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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-12-01 · 12 (Diciembre 1961) · p. Seite 25

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
12 (Diciembre 1961)
Date
1961-12-01
Page
Seite 25 (sequence 23)
Language
German
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Diciembre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 25 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT BLICK NACH FRANKREICH Von Arnold Mandel Wie einfach waere es, das Bild eines bluehenden franzoesischen Judentums aufzuzeichnen, wenn wir uns mit einer Aufzaehlung der vorhandenen Institutionen und der Reproduktion einiger statistischer Daten ,begnuegen wuerden. Gibt es in Paris nicht juedische Schulen, Yeshivot, maechtige soziale Organisationen, verschiedene zionistisch - politische Gruppen. Zeitungen und Zeitschriften, Jugendorganisationen usw.? Leider ist aber die Situation nicht so rosig, wie es danach den Anschein haben wuerde, denn wenn wir die Anzahl der von diesen Institutionen erfassten Juden mit der Gesamtzahl der juedischen Einwohner Frankreichs (Buerger und Auslaender) vergleichen, kommen wir zu dem niederschmetternden Ergebnis dass nur etwa 5% von ihnen sich in irgendwelche Organisationen eingegliedert haben. Das bedeutet also, dasvon den 200.000 Juden, die in Paris leben, nur etwa 10.000 einen minimalen Kontakt mit dem juedischen Leben haben. Diese Proportion ist wahrscheinlich noch geringer in den Provinzen, mi' Ausnahme von Elsass-Lothringen, wo es starke juedische Gemeinschaften gibt Dort und nur dort, sind etwa 50-60% der Juden in Gemeinden organisiert, die von der Regierung subventioniert werden, etwas Einzigartiges in einem Land, wc die Trennung von Kirche und Staat so strikt durchgefuehrt wird wie in Frankreich. Wenn wir also vom franzoesischen Judentum sprechen, so koennen wir uns also immer nur auf eine Gruppe von 17-20.000 Personen beziehen und unsere Schluesse nicht auf die etwa 350.000 juedischen Einwohner de* Landes ausdehnen. SARTRE UND DIE EXISTEN¬ ZIALPHILOSOPHIE So merkwuerdig es klingt: Sartre und seine Existenzialphilosophie stehen im Zusammenhang mit der Lage der Juden Frankreichs. Die Dominante Sartres philosophischer Auffassung is* die Wahl und Annahme der Position des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft Diese Wahl ist nicht abstrakt, sondern konditioniert und konkret. So gehoert man z. B., wenn man als Arbeitersohn geboren ist, automatisch zum Proletariat und derjenige, der innerhalb der juedischen Gemeinschaft zur Welt kam, ist eben Jude, mit allem ‘was dies beinhaltet Die Existenzialisten behaupten, dass nur durch vorbehaltlose Akzeptation dieser grundgegebenen St e 11 u n g des Einzelnen die vollen Potentialitaeten eines Individuums sich entwickeln koennen. Dieser heute so moderne Gedankengang hat einen nicht unbetraechtlichen Einfluss auf viele juedische Intellektuelle gehabt, die an und fuer sich dem Judentum fern standen, insbesondere, da Sartre darauf dringt, das? der Jude sein ererbtes, traditionelles Judentum lebe auch wenn er persoenlich z. B. erklaerter Atheist sei. NEUWERTUNG In anderen Kreisen, wie etwa in denen der christlichen Intelligenz, die heutzutage so aussergewoehnlich einflussreich in Frankreich sind, finden wir ein neue« Bewusstwerden der Juden- Renten fuer ehemalige Oesterreicher Oesterreich —wohl als erstes Land in der Geschichte der Sozialversicherung— gewaehrt seit 1. Juli 1958, auf Grund des Gewerblichen Selbstaendigen-Pensionsversicherungsgesetzes (GSPVG) Renten an Personen, welche bis zu ihrer Auswanderung als selbstaendige Handels¬ und Gewertreibende, Industrielle, Dentisten, Buchsaehverstaendige oder freiberufliche Journalisten taetig waren. Dies unter der Voraussetzung, dass solche Personen entweder selbst Inhaber eines Gewerbescheines und als solche Mitglieder der ehemaligen Handels-und Gewerbekammer (heute Kammer der Gewerblichen Wirtschaft, bezw. jener Kammer waren zu welcher sie nach der Art ihrer Taetigkeit gehoerten (Dentistenkammer, journalistengewerkschaft, etc.). Der Besitz eines eigenen Gewerbescheines e r ü b r igt sich für Personen, welche vertretungsbefugte Ge sellschafter einer offenen Handelsgesellschaft gewesen sind oder für persönlich haftende ver tretungsbef ugte G e s e 11schafter einer Kommanditgesellschaft. Es kommen folgende Rentenarten in Betracht: a> Altersrente, b) E r w erbsunfaehigkeitsrente, c) Witwen-und Waisenrente, d) Witwerrente (letztere selten). Grundbedingung für die Gewaehrung von Renten ist die Erfüllung der sog. “Wartezeit”. Hierunter ist jener Mindestzeitraum zu verstehen, waehrend dessen man eine vor dem 1. Jaenner 1939 begonnene selbstaendige Erwerbstaetigkeit nachzuweisen hat. Die Wartezeit ist je nach Versicherungsfall v e rschieden. Für den Versicherungsfall der Erwerbsunfaehigkeit [ und des Todes genügen 60 Versicherungsmonate innerhalb der letzten 120 Monate (10 Jahre) vor dem Stichtag, für die Altersrente müssen 180 Versicherungsmonate (15 Jahre) innerhalb der letzten vor dem Stichtag gelegenen 240 Monate (20 Jahre) gegeben sein. Stichtag ist jener Tag, an welchem sich der Versicherungsfall e r e ignet (Erreichung der Altersgrenze, Todesfall, Eintritt der Erwerbsunfaehigkeit) . Das Erfordernis der Erfüllung der Wartezeit wird ehemaligen Oesterreichern zunaechst als unmöglich erscheinen. Dem ist aber nicht so. Das Gesetz sieht naemlich vor, dass auch Zeiten nach dem Jahr 1933 insbes, aber nach 1945 trotz Auslandsaufenthaltes als Versicherungszeiten auf die Wartezeit Anrechnung finden, Zeiten des Ausländsaufenthaltes jedoch nur bis 31.3. 1959. Auf diese Weise wird eine grosse Anzahl ehemaliger Oesterreicher in der Lage sein, von den neu geschaffenen Rentenrechten Gebrauch zu machen. Im allgemeinen kann gesagt werden, dass Ansprüche auf Rente bestehen, wenn die selbstaendige Erwerbstaetigkeit nicht spaeter als drei Jahre vor der Emigration geendet hat und das 65te Lebensjahr bei Maennern, das 60te Lebensjahr bei Frauen nicht nach dem 31. Marz 1964 vollendet wird. Das 60. bezw. 65. Lebensjahr ist der Stichtag für das Recht auf eine Altersrente. Die Höhe der Rente richtet sich nach der' sog. “Bemessungsgrundlage “u ntd) nach der Dauer der anzur e c hnenden Versicherungs (Ersatz) Zeiten. A1 s Bemessungsgrundlage kommt das durchschnittliche [ Einkommen der Jahre 1935, 1936 und 1937 in Betracht. D ie : Versicherungsanstalt steht auf dem Standpunkt, dass der Nachweis für das Einkommen in diesen Jahren durch Vorlage der Steuerbescheide zu erbringen ist, ansonsten wendet sie die gesetzlich zulaessige Mindestbemessungsgrundlage an, d. i. heutige S 6.000 —pro Jahr. Diese Bemessungsgrundlage führt zu einer niedrigen Rente. Begreiflicherweise wird es kaum möglich sein, Steuerbescheide beizubringen. Es wird infolgedessen versucht —■ und ist zum Teil auch bereits zur Praxis geworden— das Einkommen anderweitig nachzuweisen und zwar dadurch, dass das seinerzeitige Unternehmen nach Art und Umfang genau beschrieben wird, sodass ein Sachverstaendiger aus der zustaendigen Branche in die Lage versetzt wird, das Durchschnittseinkommen verlaesslich zu schaetzen. Oesterr. Staatsbürger, welche im Ausland leben, bedürfen zum Bezug der Rente einer Zustimmung der Versicherungsanstalt. Ehemalige österr. Staatsbürger erhalten die Rente aus der Gewerblichen Pensionsversicherungsanstalt nur wenn sie in einem Staate leben, mit welchen Oesterreich ein Gegens e i t i gkeitsübereinkommen abgeschlossen hat (derzeit besteht ein solches Abkommen nur mit den USA). Der Abschluss von weiteren Uebereinkommen steht in Aussicht. Unter analogen Voraussetzungen können auch ehemalige freischaffende bildende Künstler Anspruch auf Rente erheben. Dr. Friedrich Weissenstein frage welches sich in einer Neubewertung alter Kriterien und oftmals in echter Gewissensfor s c h u n g aus: drueckt. Die unbeschreibiichen Leiden der Juden waehrend des letzten Krieges, ebenso wie. die Wiedergeburt des juedischen Staates haben das traditionelle Bild vom Juden erschuettert denn, waehrend das Judentum zerstoert und zu Rauch und Asche verbrannt wurde, erstarkte das Christentum wie nie zuvor in moderner Zeit. Ueberall in christlichen Kreisen finden wir Respekt und erhoehte Sympathie dem Judentum gegenueber Das zeigt sich am besten aus dem grossen Widerhall, den Buecher ueber juedische Themata, wie ihn z. B. “Der letzte Gerechte “von Schwarz Bart oder ’’Die dunklen Jahre Jesus” von Aron, gefunden haben. ANTISEMITISMUS Ein nicht zu unterschaetzendes Moment in der Indifferenz dem Judentum gegenueber, die heute charakteristisch fuer die Juden Frank reichs ist, ist die Furcht vor einer Identifikation mit dem Judentum und der sich daraus ergebenden Praedispo sition als Opfer des Antisemitismus, des gleichen Antisemitismus, der —paradoxerweise — eines der staerksten bindenden Elemente der juedischen Gemeinschaft darstellt. Hier muessen wir uns nun fragen, ob es in Frankreich im Jahre 1961 einen so virulenten Antisemitismus gibt, dass er die Entwicklung eines normalen juedischen Lebens beeintraechtigt. Diese Frage kann emphatisch verneint werden, Trotz einiger Manifestationen, die nicht unterschaetzt werden sollten, gibt es heute definitiv weniger Antisemitismus als in der Vergangenhiet oder in den Jahren direkt nach dem Krieg. Ja, wir koennen von einem Silberstreifen am Horizont sprechen, und dies trifft sogar auf viele der traditionell antisemitischen politischen Gruppen zu. Zweifellos sind die Vorurteile nicht ploetzlich verschwunden. Sie bilden noch immer einen wichtigen Teil des Ruestzeuges einer gewissen konservativen Fraktion des Buerger— und de* Kleinbuergertums, ebenso wie sie auch in bestimmten proletarischen Sch i c h t e n noch fest wurzeln. Aber Antisemitismus als Ideologie, als politisches Programm, das existiert heute nicht mehr. Die Schrecken der Hitlerzeit haben ihn endgueltig in die politische Rumpelkammer ver trieben und selbst eine so zweifelhafte Persoenlichkeit wie Poujade leugnet seine antijuedische Einstellung. “Congress-Bulletin” Schreit, schreit, Ihr Muetter, schreit und tobt Und fuellt die Luft mit gluehendem Protest! Ihr Braeute, Schwestern, schuetzt mit Zaehnen und mit Krallen Die Kinder, die Ihr einstmals wollt gebaeren. Die maskenglatten Koepfe sitzen starr. Am gruenen Tisch und reden hohle Worte. Die Frau soll still und heldisch, duldend opfernd mit Traenen nur dem Wahnsinn folgen? Nein, schreit, Ihr Frauen, schreit und tobt, Und lasst Euch Eure Kinder, Maenner nicht ermorden! Lasst endlich Grenzen fallen; jede Frau und Mutter Ist Schwester jeder Frau und Leidensmutter. Gebt Euren Kindern mit der suessen Milch Erkenntnis ein, den Wahnwitz der Zerstoerung Frueh zu hassen. Gebt ihm nicht Platz im zarten Hirn. Zeigt Eurem eigen Fleisch und Blut, wie sinnlos und grotesk Die Heldenehrung ist, die nur auf Mord basiert. Steht auf und schreit und lasst den Irrsinn und das Chaos Nicht ueber diese schoene Erde kommen. Es ist nicht Zeit, die Haende nun zu falten Und still zu hoffen, dass es besser wird. IHR gebt der Welt die Kinder, —doch zum leben! Und nicht um sinnlos hingemaeht zu werden. Habt Mut und schreit, Ihr Muetter, laut und droehnend Eh’ es zu spaet und nur noch Traenen bleiben, Schreit auf, wie ihr bei der Geburt geschrien In offenem Protest und heil’gem Zorn, Schreit Alle auf, man muss Euch hoeren! K. G. FEINE MASS SCHNEIDEREI Manfred Engel Monjitas 825 Of. 204 Zwischenstock Fono 392430 Auch mitgebrachte Stoffe

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