Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 2 (Febrero, 1962)
- Date
- 1962-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Febrero 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 ANTISEMITISMUS IN CHILE? ALTES GIFT IN NEUEN KAPSELN Eine Reihe von Leserbriefen, von hiesigen Zeitungen v e roeffentlicht, rief uns waehrend der letzten Wochen ins Gedaechtnis, was wir nie haetten vergessen sollen: dass der Antisemitismus nicht tot ist. Gewiss, die Umstaende waren nicht alarmierend. Ein gewisser Karl Woenckhaus, den die allierte Militaerpolizei wohl mit Nach— und Absicht anno 1945 entwischen liess, fuehlte sich bemuessigt einleitend zu »beteuern, er sei kein Nazi, sondern lediglich Chilene; einen Hinweis darauf, ob sein Stammbaum ariernachweislich auf die spanische Gross mutter zurueckgefuehrt werden kann, blieb er schuldig, um ohne Umschweife einige Geistesblueten seiner irren Fuehrer und Irrefuehrer als eigene Ueberlegungen vorzubringen. In d e r Wochenschrift, die einst unter der Leitung der Seoane, Lanzarotti oder Lenka Franulic mit Recht den Anspruch erheben konnte, fiuhrem' in Lateinamerika zu sein, v e r u n glimpfte ein veril i n d erter Massenmoerder namens Jaime Peña Bergeret das Andenken von sechs Millionen Toten, ein pietaetvolier Leser zog fuer Bormann und Mengöle im Namen der Naechstenliebstreitbar zu Felde, wenn er auch die Erklaerung dafuer schuldig blieb, welch geheimnisvoller Mechanismus die gleiche Naechstenliebe vor garnicht langer Zeit so wirksam ausser Kraft setzen konnte; schliesslich bestritten zwei Volksgenossen des Herrn Woenckhaus —Chilenen also— namens Loehnert und Henke oder so aehnlich Jas Recht des-Staates Israel, ihren Gesinnungsgenossen Eichmann abzuurteilen, mit den gleichen Argumenten, lie der Verteidiger bereits vor mehreren Monaten als unhaltbar aufgeben musste und bewiesen damit unter anderem, dass sie sich mangels eines geeigneten Surrogats fiter den “Voelkischen Beobachter” noch nicht entschlossen koennen, regelrnaessig die Tagespresse zu lesen. Alles in allem also, wie gesagt: nichts Alarmierendes, weder auantitativ noch qualitativ. Da es aber einen qualitativ hochstehenden Antisemitismus noch nie gegeben hat, so wie es keine schoepferische Geisteskrankheit oder keinen humanistischen Kannibalismus geben kann, lohnt es sich doch bestimmt, einmal der Frage nachzugehen, an welchen trueben Waesserchen diese Fischer eigentlich ihre Angelhaken kreuzen. Vor allem leitet und verleitet uns dabei der Vorteil, dass sie endlich, schwarz-weiss-rote Farbe bekannt haben. Sie behaupten nicht, Grabsteine aus Jux umgeworfen oder Synagogen aus jugendlichem Uebermut besudelt zu haben. Nein, sie haben gestammelt und gelallt und denkende Mitmenschen imitiert, wenn diese Gedanken ausdruecken und Argumente Vorbringen. DER ANLASS UND DER GRUND Direkt (Oder indirekt stehen manche dieser Ungeistesblueten mit dem Eichmann-Prozess in einem gewissen, wenn auch manchmal oberflaechlichen, Zusammenhang, wie dies zum Beispiel bei dem nun wiedererwachten Interesse f u e r die Fluchtspur der Bormann, Mengele, Mueller und sonstiger fuehrender Untermenschen der Fall ist. Nun fehlt es nicht an Wankelmuetiven unter uns. d°- nen —“ich habe es gleich gesagt!”— dieser Prozess von Beginn an ein Dorn in dem Auge war, das ansonsten in diesem Ferienmonat die Schoenheit der Pazifischen Kueste uneetruebt geniessen koennte. Wie leicht sollte es ihnen aber fallen, das seelische Gleichgewicht wiederzuerlangen, wenn sie mit ihren Gedanken nur ein ganz klein wenig weiterschweifen und sich daran erinnern, dass die Epoche grausiger Judenverfolgung, Hier die •fichmann ein veraechtliches Symbol ist, nicht mit diesem Prozess begann. Mit ihm nden, ja, das soll sie, in einem Akt quantitativ unzugänglicher Gerechtigkeit und als eins Warnung fuer unsere und küenftige Generaionen. Wie oft schon haben 'Unschuldige juedische Angeklagte —angebliche “Ritua1n o e r d e r”, s y nthetische “Volksfeinde”— vor ihren Blutrichtern gestanden, zu Beginn und im Verlauf einer Kette von Verfolgungen. Dies«r Prozess ist nicht nur der “rste. wo das antisemitisch“ Unrecht nicht zu G°ri.cM “itzt sondern abgeurteilt wird, wo nicht Antisemiten Tud°n sondern .Tudrjn pin«m notorischen antisemitischen Verbrecher richten, wo wir nicht um eine nie gewahrte Gnade bitten sondern Recht ergehen lassen, nein, es ist auch der erste Prozess, den die Geschichte als letztes Kapitel in eines ihrer traenen— und blutbesudelten Buecher eint,ragen soll. Wir sind das unseren Toten schuldig. Wer aber auch diese Schuldenlast nie als eigene emofand und trotz allem fu°rchtet. das letzte Kanitel dt°ses Buch°s koenne als Vorwort su einem na°chst“n dienen. rUm sei gesaet. dass er d°n nichtigen Anlass mit. dem wahren Grund verwechselt den Vorwand mit der Ursaehe, die Debatte mit ihr°m Inhalt. Mit oder ohne Eichmann-Prozess. dessen Bed°utunoin der juedisnhen Geschichte und im internationalen Recht, weit u°ber solche Bedenken erhaben ist. kommen die Argumente d°« Antisemitismus immer da und dort, zur Sorache, wo er ootentiell existiert. Was daher von Bedeutung ist, sind nicht die gehaessigen oder idiotischen —oder alles zusammen— Hirngespinste der eingangs erwaehnten, an Judenhass erkrankten Subiekte. Es ist kein Zufall, dass wir uns nicht der Muehe unterzogen haben, sie wiederzugeben oder zu analysieren Vor einer aehnlichen, wenn auch ungleich ernsteren Situation, entschloss sich einst 1er “Central-Ver ein” zur Publikation eines aufklaerenden Handbuchs unter dem Titel “Anti-Anti”. Es gab keinen antijuedisehen Vorwurf, der darin nicht mit der geistigen Souvr.raenitaet und der souverasnen Geistigkeit, die dem deutschen Judentum zur Zierde gereichten, entkraeftet wurde. "Der > Misserfolg war ebenso eklaant wie die Absicht rueh- •end war. Nicht mit den hier Ich tummelnden Antisemiten zu diskutieren ist unse- •e Aufgabe, sondern uns zu 'ragen: welches ist die Erde, in der diese Giftpilze wachsen, wo der Naehrboden, in dem diese Hefe gedeiht? Bei einer solchen, nach den Gruenden des Antisemi- :ismus gerichteten Fragestellung, kann es sogar bis zur 'rrefuehrung schaedlich sein, bei dem stereotypen Gefasel mserer Feinde zu verweilen: beinhaltet es doch immer Jen ungefaehr gleichen Nonsens, ob er nun in Nuernserg oder in Johannesburg, in Little Rock oder in Leningrad. in Algier oder in Saniago vorgebraeht wird. Die Situation aber, mit der wir ms auseinanderzusetzen haben, ist von Fall zu Fall raiikal verschieden. So waere es ebenso naiv zu hoffen, d?i Nazismus habe den Begriff ‘Rasse’ fuer immer und ewig in Misskredit gebracht wie s dumm waere zu fuerchten, in Lateinamerika koenne er als explosiver Faktor in die Politik einsprengen: in Arlansas und Alabama aber und in Suedafrika gibt es ein turbulentes Meer von Rasse- Problemen und kein Damm garantiert den dort ansaessigen Juden, von seinen Wogen nicht erfasst zu werden. Oder die neue Welle von Judenverfolgungen in der Sowjet-Union, die mit Goldstuekken, die einige Juden angeelich oder wirklich besessen haben ebensowenig zu tun hat wie mit dem juedischen “Aerzte-Komplott” auf das heben des damals guten Vaeterchens und heute als bluigen Tyrannen “entlarvten” Tosef Stalin, sondern die nur ui erklaeren ist im Zuge einer Analyse der diskriminaorischen Nationalitaetenpoitik der Sowjet-Union sowie ier animischen Nichtanpasumg an Zustaende der Unfreiheit, die uns Juden auszeichnet und zur Ehre gereicht. GESELLSCHAFT IM UMBRUCH Welcher Natur sind dagegen die Gegebenheiten, mit lenen wir in Chile im Beonderen und in Lateinameika im Allgemeinen zu rechnen haben? Sie so erschoep- 'en.d wie nur irgend moeglich darzustellen, waere gewiss eine ebenso dankensverte wie bedeutungsvolle \ufgabe, der sieh vielleicht ine Organisation wie die “CENTRÄ” je frueher desto besser, unterziehen sollte. Eine solche Darstellung nuesste in grossen Zuegen zwei Komplexen Rechnung ragen. Der erste wurzelt in der Vergang enheit und :oennte der Einfachheit hal- 3er “statisch” genannt werden. Er hat von der Betrach- :ung der Gesellschaft auszugehen, die wir vor mehr als (Fortsetzung Seite 18) FÜIG-& SCHIFFSPASSAGE auf allen Linien zu offiziellen Preisen HOTEL-BESTELLUI\!GEA im In— & Ausland KOMPLETTE «HUTS (Alles eingeschlossen) Fuer Einzel— & Gruppenreisen LDWECHSEL Ul REISE-SCH! (Agentur American Express) FEI GEPAECK — TRANSPORTE VERPACKUNG IN KISTEN & VANS ZUSTELLUNGEN AN BORD in Valparaiso & Buenos Aires LUFTFRACHTEN ALLER ART (auch Paket-Sendungen) einschl. Ost-Staaten) TURISMO Agustinas 1049 Tel. 82662/3 8663