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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-11-01 · 11 (Noviembre, 1961) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
11 (Noviembre, 1961)
Date
1961-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Noviembre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 7 BUECHER UEBER EICHMANN KADDISCH Rot schreit der Mohn auf Polens gruenen Feldern, In Polens schwarzen Waeldern lauert Tod, Verwest die gelben Garben. Die sie gesaet, sie starben. Die bleichen Muetter darben. Die Kinder weinen: Brot. Vom Nest verscheucht, die kleinen Voegel schweigen. Die Baeume klagen mit erhobnen Zweigen, Und wenn sie fluesternd sich zur Weichsel neigen, Gen Osten wehen ihren truebön Psalm In baertger Juden betender Gebaerde, Dann bebt die weite, blutgetraenkte Erde, Und Steine weinen. Wer wird in diesem Jahr den Schofar blasen Den stummen Betern unterm fahlen Rasen, Den hunderttausend, die kein Grabstein nennt, Und die nur Gott allein bei Namen kennt. Sass er doch wahrlich strenge zu Gericht, Sie alle aus dem Lebensbuch zu streichen. Herr, moeg der Baeume Beten dich erreichen. Wir zuenden heute unser letztes Licht. MASCHA KALEKO (1945) 'OBERLAENDER UND GLOBKES' IN DER DEUTSCHEN OSTZONE Im Hinblick auf die Angriffe, die von den kommunistischen F ü h re r n der Deutschen Demokratischen Republik (Ostzone)' staendig gegen Westdeutschland gerichtet werden, ist die Veröffentlichung eines b e kannten New Yorker “Columnisten”, Fulton Lewi: jun., von Interesse, Treffen seine Behauptungen zu so zeigt sich, dass auch diö D. D. R in reichlichem Masse über ihre “Globkes und Oberlaender” verfügt. In seiner Darstellung behauptet der in Amerika vielgelesene Journalist folgendes: Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung “Neues Deutschland”, die das amtliche Sprachrohr der ostdeutschen Kommunisten ist, Günther Kretzscher, gehörte der NSDAP mit der Mitgliedsnummer 4.532.251 an. Einer seiner Berufskollegen aus Deutschland, Hans Ost, der Herausgeber dei “Deutschen Aussenpolitik”. gehörte im Jahre 1933 ebenfalls zu den "Maerzgefallenen”, mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 2.657.972. Zu den führenden ostdeutschen Propagandisten von heute zaehlt Kurt Belche, dem nach Kriegsende laengere Zeit der Wiederaufbau des Zeitungswesens in der sowjetrussischen Besatzungszone unterstand. Seine NS-Mitglieds n u m m e r ist 8.634.832. Horst Derbler-Andrew, Leiter des Radio-Sendedienstes im ostdeutscher, Ministerium für Informatior und Propaganda, war “Pg” seit 1930, mit der Mitgliedsnummer 237.435. Der Direktor des ostdeutschen “Verlags der Nation” Guenther Hoppe, Mitglied des Fraesidialbeirats de Kulturchaffenden in der Deutschen Demokratischer Republik, verfügte in der Hitlerzeit über eine NS- Mitgliedskarte mit der Nummer 7.311.783. Der Praesident des Obersten Gerichts in der Ostzonenrepublik, Kurt Schumann, war seinerzeit ein bekannter nazistischer Anwal1 und Nazirichter; seine Mitgliedskarte trug die Nummer 5.777.794. Prof. Herbert Krüger, der als Rektor dem Walter Ulbricht-Institut für Gesellschafts- und Rechtswissenschaft, einer Hochschule in Babelsberg vorsteht, und zu den kommunistischen Star - Anwaelten gehört, war SS-Mann und spaeter dem Reichssicherheitshauptamt der Nazis zugeteilt; seine Mitgliedskarte traegt die Nummer 5.384.346 F. Lewis erwaehnt unter Nazis, die in der D. D. R. heute Schlüsselpositionen einnehmen, ferner u. a. Kurt Saeuerlich, der der NSDAP 1930, der SS im Jahre 1937 beitrat und Stellvertretender Chef der Dresdner Ortsbehörde des Reichssicherheitshauptamtes war. Ausserdem nennt er Ernst Grobmann, Mitglied des Zentralausschusses der SEP (ostdeutsche Kommunisten). Grobmann habe einem der Totenkopf-Verbaende als Offizier angehört und im KZ- Lager Sachsenhausen Dienst getan. Als weitere frühere .Mitglieder der NSDAP bezeichnet der amerikanische Journalist u. a. i. Dr. Max Himmel tenberg (?), den jetzigen Protokollchef des ostdeutschen Aussenministeriums, ausserdem Paul Kalutsche (?), einen Delegierten des Provinzial-L andtags von Leipzig, Heinrich Hohmann. Mitglied der ostdeutschen Volkskammer und Dr. Adolf Otto vom Praesidium des ostdeutschen “Friedenscommites”. (Semana Israelita) Adolf Eichmann, SS-Ober - sturmbannfuehrerwas dem militaerischen Rang eines Oberstleutnants entspricht - und Leiter des Referats IVB4 (J u d e n r eferat) im Re ichssicherheitshauptamt, ist zum Inbegriff und zur Verkoerperung jener mit büre a ukratischer Systematik betriebenen Mordaktion geworden, die im nationalsozia- 1 i s tischen Sprachgebrauch euphemistisch als “Endloesung” der Judenfrage umschrieben wurde. Er war, obwohl von Rang nur ein verh a e 1 tnismaessig “kleiner” Funktionaer innerhalb einer riesigen, hierarchisch gestuften Maschinerie, von seinen Vorgesetzten - Heydrich und Kaltenbrunner als Leitern des Reichssicherheitshauptamtes und SS-Gruppenfuehrer Heinrich Mueller als Chef des Amtes IV (Gestapo) in dieser Behoerde - mit umfassenden Vollmachten fuer die Vernichtung des gesamten Judentums im nationalsozialistischen Machtbereich ausgestattet worden, die er mit der Genauigkeit und dem Eifer eines strebsamen, sein e r Aufgaben ergebenen Kanzleibeamten ausnuetzte, um den Willen des “Fueh rers” zu vollstrecken und einige Millionen Menschen juedischer Abstammung den Vernichtungslagern im “Generalgouvernement” und den dort aufgestellten Gaskammern zuzufuehren. Fuenfzehn Jahre nach Kriegsende wurde er in Argentinien, wo er in kleinbuergerlich-bes c h eidenen Verhaeltnissen unter dem Namen Ricardo Klement untergetaucht war, von israelischen Agenten ueberwaeltigt und nach Israel geschafft, wo er sich gegenwaertig vor Gericht fuer seine Taten zu verantworten hat. Es mag einigermassen merkw uerdig erscheinen, dass gerade dieser denkbar durchschnittliche, als Persoenlichkeit voellig unbedeutende und uninteressante Mensch, zum “Helden” einer ganzen, immer mehr ins U n u ebersehbare anschwellenden Literatur wird (waehrend zum Beispiel nach seinem Chef, dem nach Kriegsende ebenfalls vers c h w u n denen moeglicherweise noch heute .untergetaucht febenden Heinrich Mueller anscheinend kein Hahn mehr kraeht und selbst sein Name weithin unbekannt geblieben ist. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass die intensive Beschaeftigung mit der Person Eichmanns dazu fuehrt, diese subalterne Figur zum “Suendenbock” zu stempeln und ihm eine Vera n t w o r tung anzudichten, die er, der gehorsame Befehlsvollstrecker niemals empfand: Seine Verteidigung, er habe nur Befehle p f 1 i chtgetreu ausgefuehrt, trifft auf eine Weise wirklich den Kern der Sache. Das mindert nicht seinq strafrechtliche Verantwortlichkeit. Aber das wahrhaft Erschreckende, dass der Eichmann-Prozess exemplarisch dartun duerfte, ist nicht die Unmenschlichkeit eines sadistischen Massenmoerders —Kästner nennt ihn ein “Ungeheuer”— sondern die eines Systems, in dem der Mord an Millionen k o r r e kt-geschaeftsmaessig von “pflichtgetreuen” Beamten am Schreibtisch geplant, organisiert und “Einsatzfreudig” durchgefuehrt wurde, als handle es sich um “normale” Aufgaben der Verkehrsregelung'oder der Gesundheitspolizei. Bezeichnend ist, dass Eichmann in all den vielen Buechern die sich mit ihm, mit seiner Rolle im Hitler Reich und mit der 15 jaehrigen Jagd auf seine Person nach dem Zusammenbruch dieses Reiches beschaeftigen, immer eine voellig schattenhafte Figur bleibt. Am ehesten noch gewinnt er glaubhafte Umrisse in dem mit angestrengter Sachlichkeit geschriebenen Baendchen von Robert Pendorf (1) —vor allem deshalb, weil der 33 jaehrige Autor die Mentalitaet des Mannes durch ausführliche Zitate aus seinen Memoiren z u illustrieren vermag— nicht aus den in Life auszugsweise veroeffentlichten, sondern aus einem 1955 in Buenos Aires begonnenen Manuskript, das Pendorf einsehen konnte. Mehr als andere Verfasser bemueht sich Pendorf darum, alle erreichbaren Faktoren zu beruecksichtigen, um die Rolle, die Eichmann in der Judenpolitik des “Dritten Reiches” spielte, ohne Uebertreibung abgrenzen zu koennen. Eichmann erscheint bei ihm nicht als der “Henker” sondern als der “Spediteur des Todes”, der sich um die ‘Erfassung” und das Einsammeln der Opfer kuemmerte —selbstverstaendlich in genauer Kenntnis' dessen, was mit ihnen geschehen sollte— aber es selber wahrscheinlich machen kann, dass er keinen einzigen direkten “Toetungsbefehl” unterschrieben habe, und der sich in seiner nachtraeglichen Rechtfertigung noch etwas darauf zugute tut, dass er, nachdem er einer Exekution von Juden —mit Frauen und Kindern— durch ein “Einsatzkommando” zugesehen und das Blut und die Gehirnspritzer eines ein bis zwei jaehrigen Kindes von seinem Ledermantel “entfernt” hatte, sofort nach Berlin fuhr, um seinen Vorgesetzten Mueller” zu fragen ob es nicht moeglich sei, eine humanere Methode anzuwenden. “Die” humanere Methode” - das waren die Gaskammern, die wenig spaeter in Auschwitz errichtet wurden. Mit Recht sieht Pendorf das Charakteristische an den Verbrechen Eichmanns gerade in dem blinden Gehorchen, in dem Widerstands — und widerspruchslosen “Mitmachen”. Und mit Recht sieht er darin die “Schuld die Tausende und aber Tausende auf sich geladen haben”— jene Tausende, die “unsichtbar mit Eichmann vor Gericht stehen”. Albert Wucher geht vom gleichen Gedanken aus, wenn er ueber seinen Dokumentarbericht “Eichmanns gab es viele” (2) setzt. Auch Wucher betont die “unbedeutende Persoenlichkeit” des Mannes, der selbst im Dienst den Kleinbuerger nie verleugnet habe, sein Misstrauen, seine Aengstlichkeit und die buerokratische Gewissenhaftigkeit (welch ein makabres Wort in diesem Zusammenhang) die ihn veranlasste, ueber jede Unterredung mit einem Vorgesetzten sogleich eine Aktennotiz anzufertigen, um sich auf jeden Fall zu “decken”. Aber der besondere Wert dieses Bandes liegt eben darin, dass Eichmann hier ganz und gar als Repraesentant eines Systems erscheint, dass sich selber in Auschwitz erfuellte und dessen Verbrechen nichts als der Ausfluss eines zutiefst inhumanen Geistes waren: Die Zitate von Ausspruechen fuehrender Nationalsozialisten, die jedem Kapitel als Motto vorangesetzt sind, stellen die unmittelbare Verbindung zwischen diesem “Geist” der Staatsfuehrung und den Greueln ihrer Exekutivorgane her. Ganz und gar “dokumentarisch” aufgebaut ist auch das grosse Buch von Robert M. W. Kempner (3), dem seinerzeitigen amerikanischen stellvertretenden Hauptanklaeger bei den Nuernberger- Prozessen. Kempner breitet eine Fuelle von Material — meist in faksimilierten Widergaben— aus, das die schauderhafte “Sachlichkeit” und Ordnungsliebe verdeutlicht, mit der die Vorbereitung und Durchfuehrung der “Endloesüng” mit Aktennummern, Amtsstempeln, Paragraphen, und all den Para phernalia bemuehter Verwaltungstaetigkeit in die Hand genommen und Land fuer Land durchgesetzt wurde —sofern nicht, wie in Italien Mussolini oder in D a e n e mark einheimische Dienststellen oder mutige Deutsche in die Speichen griffen, um das Rad der Vernichtung aufzuhalten. Lei,- der mindert Kempner die Wirkung, die er anstrebt, immer wieder dadurch, dass er die grauenvollen Dokumente, durch die sich niemand ohne Schauder hindurcharbeiten kann, breit kommentiert und durchweg —auch dort, wo der Wortlaut durchaus (Fortsetzung Seite 8) MEINER MUTTER Selten starb wie diese eine Frau, Selten auch hat eine so geschwiegen. Wann sie starb, ich weiss es nicht genau, Doch ich weiss, sie muss in Deutschland liegen. Jemand schrieb mir, und er schrieb nur kurz, Ueber viele Grenzen kam der Brief, Mitten in dem grossen Hoellensturz Als ich irgendwo durch Frankreich lief. Sicher hatte ich noch nicht verstanden, Was fuer immer mir verloren ging, Ach, es kam so viel uns schon abhanden, Woran mehr als nur ein Leben hing. Und wir werden muede, nachzuzaehlen, Tote gab’s genug in jeder Stadt, Doch um diese hier muss ich mich quaelen. Weil ihr niemand beigestanden hat. Und sie ging, weil nichts auf dieser Erde Und auch meine Hand sie nicht mehr hielt, Wie ein Tier, das abseits von der Herde Sich zum Sterben Legt, wenn es die Stunde fuehlt. Und so weiss ich nichts von ihrem Ende, Und man hat mir nichts von ihr bestellt, Ihres Daseins schimerz liehe Legende Geht nun immer mit mir durch die Welt. HANS SAHL (1940)

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