Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 1 (Enero, 1962)
- Date
- 1962-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero 1962 BOLETIN INFORMATIVO 9 DER REICHSPRAESIDENT IN DER WEIMARER REPUBLIK Band II der Schriftenreihe des Forschungsinstitus fuer politische Wissenschaften der Universitaet zu Koel." Demokratische Existenz .heute" — Athenaeum Verlag, Frankfurf/Mam. JOSEL VON ROSHEIM Der hier veroeffentlichte Vortrag Dr. Hermann Puenders waere - da der Autor 1926 - 1932 Staatssekretaer und Chef der Reichskanzlei war und dementsprechend die schwierigen verfassungsrechtlichen Probleme denen sich die Weimarer Republik gegenueber sah, aus naechster Naehe miterlebte - von aussergewoehnlichem Interesse, wenn er die rechtliche Seite des im Titel erwaehnten Problems erschoepfend behandelt haette. Leider gibt er sofort an, dass dies nicht seine Absicht sei, und diese Voraussage hat er wahrgemacht. Anfangs zieht er eine Parallele zwischen der Niederlage 1918 und dem Zusammenbruch 1945 und stellt fest, dass, waehrend das Volk die Weimarer Republik mit dem verlorenen Krieg, Not und Drangsal identifizierte, die Bundesrepublik als Symbol der Normalisierung und de-’ wirtschaftlichen Aufstieges angesehen wird. Unter Beruecksichtigung der damals (1918-20) vorherr sehenden monarchistischen Tendenzen, dem Druck von aussen und der Anarchie von innen, war die Notwendigkeit einer starken Exekutive gegeben, die jedweder ploetzlich auftretenden Notstandsituation mit aeusserster Energie entgegentreten konn te. So entschloss sich die In einem reichhaltig illustrierten Band bringt der Athenaeum Verlag eine “Geistesgeschichte in Lebensbildern deutscher Dichter’’ zwischen den Jahren 1750 — 1900. Bedauerlicherweise koennen wir nicht behaupten, dass der Geist, den diese “Geistesgeschichte” atmet uns gefaellt. In einem Band von ueber 800 Seiten werden z. B. Theodor Koerner rund 3 Seiten, Gustav Freytag ungefaehr 5 und Heinrich Heine ebensoviel Raum gewidmet. Obwohl wir Herrn Ermattinger in keiner Weise unsere literarischen Praedilektionen und Werturteile aufdraengen wollen, waere ein wenig Objektivitaet und Sinn fuer Proportion nicht ganz fehl am Platz gewesen. Auch der Ton, in dem die verschiedenen Lebensbilder abgefasst sind, spricht Baende. *■ Als Beispiel, nur zwei Abschnitte aus den Lebensbildern Heines und Freytags: Seite 631 (Kapitel “Forcierte Talente” — Immermann, Grabbe, Rueckert, Platen, Lenau, Heine). .. .Die seelische Beweglichkeit, die in Heines Leben immer wieder ueber die traeg e Materie ¡triumphiert, wirkt sich auch in seiner gedanklichen Entwicklung aus. Was darin gleich bleibt, ist der Anspruch des Ich an die beste, bequemste oder — am Schluss wenigstens — ertraeglichte Lebensart. Das geistige Gewand wird gewechselt je nach der Wetterlage. Als Jude geboren, hat Weimarer Nationalversammlung zu einem Mittelweg zwischen dem amerikanischen und dem franzoesischen System, also einem direkt vom Volke gewaehlten starken Presidenten und daneben eine dem Parlament verantwortliche Regierung. Somit war schon in der Verfassung Grund zu vielerlei Kompetenzschwierigkeiten gelegt, nichtsdestoweniger aber stellte die Verfassung. .. “mit voller Absicht zwei gleiche demokratische Organe nebeneinander, den Reichspraesidenten und den Reichstag. Beide zusammen bildeten erst die Verkoerperung der Volkssouveraeni— taet.” Wie schon eingangs erwaehnt, hat der Verfasser seine Absicht, kein verfassungsrechtliches Referat zu halten wahrgemacht, wenngleich gerade dieses Thema Stoff genug dafuer geboten haette. Nach Auf zeigen der oben erwaehnten Situation beschraenkt er sich darauf, eine Wuerdigung der Praesiden ten Ebert und Hindenburg zu geben, Diese, wenn auch interessant und instruktiv, da der Autor ja aus naechster Naehe alle Ereignisse miterlebte, traegt jedoch in erster Linie biographische Zuege. er die Braeuche des Judentums geachtet: oder umgangen, wie es ihm passte. Er weigerte sich als junger Mensch, bei einer Peuersbrunst mitzuhelfen, die Wass e r e imer weiterzureichen, weil es Schabbes sei; aber er verletzte das Schabbesverbot, Trauben zu nfluecken, indem er die Beeren mit dem Mund abreisst. 1882 gehoerte er in Berlin dem Verein fuer Kultur und Wissenschaft ’ der Juden an, der sich, selbst um den Preis des Maertyrertums, die innere Staerkung des Judentums zum Ziele setzte, aber zur gleichen Zeit gestand er, er habe nicht die Kraft, einen Bart zu tragen und sich Judenmauschel nachrufen zu lassen und zu fasten. Er habe nicht einmal die Kraft, ordentlich Mazzes zu essen. Der Ueber - tritt zum Christentum bedeutete ihm nur das Entrebillet zur eurjopaeischen Kultur”. Dagegen aus dem Kapitel “Erzaehler des bürgerlichen Realismus, A. von Droste, Freytag, Ludwig, Reuter, Storm, Fontane” — ueber Gustav Freytag: (Seite 749). “...Das Leben Gustav Freytags zeigt einige Aehnlichkeit mit dem Uhlands. In beiden ist die gleiche leidenschaftliche Liebe zum Volke. Bei beiden wirft diese Liebe einen hoeheren Glanz ueber die von Natur nueehterne und verstaendige Anlage der Persoenlichkeit. Beide ruekken die nationale Vergangenheit durch dichterische und geschichtliche Werks (Fortsetzung Seite 31) Selma Stern, die Herausgeberin des Buches: “Jose) von Rosheim, Befehlshaber der Judenschaft im Heiligen Roemischen Reich Deutscher Nation” sagt: Josel von Rosheim und Leo B a e c k waren die Zeugen einer aus dem Unendlichen kommenden Liebe, mit der sie' die Krankheiten und die Wunden, die Leiden und 'die Lasten ihres Volkes trugen und ertrugen und es, wfe jener Prophet im Exil troesteten”. Die Veroeffentlichung des Buches von Selma Stern übernahm das Leo Baeck-Institut. Auf der ersten ” Seite lesen wir folgende Worte: LEO BAECK JUDAEORUM DEFENSORI NOBILISSIMO IN MEMO¬ RIAM. Man kennt den Namen Josel von Rosheim aus den kurzen Abschnitten jüdischer Geschichtswerke, e s gibt eine Reihe von Einzelstudien üb§r ihn, besonders die viel gelesene ,aus dem Jahre 1879 stammende, “historische Erzaehlung” von M. Lehmann unter dem Namen “Rabbi Joselmann von Rosheim als Dichtung und Wahrheit”. Zum ersten Male aber erscheint eine streng wissenschaftliche Monographie, aufgebaut auf allen bekannten und neu gefundenen Quellen in einer grossartigen literarischen Darstellung. Rabbi Josel, der sich auf keine reale Macht, sondern nur auf die des Gewissens stützte, war der Repraesentant und Sprecher der europaeischen Judenschaft in der Zeit der Reformation. Das ausgezeichnet« Buch, das eine düstere Vergangenheit lebendig werden laesst, bietet uns’ viel Stoff zum Nachdenken und Vergleichen. Anstatt einen Auszug aus dem Buche zu geben, halte ich es für zweckmaessiger, Selma Stern selbst zu Worte kommen zu lassen. In der Einleitung ihres Buches lesen wir: “Josel von Rosheim steht als die repraesentative Gestalt des deutschen Judentums an der Schwelle einer Epoche die man als den Beginn der Neuzeit zu bezeichnen gewohnt ist. Man hat diese Epoche einmal eine der “qualvollsten” der deutschen Judengeschichte genannt, und sie hat durch diese Bezeichnung eine unmittelbare Beziehung zur Gegenwart erhalten, mit der sie ohne Zweifel eine gewisse Situations '— und geistige Verwandtschaft besitzt. /Man koennte mit Leichtigkeit das Schicksal der damaligen Judenschaft, deren soziale und wirtschaftliche Lage durchdie Ausweisungen aus den. meisten Reictustaedten und groesseren Territorien eine ausserordentliche Wandlung erfuhr, mit der grossen sozialen und wirtschaftlichen Veraenderung unserer eigenen Existenz vergleichen, und die Hostiensehaendungs — und Von José Tichauer Ritualmordanklagen, die das Leben der deutschen Juden zu Beginn der Neuzeit schwer gefaehrdeten, in Parallele setzen zu den Schrecken der Gaskammern und Konzentrationslager, deren Zeugen wir selber geworden sind. Auch das unerklaerllche Hervorbrechen elementarer und irrationaler Gewalten i n einem Jahrhundert, in dem “die Künste blühten und die Wissenschaften erwachten”, weist manche Aehnlichkeit mit dem 'Durchbruch der unheimlichen unterirdischen Maechte in unserem Zeitalter auf, das sich rühmt, Herr über 'alle Geheimnisse der Natur und Besieger der unbewussten Triebe und Leidenschaften der Menschen geworden zu sein. Auch in der Auffassung vom Juden wirkte sich, wie wir es heute wiederum erleben, diese’ Zwiespältigkeit und Problematik verwirrend und erregend aus. Man versuchte ihn nach dem Gesetz der natürlichen Vernunft dem Gebot der Humanitaet und als ein natürliches und menschliches Wesen zu begrei fen, man war aber gleichzeitig des festen Glaubens, dass abgründige und übernatürliche Maechte sich seiner als ihres gefaehrlichsten und unheimlichsten Werkzeugs bedienten. So gross die Aehnlichkeit zwischen diesen beiden Perioden in mancher Hinsicht auch sein mag, ein Vergleich zwischen ihnen soll hier nicht unternommen werden. Es sollte hier nur angedeutet werden, dass wir durch das Erlebnis der gegenwaertigen Geschichte der Gestalt des Josel von Rosheim ein tieferes Verstaendnis entgegenzubringen vermoegen als frühere Generatonen, dass wir uns diesem mit seinem Volke in magischer Gemeinschaft verbunden, ihm in einer schicksalhaften Wende seines Geschickes dienenden und sich ihm opfernden Manne naeher verwandt fühlen als den glücklicheren Ahnen spaeterer Jahrhunderte. Denn damals wurden die ersten Szenen des Dramas geschrieben, das von der Begegnung des Deutschen mit ' dem Juden und des Juden mit dem Deutschen handelt, jener Tragoedie von Liebe und Hass, ueber deren letzten Akt soeben der Vorhang gefallen ist. Im Mittelalter standen Christentum und Judentum als zwei, um 'ihre nahe Verwandtschaft und ihre unv-ersoehnbare Gegnerschaft wissende, religioese Maechte einander gegenüber, zwei Planeten sozusagen, die um die gleiche glühende Sonne kreisten, jeder sicher der ihm vorgezeichneten Bahn und gewiss des ihm bestimmten unendlichen Ziels. Wenn sie sich begegneten, geschah es im esoterischen Raum, im Ringen um goettliehe und nicht um irdische Wahrheiten. Erst in der Periode des Uebergangs vom Mittelalter zur Neuzeit wurde der Streit zwischen Kirche und Synagoge vom Himmel auf die Erde verlegt. Erst in dieser Zeit de s Humanismus und des rel'igioes-universalen Theimus, der hebraeischen Sprachforschung und der kabbalistischen Studien wurde zum ersten Male von beiden Seiten der leidenschaft-. liehe Versuch gemacht, sich einander zu naehern und zu verstehen, das jedem Menschen eingeborene natürliche Sittengesetz' im anderen zu finden und den ewigen Wahrheitsgehalt der beiden Religionen in Einklang miteinander zu bringen. Damals wurde, zum ersten Male im gemeinsamen Nachdenken die geheimnisvolle Ueberlief-erung, das “wundertaetige ’Wort”, gedeutet und. die hebraeische Sprache im gleichen heiligen Eifer von den Lehrern an die Schüler weitergegeben. Damals haben die Deutschen die ursprünglichen und unverfaelschten Quellen der jüdischen wie der christlichen Religion, die Bibel, neu entdeckt und eine neue Sinngebung ihres Seins, neue Mahnung und Belehrung gefunden. Indem sie sich bemühten, das Geheimnis ihres gemeinsamen Urgrunds zu erraten, begannen sie gleichzeitig sich schaerfer gegeneinander abzugrenzen und sich voneinander zu sondern, die Unvereinbarkeit der Gegensaetze staerker zu betonen und die Unloesbarkeit des Konfliktes tiefer zu betrauern. Diese Auseinandersetzung nahm deshalb solch dramatische Formen an, weil sie sich nicht mehr, wie im Mittelalter, allein in der religioesen Sphaere abspielte.. In einer Zeit, da die alten staatlichen' Ordnungen sich loesten und neue politische Gebilde entstanden, wurde auch das Judenproblem mit allen politischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktoren verquickt und von einer durch revolu,- tionaere Kaempfe und soziale Erschütterungen wachsam und aufmerksam gewordenen Generation einer erneute® Prüfung unterworfen.. An der Judenfrage' seMeden sich die Geister.. Es war, als brauchte diese Zeit, die' noch bildhaft und symbolhaft dachte, die greifbare und sichtbare Gestalt, In der sich Ihre Gegensaetze widiersplegelten und Ihre- Konflikte Äh offenbarte®.. Für die Firsten, die gegen den Kaiser’ rebelliertem und; ihm das Jtidenregal zu emtreissen strebten,, wurde dieses HoheitsrecM zu ebaem Symbol ihres Sieges oder: ihrer Niederlage' überdas Oberhaupt des Reichs waehrend diesem wiederum: (Faittsetzubg: Seite Mi)) H. E. Athenaeum Verlag, Frankfurt-Main Ermattinger: DEUTSCHE DICHTER 1750 - 1900