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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-11-01 · 11 (Noviembre, 1961) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
11 (Noviembre, 1961)
Date
1961-11-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Noviembre 1961 BUECHER UEBER (Fortszung von Seite 7) Zweifel offen lassen kann— auf die extensivste moegliche es wirklich noetig waere, mehr in das Material hineinzulesen, als es von sich aus Weise interpretiert (also ob her gibt) Gleichzeitig macht er allerdings sichtbar, welch v'eiter Kreis in der einen oder anderen Weise mit dem “geheimen” Vernichtungsprogramm zu tun hatte oder davon wissen musste —im Auswaertigen Amt, im Innenministerium, in der Militaerverwaltung der besetzten Gebiete— und wie wenig Anstrengungen aus diesem Kreis “korrekter” Beamter unternommen wurden, um dem Programm entgegenzuwirken. Wer sich freilich mit dem ganzen Umfang dieser “Mass nahmen” vertraut machen will, wird besser als zu Kempner zu dem grossen Werk von Gerald Reitlinger (4) greifen, dass zwar schon vor geraumer Zeit erschienen ist, aber noch immer die vollstaendigste, sachlichste und exakteste Gesamtdarstellung de nationalsozialistischen Judenpolitik oder doch ihrer letzten Phasen bleibt. Und als kurze, vor allem fuer Schulen bestimmte, durch die Auswahl weithin unbekannten Materials (auch Bildmaterials) und die leidenschaftslose, wenn auch v/ahrhaftig nicht teilnahmslose Darstellung hervorragende Einfuehrung in den Gesamtkomplex sei die Schrift des jungen Berliner Historikers und Politologen Wolfgang Scheffler (5) empfohlen. Eine Sonderstellung in der gesamten Eichmann-Literatur nimmt der grosse Bericht von Rudolf Kästner (6) ueber seinen Versuch ein, der SS in Ungarn das Leben einiger Hunderttausender von Juden “abzukaufen”. Kästner gehoert zu den wenigen Juden, die waehrend des zweiten; Weltkrieges mit Eichmann unmittelbar in Beruehrung gekommen waren. Man kennt aus seinen eigenen Darstellungen, denen Joel Brands und dem Bericht von Andreas Biss die Geschichte jenes hartnaeckigen Ringens hinter den Kulissen, die schliesslich — nicht ohne Schuld des Auslands— nur mit kleinen Teilerfolgen endete. Es ist erregend den Bericht eines der Hauptbeteiligten an diesem Unternehmen zu lesen, von dem selbstverstaendlich niemand die Gelassenheit und Distanz des Historikers erwarten darf, der aber zeigt, mit welcher Unermuedlichkeit und Leidenschaft der spaeter in Israel von einem Fanatiker ermordete Mann darum kaempfte, so viele seiner Volks und Glaubensgenossen wie moeglich vor der una bwendbar scheinenden Vernichtung zu bewahren. Schliesslich ist noch auf zwei Buecher hinzuweisen, die sich mit den Versuchen —den missglueckten und den schliesslich erfolgreichen— bese haeftigen, Eichmann nach dem Krieg aufzuspueren, und der irdischen Gerechtigkeit zuzufuehren. Der “Tatsachenbericht” von Simon Wiesenthal (7) liest sich ueberaus spannend, wirkt aber einigermassen “romancé” im Stil von Illustrierten- Serien und verstimmt durch das allzu sichtbare Bemuehen des Verfassers, seine eigene Rolle in der “Jagd” auf den Verschwundenen, zu glorifizieren. Viel nuechterner —und eben deshalb viel ueberzeugender—, ohne alle kolportagehaften Elemente, schildert der fruehere israe- 1 i s c h e Pressechef Moshe Pearlman, die Geschichte— die vielfach verwickelte, an Enttaeuschungen reiche Vorgeschichte —der Auffindung, Identifikation und Festnahme Eichmanns (8) Seine Darstellung scheint— bis auf einige aus diplomatischen Ruecksichten wohl bewusst offen gelassene oder ver- DIE NAZI-JAEGER (Fortsetzung von Seite 5) Nicht wenige dieser Prozesse werden in Hessen stattfinden, dessen Generalstaatsanwalt Dr. Bauer, der Hand in Hand mit der Zentrale arbeitet, der grosse Experte der Anklagevertretung gegen Naziverbrecher ist. Ich suchte ihn in seinen Amtsraeumen in Frankfurt am Main auf. ‘Natürlich haben wir die Protokolle des Eichmann - Prozesses sorgfaeltig studiert”, sagte Dr. Bauer, “aber sie haben uns nichts gesagt, was wir nicht schon vorher wussten. Alle Namen, die erwaehnt wurden, waren in unseren Akten, und soweit wir die Beschuldigten fassen konnten, sind die Verfahren gegen sie in Vorbereitung. Vom Standpunkt der Geschichte aus hat der Prozess gewiss ein grosses Werk getan; seine juristischen Enthüllungen waren nicht so eindrucksvoll”. Dr. Bauer, der mit seiner grauen Maehne wie ein Künstler aussieht, hat eine Belohnung von 20.000 DM für die Ergreifung des Auschwitz-Arztes Dr. Josef Mengele ausgesetzt. Aber er ist hinsichtlich der Erfolgschancen skeptisch. “Mengele ist ein Mann, der über ungeheure Geldmittel verfügt”, erklaert der Generalstaatsanwalt, “seine Familie sind reiche Industrielle, deren Einfluss und Beziehungen über die ganze Welt reicht. Deshalb wird er leicht überall Unterschlupf finden”. schieierte Einzelheiten —unter den vielen oft widerspruchsvollen Berichten ueber die Aktion zugleich die vollstaendigste und authentischste zu sein. GESAMMELTE WERKE VON ELSE LASKER-SCHULER Die gesamme It en Werke der Dichterin Else Lasker-Schüler (1875-1945) werden im Koesel-Verlag, München veroeffentlicht. Nachdem 1959 als erster Band “Gedichte 1902- 1943” erschien, tour de kürzlich der dritte Band “Verse und Prosa aus dem Nachlass” herausgebracht (178 S., 11,80 DM), Dieser von Werner Kraft herausgegebene Nachlassband umfasst Frühfassungen. Varianten, Entwürf e und Fragmente von Gedichten, einige Essays und Briefe sowie Auszüge aus dem Schauspiel “Ich und Ich”, fer ner Gedichte aus den Jahren 1899 bis 1926, dis bisher in keiner Buchausgabe enthalten sind. Der zweite Band der Werke, “Prosa und Schauspiele”, ist in Vorbereitung. Else Lasker- Schüler erhielt, nachdem sie laengst als eine führende Lyrikerin vor allem des deutschen Expressionism u s bekannt geworden war, als erste öffentliche Anerkennu n g den Kleist-Preis 1932. Ein Jahr spaeter, 1933, wurde sie aus Deutschland ausgewiesen, und lebte dann in der Schweiz, in Ägypten und Israel. (1) Robert Pendorf — “Moerder und Ermordete, Eichmann und die Judenpolitik des Dritten Reiches ’’Band 6 der Reihe” Das aktuelle Thema “Ruetten & Loening Verlag — Hamburg. (2) Albert Wucher — Eichmanns gab es viele. Ein Dokumentarbericht ueber die Endloesfting der Judenfrage” — Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Naohf. — Muenchen. (3) Robert W. M. Kempner — “Eichmann und Komplizen” — Europa Verlag, Zuerich. (i) Gerald Reitlinger — “Die Endioesung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas” — 3. Aufl. Colloquium Verlag, Berlin. (3) Wolfgang Scheffler — “Judenverfolgung im Dritten Reich 1933-1945”, Colloguium Verlag, Berlin. (®) —— “Der Kästner Bericht ueber Eichmanns Menschenhandel in Ungarn “Vorwort von Prof. Dr. Carlo Schmid — Kindler Verlag, Muenchen. (i) Simon Wiesenthal — “Ich jagte Eichmann, Tatsachenbericht” — SM Muecher Bd. 46 Sigbert Mohn Verlag, Guetersloh. (8) Moshe Pearlman — “Die Festnahme des Adolf Eichmann”, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. (“Der Monat”) Der Ofen von Lublin Es steht ein Ofen, ein seltsamer Schacht, ins Sandfeld gebaut, bei Lublin; es fuehrten die Zuege bei Tag und bei Nacht das Roestgut ir> Viehwagen hin. Es wurden, viel Menschen aus jeglichem Land vergast und auch noch lebendig verbrannt im feurigen Schacht von Lublin. Die flattern Hessen drei Jahre am Mast ihr Hakenkreuz ueber Lublin, sie trieb beim Verscharren nicht aengstlichc Hast, hier galt es noch Nutzen zu ziehn. Es wurde die Asche der Knochen sortiert, in jutene Saecke gefuellt und plombiert als Duengcr gefnehrt aus Lublin. Nun flattert der fuenffach gezackte Stern im Sommerwind ueber Lublin. Der Schacht is erkaltet; doch nahe und fern legt Schwalch auf die Laender sich hin, und fortfrisst, solang nicht vom Henkerbeil faellt des letzten Schinderknechts Haupt, an der Welt die feurige Schmach von Lublin. THEODOR KRAMER (1945) Leben der Illegalen Von Wutanfaellen rings umgeben, Von Elend und von Dummheit roh umstellt: So fuehrt durch Hass und Angst dein Leben, Einst hiess man Hoelle sie, jetzt heisst sie Welt! Von Angst umflackert und von Hass umschrien, Von Mordlust upfl von Braenden rot umloht, Musst du gefaehrlich deine Strasse ziehn. Fuehrt sie aus dieser Hoelle in den Tod? Einst hiess man Hoelle sie, jetzt heisst sie Welt! Die Einsamkeit ist scharf und der Verdacht, Es schlaegt das Herz sich blutig jeden Tag. Bei jedem Turmuhrschlag, in der Nacht Fragst du, wie lang die Hoelle sich noch halten mag? Einst hiess |man Hoelle sie, jetzt heisst sie Welt! So fuehrt durch Mord und Not dein Leben, In das die leise Wache dich gestellt. Wird es fuer uns nie einen Himmel geben? Einst hiess man Hoelle sie, jetzt heisst sie Welt! GUENTHER WEISENBORN a!940) HERODES-UND PABLO CASALS Vors Herbert Freeden (Jerusalem) Israel hat wieder einmal eine archaeologische Sehenswürdigkeit zu praesentieren. Zwar keine von wissenschaftlicher Tragweite, wie etwa die jüngst gefundenen Rollen des Toten Meeres, aber eine von grosser Schönheit und von... gesellschaftlichem Interesse. In der alten römischen Hafenstadt Caesarea wurde in dreijaehriger Arbeit das grosse Amphitheater ausgegraben. Vor fast 2.000 Jahren hatte hier König Herodes ein 4.000 Sitze fassendes Theater bauen lassen, in dem Wagenrennen stattfanden, Gladiatoren um ihr Leben kaempften und gymnastische Spiele veranstaltet wurden. Schon die alten Chronisten erwaehnen, dass dieses Theater durch seine besondere Lage gekennzeichnet war: die geschwungenen Reihen seiner Tribünen erhoben sich direkt am Meer, und waehrend auf der Arena die Circenses tobten, hatten die Zuschauer eine weite Sicht auf die See. Nichts ist mehr vom XJetriebe der einstigen Hafenstadt, vom Sitz der Caesaren geblieben, als ein paar Torsos von Statuen und die Silhouette der Bucht, in der man schon lange versunkene Schaetze vermutet hatte. Das nunmehr frei gelegte Amphitheater ist nur eine Perle im Diadem des alten Königssitzes, aber es erstand zu neuem Glanze bei einer ganz besonderen Gelegenheit; bei den I n ternationalen Musikfestspielen. die jetzt in Israel zum Abschluss gekommen sind. Zwar sind seine Sitzreihen staubig, verfallen, zum Teil abgebröckelt und eingestürzt, und die Zuhörer wurden gewarnt, dass die Festspielleitung für keinerlei Schaden an der Kleidung auf kommt, aber das hielt keinen der zwölfhundert geladenen Gaeste ab, Maestro Pablo Casals Cellospiel zu hören. Anstelle von Herodes’ Gladiatoren Getümmel erklang Bachs Sonate in G. und die grossartige Akustik der römischen Architektur sorgte d a f ü r, dass auch nicht eine Nuance verloren ging, trotz des Rauschens der Brandung und des Windes vom Meere. Das Erscheinen des85jaehrigen Maestro im Theater von Herodes ist nicht nur ein musikalisches, sondern auch politisches Ereignis. Wie seinerzeit der Italiener Toscanini jedes Kompromiss mit dem Faschismus ablehnte, hatte der Spanier Casals sein Heimatland verlassen, als die Loyalisten dem Gewaltstreich General Francos unterlagen, und seitdem hat er keinen Fuss nach Spanien gesetzt. Er tritt auch niemals in einem Land auf, mit dessen politischer Haltung gegenüber der Würde und Freiheit des Individuums er nicht voll einverstanden ist. Sein Auftreten stellte somit ein Kompliment für die junge Demokratie Israels dar. Ein paar Tage spaeter, vor seiner Abreise, traf' man ihn noch einmal - diesmal im Walde von Jerusalem. Er hatte sein Cello beiseite gelegt und eine Schaufel in der Hand - dort pflanzte er einen Setzling zu Ehren seines Freundes und Kollegen, des Geigers Isaac Stern, in dessen Namen dort ein Hain entsteht. “Wenn es in diesen Baeumen nicht singt und klingt, dann gibt es keine Musik in Waeldern”, sagte der Altmeister und strahlte aber das ganze Gesicht. mHü Mmw Sä * .,> M msm v r ' I »f: A - Amphitheater von Caesarea Pablo Cassais M.

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