Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1961)
- Date
- 1961-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 7 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT DIE JUDEN IN LYBIEN Obwohl die Jischuwim Libyens zu den aeltesten Diasporasiedlungen g e h o eren, sind sie zahlenmaessig nicht sehr bedeutend, da die Feindseligkeit der arabischen Umwelt ihr Wachstum und ihre Konsolidierung staendig beeintraechtigt hat. Nichtsdestoweniger ist Libyen eine “empfindliche Stelle” der juedischen Landkarte und was dort vorgeht ist symptomatisch fuer viele andere Regionen. LAND UND LEUTE Das Gebiet Libyens umfasst rund 680.000 Quadratkilometer zwischen Marokko und Aegypten. Der groesste Teil des Territoriums ist Wueste und nur ein kleiner Streifen kann als fuer landwirtschaftliche Bearbeitung geeignet angesehen werden. Auf diesen 680.000 Quadratkilometern leben rund 1,2 Millionen Menschen, ein grosser Teil davon Nomaden oder Semi-Nomaden. Die groesste Stadt ist Tripolis mit ca. 175.000 Einwohnern (133.000 Libyern, 31.000 Italienern, 5.000 Auslaendern verschieder Nationalitaet und rund 4.000 Juden). Das Land teilt sich in drei geographische Zonen. Tripolitanien, Cyrenaica und Fezzan, jede von ihnen mit einer besonderen geschichtlichen Entwicklung und eigener ethnischer Zusammensetzung. So sind z. B. die Einwohner Cyrenaicas Araber, die von Fezzan und Tripolitanien Berber, waehrend der Rest von einer Mischbevoelkerung aus beiden Rassen bewohnt wird. Daneben weist die Libysche Bevoelkerung einen nicht unerheblichen Einschlag schwarzen Blutes auf. Am 18. Dezember 1951 wurde die Unabhaengigkeit des Landes, einem Beschluss der ONU entsprechend, proklamiert, nachdem es vor und waehrend des zweiten Weltkrieges italienische Kolonie war. Im Altertum bildete Libyen einen Teil des Imperium Romanum, spaeter gehoerte es zu Aegypten, um sodann von den Arabern, den Spaniern und endlich den Tuerken (1551) erobert zu werden. Unter der tuerkischen Herrschaft war Libyen praktisch unabhaengig und sein Nordteil errang traurige Berühmtheit durch die von Tripolis ausfahrenden Piraten, waehrend der Sueden von der “Kontrolle” der Karawanenwege durch die Wueste lebte. Seit der Unabhaengigkeit befindet sich Libyen in schwieriger wirtschaftlicher Lage. Sein Staatshaushalt haengt von den Subventionen und der Hilfeleistung Amerikas und Englands ab, da der Export noch nicht einmal ein Viertel der Einfuhr deckt. Von 1951 bis 1960 erhielt Libyen von den U. S. A. Hilfe in Hoehe von 170 Millionen Dollar, abgesehen von den grossen privaten Investitionen verschiedener amerikan i s c her Oelgesellschaften. Auch England hat bisher jaehrlich einen Teil des libyschen Etats gedeckt, ausser seinen Zahlungen zum Unterhalt der libyschen Armee unddes Polizeikorps. Dazu kommen die Ausgaben Englands fuer die etwa 5.000 im Lande stationierten britischen Soldaten. Die Hoffnungen, Petroleum zu finden und das Land so wirtschaftlich zu sanieren, haben sich bisher nicht erfuellt. DIE JUDEN Nach der Tradition lebten schon zu bilischen Zeiten Juden in Libyen. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass etwa vier Jahrhunderte vor unserer Zeit militaerische Expeditionen aus Israel das Land durchstreiften und aus dem letzten vorchristlichen Jahrhundert wissen wir von der Existenz einer bluehenden und organisierten juedischen Gemeinschaft, die sich am Krieg gegen die Roemer beteiligten. Spaeter, besiegt von Rom, hoeren wir von den tragischen Folgen des Aufstandes, der die Vertreibung fast aller Juden aus Cyrenaica zur Konsequenz hatte. In den folgenden Jahrhunderten stieg die Anzahl der Juden durch Einwanderung aus den benachbarten Laendern wieder an und zu Beginn unseres Jahrhunderts gab es vier wichtige Gemeinden und zwar in Bengazi, Amrum, Horna und Derna. Die Urspruenge juedischer Ansiedlung in Tripolitanien sind juengeren Datums. Erstmalig erscheinen Juden gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts in Sabrata, Oea und Leptis Magna. Tripolis selbst scheint bis um das Jahr 1000 unserer Zeit keine juedischen Einwohner gehabt zu haben, spaeter hoeren wir von einer dortigen Gemeinde, die rund Von N. R. Hof 800 Seelen umfasste. Erst nach der Eroberung durch die Tuerken werden die Nachrichten zahlreicher, und wir erfahren von vielen Juden, die wichtige Stellungen, besonders im Wirtschaftsleben und in den freien Berufen innehatten. Gegen 1850 gab es in Tripolis eine juedische Gemeinschaft von etwa 1.000 Familien mit 8 Synagogen, 4 Rabbi nern, verschiedenen Yeshivot und anderen sozialen und kulturellen Institutionen, neben zwei Schulen der Alliance Israelite Universelle. ' Die italienische Besetzung wirkte sich anfaenglich guenstig fuer die Juden aus, bis Italien begann, eine Politik der Foerderung der, arabischen Elemente zu treiben Zahlenmaessig jedoch stieg die juedische Bevoelkerung in diesen Jahren auf 29.166 im Jahre 1937, die sich nach Provinzen wie folgt verteilten: Tripolis .74.5%, Misurai 10,7%, Derna 2,6%, Bengazi 12,2%. In den Staedten Tripolis und Bengazi gab es organisierte Gemeinden, die denselben Status wie die Gemeinden Italiens hatten. In allen religioesen und familiaeren Fragen unterstanden die libyschen Juden den rabbinischen Gerichten. WIRTSCHAFTLICHE UND; KULTURELLE SITUATION Die wirtschaftliche Lage der Juden war mehr als schlecht. Nur etwa ein Drittel von ’ ihnen konnte sich a u s k o e mmlich ernaehren. Sehr viele hingen von oeffentüchen Wohlfahrtsorganisationen ab oder versuchten sich am Rande des Verhungerns durchzukaempfen. Ihre Lebensbedingungen waren mehr als primitiv. Sie wohnten in Erdloechern oder zerfallenen Huetten - Trachoma und andere Krankheiten waren endemisch. So gut wie alle waren sefardischen Ursprungs. Die meisten von ihnen sprachen Arabisch, wenngleich viele es mit hebraeischen Schriftzeichen schrieben. Eine verschwindende Minderheit benutzte das Hebraeische als Umgangssprache, besonders, nachdem im Jahre 1920 hebraeische Schulen in Tripolis und im Inneren gegruendet worden waren. Die Arabisch sprechenden Juden unterschieden sich kaum von ihren Nachbarn und hatten viele ihrer Gewohnheiten und Gebraeuche angenommen. So bedeckten die juedischen Frauen, ebenso wie die Araberinnen, ihr Antlitz mit dem Schleier. Das Heiratsalter war im Durchschnitt 12-13 Jahre fuer die Frau. Die Maenner rasierten sich die Koepfe bis auf ein Bueschel Haare, die sie stehen liessen, nicht wie ihre Nachbarn, damit die Engel sie daran zum Himmel emporheben koennten, sondern zum Gedenken an die Zerstoerung des Tempels zu. Jerusalem. Andere interessante Braeuche waren der Besuch der Graeber am Freitag, das Zerbrechen eines Eies am Tuerpfosten eines jungverheirateten Paares, das Begraben von Muenzen mit den Toten, um damit die boesen Geister zu besaenftigen. An den Yomim Noraim, waehrend sie Gebete auf arabisch sprachen, war es Sitte, Zukker in fliessendes Wasser zu sehuetten. DIE LAGE AB 1938 Die schon sowieso sehr prekacre Situation der libyschen" Jude nheit, verschlechterte sich zusehend ab 1938, als unmittelbare Folge der Bildung der “Achse”. Damals entschloss Mussolini sich, die Rassengesetzgebung in Tripolis einzufuehren. 1938 wurde den Juden die i t a Henische Staatsbürgerschaft entzogen. Ihre Gemeinden verloren den bisher innegehabten legalen Status und die kulturellen Institutionen wurden von den Behoerden geschlossen. Der Besitz von Geschaeften in den Europaervierteln wurde Juden untersagt und tausende von jungen Maenner mussten Zwangsarbeit leisten. Mit Kriegsausbruch verschlechterte sich die Lage weiter. Im Winter 1942-1943 wurden alle Maenner zwischen 17 und 42 Jahren in Konzentrationslager verbracht, waehrend Frauen und Kinder einer besonderen Gesetzgebung unterworfen wurden und, als ob dies nicht genug gewesen waere muss hervorgehoben werden, dass die Gemeinden durch die Kampfhandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. So wurde z. B. in Tripolis im Verlauf der Kaempfe um die Stadt das ganze Judenviertel zerstoert. Im zweiten Teil des Krieges war Libyen mit Ausnahme von Fezzan von britischen Truppen besetzt. Dennoch gab es im Maerz 1945 einen grossen Progrom in Tripolis, bei dem abgesehen von den sehr grossen Sachschaeden, viele Tote zu beklagen waren. Obwohl die Englaender eine gewisse materielle Hilfe leisteten, zeigten sie sich nicht bereit, die Anstifter der Unruhen exemplarisch zu bestrafen. 1948 und 1949 wurden die Judenviertel verschiedener Staedte neuerdings ueberfallen. Durch den Progrom und die wirtschaftliche Unsicherheit erlitt die juedische Gemeinschaft einen vollstaendigen oekonomischen Kollaps, sodass 1948 mehr als ein Drittel der Juden Tripolis und 5/8 der Juden des Inneren von auslaendischer Hilfe abhaengig waren. Mit dem Beginn der Kaempfe um Palaestina verschlechterte sich die Lage weiterhin. Die Feindseligkeit der arabischen Umwelt brachte den Rest des wirtschaftlichen Lebens der Juden ganz zum Stillstand und die Juden fluechteten aus dem Inneren in die grossen Staedte, wo sie sich unter dem Schutz auslaendischer Truppen ¡etwas sicherer fuehlten. Zur gleichen Zeit begann eine massive Auswanderung nach Israel, wo schon 1951 mehr als 32.500 Olim aus Libyen registriert waren. Nach der Unabhaengigkeitserklaerung ist die Auswanderung weiter gegangen, obzwar in sehr verringertem Umfang. Augenblicklich leben in Libyen noch etwas 3- 4.000 Juden, die meisten von ihnen in Tripolis. DIE LAGE HEUTE Die Gemeinden von Tripolis und Bengazi arbeiteten normal bis etwa 1959. Am Anfang dieses Jahres jedoch wurde die Gemeinde von Tripolis interveniert und ihre V erwaltungskoerperschaften aufgeloest. Die Autoritaeten versuchten ihr Vorgehen mit angeblichen Unterschlagungen oeffentlicher Gelder zu rechtfertigen und versprachen ein neues Gesetz, welches den legalen Status der Juden als vollberechtigte Staatsbuerger endgueltig verankern wuerde. Bis heute ist dies Gesetz noch nicht erlassen worden. 1960 wurden die Schulen der ¡Alliance Israelite ohne vorherige Ankündigung und ohne Angabe von Gruenden geschlossen. Im uebrigen haben die Juden Libyens bisher, wengleich unter strikter polizeilicher Ueberwachung, noch relativ ruhig leben koennen, obzwar der Post und Telegraphenverkehr mit Israel unterbrochen ist und auch viele soziale, kulturelle und sportliche Zentren schliessen mussten. Zur Beunruhigung gibt aber die immer staerker spuerbare anti juedische Propaganda Anlass, die von der VAR ausgeht und deren Traeger in erster Linie die vielen aegyptischen Lehrer sind, die die Schulen Libyens ganz durchsetzt haben. Diese Propaganda hat ihre Wirkung nicht verfehlt und so wurden seit Beginn dieses Jahres Stimmen laut, die die B e s c hlagnahme jeglichen juedischen Besitzes verlangen, damit dieser nicht von den “zionistischen Agenten” verwendet werden kann. (“World Jewish Congress”) RESTAURANT BAR GRIL1 Alle Arien von festlichen Veranstaltungen. Erlesen gute Küche für den verwoehntesten Geschmack. Unsere Terrasse erwartet Sie zum Te. Verlangen Sie Koslenvoranschlaege, die sich Ihren Moeglichkeiten anpassen. Telefon 82911 immer zu Ihren Diensten GESCHICHTE DER JUDEN IN FRANKFURT Aufruf zur Material-Sammlung - Der Magistrat der Stadt Frankfurt a/Main ist im Begriff, mit Hilfe einer aus Juden und Nichtjuden zusammengesetzten Kommission eine Schriftenreihe ueber die Geschichte der Frankfurter Juden in den letzten 150 Jahren herauszugeben. Zunaechst sollen persoenliche Berichte ueber Erlebnise waehrend der Naziherrschaft als wertvolle Beitraege zu dieser Geschichte gesammelt und nach Mcleglichkeit veroeffentlieht werden. Alle ehemaligen Frankfurter Juden, die jene Zeit miterlebt haben, werden gebeten, einen solchen Bericht niédérzuschreiben und ihn baldmöglichst der Sammelstelle bei der Wiener Library, 4, Devonshire Street, London, W. I, zu uebersenden. Der vorbereitende Ausschuss fuer die neuere Geschichté dér Frankfurter Juden: gez.: Rabbiner Dr. G. Salzberger, gres.: Simón Bischheim, gez,-. Heinrich Eisemann.