sang und weinte mit allen Stimmungen. Er gab mit reicher Haenden die Liebe und Anhaenglichkeit zurueck, die man ihm dankbar darbrachte. Er war wunderbarer, immer bereiter Freund. Und dann hiess es auf einmal Abschied nehmen von ihm. Er wurde sozusagen vom Garten zum Grundstueck degradiert und ausgewertet. Fremde Mensch n kamen und massen ihn aus, Bodenproben verursachten ihm tiefe Wunden, Pfaehlr v'rletzten seine ruhevolle Schoenheit. In verzweifelter Abwehr trieb er seine schoensten, leuchtendsten Eluetm. brachte er Fruechte zur Reife von verführerischster Suesse und Gro'sse, liess ei es in allen Ecken und Winkeln spriessen und wachsen mit unheimlicher Gewalt. Er liess seine Zweige bittend ans Fenster klopfen, er lud Singvoegel und bunte Schmetterlinge ein. um sich noch strahlender, noch begehrenswerter erscheinen zu lassen. Er rief die Wolken zu Hilfe, bis sie ihm, mitten im Hochsommer, heisse Regen-Traenen schickten, ei kaempfte mit allen Mitteln um seinen Platz und Rang als Familien-Mitglied zu behaupten. Die schwerfaelliger. (und vielleicht feigen) Menschen ahnten sein Leid, aber beruecksichtigten es nicht Und da Hess er sich selbst fal - len, gab er sich auf. Auf Rasen und Wegen machte sich schadenfroh das Unkraut Breit, wilde, ungehoerige Triebe entsprossen seinen stolzen Baeumen, ungehemmt ueberwucherten frueher verfehmte Gewaechse seine edlen Pflanzen. Er verkam voellig. Dieser traurige Verfall wai reine, wahre Guete, war Ruecksichtnahme und Liebe seinen Familien - Freunden grgenueber. Er machte ihnen damit den bitteren Abschied wesentlich leichter, er gab ihnen dis bequeme, sehr menschliche Ausr'de-Moeglichkeit, ihn als Fremden anzuseh.en, dessen Glanz-Zeiten sie sich und dessen Verfall sie ihm zuschreiben konnten Das kleine Stueckchen Eden, aus dem der Mensch sich selbst ausgetrieben, wurde zur ruehrendrn Erinnerungsquelle. Die Alten nehmen sein Andenken im Herzen mit, die Jungen im Kopf, und die ganz Kleinen in den staunenden Augen, wenn ihnen von ihm erzaehlt wird und sie neugierig alte Familienfotcs durchbfa etter n. Viele seiner stolzen Baeume fielen unter der Bauaxt. viele stehen noch und rauschen und raunen von frueheren Zeiten und vergessen nicht und werden nicht vergessen. K.g Der Weg noch Jerusalem ■» -■'it ■4 k Ï 56473875