Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1961)
- Date
- 1961-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 BOLETIN INFORMATIVO Noviembre 1961 EIN TAG DES GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 (Fortsetzung von Seite 1) kenntnisse und Sekten, Studenten, Sprachlehrer, Pastorengattinnen, Handwerker, beruflich geschulte Sachkenner des Alten Testaments wie Laien, und selbstverstaendlich auch Rabbiner und andere jüdische Schriftgelehrte waren aus ungefaehr saemtlichen Ecken und Enden des Erdballs herbeigeeilt: aus Südafrika wie aus Neuseeland, aus Finnland, Oesterreich und der Schweiz, Holland, Kanada, aus den Lateinamerikanischen Laendern, u. s. w. Zuguterletzt hatte sich noch ein Missionsschüler von der afrikanischen Elfenbeinküstc in seiner malerisch bunten Tracht eingefunden. Sie alle, zusammen 17 auslaendische Bibelkundige waren gekommen, um mit dem “Bibelmeister” Israels zu wetteifern, einem vor 14 Jahren aus der Weltabgeschiedenheit seiner jemenitischen Heimat hier eingewandterten Familienvater, der in bescheidensten Verhaeltnissen lebt, seine Tage und Naechte von früher Jugend an mit dem Studium der Heiligen Schrift und mit seinem phaenomenalen Gedaechtnis buchstaeb lieh saemtlicher, noch sr abgelegener Kapitel und Verse der Fünf Bücher Moses’, der Chroniken, der Propheten, der Psalmen Davids, der Sprüche der Vaeter als Sieger aus dem hiesigen Landeswettbewerb ¡hervorgegangen war. Er vor allem war es, Rabbi Jichje Alscheich, auf den sich zunaechst um etwa y2 9 Uhr abends die Blicke und Erwartungen von mehreren tausend Menschen richteten, die den grossen Saal des Gebaeudes füllten, der mit den Flaggen aller konkurrierenden Nationen und den Emblemen der 12 Staemme der Kinder Israel festlich geschmückt war. Die Juri nahm unter dem Vorantritt ihres Vorsitzenden, des Oberrichters und früheren Generaistaatsanwalts Chaim Cohen, am Podium gemeinsam mit einer Gruppe gelehrter Beisitzer Platz, die als “Berufungsinstanz” eingesetzt waren. Beifall brauste auf, als der Staatspraesident Ben Zwi und David Ben Gurion den Saal zu ihren Sitzen in der ersten Reihe durchschritten, die Bibel in der Hand. Fanfarengeschmetter folgte und Chorgesang, die Nationalhymme des Landes wurde gespielt, ein Psalm gesprochen, und dann begann die Prüfung der Wettbewerber, in der ersten Runde mit verhaeltnismaessig noch einfachen Fragen wie dieser: “Wo steht geschrieben, dass der Tempel in Jerusalem auch Fremden aus fernen Laendern zur Verrichtung von Gebeten offenstand?” Was Stunde um Stunde, bis um 2 Uhr nach Mitternacht in den drei, vorher sorgsam geplanten Ausscheidungsrunden folgte, führte nach und nach dazu, dass immer mehr der Teilnehmer “auf der Strecke blieben”. Die Fragen waren, je mehr die Nacht voranschritt, von Mal zu Mal komplizierter, verfaenglicher; laengst bezogen sie siich nicht mehr nur auf einzelne Bibelstellen, sondern verlangten von den Teilnehmern die Aufzaehlung von Kapiteln und Versen, in depen beispielsweise analoge Geschehnisse und Ideen behandelt, oder der selben biblischen Gestalten Erwaehnung getan wird. Da versagten selbst so ausgezeichnete Kenner wie der Schweizer Schriftsteller von Martinez oder der aus Wales gekommene Englaender Davis Gien Davies, der das Eingestaendnis seiner “Verlustpunkte” regelmaessig mit Bemerkungen von gelassenem Humor würzte. Aus der letzten, dritten, Runde waren Rabbi Alscheich und Señora Jolanda da Silva,, die Ehefrau eines adventistischen Seelsorgers aus Sao Paulo und Mutter von drei Töchtern, mit gleicher Punktzahl hervorgegangen. In einigem Abstand war ihnen als Dritter T. Goldmann aus Cincinatti gefolgt, ein an hiesigen orthodoxen Schulen erzogener “Bindestrich- Israeli”. Am Richtertisch setzten Beratungen ein, an denen Staatspraesident Ben Zwi und Ben Gurion bald lebhaft teilnahmen: ob man es damit bewenden lassen, und den Jemeniten sowie die Dame aus Brasilien zu zwei gleichrangigen Bibel - Weltmeistern erklaeren solle. Doch wurde schliesslich beschlossen, sie beide noch einem zusaetzlichen Examen zu unterziehen. “Nennen Sie sieben Bibel - verse, die von der Rückkehr Israels nach Zion bezw. vom künftigen Exil des Volks der Juden sprechen”, war die neue, die letzte Frage. Jolanda da Silva brachte es nur auf 5 Zitate, Alscheich liess keine der 7 Stellen aus, rezitierte sie aus dem Handgelenk mit einer fast roboterhaft wirkenden Exaktheit, in seinem orientalisch-kehligen Hebraeisch,.—und wurde unter ungeheurem Jubel damit zum Bibel-Weltmeister ausgerufen. Spontan eilte Señora da Silva zu ihm, um ihm ein Prachtexemplar des... Neuen Testaments noch dazu in jiddischer Sprache, von der der Jemenite kein Wort versteht in goldgepresstem Einband zu überreichen, Ben Gurion beglückwünschte ihn und die Konkurrentin aus Sao Paulo als zweite Preistraegerin mit überströmender Herzlichkeit; er schüttelte dem Raw minutenlang die Hand, klopfte ihm begeistert auf den Rücken und umarmte Señora da Silva mit vaeterlichen Küssen. Ihr als der eigentlichen Heldin dieser langen Bibelnacht wurde am Tag darauf neben der silbernen Medaille, die sie um 1/2 3Uhr morgens erhalten hatte, eine weitere kostbare Medaille aus Gold überreicht. Damit hatte ein Tag des alten Ben Gurion, des Ministerpraesidenten im Wartestand, seinen Abschluss nach etwa 19 Stunden unentwegter Taetigkeit gefunden, wacher Anteilnahme an den zeitgebunden politischen Geschehnissen wie an diesem, symbolisch in die Zukunft weisenden Begebnis des Bibel-Wettbewerbs. Ob er sich in der gleichen Nacht, vor Morgengrauen, mit seinem Hubschrauber noch nach Sde Boker zurückbegab, wurde nicht berichtet. Aber zuzutrauen waere es “Mr. Israel’’ durchaus und durchum. Gesetzt den Fall, man gehe einmal, mit festem Willen kein Geld auszugeben, harmlos heiter durch die Stadt spazieren. Man betritt keinen Laden, geht blind an der Verfuehrung der Auslagen vorueber, setzt keinen Fuss in eine Conditorei oder ein Theater. Also bitte, nur ein Strassenbummel und sonst garnichts, aber den mit allem, was er bietet, fordert, verlangt. Wir haben Glueck, einen Parkplatz fuer unser Auto zu finden und weit und breit keinen Schutzmann zu sehen, der uns diese kleine erste Freude mit kategorischem, aber durch keinen sichtlichen Vernunftsgrund zu erklaerendem: AQUI NO¡¡ verweigert. Tuere zu und auf zum Bummel ¡ ¡ Noch ist die Kostuem- Jacke nicht richtig zugeknoepft, kommt schön die erste Strassen-Forderung in Gestalt eines voellig verdreck ten, aber ruehrend huebschen Bengels, der mit flehender Stimme sein inflatorisches Spruechlein murmelt: Señorita, un EsCudito¡ “Er ist zu jung, um die Bettelnorm seiner Mutter, uh chiquito, por el amor de Dios” gekannt zu haben, erinnert sich wohl nur schwach an die Bitten seiner aelteren Geschwister, die ueber den “diececito”, der “chauchita” zum “pesito” gelangt waren. Die ihm gegebenen 50 Pesos werden mit einem veraechtlichen “Pah” quittiert. An der ersten Ecke rasselt die taegliche Sammelbuechse, von Schulkindern oder gelangweilten “Ninas de la Soöiedad” geschuettelt. Man hat kein Kleingeld (die ueblichen 500 Pesos) gibt also einen braunen Lappen. Zwei weitere Ecken umsegelt man sicher mit dem vorgezeigten Ansteckzettelchen, an der dritten Ecke hat man es verloren und zahlt von neuem seinen Obulus. . Diesmal steckt man sich das Etikettchen fester, sicherer und selbst an. “Ganchos, ganchos pa’ la ropa¡¡ “Das koennte (man eigentlich ausnuetzen; sie sehen stabil und huebsch aus und fehlen immer und in jedem Haushalt. Einmal den Handel angefangen, gibt es keinen Ausweg mehr, ihn zu vermeiden. Der gechaeftstuechtige Haendler laeuft drei Cuadras neben uns her, langsam und stoehnend den Preis senkend, bis sein Opfer, verlegen und muede, das stoerende, unbequeme Paket im Arm und 1,80 Escudos weniger in der Tasche hat. (Zu Hause stellt man dann fest, dass die Metallhacken aus duennem Draht und ohne jegliche Gewinde, von 6 Holz buegeln 4 gesprungen sind und die ganzen Dinger im Laden an der Ecke genau ein Drittel weniger kosten). So, nun geht’s erst mal zur Post. Ein dicker Brief liebster Verwandter wird gleich auf einem sonnigen Plaetzchen der Plaza gelesen, und —bevor ' man noch Zeit hat zu protestieren— wichst ein flotter Lustra-botas an unseren Schuhen herum. Ihr Hochglanz ist 300 Pesos wert, und wir entschreiten stolz in polierter Pracht. (Dass es sich um Wildlederschuhe handelt, i s t persoenliches Pech. In der naechsten Strasse besehen wir uns neugierig das neueste Modell eines schnittigen Sportcabriolets, das zur An und Aufregung der Interessenten am Strassenrand steht. Ein toller Wagen!! Fuer nur EINEN Escudo koennte man ihn, mit etwas Glueck, (und warum eigentlich nicht!! gewinnen. Es gibt im Ganzen ja nur 20.000 Loose, was ist das schon gross!‘Also, gewagt ist schon halb gewonnen. Gut verwahrt im Handtaeschchen, wird die stolze Hoffnung 3 Monate lang aufgehoben. Ist es nicht ein erhebendes Gefuehl, sich als Quasi-Besitzer eines so prachtvollen Wagens zu sehen? Dass es 19.999 Anderen genauso geht, st.oert uns nicht. Sieh mal da, wieder eine neueroeffnete Passage mit reizenden kleinen Laeden, einem Kellerkino, sogar einem Aussen-Cafe mit aparten Moebelchen. Man durchbummelt sie vergnuegt und verlaesst sie am anderen Ende mit a) einem neuartigen Taschenkamm (500.— Pesos). b) 6 Nylonbeutelchen fuer Mottenkugeln (600— Pesos). c) einem hypermodernen Kugelschreiber, der gleichzeitig Feuerzeug, Rechenschieber und Taschen Rasierapparat (3.— Escudos) komisch, vor fuenf Minuten hat er noch funktioniert) und d) 2 Dutzend Kragenstaebchen, die sehr praktisch aussehen, aber schwerlich in die Hemden des Ehemannes passen (200,- Pesos). Bitte, man ist keineswegs seinem Prinzip, heute keinen Laden zu betreten, untreu geworden. Das gab es alles auf der Strasse zu kaufen! Man schaemt sich ein wenig seiner vielen Pakete und gibt dem blinden Musiker und der weinenden Mutter mit ihrem uebergrossen Saeugling an der naechsten Ecke gerne ein Scherflein. Nein, wirklich nicht zur Beruhigung des Gewissens. Klick! — schon hat uns der Strassenphotograph auf seiner Platte. Uebermorgen ist das Bild fertig und wird frei Haus geliefert. Natuerlich ist es ausgezeichnet geworden, gerade diesem Knipser ist noch nie ein Bild misslungen. Der Rabatt auf 6 Aufnahmen ist erheblich, man koeh/ite die ganze Familie ueberraschen. (Die Haupt-Ueberraschung ko’mmt in circa 14 Tagen, wenn man in der Handtasche ein vergessenes, voellig nutzloses Papierchen, natürlich ohne Adresse, findet und sich an den Knips- Moment, aber ohne “sichtlichen” Erfolg, erinnert.). Jetzt ist man muede und schleppt sich und seine erstandene Lastdie letzten Cuadras bis zum Auto. Wie nett, dass 2 Carabineros den Wagen bewachen! Auf unser dankbares Laecheln antworten sie reichlich trocken mit: “Sus documentos por favorj ‘Man durfte natuerlich doch an dieser Stelle nicht parken. Kostenpunkt: 5,- Escudos Erschwerender Faktor: ein total uebersehener Hydrant. Suma sumarum: 17,25 Escuditos, ein netter und “billiger” Nachmittag! (Als Entschuldigung fuer diese harmlose Plauderei sei erwaehnt, dass es sich dabei um eine wahre Begebenheit handelt. Nein, ich war’s nicht). K.g. ZUM TODE VON LEONHARD FRANK Der Schriftsteller Leonhard Frank ist am 18. August 1961, kurz vor. Vollendung seines 79. Lebensjahres, in München gestorben. Sein umfangreiches Prosawerk ist gepraegt von dem Kampf für die soziale Gerechtigkeit und das Gute im Menschen. Sein erstes Buch, der Roman “Die Raeuberbande” (1914), machte seinen Namen bekannt. Das Antikriegsbuch, das mitten im ersten Weltkrieg entstandene Manifest “Der Mensch ist gut”, wurde mit dem Kleist- Preis ausgezeichnet. Die Heimkehrer-Novelle “Karl und Anna” wurde spaeter dramatisiert. Im amerikanjschen Exil entstanden die Romane “Die Raumgefaehrten” (1934) und “Die Jünger Jesu” (1949). Im Jahre 1950 kehrte Frank nach Deutschland zurück und hatte einen seiner grössten literarischen Erfolge mit dem 1952 erschieaenen autobiographischen Roman “Links, wo das Herz ist”, ffM Sport PANTALONES CHAQUETONES NUEVO LOCAL NUEVOS MODELOS NUEVO CORTE NUEVAS TELAS HUERFANOS 1055 LOCAL 328 FONO 61998 | EX PERFUMERIA POTIN)